Unesco-Welterbe Schlosspark Babelsberg

Pücklers Brunnen, Wasserfälle und Bachläufe wiederhergestellt

Herzstück des Goldenen Rosengartens: Der bronzener Reiher mit zierlicher Fontäne. Fotos: Gloria Ballhause

Erstmals nach knapp hundert Jahren plätschert und sprudelt es wieder im Schlosspark Babelsberg: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat im August die Wasserspiele von Hermann Fürst von Pückler-Muskau in der ehemaligen Sommerresidenz Kaiser Wilhelms I. in Betrieb genommen. Dazu wurde das rund zehn Kilometer lange Brauchwassernetz saniert. Gekostet hat das Projekt 5,9 Millionen Euro. Das Geld stammt aus einem Sonderinvestitionsprogramm zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft für die Jahre 2008 bis 2017.

Mit den wieder hergestellten Wasserspielen sei etwas Großartiges entstanden. Ein besonderer Teil des Weltkulturerbes Schlosspark Babelsberg sei neu erlebbar, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters anlässlich der Inbetriebnahme. Die Ministerin erklärte, dass ein zweites Investitionsprogramm für weitere Sanierungen vor dem Abschluss stehe. Sehr begeistert sind auch die vielen Besucher, besonders die Babelsberger Anwohner, die der älteren Generation angehören und noch einzelne Teile der Anlage gekannt haben.

Die Gotische Fontäne sprüht einen Wasserstrauch nach oben und liegt unterhalb des Goldenen Rosengartens.

Am Anfang des Bachlaufs, der das Wilhelmsbecken speist, sprudelt ein kleiner Quelltopf.

Insgesamt wurden fünf Brunnen, drei Wasserfälle, ein Bachlauf mit Quellfontäne, das Wilhelmsbecken sowie das so genannte Schwarze Meer wiederhergestellt. Auch die fünf Schlossterrassen mit ihren Setzstufen und Stützmauern aus Naturstein erstrahlen in neuem Glanz. Besonders prächtig ist der restaurierte Städte-Brunnen auf der Porzellanterrasse. Er war einstmals ein Geschenk der Dombauhütte Köln für die Bemühungen Friedrich Wilhelms IV. und Wilhelms I. um die Vollendung des Kölner Domes.

Bronzener Reiher, Gotische Fontäne, Schwarzes Meer

Die Terrassen verbinden das Schloss mit dem Pleasureground, dessen Grundstruktur bereits auf das erste Jahrzehnt der Parkgestaltung unter Peter Joseph Lenné zwischen 1833 und 1843 zurückgeht. Nach dem Bau eines Maschinenhauses und eines Bewässerungssystems bereicherte Pückler ab 1843 den Pleasureground mit Wasserspielen, weiteren Gärten, Wegen, Beeten und Ziergehölzen. Zu sehen sind dort nun wieder drei Gartenräume mit je einem eigenen Wasserspiel: Im Goldenen Rosengarten speit ein bronzener Reiher aus seinem Schnabel eine zierliche Fontäne nach oben. Unterhalb des Goldenen Rosengartens versprüht die Gotische Fontäne einen Wasserstrauch. Wieder angeschlossen ist auch der Adlerbrunnen mit vier löwenköpfigen Wasserspeiern, dessen ursprüngliche Adlersäule aber nicht mehr erhalten ist.

Wo sich jahrzehntelang eine schlichte Rasensenke befand, liegt heute das größte Gewässer der Pücklerschen Wasserspiele. Rund 200 Meter oberhalb des Schlosses wurde das Schwarze Meer mit seinen vier Inseln mit Hilfe von Böschungsvermessungen rekonstruiert. Eindrucksvoll ist auch der 200 Meter lange Bachlauf, an dessen Anfang ein kleiner Quelltopf sprudelt und der das Wilhelmsbecken speist, aus dem der Wilhelmswasserfall hervorgeht.

Drei Wasserfälle freigelegt

Ein Blickfang vom Uferweg aus sind die Wasserfälle. Ihre Steinsetzungen bestehen aus Klinkerschmolz - aus fehlerhaft gebrannten Ziegelsteinen, die den Eindruck von Lavagestein erwecken. Drei Wasserfälle wurden im Verlauf des Projekts aufwendig aus den Bodenschichten freigelegt. Viele Bereiche konnten nach der Freilegung erhalten und durch Erneuerung der Fugen sowie durch lose platzierte Steine restauriert werden.

Zwei der drei Wasserfälle werden aus dem Brauchwassernetz gespeist. Der Wasserfall unterhalb der Gotischen Fontaine erhält sein Wasser von den Brunnen im Pleasureground. Der in der Nähe des Maschinenhauses gelegene Wilhelmswasserfall wird über das oberhalb liegende Wilhelmsbecken betrieben. In diesem Becken werden das Wasser des Städtebrunnens auf der Porzellanterrasse und das Wasser des angeschlossenen Bachlaufes aufgefangen. Pro Jahr fließt rund eine halbe Million Kubikmeter Wasser durch zehn Kilometer Rohre.

Pückler-Ausstellung in Schloss und Park

Für das Publikum öffnet das Schloss zeitweise in der Saison 2017 wieder. Vom 29. April bis zum 15. Oktober 2017 richtet die SPSG im Schloss und im Park Babelsberg die Sonderausstellung "Pückler.Babelsberg - Der grüne Fürst und die Kaiserin" aus. Besucher können dann dem Gartenkünstler Pückler inmitten einer seiner Schöpfungen begegnen. Gloria Ballhause

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 09/2016 .

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