GALK-Jahrestagung 2016 in Fulda zu Weißbuchprozess

Freiraum soll aus gesamtstädtischer Perspektive entwickelt werden

von

Die neuen und alten Mitglieder des GALK-Präsidiums v. l. n. r: hintere Reihe Stephan Heldmann, Beate Profé (ausgeschieden), Klaus Wichert (neu aus Berlin, Marzahn-Hellersdorf), Götz Stehr, Axel Raue. Vorne: Rüdiger Dittmer (neu gewählt), Carmen Dams, Heribert Eschenbruch (ausgeschieden). Foto: Mechthild Klett, Stadt+Grün

Die Gartenamtsleiterkonferenz hat auf ihrer Jahrestagung drei neue Mitglieder für das Präsidium gewählt: Rüdiger Dittmer aus Koblenz, Klaus Wichert aus Berlin Marzahn-Hellersdorf und Axel Raue aus Osnabrück. Ausgeschieden sind Beate Profé, Berlin, und Heribert Eschenbruch, Bremen.

Inhaltlich haben die Teilnehmer vor allem über das Weißbuch "Grün in der Stadt" diskutiert und sich über die Bedeutung von urbanem Grün für den Klimawandel, für die Gesundheit und für die Stadtentwicklung ausgetauscht.

Nachdem die GALK bereits im Juni (s. Stadt+Grün 06-2016, S. 13ff.) ihre wichtigsten Forderungen in Auszügen veröffentlicht hat, legte sie zur Jahreskonferenz ihre offizielle Stellungnahme vor. Sie ist als GALK-Publikation erschienen und über www.galk.de zu beziehen.

Heiner Baumgarten, Vorsitzender des GALK-Arbeitskreises Stadtentwicklung, zog aus dem Weißbuchprozess die Konsequenz, mehr Unterstützung vom Bund einzufordern. Vor allem mehr Förderung von gesamtstädtischen Freiraumentwicklungskonzepten, gesamtstädtischen Klimaanpassungsstrategien sowie von interdisziplinären Stadtentwicklungsprozessen stehen auf der Agenda.

Interessierte Zuhörer fand unter anderem Prof. Dr. Hagen Eyink vom Bundesbauministerium bei seinem Vortrag zum Stand des Weißbuchprozesses "Grün in der Stadt". Foto: Mechthild Klett, Stadt+Grün

Der Eisenholzbaum, Parrotia persica, stammt aus dem Kaukasus. Er ist ein sommergrüner Strauch oder kleiner Baum, der Wuchshöhen von bis zu zehn Meter erreichen kann. Einstämmige Exemplare sind meist auffallend niedrig und schon dicht über dem Boden stärker verzweigt. Foto: Jean-Pol Grandmont, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Zugleich sollten sich die grünen Fachverbände auf eine gemeinsame Stadtentwicklungsstrategie einigen, die auf nachhaltigen Grünstrukturen basiert. Weiterhin sind gemeinsame Forschungsfelder etwa über die FLL oder die Hochschulkonferenz Landschaft zu benennen. Ferner sind die Verbände aufgefordert, sich in den Kommunen für den Erhalt von Arbeitgeberstrukturen mit grünen Kompetenzen einzusetzen.

Irene Burkhardt von Engelmeyer Landschaftsarchitekten Stadtplaner wies daraufhin, dass das Eintreten für Grün nicht in erster Linie den Grünflächenämtern und Landschaftsarchitekten nutzt, sondern vor allem den Bürgerinnen und Bürgern.

Die Grünflächen und ihre Nutzung stehen sehr unter Druck, wie eine Grafik zur Ausweitung der Versiegelung vor allem in den vergangenen 100 Jahren am Beispiel von München zeigte. Während es in München heute lediglich 77 Quadratmeter Freiraum pro Einwohner gibt, liegen die Zahlen für Hamburg bei 206 Quadratmeter pro Einwohner. Angesichts von hohem Wohnraumbedarf in Ballungszentren soll die doppelte Innenverdichtung helfen, Grün zu erhalten. Das bedeutet, Freiflächen innerhalb der Stadt werden geringer aber qualitativ aufgewertet und vernetzt, damit die Stadt nicht noch mehr in die Peripherie wächst. Burkhardt machte hierbei noch einmal auf die Grenzen der Kompensationen aufmerksam. Um die wenigen vorhandenen Flächen optimal zu nutzen, schlägt Burkhardt ihre multifunktionale Nutzung vor.

Wie eine optimale Flächennutzung aussehen kann, erläuterte Prof. Dr. Norbert Kühn von der TU Berlin für den Bereich der Pflanzenverwendung. Entscheidendes Kriterium für die Verwendung einer Pflanze sei unter klimapolitischen Aspekten ihre Resilienz, also die Fähigkeit, nach Negativeinflüssen wie Trockenheit oder Unwetter, möglichst schnell wieder zu regenerieren. Etwa der Eisenholzbaum ist bestens an widrige Klimaverhältnisse angepasst. Er stammt aus den feuchtwarmen Wäldern des Südkaukasus, wächst auf fast allen Böden und ist sowohl hitzeverträglich als auch frosttolerant.

Grünflächen helfen nicht nur, den Klimawandel erträglich zu machen, sondern sie sind auch ein entscheidender Faktor bei der Gesundheitsvorsorge und erfüllen neben ökologischen auch wichtige soziale Aufgaben. Landschaftsarchitekt Stephan Lenzen zeigte auf, wie hoch die Abhängigkeit zwischen grüner gepflegter Umgebung und Gesundheit der Anwohner ist. Je vermüllter und ungepflegter eine Grünfläche ist, umso geringer sind die sportlichen Betätigungen und desto höher ist das Übergewicht der Anwohner. Zu genau der gegenteiligen Entwicklung führen hingegen attraktive Grünräume, die zu Sport und Bewegung einladen. mk

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 08/2016 .

http://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[division]=3&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=470++492++409&no_cache=1