Neuentdeckung urbaner Freiräume – eine Positionsbestimmung

10 Thesen zum Stadtgrün

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Abb. 1: Integrierte Betrachtung grüner, blauer und grauer Infrastruktur, Lettenviadukt und Stadtpark Josefswiese in Zürich. Foto: Katrin Korth

Die mediale und politische Aufmerksamkeit für das Thema Stadtgrün unterliegt seit Jahren Schwankungen mit seltenen Ausschlägen nach oben. Kleingärten, Straßenbäume, städtische Parks - hier beispielhaft für das weite Feld des Stadtgrüns benannt - galten lange als eher unpolitische und am persönlichen Wohlbefinden orientierte Themen, nicht geeignet für politische Schwerpunktsetzungen. Und so fanden sich diese Themen meist nur in den Feuilletons wieder, dann eher mit Berichten über spektakuläre Parks wie beispielsweise die Highline in New York oder aktuell die neuen Staudenpflanzungen von Piet Oudolf auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein (wobei beides zweifelsohne sehenswert ist).

Auch auf der bundespolitischen Ebene war die Auseinandersetzung mit Stadtgrün zuletzt eher nachgeordnet. In den Wahlprogrammen der Parteien findet sich das Thema, wenn überhaupt, nur sehr implizit. Gleichzeitig ist die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen direkt vom Stadtgrün betroffen.

Auf dieser mikrostädtischen Ebene gibt es eine große Aufmerksamkeit, die sich auch gern mal in wütenden Statements über vermeintlich unnötige Baumfällungen öffentlichkeitswirksam Raum verschafft. Dann steigt kurzfristig die kommunalpolitische Aufmerksamkeit, die spätestens bei der Verteilung der Haushaltsmittel und knapp bemessener Unterhaltungsmittel wieder endet (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die städtischen Grünflächenämter und -abteilungen kennen dieses Dilemma des Spagats zwischen der öffentlichen und der politischen Wahrnehmung leider nur zu gut.

Abb. 2: Urbane Freiräume während Corona, Verbote und Nutzungsbeschränkungen. Foto: Katrin Korth

Abb. 3: Eine der größten Herausforderung beim Stadtgrün ist eine angemessene Pflege und Unterhaltung. Foto: Katrin Korth

Seit einiger Zeit wird verstärkt über Stadtgrün gesprochen, auch außerhalb der grünen Verbände und Organisationen oder der Branchen- und Fachzeitschriften. Diese Aufmerksamkeit hat mehrere Ursachen, wobei drei Faktoren eine Sonderrolle einnehmen:

  • Klimawandel und abnehmende Biodiversität: Die Diskussionen um den Klimawandel verlaufen momentan vor allem entlang wirtschaftlicher Aspekte und des großen Themas der CO2-Reduktion. Dabei ist für die Städte ebenso das zweite wichtige Thema die Stadtklimaanpassung. Stadtklimaanpassung wiederum braucht zwingend funktionierendes Stadtgrün. Mögliche weitere Anpassungsmaßnahmen sind wesentlich an den Ausbau und die Stärkung von Stadtgrün gekoppelt.
  • Soziale Herausforderungen in den Städten: Wohnraum ist mittlerweile nicht nur in Großstädten Mangelware. Viele Menschen leben unter ungünstigen Wohnbedingungen und sind dringend auf wohnortnahe Freiräume angewiesen. Freiräume sind Begegnungsräume. Menschen unterschiedlicher geopolitischer Herkunft, unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen sozialen beziehungsweise Bildungsstatus können sich nur im öffentlichen Raum schrankenlos begegnen. Plätze, Parks und Spielplätze sind Schmelztiegel für Integration. Damit ist die Verfügbarkeit an attraktiven Grünflächen und Parks immer eine soziale und sozialpolitische Frage.
  • Gesundheit und Vulnerabilität: Immer mehr Menschen leben unter ungesunden Rahmenbedingungen. Ein bewegungsarmer Lebensstil und eine häufig auf das Auto ausgerichtete Fortbewegung haben erhebliche gesundheitliche Auswirkungen in allen Altersgruppen. Kommen ungünstige soziale Bedingungen und ungünstige städtebauliche Bedingungen, wie zum Beispiel fehlende oder gering vernetzte Freiräume hinzu, erhöht sich das Risiko für Erkrankungen. Die Grün- und Freiflächenverfügbarkeit hat damit erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und in Bezug auf Klimawandel auch die Widerstandsfähigkeit (Vulnerabilität) der Städte, sind doch ältere Menschen besonders von Hitze betroffen.

