Jinhua City, China

Yanweizhou Park ist World Landscape Of The Year 2015

Der Yanweizhou Park in Jinhua City, China, erhielt Anfang November die Auszeichnung World Landscape of the Year 2015. Das chinesische Landschaftsarchitektur-Büro Turenscape hatte den 26 Hektar großen Park an einer Flussgabelung unter der Leitung von Kongjian Yu im Auftrag der Stadt geplant. Im Mai 2014 entstand die Parklandschaft, die zu Zeiten des Monsuns auch als Flutbecken dient. Die farbenfrohe Brücke, die die Millionenstadt über den Fluss verbindet, wird seither täglich von etwa 40 000 Besuchern genutzt.
Wo sich die Flüsse Wuyi und Yiwu zum Jinhua Fluss vereinen, sollte eigentlich eine durch Flutwände trockengelegte, erhöhte Parklandschaft entstehen. Die Landschaftsarchitekten von Turenscape aber überzeugten die Stadt von einem nachhaltigeren Entwurf, der das üppige und abwechslungsreiche Ökosystem des Feuchtgebiets retten konnte. Anstatt das Gelände vor den Monsunfluten abzuschirmen, arrangierte man sich mit ihnen.
Die Planer gestalteten das Ufer terrassenförmig, so dass je nach Menge der Niederschläge mehr oder weniger Fläche überflutet wird. Außerdem ist gebietsheimische Vegetation gepflanzt worden, die an temporäre Überflutung angepasst sind. Sie profitiert sogar noch von dem nährstoffreichen Schlamm, den die Flüsse anspülen. Auch die Fußgängerwege und Pavillons halten den Wassermaßen stand. Der Belag der Pfade besteht aus Schotter und Kies. Selbst die Parkplätze und ihre Anfahrtsstrecken sind nicht vollends versiegelt, sondern aus einem durchlässigen Beton erbaut.

Die 700 Meter lange Fußgängerbrücke Bayong Bridge verbindet den Park mit dem Süd- wie dem Nordteil der Stadt.

Eine neue 700 Meter lange Fußgängerbrücke mit dem Namen Bayong Bridge verbindet den Park mit dem Süd- wie dem Nordteil der Stadt. Ihr Design beruht auf einer regionalen Tradition während des Frühlingsfestes: der des Drachentanzes. Dabei bauen Familien lange bunte Drachen aus Holzbänken und tanzen damit durch die Straßen.. Wie ein farbenfroher Lindwurm schlängelt sich deshalb auch die Brücke über die Fluss- und Parklandschaft. Die Stahlkonstruktion derfünf Meter breiten Hauptbrücke wurde auf dem Höhenlevel einer 200-Jahres-Flut erbaut. Diverse vier Meter breite Rampen ermöglichen den Passanten auch Zugang zu den unterschiedlichen Ebenen der terrassenförmigen Uferlandschaft. Der Bodenbelag ist aus Bambus gefertigt. Aus Fiberglas besteht das in kräftigen Rot- und Gelbtönen gehaltene Geländer, das nachts von LED-Leuchten im Boden in Szene gesetzt wird.
Den Park mit dem existierenden Opernhaus in eine harmonische Verbindung zu bringen, war eine Herausforderung für die Architekten. Zum einen weil seine ovale Form das Opernhaus eher von der Landschaft abschottete, zum anderen weil der Park in den Pausen von den zahlreichen Opernbesuchern genutzt wird, aber auch denen zur Verfügung stehen soll, die ein intimeres Naturerlebnis suchen. Darüber hinaus stellte sich die Frage, wie das mit allen Mitteln gegen die Flut gesicherte Gebäude in das nun ausdrücklich für eine Flutung vorgesehene Ufergelände integriert werden kann.
Für die Architekten von Turenscape lag die Lösung in einer übergreifenden Formensprache, die auf Kurven und Kreisen beruht, um die Oper in die neugestaltete Umgebung zu intergrieren. Die Brücke, die Terrassenbefestigungen, die Bepflanzungen, die Pfade - sie alle sind kurvig, nicht linear angelegt. Eine gepflasterte Freifläche bietet dem Opernpublikum Platz. Die Windungen ihrer Begrenzung und eine Reihe ovaler Pflanzflächen umrandet mit langen Bänken, lassen Nischen für Besucher entstehen, die eher nach etwas mehr Abgeschiedenheit suchen.
Der World Landscape of the Year Award wird jährlich während des World Architecture Festivals vergeben, das in diesem Jahr in Berlin stattfinden wird. brs

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2016 .

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