Hauptfriedhof Frankfurt am Main

Lebendiger Park und Abbild der Stadtgeschichte

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Blickfang der Gemeinschaftsgrabanlage für totgeborene Kinder ist eine trauernde Madonna. Foto: Thomas Herrgen

Schon seit 200 Jahren werden Friedhöfe parkähnlich gestaltet. In Frankfurt am Main legte Stadtgärtner Sebastian Rinz den neuen Hauptfriedhof, dem Konzept eines englischen Landschaftsgartens folgend, an. Nach vielen Erweiterungen ist er heute die grüne Lunge im Norden der Stadt und auch als Erholungsfläche unentbehrlich.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der zentrale, jedoch ringsum bebaute Petersfriedhof in der Altstadt zu eng geworden und hoffnungslos überbelegt. Weit im Norden, damals außerhalb der Stadt, zwischen Eckenheimer und Friedberger Landstraße wurde sodann ein neuer Friedhof errichtet, der am 1. Juli 1828 in Betrieb ging.

Der damalige Stadtgärtner Sebastian Rinz plante ihn im Stil eines englischen Landschaftsgartens. Die Einteilung in Gewanne, Felder und Grabreihen folgt noch einem orthogonalen Ordnungsprinzip. Die Einstreuung von Sitzecken, Plätzen, Hügeln, Grünflächen, Bäumen und gelegentlich schlängelnden Nebenwegen machte die Anlage jedoch von Beginn an auch zu einem großen Park. Seine Ausgestaltung wurde durch kunstvolle Denkmale, Skulpturen, Inschriften und Gedenkplatten vollendet.

Nach fast zwei Jahrhunderten sind aus den Gehölzen Baumriesen geworden. Der Friedhof ist überwiegend schattig, Moose und Farne prägen das Bild. "Der Frankfurter Hauptfriedhof ist ein Spiegel der Stadt, aber wie alle Friedhöfe", so Sprachwissenschaftlerin Ebba D. Drolshagen, "spiegelt er auch die Geschichte unseres Denkens wider". Sie beleuchtet in ihrem Buch "Der Melancholische Garten" den Frankfurter Hauptfriedhof unter kulturhistorischen Aspekten und beschäftigt sich mit der "Sprache der Grabsteine" und der Symbo-lik in den Grabhallen und Mausoleen.

Historische Urnengrabanlage. Seitdem die Feuerbestattung vor rund 100 Jahren zugelassen war, nahm die Zahl der Urnengräber stark zu. Foto: Thomas Herrgen

Der Schöpfer des Hauptfriedhofes Stadtgärtner Sebastian Rinz ist in einem relativ schlichten Grab auf "seinem eigenen" Gottesacker bestattet. In den Frankfurter Wallanlagen (Bild) wird aber mit einem eindrucksvollen Denkmal an ihn erinnert. Foto: Thomas Herrgen

Viele historische Gräber sind sehr aufwendig bis pompös gestaltet, hier eine symbolische "Tür ins Jenseits". Foto: Thomas Herrgen

