Spielberg in Medebach

168 Meter Tunnel, Brücken und Balanciergeräte

Über 168 Meter klettern oder durch Tunnel krabbeln und dabei die schöne Landschaft genießen – der neue Spielberg in Medebach. Foto: Berliner Seilfabrik

Es beginnt wackelig am Fuß des Brombergs. Ein großes Einstiegsnetz führt in einen baumhausartigen Turm. Und das ist nur der Anfang, der Anfang von Europas wahrscheinlich längster Kletteranlage für den öffentlichen Raum. 168 Meter lang, schlängeln sich verschiedenste Tunnel und Brücken, Balancierelemente und Gummimatten durch diverse Türme den Berg hinauf.

In Medebach, im Sauerland, einem Ferienort, der Wanderer im Sommer und Skifahrer im Winter anlockt, eröffnete Ende September 2015 offiziell "Aventura - der SpielBerg". Für den Spielbetrieb wurde die Anlage bereits einen Monat zuvor durch den TÜV freigegeben. Der neue "Spielplatz" befindet sich auf dem Gelände des ansässigen Center Parcs, einem Familienferiendorf, und ist für alle Besucher der Region und deren Anwohner kostenlos und frei zugänglich. Die Planung für den Bau einer großen Freizeitanlage im Ort reicht einige Jahre zurück. Der Sturm Kyrill hatte 2007 schwere Schäden im Gebiet hinterlassen. EU-Fördergelder unterstützen die Realisierung des Projektes. Die Idee der Kletteranlage hat ihren Ursprung bei den Elementen Wasser und Luft. Wie der Wind, der den Berg hinauf weht oder das Wasser den Berg hinab fließt, soll der Spielplatz am Hang in einem Lauf gestaltet sein. Realisiert wurde das Projekt durch das Landschaftsarchitekturbüro Gasse|Schumacher|Schramm aus Paderborn in Zusammenarbeit mit der Berliner Seilfabrik.

"Die Größenordnung ist etwas Besonderes. Die Anlage hat vor allem im Projektmanagement viel Aufmerksamkeit verlangt und im Bereich Technik und Produktion Kapazitäten gebunden. Die Herausforderung lag darin, diesen Großauftrag zu realisieren und dabei andere Aufträge und somit Kunden nicht zu vernachlässigen", erklärt Marius Kotte, Architekt und Leiter der Abteilung Konstruktion und Entwicklung der Berliner Seilfabrik. Geschafft wurde das, indem das Projekt in neun Segmente geteilt wurde. Jedes Segment wurde im Fertigungsprozess wie ein einzelner Auftrag behandelt. So wurde sichergestellt, alles termingerecht fertig zu stellen und dabei den Überblick zu behalten. Besonders ist außerdem, dass einige Neuheiten direkt im Projekt entwickelt wurden. Auch gestalterisch gab es bei bestehenden Produkten Veränderungen. So werden etwa die Verbindungselemente durch Böcke und Podeste miteinander verbunden. Hier ragen bis 9,40 Meter hohe Stahlpfosten in den Himmel.

Produktneuheiten sind unter anderem die Türme. Der höchste ist 7,80 Meter hoch. Die freie Fallhöhe überschreitet dabei nie das zulässige Maß von drei Metern. Im Inneren führen Netze den Besucher zu einer langen Spiraltunnelrutsche. Ein weiterer Turm fällt durch seine besondere Form auf. Hier kann man auf einem Aussichtsnetz liegend, die wunderschöne Landschaft von oben bestaunen. Diese Türme sind mit Bambuspaneelen verkleidet. Die Berliner verwenden Bambus, weil es langlebiger als Holz ist und zudem eine bessere Ökobilanz aufweist. Es ist ein Gras, das nachwächst, wenn es geerntet wird, im Gegensatz zu Baumholz.

In zwei Türmen hängen große Kugeln wie Kokons zwischen den Pfosten. Tellerförmige Netze erlauben den Zugang. Diese Elemente sollten möglichst transparent bleiben und trotzdem sicher sein. Dafür wurden sie mit engmaschigen Sicherheitsnetzen umschlossen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 10/2015 .

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