Die immer noch nicht überwundene Coronapandemie wirkte zusätzlich wie ein Brennglas. Spielplätze und Bolzanlagen wurden gesperrt, gleichzeitig wurden öffentliche Parkanlagen und stadtnahe Ausflugsziele von Menschenmassen überrannt. Während der Platz in den städtischen Parkanlagen nicht mehr ausreichte und die Gehwege zu schmal waren, um 1,5 Meter Abstand zueinander zu halten, waren die sonst mit Autos verstopften Straßen leer.

Die Fehlentwicklungen der seit Jahrzehnten planerisch und politisch betriebenen autogerechten Stadt wurden selten so deutlich wie in dieser Zeit. Verstärkt werden die Diskussionen über das Stadtgrün auch durch die in diesem Jahr besonders verheerenden Unwetterereignisse. Die in den auf die Unwetter schnell gezogenen Schlüsse verkennen allerdings, dass Stadtgrün nicht der Schlüssel für alle anstehenden Probleme sein kann.

Aber, so lässt sich festhalten, Stadtgrün ist wichtig und so wird darüber wieder diskutiert. Das ist positiv. Aufgabe ist es nun, die Diskussion und damit auch das politische Handeln zu verstetigen. Denn, soviel sollte allen klar sein, wer Stadtgrün fördern will, braucht einen langen Atem. Lippenbekenntnisse und kurzfristiger Aktionismus reichen nicht.

Abb. 4a: Die stadtklimatische Wirkung von Bäumen, dörfliche Hauptstraße ohne Bäume. Foto: Katrin Korth

Abb. 4b: Die stadtklimatische Wirkung von Bäumen, dörfliche Hauptstraße ohne Bäume, Wärmebildaufnahme an einem durchschnittlichen Sommertag, Lufttemperatur 25 Grad Celsius, die Aufheizung der Flächen infolge fehlender Verschattung und Verdunstungsmöglichkeiten der Oberflächen ist deutlich erkennbar. Foto: Katrin Korth

Abb. 5a: Die stadtklimatische Wirkung von Bäumen, die gleiche dörfliche Hauptstraße mit Bäumen. Foto: Katrin Korth

Abb. 5b Die stadtklimatische Wirkung von Bäumen, die gleiche dörfliche Hauptstraße mit Bäumen, Wärmebildaufnahme an einem durchschnittlichen Sommertag, Lufttemperatur 25 Grad Celsius, die Kühlungswirkung durch Verschattung und Verdunstung ist deutlich erkennbar. Foto: Katrin Korth

Stadtgrün im politischen Handeln

Eingang in einen strategisch angelegten bundesfachpolitischen Prozess fand das Thema in der Legislaturperiode 2014 bis 2017, maßgeblich initiiert und begleitet durch die damalige Umwelt- und Bauministerin Barbara Hendricks. Aus dem Prozess "Zukunft Stadtgrün" ging das gleichnamige - und ausschließlich dem Stadtgrün verpflichteten - Städtebauförderprogramm hervor, welches mit viel Hoffnung bei den Kommunen begonnen wurde. Aus einem grundsätzlich verständlichen Wunsch der Gesetzgebenden heraus, das Fördermittelprozedere insgesamt zu vereinfachen, ging das Programm in der folgenden Legislatur in anderen Städtebauprogrammen auf. Für die kontinuierliche Förderung des Stadtgrüns muss diese Entwicklung jedoch insgesamt als negativ betrachtet werden.

2020 und 2021 wurden kurzfristig zwei Förderprogramme zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel aufgelegt. Beide Male erfolgte die Vergabe offenbar im Windhundprinzip und war nur teilweise fachlich begleitet, dafür verlief sie in enger und direkter Verknüpfung mit der Bundespolitik.

Zudem waren beide Programme in ihren Zielsetzungen mit allerlei Schlagworten völlig überfrachtet. "Besondere, innovative Ansätze mit einer gewünschten hohen Wirksamkeit für den Klimaschutz und einer hohen CO2-Minderung" - nahezu jede Grünanlage, jeder Park, jede Grünraumvernetzung verfolgt diese Ziele, auch wenn das nicht jedes Mal explizit benannt wird. Ohnehin gehen die hochgeschraubten Zielsetzungen leider an der Lebenswirklichkeit und auch den Realitäten in den Grünflächenabteilungen vor allem kleinerer Städte und Landkommunen deutlich vorbei. Diese sind nur selten in der Lage, die umfangreichen Förderanträge korrekt zu stellen und haben in der Regel nicht einmal Fachpersonal in ihren Amtsstuben.