Ehrengräber großer Persönlichkeiten

Neben vielen Dichtern und Denkern, wie Arthur Schopenhauer (1788-1860) Dr. phil. h. c. Ricarda Huch (1864-1947), Goethepreisträgerin der Stadt Frankfurt am Main oder Theodor W. Adorno (1903-1969), Musikern und Malern, dem Arzt Prof. Dr. Alois Alzheimer (1864-1915), der Namensgeber für die gleich lautende Krankheit war oder Dr. Heinrich Hoffmann (1809-1894), dem Schöpfer des "Struwwelpeter" befinden sich unter den Prominenten auf dem Hauptfriedhof auch zahlreiche Verstorbene, die die Geschichte der Stadt geprägt haben. Vorweg die Ehrengräber der Oberbürgermeister wie Johann Franz von Miquel (1828-1901, Gewann D 297), Ludwig Landmann (1868-1945, Gewann A 290) der als Jude 1933 von den Nationalsozialisten abgesetzt wurde oder Walter Kolb (1902-1956, Gewann A 55a), der den Aufbau nach dem Krieg organisierte. Der Hotelier Albert Steigenberger (1889-1958, Gewann IV 125), Gründer der gleichnamigen Kette, ruht an exponierter Stelle nahe des Haupteingangs. Auch das Grab des Architekten und Stadtplaners Ernst May (1886-1970, Gewann A 274) der 1928 gemeinsam mit Gartenbaudirektor Max Bromme die nördliche Erweiterung des Hauptfriedhofs entwarf, befindet sich ebenda. Gleichfalls die recht schlichte, letzte Ruhestätte von Stadtgärtner Sebastian Rinz (1782-1861) im Gewann C 155.

Im September 2013 wurden kurz nacheinander der ehemalige Bundesminister, Frankfurter Oberbürgermeister und Hessische Ministerpräsident Dr. Walter Wallmann (*1932) Gewann XIV 32 und "Literaturpapst" Marcel-Reich Ranicki (*1920) Gewann XIV 34 UG bestattet. Darüber hinaus prägen Gemeinschaftsgrabstätten und -denkmale die Bereiche zwischen Einzel- und Familiengräbern, etwa für den Aufstand vom 18. März 1848, für die sieben Frankfurter Toten des Zeppelinabsturzes vom 6. Mai 1937 in Lakehurst (35 Tote insgesamt) oder den Flugzeugabsturz vor der Dominikanischen Republik (189 Tote) am 6. Februar 1996.

Zäsur durch Krieg und Gewaltherrschaft

Der Erste Weltkrieg markierte einen tiefen Einschnitt in der Stadtgeschichte und in der Friedhofsgestaltung. Das Sterben nahm nie gekannte Ausmaße an. Entsprechend große Flächen mussten für die Bestattung der damals noch kaiserlichen Soldaten zur Verfügung gestellt werden. Mit der Friedhofserweiterung von 1928 erhielt das Grabfeld auch eine bauliche Mitte. Der Architekt Hermann Senf (1878-1979) entwarf im Geiste der Weimarer Republik einen nach oben offenen Rundbau mit einer liegenden Soldatenskulptur aus Basaltlava. An den Seitenwänden sind Halterungen für Kränze eingelassen. Der kuppelartige Bau hat eine interessante, teils merkwürdig-echoartige Akustik, die die Besucher verstummen lässt. Den Bau umgibt ein Wassergraben, über den hinweg die Eingangstreppe führt. Vor dem Gebäude liegt eine von einer Mauer umgebene, befestigte Fläche, die bei Gedenkveranstaltungen genutzt wird. Seitlich und vor diesem Zentrum sind die Grabstellen der Gefallenen angeordnet, einfache Kreuze aus einem hellgrauen, tuffartigen Muschelkalk. Sie tragen neben den Namen auch - soweit bekannt - den Rang und die Geburts- und Sterbedaten. Manche Kreuze sind mit "Unbekannter Soldat" beschriftet.

Nur elf Jahre nach der Umgestaltung begann der nächste Krieg. In Frankfurt am Main gab es noch einmal fast 4000 Tote zu beklagen, darunter auch viele Zivilisten, Zwangsarbeiter, Sinti und Roma, polnische KZ-Häftlinge und viele andere Opfergruppen, die vom NS-Terror verfolgt wurden. Soldaten aus Deutschland, Frankreich, der Sowjetunion und anderen Ländern liegen nun im Tod vereint auf den verschiedenen Grabfeldern, gekennzeichnet mit Kreuzen oder Steinen aus rotem Mainsandstein. Für alle Opfer, die nicht in Kriegshandlungen verwickelt waren wurden Gedenkplatten rund um den "Hiob", eine Skulptur mit gesenktem Haupt, in den Rasen eingelassen. Alljährlich zum Volkstrauertag werden auch hier Kränze und Blumen niedergelegt. Am Rundbau von 1928 mit der Inschrift "DEN OPFERN" sind die Jahreszahlen "1914/1918" und "1939/1945" ergänzt. Mehr als 5300 Menschen aus beiden Weltkriegen, Gefallene, Opfer der rassistischen NS-Ideologie und Zivilisten ruhen damit auf dem Hauptfriedhof.

