Eutiner Landesgartenschau mit Neuentdeckungen am See

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Die Eutiner Stadtbucht bot bisher kaum attraktive Aufenthaltsflächen. Im Zuge der Landesgartenschau Eutin 2016+ wurde die Lagegunst der Stadt zwischen zwei Seen herausgearbeitet. Fotos und Abbildungen: A24 Landschaft

Die Stadt Eutin in der Holsteinischen Schweiz erfreut sich einer einmaligen Lage zwischen dem Kleinen und dem Großen Eutiner See. Das Berliner Büro A24 Landschaft sorgte im Rahmen der 3. Schleswig-Holsteinischen Landesgartenschau dafür, dass die städtischen Uferlagen ihren Charme im Wechselspiel zwischen Natur und Urbanität voll entfalten können.

Ausgerechnet die Wasserlagen am Großen Eutiner See nahmen die Eutiner mangels angemessener Gestaltung und Nutzungsangebote bisher kaum als Aufenthaltsorte in Anspruch. Mit der Landesgartenschau wurde nun ein Gesamtensemble von Freiräumen geschaffen, das Eutin in der Verwebung von Historie und Gegenwart, von Stadt und Landschaft ein ganz neues Profil verleiht. Dabei werden intensiv gestaltete und landschaftlich gehaltene Bereiche weiträumig verschränkt. Auf 27 Hektar zieht sich das Gartenschau-Gelände zwischen Stadtgebiet und Uferkanten entlang des Großen Eutiner Sees. Seine Spannung gewinnt der Entwurf aus den Bezügen zwischen dem Landschaftsgarten des 18.-19. Jahrhunderts, der das barocke Eutiner Wasserschloss umgibt, und den neu entstehenden oder aufgewerteten Freiräumen entlang des Ufers. Die im Landschaftsgarten angelegten Sichtachsen, die den See mit einbeziehen, werden als Prinzip auf die Gesamtgestaltung übertragen. So entsteht eine neu interpretierte, sichtbar zeitgenössische Kulturlandschaft. Ein Uferweg verbindet die fünf Teilbereiche der Landesgartenschau: Seepark, Stadtbucht, Schlosspark, Bauhofareal und Süduferpark.

Aussichtssteg, der den Blick auf das Schloss Eutin inszeniert.

Freitreppe vor dem Schloss Eutin, die den Schlossplatz großzügig zum See und der Stadtbucht hin öffnet.

Als Klammer zwischen städtischen und landschaftlich geprägten Freiräumen dient die Stadtbucht, an der im Südosten Schloss und Schlosspark, im Norden der in den 1930er Jahren entstandene Seepark liegen. Hier entsteht - gewissermaßen als Erweiterung der Innenstadt - ein neuer, dem See zugewandter öffentlicher Raum, von dem aus die Übergänge in die anschließenden Grünräume organisiert werden. Am östlichen Stadteingang schafft der ganz neu entstandene Süduferpark eine klare Kante zur landwirtschaftlich geprägten Umgebung und einen urbanen Auftakt.

Die bisher außerhalb des Schlossparks kaum wahrnehmbaren Bezüge zwischen Stadt und See, aber auch dem Seepark und dem See, werden zur Basis des Freiraumerlebnisses. Einige der neuen Achsen werden als Stege, Podeste, Ausgucke in den See hinaus erweitert. So wird der Besucher nicht nur am Wasser entlang geführt, sondern das Wasser ist direkt ins Freiraumerlebnis einbezogen. In der Tradition des Landschaftsgartens wird die Wasserfläche zum Raum, über den hinweg Bezüge zwischen den unterschiedlichen Kulissen geschaffen werden.

Stadtgestaltung im Prozess

Die Bewerbung zur Landesgartenschau Eutin 2016+ und die Auslobung des Wettbewerbs basierten auf einem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das 2011/12 mit intensiver Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde. Das kleine "Plus" verdeutlicht, dass die Gartenschau einen Baustein in einem auf etwa 20 Jahre angelegten Zeithorizont zur Stadtsanierung darstellt. Trotz einer sehr kurzen Planungs- und Bauzeit von nur zwei Jahren konnten die Stadt Eutin und die Planer von A24 Landschaft wesentliche Maßnahmen des freiräumlichen Gesamtkonzepts aus dem ISEK umsetzen, mit dem sich Eutin für die Landesgartenschau beworben hatte. Die Stadt versteht die Landesgartenschau als Entwicklungsmotor einer umfassenden Standortverbesserung. Der Bahnhofsvorplatz und die innerstädtischen Wegeverbindungen zum See werden ebenso neu gestaltet wie die Freiräume am Wasser. Die grundlegende Idee, die Stadt an den See zu bringen, dient nicht nur der touristischen Attraktivität, sondern vor allem einer Aufwertung des Wohnstandortes. Etwa 90 Prozent der Maßnahmen sind dauerhaft. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln der Städtebauförderung aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein, die für die Sanierung der historischen Innenstadt bewilligt wurden. Fördermittel für die Landesgartenschau selbst gibt es nicht.