Aktuell gibt es wieder zwei Programme, die für Stadtgrünmaßnahmen in Frage kommen. Mit dem neuen Förderschwerpunkt Stadtnatur beim Bundesumweltministerium für Umwelt sollen kommunale Biodiversitätsstrategien erarbeitet und umgesetzt werden, gefördert werden auch Biodiversitätsmanagerinnen. Kommunen können Förderungen erhalten, wenn sie den Anteil an naturnahen Grün- und Freiflächen erhöhen und ein ökologisches Grünflächenmanagement einführen wollen.

Ziel ist die Verbesserung der Vielfalt an Naturflächen, Pflanzen-, Tier- und Insektenarten. "Dazu gehören die Gestaltung und Pflege der Flächen, die Verwendung von gebietseigenem Saat- und Pflanzgut, der Erhalt von Alt- und Biotopbäumen sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und chemische Dünger. Siedlungstypische Arten, wie etwa Mauersegler oder Zwergfledermaus, sollen erhalten und ihre Lebensräume entwickelt und vernetzt werden. Die Projektmaßnahmen sollen Natur für die Menschen erlebbar machen und dazu beitragen sie kennenzulernen, sie mitzugestalten und als Begegnungsraum zu nutzen."

Leider steht zu befürchten, dass auch dieses Programm an der Realität vieler Städte vorbeigeht, da hier ein Thema sehr spezifisch fokussiert wird, welches normalerweise ein Baustein innerhalb des städtischen Grüns und des Grünflächenmanagements ist und mit dem Förderschwerpunkt in seiner Bedeutung möglicherweise deutlich überhöht wird. Als Reaktion auf Corona wurde im Sommer das Programm "Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren" aufgelegt. Damit sollen Städte und Gemeinden dabei unterstützt werden, "Neues auszuprobieren und Experimente in der Stadtentwicklung zu wagen, damit unsere Stadtzentren und Dorfkerne weiterhin attraktiv und lebenswert bleiben." Thematisch benannt werden hierin unter anderem lokale Erholungsmöglichkeiten, die Bedeutung von Grün- und Freiflächen im direkten Wohnumfeld und gesellschaftliches Leben im öffentlichen Freiraum.

Der schlaglichtartige Blick auf die Förderpraxis zeigt das aktuelle Dilemma. Immer noch gibt es kein ausreichendes strategisch-politisches Handeln beim Stadtgrün und keine kontinuierliche Förderung, auf die man sich einstellen könnte. Die windhundartig aufgebauten Förderprogramme verhindern langfristige konzeptionelle Überlegungen. Viele kleinere Kommunen haben Schwierigkeiten, die Fördermittel überhaupt zu beantragen. Der ländliche Raum bleibt bei den Programmen ganz auf der Strecke. Vor allem aber ist die Verlässlichkeit der aktuellen Fördermittelpraxis zu gering und der Aufwand für immer wieder neue Anträge viel zu groß. Trotzdem stellen Kommunen natürlich irgendwie die Anträge, denn die Fördersätze, wenn man denn einen Zuschlag erhält, sind in der Regel attraktiv.

Die größte Schwierigkeit beim Thema Stadtgrün besteht jedoch ohnehin nicht in zu geringen Investitionen für den Bau oder der Förderung, sondern in der Pflege. Sie ist Aufgabe der Kommunen und gerade hier haben viele Kommunen grundlegende und strukturelle Defizite. Es mangelt an langfristig gesicherten Mitteln, um Bäume zu bewässern, Jungbaumpflege zu betreiben, Spielplätze ausreichend zu pflegen, Brunnen und Wasserspiele zu betreiben. Wie sollen also angesichts einer Situation, in der nur das absolut Nötigste gemacht wird, innovative Ideen entwickelt werden? Wer soll diese innovativen Ideen umsetzen? Wer pflegt die Ergebnisse der innovativen Ideen?

Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau forderte deswegen vor der Bundestagswahl völlig zu Recht mehr gezielte, wirksame Förderprogramme für den Klimaschutz mit Hilfe von Stadtgrün und eine "grüne Milliarde" für Investitionen in die grüne Infrastruktur sowie langfristige, gute Rahmenbedingungen für die grüne Branche.

Der BGL rief auch dazu auf, die Mittel für Grün in der Stadt und im ländlichen Raum deutlich auszuweiten. "So müssten Städte und Gemeinden gerade in diesen Zeiten in die Lage versetzt werden, die dringend nötige Anpassung an den Klimawandel anzupacken. Zudem trage gestaltetes Grün zur Wiederbelebung der Innenstädte sowie Ortskerne bei und eröffne der Bevölkerung Räume zur Erholung." Das klingt pragmatisch und nicht so sehr nach Innovation, dafür aber nach langfristiger Strategie.

