BUGA Havelregion 2015 mit 11 Mio. Euro Defizit

Wie aus 713 000 mehr als 1 050 000 Besucher wurden

Das Grundproblem der Finanzierung der BUGA Havelregion 2015 lag in der Anzahl der Besucher, die sehr viel geringer ausfiel, als von den Veranstaltern erwartet. Gegenmaßnahmen kamen laut Rechnungsprüfer leider viel zu spät. Foto: Mechthild Klett

Die offiziellen Zahlen zur Bundesgartenschau Havelregion 2015 wurden möglicherweise geschönt und massiv übertrieben. Das geht aus Berichten der Tageszeitung "Märkische Allgemeine" hervor. Sie veröffentlichte Informationen aus einem 44-seitigen Prüfbericht zum Jahresabschluss 2015 des Buga-Zweckverbandes. Er wurde von mehreren Prüfern um Claus-Dieter Hartmann, dem Leiter des Rechnungspüfungsamts Brandenburg an der Havel, einer Außenstelle des Landesrechnungshofs, erstellt.

Nur 694 141 Tageskarten regulär verkauft

Statt der offiziell verkündeten 1,05 Millionen Besucher, wurden danach lediglich 694 141 Tageskarten regulär verkauft. Insgesamt verteilt wurden 755 614 Karten. Davon wurden 20 000 gratis für Gewinnspiele und Kooperationspartner abgegeben, weitere 41 000 wurden storniert. Hinzu kamen 19 742 verkaufte Dauerkarten. Dies sind insgesamt rund 713 000 regulär verkaufte Karten. Nach Angaben der Prüfer wurde zur Berechnung der Besucherzahl die Anzahl der Dauerkarten vom Veranstalter mit dem Faktor zwölf multipliziert und zu den Einzelkarten addiert. Der Faktor soll für die durchschnittliche Zahl der Besuche je Dauerkartenbesitzer auf den Bundesgartenschau-Arealen stehen. Bei der Finanzierung der BUGA durch die beteiligten Kommunen und beim von ihnen mit der Bundesgartenschaugesellschaft zusammen gegründeten Zweckverband, der BUGA-Gesellschaft mbH war ursprünglich mit 1,5 Millionen Besuchern gerechnet worden, (siehe a. Stadt+Grün 04/2015, S.17f., Interview zur BUGA 2015 mit DBG-GeschäftsführerJochen Sandner). Obwohl auch in den Pressemitteilungen der BUGA immer von Besuchern und nicht von Besuchen die Rede war, etwa am 28.09.2016 zur Einladung einer Pressekonferenz, um den 1000 000sten Besucher zu präsentieren, zeigt sich Jochen Sandner, Geschäftsführer der Bundesgartenschaugesellschaft irritiert: "Es sind über 750 000 Einzelkarten und knapp 20 000 Dauerkarten, die mit dem Benutzungsfaktor 12 gezählt wurden, ausgereicht worden. Das ist im System auch so nachweisbar und führt zu der offiziell genannten Zahl von 1,05 Millionen Besuchen. In der Kommunikation sind es immer Besuche und nicht Besucher. Die mit den Besuchen verbundenen Einnahmen sind plausibel. Ich kann den Bericht des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt Brandenburg a. d. Havel nicht nachvollziehen und auch nicht das, was die Presse kommuniziert", meint Sandner.

2015 freuten sich alle auf den Ticketverkauf: Heute stehen der Geschäftsführer und die Vorsteherin des BUGA-Zweckverbandes, Erhard Skupch (2v.r.) und Dietlind Tiemann (vorne) stark unter Druck. Mit im Bild: Die Bürgermeister der BUGA-Kommunen. Foto: BUGA-Zweckverband

Die Differenzierung von Besuchen und Besuchern soll ein Hilfmittel sein, um die zu geringen Besucherzahlen zu rechtfertigen. Wie konnte dann der 1000000ste Besucher auf der BUGA empfangen werden? Foto: Mechthild Klett

Der Geschäftsführer des Zweckverbandes BUGA-Gesellschaft mbh, Erhard Skupch, teilt diese Auffassung, widerspricht dem Rechnungsprüfungsbericht und rechnet auch anders: Er bestand darauf, dass etwas mehr als 750 000 Tageskarten verkauft und über 250 000 Besuche von Dauerkartenbesitzern gezählt worden seien. Das entspräche rund einer Million Besucher. Skupch betonte gegenüber dpa, es sei von Anbeginn mit einem "System von Besuchen und Besuchern gearbeitet" worden. Eingangs-Scanner hätten alles digital erfasst.