Die guten Erfahrungen aus den Beteiligungsprozessen zum ISEK führten dazu, dass ein enger Austausch mit Politik und Bürgerschaft während der gesamten Planungs- und Bauzeit der Landesgartenschau aufrecht erhalten wurde. Dieses Ineinandergreifen von Gestaltung und Prozess erweist sich dabei als besonders nachhaltig. Die neuen Freiräume wirken nicht nur nach außen profilbildend, sondern erhöhen auch die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt. Besonders gelungen ist die Einbindung von Jugendlichen in den Stadtentwicklungsprozess, die sich in Workshops mit wesentlichen Themen wie Identität oder Mobilität beschäftigt haben, nicht zuletzt mit den Parks.

Während selbstverständlich alle Freiräume nach Gesichtspunkten der Barrierefreiheit gestaltet sind, wurde auf die Attraktivität für jüngere Menschen und Familien im Sinne einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung ein besonderes Augenmerk gelegt.

Die Stegkonstruktion in der Stadtbucht kurz vor Fertigstellung. Links im Bild ist die Einfassung des vorgelagerten Seerosengartens zu sehen.

Auf dem Erhalt der alten Rhododendrenhaine lag bei der Planung des Seeparks ein besonderes Augenmerk. Partiell wurden Ergänzungspflanzungen von Rhododendren vorgenommen.

Die Sichtachsen im Seepark wurden behutsam in die üppige Bestandsvegetation aus alten Bäumen, Rhododendren und Farnbewuchs gelegt.

Seefenster Stadtbucht

Den Auftakt zur Landesgartenschau an der Stadtbucht bildet der Schlossplatz. Hier befindet sich der innenstadtnahe Eingang zum Schauareal der die Besucher mit Wechselflor-Beeten empfängt. Eine Freitreppe führt hinunter ans Ufer und öffnet den Platz zum See. Die Stadtbucht, die bisher kaum urbanes Flair entfaltete und deren Randbebauung dem See den Rücken zukehrt, wird zur neuen städtischen Promenade.

Flankiert von einer Baumreihe aus Amberbäumen (Liquidambar styraciflua Worpleston) schafft ein Wegeband aus hellen, großformatigen Betonplatten, gefasst in Basalt-Kleinsteinpflaster, eine klare Linie. Eingegliedert sind bequeme Sitzmöglichkeiten, die hier bisher komplett fehlten. Elegante Leuchtstelen begleiten den Promenadenstreifen.

Eine langgestreckte, etwa 1000 Quadratmeter große Holzplattform aus Eichenbohlen ist der neuen Promenade vorgelagert. Mit etwa 43 Zentimeter über dem mittleren Wasserspiegel schafft sie einen direkten Bezug zum Wasser. Zwei mit Seerosen bepflanzte Wasserbecken setzen einen besonderen gärtnerischen Akzent. Eine hölzerne Sitzskulptur lenkt von der Plattform aus die Blicke auf Schloss und Seepark und auf die mitten im See liegende Fasaneninsel auf der sich einst eine slawische Burg befand, von der aus die Siedlung Eutin ihren Ausgang nahm.

Während der Gartenschaulaufzeit wird die Promenade für temporäre Gastronomie mit dem Potenzial genutzt, hier auch dauerhafte Angebote entstehen zu lassen.

Von der Stadtbucht aus sind der bestehende Rosengarten, eine lang gestreckte, von Rosenbeeten gesäumte Anlage zwischen Innenstadt und See sowie ein neu gestalteter Garten an der Kirche erreichbar, die in das Gartenschaugelände einbezogen sind. Am nördlichen Ende schließt eine Wegeachse zum Seepark an.

