Stellungnahme zu Grünbuch "Grün in der Stadt"

GALK fordert Re-Etablierung der Grünflächenämter

Die Gartenamtsleiterkonferenz nimmt wie folgt Stellung zum Grünbuch Grün in der Stadt, das im Juni von Bundesumweltministerin Hendricks vorgestellt wurde:

"Die Bewerbungen um den "European Green Capital Award", die zunehmende Verdichtung vieler Großstädte, aber auch die zu erwartenden Veränderungen durch Abwanderungen aus strukturschwachen Regionen haben in jüngster Vergangenheit bundesweit eine durchaus intensive Diskussion zum Thema nachhaltige Stadtentwicklung ausgelöst.

Der Klimawandel und die damit zusätzlich in der Stadtplanung zu berücksichtigenden Faktoren wirken schon jetzt als Katalysatoren in Planungsprozesse hinein.

Die in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie angestrebte Minderung des Flächenverbrauchs in der freien Landschaft auf 30 Hektar pro Tag bis 2020 und die daraus resultierende Erfordernis zur weiteren Nachverdichtung innerhalb der Stadtgebiete erfordern von den planenden und den für den Umweltbereich zuständigen Fachämtern der Kommunen eine enge Zusammenarbeit. Konzepte und Strategien wurden und werden derzeit entwickelt, die die besondere und stetig wachsende Bedeutung innerstädtischer Grünflächen hinsichtlich ihrer ökologischen, sozialen und kulturellen Bedeutung und mit wachsendem Anteil auch in ihren ökonomischen Funktionen belegen.

Um den steigenden Anforderungen an Grünflächen im Stadtgefüge gerecht werden zu können, ist im Sinne der im Grünbuch proklamierten Nachhaltigkeitsgrundsätze selbstverständlich und unabdingbar auch eine strategische Ausrichtung in der kommunalen Aufgabenerfüllung zu etablieren.

Strategische Ausrichtung benötigt funktionierende Organisationsstruktur

Diese setzt sowohl auf planerischer, auf bauender als auch auf operativer Ebene der in der Pflege und Unterhaltung Tätigen jeweils funktionierende Organisationsstrukturen voraus.

Die Grünflächenämter der Kommunen nehmen hier eine zentrale Bedeutung ein. Sie stehen in ihrer Funktion als Liegenschaftseigentümer und Verwalter städtischer Grünflächen in besonderem Maße in der Verantwortung und gleichermaßen in ihrem Wirken stets im Dialog mit der Bürgerschaft. Die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern als Einwohner und Nutzer städtischen Grüns sind stets als Chance, Verpflichtung und Herausforderung zu sehen. Sie bieten aber auch die Möglichkeit, Erfahrungswerte "vor Ort" in wirtschaftlich fundierte Fachplanungen einfließen zu lassen und Handlungsstrategien nach ökonomischen Grundsätzen auszurichten.

Re-Etablierung des kommunalen Grünflächenmanagements

Neben den im Grünbuch erkennbaren Ansätzen, den Stadtraum zukünftig verstärkt vom Freiraum her denken und planen zu wollen, werden seitens der Gartenamtsleiterkonferenz auch strategische Veränderungsbedarfe definiert. Dieser Optimierungsbedarf muss im anstehenden Weißbuch-Prozess festgestellt und eingefordert werden:

1. Stärkere Vernetzungen der einzelnen Fachdisziplinen untereinander auf kommunaler Ebene.

2. Die Re-Etablierung eines funktionierenden kommunalen Grünflächenmanagements, das alle qualitativ und quantitativ wachsenden Anforderungen einer Stadtgesellschaft an ihre grünen Freiräume in Planung, Bau und Grünunterhaltung auf ökonomisch sinnvoller Basis zu bewältigen vermag.

3. Eine angemessene, betriebswirtschaftlich sinnvolle und vor allem stetige Mittelausstattung für Pflege und Unterhaltung des öffentlichen Grüns, die dem wachsenden Wert und der Funktion städtischer Grünräume gerecht wird.

Auskömmliche Pflege und qualitativ gute Ausstattung erforderlich

Sowohl die subjektiv wahrgenommene und belegbar hohe Wertschätzung der Bürgerinnen und Bürger als auch die rein funktional gewachsene Bedeutung von innerstädtischen Grünflächen ist spätestens durch den Klimawandel mit der Frage verbunden, wie die Lebensqualität in Städten dauerhaft erhalten werden kann. Kommunale Anpassungsstrategien an das Klima sind daher elementar mit der qualitativen Ausstattung von Grünflächen, ihrer Lage und insbesondere ihrer Weiterentwicklung und auskömmlichen Pflege verbunden.

Der Wert und Nutzen von Grünräumen definiert sich einerseits über soziale Aspekte wie Gesundheit, soziale Interaktion, Ästhetik und kulturelle Bedeutung, andererseits aber auch und insbesondere über ökologische Aspekte wie Biodiversität und Stadtökologie. Im Zusammenhang mit Nahmobilität, dem qualitativen Angebot an Grünflächen und ihrer überdurchschnittlich guten Erreichbarkeit, gewinnen innerstädtische Grünflächen auch in ökonomischer Hinsicht stetig an Bedeutung. "Chillen" am Wasser oder die abendliche Erholung im nahen Stadtpark bieten vermehrt den Verzicht auf das Auto zu Fahrten in das Umland.

Ein gut entwickelter Pflegestandard und stetig verbesserte Aufenthaltsangebote in vorhandenen, fußläufig erreichbaren Grünanlagen sowie die Grunderneuerung großer Parkanlagen generieren aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet gute Angebote, auf die von Bürgerinnen und Bürgern mit einer stetig steigenden Nachfrage reagiert wird. Angesichts zunehmender Einwohnerzahlen in Metropolregionen und der Begrenzung der Ressource Grünfläche wird die Nachfrage nach qualitativ adäquat ausgestatteten und nutzbaren Grünflächen noch spürbar zunehmen. Klimawandel auf Planungsebene des Stadtraums bedeutet letztlich die zielorientierte Umsetzung einer lokalen Anpassungsstrategie, um den Stadtbewohnern tagsüber erträgliche, schattige Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien zu bieten und nachts kühlende Ausgleichsräume.

Trennung von Planung, Bau und Pflege waren die ärgsten Fehlentwicklungen

Vor dem Hintergrund zu verbessernder Angebote, steigender Nachfrage und damit einhergehend auch stärkerer Nutzungen sind die kommunalen Ablauforganisationen zu hinterfragen. In jüngster Vergangenheit sind ehemals gut strukturierte Grünflächenämter willkürlich in ihren Zuständigkeiten beschnitten worden, ohne ihnen die Chance für eine ökonomisch und betriebswirtschaftlich notwendige Neuausrichtung geboten zu haben.

Die tendenzielle Zuordnung der Grünpflege zu den Reinigungsbereichen und die Abkopplung oder Trennung von Planung, Bau und Pflege waren die ärgsten Fehlentwicklungen. Vielfältige Umstrukturierungen und Anpassungen müssen begonnen, weiterentwickelt und umgesetzt werden, die sich sowohl in strategischen wie operativen Bereichen nachhaltig und positiv auf die Kostenentwicklung auswirken können. Nur so können gesamtgesellschaftlich Einspareffekte bewirkt und letztlich auch der demographische Wandel hinsichtlich der Verfügbarkeit notwendiger Personalressourcen berücksichtigt werden."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 08/2015 .

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