Die Rechnungsprüfer haben der BUGA-Zweckverbandsversammlung empfohlen, ihre Vorsteherin, die Brandenburger Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann, nur teilweise zu entlasten. Ursache dafür sind zahlreiche weitere Beanstandungen: So seien nach der BUGA verkaufte Ausstattungsgegenstände wie Außenmöbel oder Büroeinrichtungen zu günstig abgegeben worden. Zudem wären Rechnungsbelege im BUGA-Betrieb vor der Kontierung überweißt worden. Die "Abstimmung der Zahlungsmittelkonten mit den Bankkonten erfolgte nicht entsprechend der gesetzlich vorgesehenen täglichen Abstimmung, sondern wurde monatlich vorgenommen", heißt es im Prüfbericht. "Es wird festgestellt, dass die Grundsätze der ordnungsgemäßen Buchführung nicht in vollem Umfang eingehalten wurden."

Die Entlastung von Tiemann ist von den Mitgliedern des Zweckverbandes nun jedoch erfolgt. Eine Fehleranalyse des Geschäftsgebarens der BUGA GmbH wurde aber nicht angestrebt. Der ehemalige Geschäftsführer des Zweckverbandes, Erhard Skupch, räumt nach Presseberichten der "Märkischen Allgemeinen" aber Fehler ein. So sei BUGA-Inventar in Größenordnungen an Zweckverbandsmitarbeiter zu Listenpreisen verkauft worden. Die Prüfer hatten dabei moniert, dass in den vom Zweckverband selbst aufgestellten Preislisten viele Artikel unter Wert angeboten wurden - also auch den Mitarbeitern. Skupch wies darauf hin, dass das Ziel eines Verkaufserlöses von 200 000 Euro überboten worden sei. Doch auch dieses Ziel war im eigenen Haus definiert worden und hätte durchaus höher sein können. Da der Zweckverband jedoch keine ordentlichen Inventurlisten geführt hatte, wie ihm die Rechnungsprüfer mehrfach bescheinigten, sei kaum Kontrolle möglich gewesen.

Ein weiterer Kritikpunkt des Rechnungshofes war, dass "zu spät Maßnahmen gegen ausbleibende Besucher ergriffen" worden waren, obwohl frühzeitig ein Absinken der BUGA-Besucherzahlen erkannt worden sei. Das vorhandene Potenzial sei nicht genutzt worden. Nach Angaben der Prüfer fielen schon eine Woche nach Veranstaltungseröffnung die täglichen Besucherzahlen auf 4000 im Schnitt. Geplant waren jedoch waren 6800 Besucher täglich. Doch erst zur Halbzeit der Bundesgartenschau räumte der Veranstalter ein, dass weniger Gäste gekommen waren als erwartet und ergriff Gegenmaßnahmen.

Dabei wurden vom Veranstalter Argumente verwendet, die nicht mit der Realität übereinstimmten: So hieß es im Juli 2015, schwere Unwetter, ein langer Bahnstreik und eine Hitzeperiode seien die Ursache für ausbleibende Besucher gewesen. Demgegenüber stellten die Rechnungsprüfer nun fest: "Andere Ereignisse wie drei Bahnstreiks oder die zweimalige Schließung des Standortes Rathenow hatten entweder keinen oder nur einen geringfügig behindernden Einfluss auf den Verkauf von Tageskarten."

Das Gesamtdefizit: 11,04 Millionen Euro

Die Brandenburger Rechnungsprüfer beziffern das Gesamtdefizit der BUGA Havelregion inzwischen auf 11,04 Millionen Euro. Mit dazu beigetragen haben auch unrealistische Verträge des BUGA-Zweckverbandes mit der Wiemannwerft Gastro GmbH, der Kreissparkasse Stendal und dem Souvenirhersteller MAX 2001. Der Verband musste deshalb auf Forderungen von 230 000 Euro verzichten.

Mechthild Klett und Christian Münter

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 02/2017 .

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