Erinnerungen

Gartenbaudirektor Berndt Andreas (1924-2016)

Etwa 33 Jahre war Berndt Andreas in Bremen für das öffentliche Grün tätig. Er war Bremens letzter Gartenbaudirektor. Fotos: Steffen Kunkel, 2007

In der letzten Juniwoche dieses Jahres ist der langjährige Leiter des Gartenbauamtes Bremen (1975- 1989) im 92. Lebensjahr gestorben - lebenssatt und von den Mühen des Alters gezeichnet. Der Arztsohn aus Wilhelmshaven, der nach dem Abitur noch Kriegserfahrungen machen musste, hat nach der Gärtnerlehre das Studium an der TH Hannover als Dipl.-Gärtner abgeschlossen. Im dortigen Büro von Wilhelm Hübotter machte er anschließend erste Praxisschritte im Rahmen von Projekten des privaten und öffentlichen Grüns.

Mit dem Wechsel nach Bremen als Leiter der Planungsabteilung im Gartenbauamt begann dann 1956 seine 33 Jahre währende Tätigkeit in der Hansestadt. Die1975 erfolgte Übernahme der Amtsleitung von Erich Ahlers markierte einen folgerichtigen Schritt in seiner Verantwortung für das städtische Grün in Bremen.

Die Zerstörungen des Krieges blieben lange noch sichtbar in der Stadt und trotzdem konnte das Gartenbauamt wesentlich dazu beitragen, für die wachsende Bevölkerung ein lebenswertes Umfeld zu schaffen.

Dabei hat die von ihm aus Überzeugung betriebene integrative Zusammenarbeit von Stadt- und Freiraumplanung eine bedeutende Rolle gespielt, mit der ämterübergreifend gemeinsame Ziele beschrieben und verfolgt worden sind.

Zunächst war ein forcierter Wohnungsbau angesagt, der in die Stadtlandschaft so integriert wurde, dass Grün in der Nähe und mit verschiedenen benachbarten Nutzungen wie Kitas, Schulen sowie Sport- und Spielanlagen verknüpft werden konnte. Das war ein von ihm betriebener Planungsansatz mit überzeugenden und bis in die Gegenwart wirksamen Lösungen, hier in Form der "Grünzüge". Nicht zuletzt für das Radverkehrssystem in Bremen sind sie heute nicht mehr wegzudenken. Möglich war das allerdings nur, weil Berndt Andreas mit einigen Mitstreitern über Jahre und Jahrzehnte entsprechende Ziele kontinuierlich und konsequent verfolgen konnte. Das gilt ebenfalls für die Badeseen, die durch die Sandgewinnung beim Bau der A27 ermöglicht und vom Gartenbauamt geplant worden sind. Sie bilden heute wichtige Elemente für Freizeit und Erholung an der Peripherie der Stadt und reduzieren den Bedarf an kostenintensiven Freibädern. Auch hier zeigte sich: Weitblick und personelle Kontinuität sind wesentliche Voraussetzungen, um Stadt- und Freiraumplanung zum Nutzen für die Bevölkerung und zur Entlastung der kommunalen Haushalte zu entwickeln.

Zu guter letzt sei noch sein Engagement zur Erschließung und Entwicklung historischer Parks in Landgütern im Stadtteil Oberneuland erwähnt. Es erstaunt nicht, wenn auch hier nur durch sein beharrliches Vorgehen über längere Zeit eine denkmalgerechte Wiederherstellung und Pflege für eine angepasste Erholungsnutzung ermöglicht worden sind.

Mit diesen Hinweisen kann an die vielfältigen Leistungen des Gartenbauamtes Bremen unter der Leitung von Berndt Andreas nur beispielhaft erinnert werden. Sie fielen in die Phasen von Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und Konsolidierung, die dann aber auch noch in den 1980er Jahren durch Aufgabenkritik und Ausgabenkürzung erschwert worden sind. Dabei ist er auch gegen Ende seiner Amtszeit offen und aktiv geblieben für neue Themen, wie Kosten- und Leistungsrechnung oder Gefahren des "Sauren Regens" für die Vegetation. Es war ihm vergönnt, mehr als 20 Jahre in seinem Ruhestand weiter schöne Seiten des Lebens zu genießen. So hat er noch viele Fahrten und Vorträge der DGGL mitgemacht und dabei seinen kultivierten und breiten Wissens- und Erfahrungshintergrund sowohl abgerundet als auch die jüngere Generation daran teilhaben lassen.

Leider gab es dabei aber auch - besonders im letzten Jahrzehnt - reichlich Gelegenheit, neue Informationen aus den Nachfolgeeinrichtungen des Gartenbauamtes aufzunehmen, besonders die Achterbahnfahrten der organisatorischen Struktur. Weil er sich immer noch dem Stadtgrün verbunden fühlte, hat er diese häufig mit Kopfschütteln registriert…

Berndt Andreas pflegte mit seiner Frau Linni auch privat Kontakte mit Berufskollegen und deren Partnerinnen. Und so bleiben schöne Erinnerungen an interessante Gespräche und Gedanken, begleitet von frischen Erdbeeren mit Sahne oder kühlem Riesling in seinem kleinen Garten hinter dem Reihenhaus in der Vahr. Steffen Kunkel

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2016 .

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