Grabsteine auf dem Neuen Jüdischen Friedhof tragen häufig Inschriften zum Gedenken an Verwandte, die in der NS-Zeit ermordet wurden. Foto: Thomas Herrgen

Kriegsgräber belegen große Teile des Frankfurter Hauptfriedhofs, hier für Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg. Foto: Thomas Herrgen

Der erste Haupteingang des 1828 angelegten Friedhofs – heute: "Altes Portal" genannt – wurde im klassizistischen Stil errichtet. Foto: Thomas Herrgen

Die jüdischen Grabfelder

Auch der älteste jüdische Friedhof an der Battonstraße in der Innenstadt, am heutigen Börne-Platz musste zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus Platzgründen geschlossen werden. Im Zusammenhang mit dem neu erbauten Hauptfriedhof entstand an dessen südlichem Rand, an der Rat-Beil-Straße, ein zweiter jüdischer Friedhof im klassizistischen Stil.

Dieser ist erhalten, jedoch sind viele Grabmale vom Zerfall bedroht. Weitere 100 Jahre später war auch dieser belegt, sodass im Nordwesten des Hauptfriedhofs eine neue, fünfeinhalb Hektar große Anlage entstand, die 1928 in Betrieb ging. Der Vorplatz und die Gebäude wurden im Stil der neuen Sachlichkeit durch Regierungsbaumeister Fritz Nathan 1928/29 hinzugefügt. Die Vierflügelanlage der frühen Moderne ist ein Klinkerbau aus rötlich-braunem Mauerwerk. Er besteht aus einer Trauerhalle und der gegenüberliegenden Friedhofsverwaltung, die durch Arkadengänge untereinander verbunden sind. Es entsteht ein großer Eingangs- und Ehrenhof mit vier geschnittenen Eibenkuben. Er liegt vor dem eigentlichen Grabfeld, das streng rechtwinklig angelegt und mittels geschnittener Eibenhecken in sich gegliedert ist. Pyramidale Bäume, darunter Eichen und Scheinzypressen bilden das pflanzliche Gerüst in die dritte Dimension.

Das Hauptportal besteht aus drei nebeneinander liegenden Pforten. Darüber steht auf Hebräisch in großen, goldenen Buchstaben: "Die in Geradheit gewandelt, kommen zum Frieden und ruhen auf ihren Lagern" (Psalm 116.9). Auf Deutsch folgt ein Vers auf dem Fries des zweiten, inneren Portals, unmittelbar vor dem Grabfeld: "Wandeln werd ich vor dem Antlitz des Ewigen in den Gefilden des Lebens".

Jüdische Grabgestaltung und Symbole

Die dauerhafte Grabgestaltung besteht aus Grabzeichen und -einfassungen, meistens abgedeckt mit Grabplatten aus rotem, schwarzem oder grauem Granit, der in der Regel poliert ist. Inschriften auf Hebräisch und Deutsch verweisen auf die Rolle des Toten in seinem sozialen Umfeld. Oft zieren ein Davidstern, die Menora oder eine Levitenkanne den Grabstein. Die Leviten, Angehörige des Stammes Levi, gelten als tief religiös. Die Kanne wird dem Priester zur Händewaschung gereicht. Auch segnende Hände verweisen auf Priesterhandlungen. Darüber hinaus sind gelegentlich Tiersymbole, sowie im Laufe der Zeit übernommene Symbole anderer Glaubensrichtungen, etwa Urnen, Palmblätter oder eine verlöschende Kerze zu finden.

