In Memoriam

Die TU Berlin erinnert an die Arbeit von Hans Loidl

Eines der wohl bekanntesten Projekte von Hans Loidl, der Lustgarten in Berlin. Foto: Kid Alex, CC BY-SA 3.0

Hans Loidl verstarb im Frühjahr 2015. Bis Anfang der 2000er-Jahre prägte er etwa zwei Jahrzehnte die Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität (TU) Berlin. Im Oktober vergangenen Jahres fand ihm zu ehren eine Veranstaltung an seiner ehemaligen Lehr- und Forschungseinrichtung statt. Zu diesem Anlass hielten Personen, die sich von ihm inspirieren, beeinflussen oder sogar prägen ließen, Vorträge. Initiiert wurde die von zahlreichen Gästen besuchte Veranstaltung "In-Memoriam-Hans Loidl" von den Fachgebieten der Landschaftsarchitektur an der TU Berlin, organisiert insbesondere von Cordula Loidl-Reisch, die das Fachgebiet Landschaftsbau-Objektbau leitet.

"Im Büro sagten seine Mitarbeiter, dass er in der Universität sei; in der Universität sagten seine Assistenten, dass er im Büro sei" - so berichtet es Martin Prominski augenzwinkernd in seinem Vortrag. Prominski, der heute das Fachgebiet Entwerfen urbaner Landschaften an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität vertritt, war ab Ende der 1990er-Jahre bis zum plötzlichen krankheitsbedingten Ausscheiden von Hans Loidl Anfang der 2000er-Jahre einer seiner Assistenten. Was anekdotisch klingt, vermittelt aber auch Menschen, die Loidl nicht persönlich kannten, unterschwellig etwas: Hans Loidl war offensichtlich viel unterwegs, vor allem scheint es so, dass er gedanklich unentwegt auf Reisen war; stets auf der Suche nach etwas, von dem zu Beginn der Suche nicht immer gesagt werden konnte, was genau herauskommen wird. Diese Ahnung wird durch das "Loidl-Skript" gestützt, indem Theorien aus unterschiedlichen Wissenschaften und Künsten dargestellt und Bezüge zur Landschaftsarchitektur hergestellt wurden. Die Suche wird aber auch durch die zahlreichen handschriftlichen Anmerkungen und Skizzen Loidls im Skript deutlich, die er neben den gedruckten Texten und Abbildungen schrieb und zeichnete. Mal sind es nachdenkliche, mal verschmitzte Anmerkungen und Skizzen, welche die behandelten Sachverhalte zu relativieren, zu betonen oder manchmal sogar in Frage zu stellen versuchen. Allein die Geste weckt beim Leser Interesse: Etwas, das ausformuliert ist, muss nicht sakrosankt sein, sondern es darf - es sollte sogar - überdacht werden.

In den Vorträgen wurden aber auch Themen vorgestellt, die heute nicht zuerst mit dem Verstorbenen in Verbindung gebracht werden. So berichtete Cordula Loidl-Reisch von Hans Loidls vegetationstechnischen Arbeiten, die exemplarisch für seinen Anspruch stünden, etwas vom "Konzept bis zur Ausführung" zu bringen. Stefan Bernard, Landschaftsarchitekt aus Berlin, verwies hingegen auf die gemeinsame Zusammenarbeit zum Buch "Freiräume(n). Entwerfen als Landschaftsarchitektur", das auf dem Skript aufbaut und heute in mehreren Sprachen vorliegt. Bernd Joosten, der 2005 das Atelier Loidl in Berlin mit Lorenz Kehl übernahm und es bis heute in einer erweiterten Partnerschaft leitet, stellte prägende Projekte Hans Loidls vor, darunter sein wohl bekanntestes: der Lustgarten auf der Berliner Museumsinsel.

Auch aktuelle Mitglieder des Berliner Kollegiums der Landschaftsarchitektur, darunter Cordula Loidl-Reisch, Undine Giseke, die das Fachgebiet Landschaftsarchitektur. Freiraumplanung leitet, Christian Ranck, der Norbert Kühn als Leiter des Fachgebiets Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung vertrat, sowie Jürgen Weidinger, der dem Fachgebiet Entwerfen Objektplanung vorsteht, sprachen über Loidls Arbeiten. Dabei wurde implizit anschaulich oder explizit formuliert, das Themen, die Loidl vor Jahrzehnten beschäftigten, heute nichts an ihrer Gültigkeit verloren haben. Exemplarisch sei hier auf das Verständnis vom "Entwerfen" als synthetische Arbeit verwiesen, die unter anderem ökologische, soziale und ästhetische Anforderungen so zu integrieren versucht, dass im Ergebnis nicht die Summe dieser einzelnen Anforderungen, sondern eine "Gestalt" entsteht, nach der Loidl - das wurde durch die Vorträge und die daran anschließenden zahlreichen Gespräche mehr als deutlich - mit Leidenschaft und Vernunft suchte.

Sebastian Feldhusen







Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2016 .