Und so gilt es jetzt, konkrete Antworten finden auf den Umgang mit Klimawandel und Stadtklima, Gesundheit, Mobilität und die sozialen Fragen sowie Lösungen für die Finanzierung einzufordern. Denn klar sollte allen sein, bis wir beim Stadtgrün konkrete positive Effekte spüren, vergehen Jahre. Bäume wachsen nicht schneller, auch wenn wir uns das wünschen.

Abb. 6: Fassadenbegrünung ist jenseits einiger Vorzeigebeispiele immer noch die Ausnahme, obwohl ihre stadtklimatische Wirksamkeit nicht nur für die Freiräume sondern auch das Gebäudeinnere nachgewiesen ist, Hunziker Areal Zürich. Foto: Katrin Korth

Abb. 7: Höchste stadtklimatische Wirkung – Bäume und Entsiegelung, Oerlikonpark Zürich. Foto: Katrin Korth

Was das Stadtgrün braucht - Forderungen für jetzt und die Zukunft

Momentan gibt es ein Umsetzungsdefizit und teilweise auch ein Forschungsdefizit. Vor allem aber gibt es in Bezug auf Fördermöglichkeiten ein Kontinuitätsdefizit. Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels aktiv und positiv gestalten wollen, braucht es eine deutliche Schwerpunktsetzung hin zum Stadtgrün und deutlich mehr Mittel für das Stadtgrün. Stadtgrün ist der Schlüsselbaustein bei der Klimaanpassung und dies in verschiedenen Teilbereichen.

These 1 - Stadtklimaaktive Räume im Wechselspiel von Bauwerken und Freiraum: notwendig ist eine viel stärkere integrierte Betrachtung, die den engen stadtklimatischen Wechselwirkungen zwischen begrüntem Bauwerk und Freiraum Rechnung trägt. Dafür müssen die Planungsprozesse von Freiraum und Bauwerk miteinander verschränkt werden. Notwendig sind ähnlich wie bei der Solarförderung klare stadtplanerische und vor allem politische Rahmensetzungen, die Gebäudegrün stärker fördern und beispielsweise steuerliche Vergünstigungen für den Ausgleich der Mehraufwendungen bei der Pflege möglich machen.

These 2 - mehr Bäume für Beschattung, Verdunstung, Abkühlung: die Bedeutung von Bäumen für die Stadt ist seit langem bekannt und wird immer wieder benannt, dennoch werden vor allem bei innerstädtischen (öffentlichen und privaten) Freiräumen häufig zu wenige neue Bäume gepflanzt. Alle Baumaßnahmen, egal ob Umbau oder Neubau, egal ob öffentlicher oder privater Freiraum, sollten grundsätzlich mit einem Plus in der Baumbilanz abschließen. Möglich wäre das über ein Baumpflanzungsgebot.

These 3 - Entsiegelung für mehr Verdunstung und Starkregenabfluss: immer noch werden zu viele Flächen im Zuge von Baumaßnahmen versiegelt, auch weil die Unterhaltung versiegelter Flächen billiger ist. Das Phänomen findet sich in den öffentlich wie in den privaten Räumen. Notwendig sind Flächenförderungen für Entsiegelungen, Versiegelungsverbote sowie klare Rahmensetzungen für Flächenbilanzen in den Bauvorschriften.

Abb. 8: Durch integrierte Betrachtung grüner, blauer und grauer Infrastruktur kann lebenswerter Stadtraum für alle entstehen, Weststadt Tübingen. Foto: Anne Faden

Abb. 9: Wasser zur Abkühlung – temporärer Wasserspass in Kehl. Foto: Katrin Korth

Abb. 10: Spazierweg, Blühwiese, Ausgleichsfläche, Regenwasserretention, Raum für Sport und Bewegung, Lärmschutzwall – multifunktionale Freiraumgestaltung in Heilbronn. Foto: Katrin Korth

These 4 - integrierte Betrachtung von grünen, blauen und grauen Infrastrukturen: über die integrierte Betrachtung wird seit Jahren diskutiert, dennoch findet sie bisher nur in einigen Projekten Eingang. Gerade solche planerischen Prinzipien wie das Schwammstadtprinzip funktionieren aber nur mit einem integrierten Ansatz. Der integrierte Ansatz sollte bei jedem Projekt der städtischen Freiraumgestaltung und ebenso bei technischen Infrastrukturprojekten für Straßen, Brücken oder Kanal nachgewiesen werden.