Fehlt eine Grabplatte, ist die Fläche häufig mit Kieselsteinen bedeckt, gelegentlich auch mit immergrünen Bodendeckern wie Efeu (Hedera helix) oder "Dickmännchen" (Pachysandra terminalis) bepflanzt. Vereinzelt sitzen Rosenhochstämmchen hinter dem Grabstein, außerhalb des eigentlichen Grabes. Die Rose ist eines der bekanntesten und vieldeutigsten Symbole. Sie verkörpert Liebe, Zuneigung und symbolisiert im Leben Glück. Rosen auf Grabmalen stehen schon seit der Antike für die Erneuerung des Lebens und damit für die Wiederauferstehung. Die Rose ist oft auch ein Zeichen bei Frauen, die den Namen Rosa, Rosalie, Rosette beziehungsweise "Rösle" trugen. Eine besondere Bedeutung hat die geknickte Rose oder Blume, die auf Grabmalen jung Verstorbener zu finden ist und für ein unvollendetes Leben steht. Die Darstellung von Personen auf Grabsteinen entspricht nicht der jüdischen Glaubensauffassung. Allerdings verraten Sinnbilder sehr viel über den Beruf oder die Funktionen und Ehrenämter des Toten.

Einer der fundamentalsten, israelitischen Glaubensgrundsätze ist die Unantastbarkeit der Totenruhe. Jüdische Friedhöfe existieren im Normalfall für die Ewigkeit. Bei Vollbelegung müssen Erweiterungsflächen erschlossen oder ein neuer Friedhof angelegt werden.

Klassizistischer Haupteingang zum (alten und belegten) Jüdischen Friedhof von 1828. Foto: Thomas Herrgen

Persönlichkeitsgräber der jüdischen Gemeinde

Unter den heute mehr als 8000 Gräbern in Frankfurt befinden sich viele beachtenswerte. Dazu gehören das Grab des ersten Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde bis 1939, Dr. Julius Blau, die Grabstätte des 1929 verstorbenen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig und das Grab der Frankfurter Sozialpolitikerin Henriette Fürth, die 1938 verstarb. Das Ehrendenkmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Frankfurter Juden und ein Holocaust Gedenkgrab liegen im Eingangsbereich. Hier wurde eine Urne mit Asche aus Auschwitz bestattet. Die Inschrift erinnert an die Gräueltaten während der NS-Zeit. Ein weiteres Zeugnis dieses Geschichtskapitels sind die etwa 800 Gräber von Frankfurter Juden, die sich zwischen 1938 und 1943 der Verfolgung und Deportation durch Freitod entzogen. Sie liegen beidseits des Hauptweges, der nach Osten ausgerichtet ist. Die Gräber mit den weißen Steinen bilden eine Ehrenallee, die auf den Endpunkt mit einer goldenen Menora, den siebenarmigen Leuchter zuführt.

Aus jüngerer Zeit stammt das Grab des Geschäftsmanns Jakub Abraham Fiszmann (1956-1996). Er war im Oktober 1996 entführt und trotz Zahlung eines Lösegeldes von vier Millionen D-Mark ermordet aufgefunden worden. Der bewegende Fall beherrschte damals die Medien und die Beerdigung fand unter großer, öffentlicher Anteilnahme, auch in Anwesenheit des damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis statt.

Vor vier Jahren, eine Woche nach seinem 88. Geburtstag, wurde Prof. Arno Lustiger (*1924 in Be?dzin; †2012 in Frankfurt am Main) auf dem Neuen Jüdischen Friedhof bestattet. Lustiger war ein deutscher Historiker mit polnischen Wurzeln. Er hat die NS-Zeit wie durch ein Wunder überlebt, dabei aber viele Angehörige verloren. Nach dem Krieg widmete er sich unter anderem der Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte des jüdischen Widerstands zurzeit des Nationalsozialismus.

