Kommentar

Für eine proaktive Pflanzenverwendung

von

Prof. Dr. Norbert Kühn, Foto: privat

Pflanzen sind im Trend - in diesen Zeiten mehr denn je. Dafür gibt es viele Gründe. Dass Stadt- und Parkbäume ein besonders gutes Mittel zur Klimaadaption darstellen, wird allendhalben betont. Grün steigert unsere Immunabwehr und hilft unserer Psyche auf.

Die Vielfalt des Insektenlebens kann durch entsprechende Bienenpflanzen gefördert werden. Urban Gardening leistet einen Beitrag zur Lebensmittelproduktion in der Stadt. Und durch den in der Coronakrise erzwungenen Heimaturlaub hat das Gärtnern auf Terrassen, Balkonen und Gärten Hochkonjunktur. Die Garten- und Baumärkten konnten ihren Umsatz steigern, Gärtnereien mit Versandabteilungen konnten der Nachfrage gar nicht mehr hinterherkommen und mussten zweitweise ihre Internetportale schließen.

Klimakrise, Biodiversitätskrise, Nahrungsmittelkrise, Coronakrise - all das scheint die Bedeutung von Pflanze und Vegetation für eine erstrebenswerte Lebensqualität noch einmal zu betonen. Die Krise also als Chance? Diese gern gebrauchte Floskel könnte auch als Sarkasmus gedeutet werden. Denn wenn die Probleme wirklich erkannt wären, müsste es auch zu einer Trendwende und Umkehrung bisheriger Prioritäten führen. Das scheint aber nicht in Sicht. Die Folgen des Klimawandels werden sich noch verschärfen.

Vegetation und Pflanzen sind von den Auswirkungen unmittelbar betroffen. Sie werden uns nicht schützen können und die von ihnen erwarteten Ökosystemdienstleistungen liefern, solange sie selbst ums Überleben kämpfen. Nimmt man die Idee vom Anthropozän, einer vom Menschen maßgeblich beeinflussten Umwelt, ernst, so entsteht auch eine neue Verantwortung. Natur darf sein und muss zugelassen werden, Pflanzen müssen eine Chance haben, sich so zu entwickeln, dass sie den Wandel überstehen und sich den Veränderungen anzupassen können. Nur eine resiliente Umwelt kann für uns alle diese Aufgaben erfüllen.

Die Pflanzenverwendung unterliegt der Gefahr, allzu schnell zum Dekorieren zurückzukehren und die offensichtlichen Probleme zu kaschieren. Natürlich ist nichts dagegen zu sagen, sich an Blumen und Blüten zu erfreuen, die erste selbstgeerntete Zucchini im Garten zu feiern und vom Schatten unter einer Platane zu schwärmen. Aber gegen jede Art von Greenwashing sollte man sich wehren - auch wenn es gut bezahlte Aufträge verspricht. Wir brauchen eine proaktive Pflanzenverwendung, die sich ihrer Verantwortung stellt und entsprechendes Vorgehen einfordert! Norbert Kühn

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 09/2020 .

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