These 5 - Klimaanpassung mit Wasser zur Abkühlung und Bewässerung: Wasser, sowohl zum Vergnügen als auch zur Bewässerung gilt immer noch oder auch wieder als Luxus. Als Baustein zur Stadtklimaanpassung ist Wasser relevant. Notwendig sind strategische Vorgaben, wo und wie Wasser verwendet werden soll, zum Beispiel über Trinkbrunnenkonzepte, Baumbewässerungskonzepte etc. und Vorgaben, welche Mittel dafür bereitgestellt werden müssen. Geprüft werden sollte, ob Wasserprojekte als Daseinsvorsorge an die Gebührenfinanzierung (ähnlich wie beim Abwasser) gekoppelt werden können.

These 6 - Bewegungsanimierende Freiräume zur Gesundheitsförderung: nur wenn die Belange zu Fuß gehender und radfahrender Menschen in den Mittelpunkt der Stadtplanung gestellt werden, können auch Stadträume entstehen, die der Gesundheitsförderung dienen. Das Prinzip der sogenannten Gleichwertigkeit der unterschiedlichen Verkehrsarten geht immer noch zu Lasten zu Fuß gehender und radfahrender Menschen und muss politisch zugunsten der Bevorrechtigung des Umweltverbundes geändert werden.

These 7 - Mobilitätswende als Chance für mehr Grün in der Stadt: den meisten Platz in der Stadt beanspruchen parkende Autos beziehungsweise die vielen Parkplätze im öffentlichen und halböffentlichen Raum. Wenn nur ein Teil dieser Flächen umgewandelt wird, entsteht Platz für mehr Grün und Aufenthalt. Der Umweltverbund (ÖPNV-Trassen, Radwege) sollte wiederum vorrangig als grüne Infrastruktur realisiert werden.

These 8 - angemessene Unterhaltungsmittel bereitstellen: Stadtgrün, ob öffentlich oder privat, war noch nie nur eine freiwillige Aufgabe der Daseinsvorsorge, auch wenn das mancherorts so gesehen wird. In Zeiten von Klimawandel wird nun noch deutlicher, dass die Unterhaltung des Stadtgrüns eine zwingende Aufgabe der Daseinsfürsorge ist. Deshalb sind angemessene finanzielle Rahmenbedingungen unerlässlich.

These 9 - einfache Förderinstrumente für Stadt und Land auflegen: zwingend notwendig ist die Vereinfachung der Förderinstrumente und eine Verstetigung der Mittel. Notwendig ist eine angemessene Berücksichtigung des ländlichen Raums, der von den Auswirkungen des Klimawandelt zwar schwächer, aber letztlich auch betroffen ist und wo aufgrund der spezifischen Verwaltungsstrukturen seltener strategische Zukunftsbetrachtungen angestellt werden.

These 10 - Forschung ausbauen: neben dem Umsetzungsdefizit gibt es ein Forschungsdefizit, welches beim Thema Stadtklimaanpassung offensichtlich wird. Welche Baumarten eignen sich für Schwammstadtelemente, welche Effekte lassen sich durch eine gezielte Materialwahl erreichen, welche einfachen Prüf- und Steuerungsinstrumente gibt es, um stadtklimatische Effekte abzuschätzen, welche konkret messbaren Auswirkungen haben spezifische Begrünungs- oder Entsiegelungsmaßnahmen, wie lässt sich eine CO2-Einsparung berechnen und vergleichen . . . das sind beispielhafte Fragen, die momentan nicht hinreichend beantwortet werden können und die im Planungsalltag deshalb untergehen. Hierfür braucht es vergleichbar mit der Radverkehrsforschung eine anwendungsorientierte Stadtklimaforschung.

Diejenigen, die seit vielen Jahren im Stadtgrün aktiv sind, finden in den zehn Thesen Bekanntes. Über vieles wird schon lange und immer wieder aufs Neue diskutiert. Aufgabe sollte jetzt dennoch sein, diese Fragestellungen stärker in die politischen und gesellschaftlichen Debatten hineinzutragen, denn dort sind sie bisher nicht ausreichend verankert. Genau deshalb ist es notwendig, dass die grüne Branche (Planende, Grünflächenämter, Forschungseinrichtungen, Verbände, Fachbetriebe) weiter zusammen politisch agiert - für die Zukunft des Stadtgrüns.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 12/2021 .

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