Erich-Ollenhauer-Promenade in Darmstadt

1960er-Jahre-Gestaltung trifft Jugendstil

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Blick auf einen Abschnitt der blumengeschmückten Erich-Ollenhauer-Promenade zwischen Platanenhain und Stiftstraße, 1963. Foto: Archiv Stadt Darmstadt

Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt wurde im Jahr 1899 von Großherzog Ernst-Ludwig von Hessen und bei Rhein eine Künstlerkolonie gegründet. Die Arbeiten der dort lebenden und arbeitenden Künstler führten zur Entstehung eines einzigartigen Jugendstilensembles mit Gebäuden, Freiplastiken, Brunnen und gärtnerischen Anlagen, von denen auch heute, trotz der Kriegsereignisse, noch viele erhalten geblieben und in Teilen wieder restauriert worden sind. Die Stadt Darmstadt hat für dieses Ensemble den Antrag auf Aufnahme in die Weltkulturerbeliste gestellt. Der gesamte Kernbereich der Mathildenhöhe steht heute unter Denkmalschutz. Teil dieses denkmalgeschützten Areals ist auch die in den 1960er-Jahren entstandene Erich-Ollenhauer-Promenade.

Durch die verschiedenen Ausstellungen wurden die Parkanlagen mehrfach überformt. Diese Veränderungen und die Kriegseinflüsse bestimmten bis 1944 das Erscheinungsbild der Mathildenhöhe. Beim Wiederaufbau der Stadt in den frühen 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts fehlte es an Material und finanziellen Mitteln, nicht zuletzt aber auch an der Wertschätzung der Jugendstil-Architektur. Man wollte "modern" bauen, was dazu geführt hat, dass einzelne Gebäude zum Teil stark verändert wieder aufgebaut wurden.

Polygonaler Plattenbelag und Einfassung mit Waschbeton-mauern, 2007. Foto: Doris Fath

Erich-Ollenhauer-Promenade nach der Neugestaltung, 2012. Foto: Paul Helfert

Auslobung eines Ideenwettbewerbs

Mit dem Ziel, einen neuen innerstädtischen Grünzug vom Darmstädter Schloss zum Landschaftspark Rosenhöhe zu gestalten, lobte der Verein der Förderer der Künstlerkolonie im Benehmen mit der Stadt im Juni 1960 einen Wettbewerb unter Garten- und Landschaftsarchitekten aus mit dem Titel: "Ideenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Gestaltung des innerstädtischen Grünzuges Schloss - Mathildenhöhe - Spessartring - Rosenhöhe in Darmstadt". Teilnahmeberechtigt waren alle im Bundesgebiet einschließlich Westberlin tätigen freien, angestellten und beamteten Gartenarchitekten, einschließlich der Studierenden der Fachrichtung Garten- und Landschaftsgestaltung.

Der Auslobung lag folgende Zielvorstellung zugrunde: Der geplante Grünzug soll den Fußgänger aus der City heraus über einen innerstädtischen Grünzug, frei von Verkehr, mittels einer zügigen und abwechselungsreichen Wegeverbindung in den Erholungs- und Ausstellungsbereich Mathildenhöhe und von dort weiter über die Rosenhöhe in die freie Landschaft führen. Dem Spaziergänger sollte eine bequeme und erlebnisreiche Promenade mit hohem Erholungswert angeboten werden. Gewünscht war die Anordnung von seitlich abgesetzten und zum Teil optisch isolierten Ruheplätzen entlang der Promenade. Die Plätze waren so zu planen, dass sie für Mütter mit Kleinkindern getrennt von Ruheplätzen für Erwachsene benutzbar wurden.

Wettbewerbsergebnis

Am 2. November 1960 tagte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Walter Rossow, Berlin. Fachpreisrichter waren Prof. Erich Kühn, Aachen, Gartenbaudirektor Dr. Werner Kaufmann, Stuttgart, Gartenarchitekt Günther Grzimek, Ulm, und Oberbaudirektor Dr.-Ing. Gerd Albers, Darmstadt. Von 46 eingereichten Arbeiten ging der erste Preis an die jungen Hamburger Gartenarchitekten Karl Manzelmann, Herbert Schaake und Werner Kruspe. Das Preisgericht würdigte insgesamt die Qualität der Arbeit und lobte vor allem die Ausgestaltung des Fußgängerbereiches vom Schloss bis zum engeren Wettbewerbsgebiet als gut durchdachte Lösung. Weiterhin wurden die schonende Behandlung der historischen Gegebenheiten und ihre gute Einfügung in die neue Situation besonders anerkannt.