Grabstätte für tot geborene Kinder

Die heute etwa drei mal zehn Meter große Grabstätte für tot geborene Kinder wurde im Juni 2002, Gewann E 334a-335a, eingeweiht. Auf einer zuvor ungestalteten Fläche eines ehemaligen Grabes waren seit 1999 bereits 250 tot geborene Kinder anonym beigesetzt worden. Die dann neu gestaltete Anlage "Ein Hauch von Leben" ist rückseitig geprägt von der denkmalgeschützten Eckenheimer Mauer aus rotem Sandstein. Zusammen mit dem Relief einer Madonna mit Kind und Efeubewuchs (Hedera helix) bildet sie den Hintergrund einer gärtnerischen Gestaltung mit weiteren, verschiedenen Steinmetz Elementen. Die weiße Marmor Skulptur zeigt eine sitzende, trauernde Mutter mit gefalteten Händen, die über das Grab blickt. Die Plastik von Friedrich Hausmann (1860-1936) stammt von einem ehemaligen Grab einer 1896 verstorbenen Frau, wurde versetzt und auf einen neuen Sockel gestellt. Das Zentrum der Grabfläche bildete eine große, aus Buchsbaum (Buxus sempervirens var. 'Arborescens') gepflanzte Sternschnuppe. Der Stern mit Schweif "flog" über das Grab. Durch Buchsschäden ist das Bild jedoch nur noch rudimentär vorhanden. Golderdbeeren (Waldsteinia fragarioides), die etwa acht bis zwanzig Zentimeter hoch werden, bilden die Bodendecke. Die ausdauernden, Ausläufer bildenden Rhizomstauden symbolisieren den Wolkenhimmel. Erdbeeren im Allgemeinen haben aber auch eine mythologische und eine christliche Bedeutung. Die germanische Göttin Frigga soll die toten Kinder in Erdbeeren versteckt haben, damit sie unbemerkt nach Walhall gelangen. Die Gottesmutter Maria hingegen soll, so der Glaube, einmal im Jahr auf der Erde für die Kinder im Paradies Erdbeeren sammeln.

Mausoleum Gans (Kolumbarium) des Frankfurter Vereins für Feuerbestattung. Seit 1909 ein Endpunkt der Achse Lindenweg – Neues Portal. Foto: Thomas Herrgen

Eine "zusammengewürfelte" Gemeinschaft: Urnengrabstätte für an HIV und AIDS Verstorbene. Foto: Thomas Herrgen

Gemeinschaftsgrab für Verstorbene der Immunschwächekrankheit HIV und AIDS

Jedes Jahr sterben in Frankfurt am Main noch immer bis zu 80 Personen an HIV und AIDS, überwiegend im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Und oft gibt es niemanden, der ein Grab pflegen könnte. Im Juni 2008 wurde auf dem Hauptfriedhof deshalb eine Grabstätte für diesen Personenkreis eingeweiht. Dazu übernahm die AIDS-Hilfe Frankfurt die Patenschaft eines denkmalgeschützten Urnengrabes von 1929 (Gewann F, Grabnummer 465 u). Ein Wettbewerb lieferte Lösungen für die Gestaltung der etwa sieben mal sieben Meter großen, auf einem kleinen Hügel liegenden Grabstätte, die von Sandsteinmauern im rechten Winkel eingerahmt ist.