Freizeitlandschaft Seepark

Der Seepark wird als Gegenpol zum historischen Schlosspark zum neuen aktiven Park für Familien entwickelt. Er bietet sowohl großzügige Ruhebereiche als auch viele Möglichkeiten, im Freiraum aktiv zu werden. Diese kommen vor allem Kindern und Jugendlichen zugute. Zur Gestaltung der Spiel- und Sportbereiche fand ein eigener Workshop mit Jugendlichen statt.

Die Angebote lagern sich überwiegend an neue Parkachsen an, die gleichzeitig Wege und Sichtachsen darstellen. Mit Blickbezügen auf den See, die Stadtbucht und das Schloss ist das Wasser nun aus dem Park heraus erlebbar. Die Wegeachsen werden von Gartenbändern begleitet, die zur Gartenschau mit Wechselflor bepflanzt sein werden.

Die Hauptachse führt von der Stadtbucht zur Bebesundbrücke, die im Norden eine Anbindung in das Naherholungsgebiet Seescharwald und den umgebenden Naturpark Holsteinische Schweiz schafft. Diese Hauptwegeverbindung, die auch einen anliegenden Segler-Verein erschließt, ist zur Beleuchtung mit Mastleuchten versehen. Einzelne Bäume und Gehölzgruppen aus dem dichten, eingewachsenen Bestand des Seeparks werden mit Licht atmosphärisch in Szene gesetzt.

Mit einem "Waldgartenband" direkt an der Bebauungskante zur Stadt erhält der Seepark in diesem Bereich den Charakter eines Stadtparks. Unter alten Bäumen angeordnet, gibt es Boule, Tischtennis, ein Spielschiff, Fitnessgeräte und Picknickmöglichkeiten, ein Angebot für alle Generationen.

Der bestehende üppige Rhododendronhain inmitten des Parks, der auf dem moorigen Grund beste natürliche Voraussetzungen findet, wurde durch Neupflanzungen behutsam ergänzt und mit neuen, verschlungenen Pfaden erschlossen. So wird es ein besonderes Abenteuer, ihn zu entdecken.

In Abstimmung mit dem Naturschutz sind die intensiv genutzten Bereiche im Seepark strategisch so festgelegt worden, dass sensible Uferzonen sich ungestört entwickeln können. Die Stege dienen als punktuelle, geleitete Zugänge zum Wasser, die umgebende Uferbereiche und Schilfgürtel gezielt schonen. Während einige Auslichtungen vorgenommen wurden, um die Parkachsen und Sichtbezüge und großzügige Wiesen als Aufenthaltsmöglichkeit zu schaffen, sind die Uferbereiche im Norden des Parks mit ihrem Bestand aus Erlenbruchwald renaturiert worden.

Angrenzend befindet sich ein Badestrand mit Liegewiese, der durch eine Wegeachse mit begleitenden Sportmöglichkeiten wie Beachvolleyball und Streetball erschlossen ist. Spielbereiche für Kinder entstanden zu den Themen "See" und "Wald". Netztunnel spannen sich wie Reusen über modellierte Kunststoffflächen, daneben sind Taue mit Fendern gespannt, die zum Kriechen, Hangeln und Klettern dienen. Bewegliche Stangen bilden einen Wackelwald, dazu sind Baumhäuser angeordnet, so dass eine vielfältige, alle Sinne ansprechende und herausfordernde Spielwelt entsteht. An der Seite zum Seestrand sind Netzliegen unter Bäumen gespannt, die zum Ausruhen und Träumen einladen. Betonsitzelemente mit Holzauflagen dienen als Aufenthaltsbereiche und gliedern gleichzeitig die einzelnen Spielflächen. Im gesamten Park wird es Picknick- und Grillmöglichkeiten geben.

Alle Parkachsen sind als helle wassergebundene Wegedecke oder sandfarbiger beschichteter Asphalt ausgeführt und sichtbar 10 Zentimeter aufgekantet. So werden sie zum neuen charakteristischen Element des Seeparks. Sie finden ihren Abschluss in hölzernen Stegen, die am Endpunkt als Plattform mit Sitzpodesten aufgeweitet sind. Es entstehen neue, attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten direkt am Wasser.

Hölzerner Steg mit Sitzpodest, der als Abschluss einer Wegeachse den Wasserraum intensiv mit den Freianlagen verknüpft.

Rosengarten im Historischen Bauhof.

Barrierefreier Uferzugang im Süduferpark.