Grünzugverbindung (Erich-Ollenhauer-Promenade) vom Schloss zur Rosenhöhe. Foto: Stadt Darmstadt 2009

Lobend erwähnt wurde insbesondere auch die Gestaltung des Westteiles zwischen Stiftstraße und Platanenhain. Dort ist es den Architekten nach Meinung der Jury gelungen, ein ausgewogenes Flächenverhältnis zwischen kleinteilig gestalteten Ruhezonen und großzügigen Freiflächen zu schaffen. Die Grünzugverbindung wurde in den Jahren 1961 bis 1963 nach den Plänen der Hamburger Gartenarchitekten fertig gestellt.

Sämtliche Details wurden mit den damals bevorzugten Materialien (Waschbeton, Granit, Porphyr, Beton) und in der Formensprache der beginnenden 60er-Jahre ausgeführt: In den rechteckigen Pflanzbeeten bestimmte vielfarbiger Wechselflor das Bild. Die Beete sowie ein neuer Brunnen in Höhe der Stiftstraße erhielten massive Einfassungen aus niedrigen Waschbetonmauern. Wege und Plätze wurden mit Porphyrpflastersteinen befestigt und mit großflächigen Platten aus Flossenburger Granit eingefasst. Unregelmäßig eingestreute Streifen aus Waschbeton oder Platten mit weißer oder schwarzer Splitt-oberfläche gliederten die großen Pflasterflächen. Durch mangelhafte Pflege und Vandalismus in den letzten 15 Jahren wies die Erich-Ollenhauer-Promenade zunehmend Schäden auf. Die Brünnchen funktionierten nicht mehr und die Pflanzbeete verwahrlosten. Auf Blumenschmuck wurde aus Kostengründen gänzlich verzichtet, so dass sich dem Betrachter zuletzt ein trostloses Bild bot.

Sanierung der Erich-Ollenhauer-Promenade

Im Jahr 2011/2012 wurde die Erich-Ollenhauer-Promenade schließlich von der Stadt Darmstadt saniert. Die Brünnchen wurden von Grund auf technisch überarbeitet. Dazu wurden die Brunnenbecken als Betonguss-Fertigteile eingebaut und erhielten an-schließend eine Klinkereinfassung. Die Pflanzbeete wurden nahezu komplett abgeräumt und aus Kostengründen mit rund 2000 Stauden anstatt des pflegeintensiveren Wechselflors bepflanzt. Es wurde jedoch großer Wert darauf gelegt, die Grundstruktur der Anlage zu erhalten. Zusätzlich wurden 30 Blühsträucher neu gepflanzt. Die sanierte Anlage wurde am 19. April 2012 eingeweiht. Sie bleibt als Gartenanlage der 60er-Jahre in dem umgebenden Jugendstil-Ensemble erhalten. Derzeit wird geprüft, ob dieses Teilstück der Grünzugverbindung einen eigenen Denkmalwert hat und als Zeugnis der Gartengestaltung der 60er-Jahre gesondert unter Denkmalschutz gestellt werden kann.


Literatur

Stadt Darmstadt (Hrsg.): Mathildenhöhe Darmstadt, 100 Jahre Planen und Bauen für die Stadtkrone 1899-1999, Band 2: Ernst-Ludwig-Haus - Vom Atelierhaus zum Museum Künstlerkolonie, Darmstadt 2000.

Stadt Darmstadt (Hrsg.): Mathildenhöhe Darmstadt, 100 Jahre Planen und Bauen für die Stadtkrone 1899-1999, Band 1: Die Mathildenhöhe - ein Jahrhundertwerk, Darmstadt 1999.

Stadt Darmstadt (Hrsg.): Die Darmstädter Mathildenhöhe, Architektur im Aufbruch zur Moderne, Darmstadt 1998.

Stadt Darmstadt (Hrsg.): Rahmenkonzeption Mathildenhöhe - Zwischenbericht 2009.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 06/2014 .

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