Kommentar

Die Qual mit der Zahl

Mechthild Klett, Redaktionsleitung von Stadt und Grün. Foto: Patzer Verlag

Gartenschauen machen Defizite, sogar regelmäßig und oft in Millionenhöhe. Finanziell erfolgreiche Gartenschauen sind häufig noch die Ausnahme. Defizite sind bei vielen Landesgartenschauen der Fall, aber auch die internationale gartenschau 2013, igs, verfehlte in Hamburg das Ziel von 2,5 Millionen Besuchern und es fehlten am Ende rund 30 Millionen Euro. Dann kommt es zur Qual mit Besucherzahl.

Die Ursachen sind vielfältig: oft fehlt ein ausgefeiltes Marketingkonzept, das ins Budget auch eingepreist wird. Es gibt hin und wieder unterschätzte soziale Vorbehalte gegenüber einem Stadtteil - etwa in Hamburg gegenüber dem Austragungsort Wilhelmsburg und auch das Wetter spielte mit Schneeschauern bis in den April nicht mit. Manchmal gibt es auch politische Scharmützel, die auf Kosten der BUGA ausgetragen werden. Beim Austragungsort Havelregion kamen 2015 noch die 80 Kilometer weit verstreuten Ausstellungsorte dazu. Statt 1,5 Millionen Besucher kamen 713 000, also weniger als die Hälfte.

Fachliche Kritik gab es an manchen Pflanzplänen, Besucherkritik gab es am teils mickrigen Catering. Trotzdem war die BUGA für die Region ein Erfolg, in die 40 Millionen Euro etwa für touristische Infrastruktur investiert wurden. Es haperte bei den 35 Millionen Euro für die Durchführung der Ausstellung, die über Ticketverkauf, Sponsoring, Spenden und Rechteverwertungen eingebracht werden sollten. Anstatt zu leicht durchschaubaren Rechentricks bei der Besucher- und Besuchen-Zahl zu verfallen, wäre eine frühe offensive Haltung beim Marketing unter Einbeziehung aller Beteiligten angezeigt gewesen. Fehleranalysen sind nie populär, und in der Öffentlichkeit schwierig zu kommunizieren. Aber man könnte ja von Anfang an politisch vertreten, dass so eine große Ausstellung auch gewünscht wird, wenn die Finanzierung nicht bei einer schwarzen Null landet. Intransparenz, hinter der man Mauscheleien vermuten kann, schaden der grünen Sache manchmal mehr als ein Defizit. Vielleicht muss ein Finanz-Puffer eingebaut oder von vornherein kleiner geplant werden. Und es braucht ein Alarmsystem, das fehlende Besucher nicht tabuisiert, sondern schnelle offensive Gegenmaßnahmen ermöglicht. Hoffentlich haben die künftigen Gartenschauen aus diesen Fehlern gelernt!

Mechthild Klett

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 02/2017 .

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