Der Aschaffenburger Bildhauer Helmut Hirte gewann mit einem Entwurf, der aus drei Elementen besteht. Das vorhandene Grabmal aus Muschelkalk mit Urnenkammer und einer Stele mit dem Schriftzug "Die Liebe höret nimmer auf" im späten Bauhaus Stil wurde erhalten und als Zentrum herausgearbeitet. Neu hinzu kam ein Stahlrahmen mit einhundert drehbaren, weißen Würfeln aus Jura-Marmor, die die üblichen Grabsteine oder Schrifttafeln ersetzen: Symbol einer mehr oder weniger zufällig "zusammengewürfelten" Gemeinschaft. Jeder Würfel kann auf vier Seiten individuell mit Schrift, Daten, Namen oder anonym gestaltet werden. Das dritte Element sind Marmor-Skulpturen in Form von Bank, Stele und Stuhl, verbunden mit Holz und Metall. Sie laden ein, sich hinzusetzen, zu trauern, nachzudenken, zur Ruhe zu kommen. Polygonale Schrittplatten aus Sandstein erschließen das Grabfeld im Innern und verbinden die unterschiedlichen Elemente miteinander. Äußerlich gerahmt wird das Gemeinschaftsgrab von einer breiten Hecke aus Immergrüner Ölweide (Elaeagnus x ebbingei BOOM) mit zwei Zugängen, während die rund 50 Quadratmeter große Fläche innerhalb der Ruhestätte unter anderem mit Hortensien (Hydrangea spec.), Funkien (Hosta spec.), Silberkerzen (Cimicifuga simplex) und wechselndem Blumenschmuck in Schalen bepflanzt ist. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf etwa 45 000 Euro.

Weitere neue Einflüsse und Trends

Der heute rund 32 Hektar große, mehrfach erweiterte Frankfurter Hauptfriedhof ist in der 700 000 Einwohner zählenden Stadt nur einer von vielen Begräbnisplätzen, aber mit weitem Abstand der größte. Geschichte, Kulturhistorie, Steinmetzkunst und Gartenarchitektur vereinen sich hier zu einem Gesamtkunstwerk. Der parkartige Friedhof leistet heute wichtige Beiträge zur Frischluftbildung und Erholung und ist ein Ruhepol inmitten einer hektischen, ihn umgebenden Stadtstruktur. Der Bereich Haupteingang wurde in jüngerer Zeit behindertengerecht umgebaut, saniert und pflanzlich neu gestaltet.

Jedes Jahr im September gibt es umfangreiche Veranstaltungen zum Tag des Friedhofs. Ein Urnenmausoleum, Urnenwände, Urnengrabfelder, Memoriam-Gräber und anonyme Bestattung auf Rasenfeldern gehören ebenso zum Angebot der Friedhofsverwaltung, wie die Möglichkeit, Grabpatenschaften für historische Gräber mit kunstvollen Grabzeichen zu übernehmen. Gelegentlich finden sogar TV-Dreharbeiten statt und so ist der Frankfurter Hauptfriedhof, der auch über ein eigenes Krematorium verfügt, lebendig, modern und mit noch vielen Freiflächen für die Zukunft bestens gerüstet.

Friedhof allgemein:

www.hauptfriedhof-frankfurt.de

Jüdischer Friedhof:

www.jg-ffm.de (Seite der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main)

www.frankfurt.de (Suchwort: "Neuer Jüdischer Friedhof")

www.spurensuche.steinheim-institut.org

Sternenkinder:

www.land-der-sternenkinder.de

www.initiative-regenbogen.de

Grabstätte "HIV & AIDS":

www.frankfurt-aidshilfe.de

www.helmut-hirte.de

Adresse

Hauptfriedhof, Friedhofsverwaltung (Neues Portal)

Eckenheimer Landstraße 194

60320 Frankfurt am Main

Erreichbarkeit mit ÖPNV:

U5, Haltestellen "Hauptfriedhof" (Neues Portal, Haupteingang) und "Neuer Jüdischer Friedhof"

Literatur

LITERATUR

Nordmeyer, Helmut, Zum Gedenken - Grab- und Denkmäler in Frankfurt am Main, hrsg. v. Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main 2000.

Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main, "Rühmlich in der Reihe des Merkwürdigen und Sehenswerthen" Führung zu Gräbern bekannter Persönlichkeiten auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, Pressemeldung (undatiert).

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2016 .

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