Gartendenkmal Schlosspark

Für die Eutiner, selbst für Jugendliche, war bisher der Schlossgarten einer der wenigen innerstädtischen Aufenthaltsorte im Außenraum. Der Nutzungsdruck war sehr hoch. Durch die Aufwertung von Stadtbucht und Seepark werden nun aktive Nutzungen dorthin verlagert. Der Schlosspark wird zu einem Baustein in einem Kontinuum von Freiräumen mit wechselnden Charakteren entlang des Sees. Er erhält seine angemessene Rolle als bedeutendster historischer Landschaftsgarten in Norddeutschland zurück. Im Rahmen der Landesgartenschau wird er denkmalgerecht saniert. Der in den Park eingebettete historische Küchengarten, restauriert nach Plänen von LandschaftsArchitektur Franz, beherbergt zur Landesgartenschau eine Ausstellung historischer regionaler Gemüse- und Pflanzensorten.

Über die geschwungenen Wege der Entstehungszeit, entlang von kleinen Wasserläufen und über historische Brücken gelangt man durch den Schlosspark zum östlich gelegenen Bauhofareal.

Kulturstandort Bauhofareal

Das Bauhofareal ist ein bestehender Eutiner Kulturstandort, die "Opernscheune" und die direkt am See gelegene Freilichtbühne sind Austragungsstätten der Eutiner Festspiele. Mit der Planung einer Jugendherberge wird dem Gelände eine ganzjährig sinnvolle Nutzung zugewiesen. Zusammen mit zwei historischen Torhäusern und der Gebäudekubatur der Jugendherberge entsteht am Ensemble des historischen Bauhofs ein dreiseitig umschlossener Hofgarten mit Blick auf den See, der mit Rosenbeeten und Bänken unter alten Bestandsbäumen einen angenehmen Rahmen erhält. Während der Landesgartenschau sind hier Regionalmarkt und Hallenschauen untergebracht. Mit neuen Wegeverbindungen wird das Gelände westlich an den Schlosspark und östlich an den neuen Süduferpark angeschlossen.

Zum Süduferpark gelangt man über Wiesen, die von einem wieder geöffneten Graben durchzogen sind. Der Weg verläuft über eine Brücke, die einen gestalterischen Bezug zum Schlosspark mit seinen historischen Brücken schafft. Die bisher brach liegende Fläche, ab und zu als Weide genutzt, wurde in Abstimmung mit dem Naturschutz mit standortgerechten Wiesensaaten angereichert. Während der Gartenschau finden hier die Mustergärten und die von Studenten gestalteten Kulturgärten Platz. Später ist eine Wohnbebauung mit Stadtvillen vorgesehen. Die naturnah gestaltete Wiesenlandschaft mit einem Spielplatz bleibt als neuer, öffentlich zugänglicher Naherholungsraum bestehen und bildet für die geplante Bebauung schon vorab ein städtebauliches Gerüst und ein attraktives Umfeld.

Stadtauftakt Süduferpark

Am Süduferpark befindet sich der Haupteingang zur Landesgartenschau. Ein breiter Riegel bildet den Auftakt zu den gestalteten Parks und Freiräumen im Stadtgebiet Eutins am Stadteingang, im Übergang zu den östlich gelegenen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Gleich am Eingang bilden Wechselflorflächen den Auftakt zur Gartenschau. Ein Obsthain mit im Frühling üppig blühenden Apfelbäumen greift die gartenbauliche Nutzung der Umgebung thematisch auf. Die Seeböschung zum Ufer integriert den wertvollen Baumbestand und fügt sich in den natürlichen Uferbereich ein. Als Dauernutzung wird dieser Bereich als stadtnaher Caravan-Stellplatz hergerichtet werden - als Angebot an eine entsprechende wachsende Nachfrage im touristischen Bereich.

Drei Terrassenstufen führen, der Topografie folgend und von Rampen begleitet, hinunter zum See. Den Abschluss findet dieses breite Gartenband ebenfalls in einem Holzsteg. Von hier besteht mit Zwischenstopp am Schlosspark ein Schiffsshuttle zur Stadtbucht. In der Wiederholung der Materialien Holz und Beton im gesamten Uferbereich bildet sich eine gestalterische Klammer, die die weitläufigen und charakteristisch sehr unterschiedlichen Freiräume als Ganzes wahrnehmbar macht.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2016 .

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