27 Jahre Netzwerk "Frauen in der Geschichte der Gartenkultur"

Ertragreiche Spurensuche

von: ,
Anna Maria von Schürmann, 1607 in Köln geborenes Universalgenie, konstatierte 1638: ". . . dass bei der Lektüre historiographischer Werke über weite Zeitläufe hinweg von den Spuren der Frauen nicht mehr erscheint als von den Spuren eines Schiffes im Meer." Die Tatsache, dass die Beiträge und Verdienste von Frauen in der Geschichtsschreibung zur Gartenkunst und -kultur kaum auftauchten, war der Anlass für die Kulturhistorikerin Dr. Gerlinde Volland, 1997 einen Aufruf in "Die Gartenkunst" zu veröffentlichen, um Verbündete zu finden, die daran etwas ändern wollten.
Gartenkultur Forschung und Bildung
1 Das Aquarell von C. Dopfinger zeigt den begrünten Hof der Burg Meersburg. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass die beiden jungen Frauen die Zwillingstöchter von Jenny von Laßberg sind. Allerdings gibt es wohl keine Quelle, die das zweifelsfrei belegen könnte.² Bild: Privatbesitz. Herkunftsnachweis des Repros: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

Mit Erfolg: Aus einer 1999 gegründeten Arbeitsgruppe von Landschaftsplanerinnen und Kunsthistorikerinnen mit interdisziplinären Arbeitstagungen entwickelte sich bis heute ein Netzwerk von mehr als 300 Mitgliedern überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum. Netzwerkfäden führen auch in die USA, nach Großbritannien, Japan, Schweden, den Niederlanden und Spanien.

Das Netzwerk arbeitet kontinuierlich daran, das Wirken von Frauen in der Geschichte der Garten- und Landschaftskultur bis in die Gegenwart sichtbar zu machen und aus der Geschlechterperspektive zu betrachten.

Der Anfang

"Obwohl die eine oder andere Barock-Fürstin als Auftraggeberin eines historischen Gartens thematisiert wurde/wird und ihre Verdienste in einigen Fällen durchaus in die Geschichte der Gartenkunst eingegangen sind, bleibt ihr schöpferischer Anteil an dem jeweiligen Gartenkunstwerk häufig unklar und verschwommen.

Welche Bedeutung ihre Geschlechtszugehörigkeit im Kontext des Werkes hatte; wo die Grenzen dessen gezogen wurden, was Frauen im Hinblick auf Gartenbau und Gartenkunst zugebilligt wurde und wann und wo Frauen diese Grenzen möglicherweise überschritten, ist bisher kaum oder gar nicht erforscht worden."¹

Das war der Forschungsstand vor mehr als 25 Jahren. Die Forschungsfragen, die Dr. Gerlinde Volland zu Beginn auffächerte, schlugen einen weiten Bogen vom Selbstverständnis der Gartengestalterinnen über das konstruierte Verhältnis von Geschlecht zur Natur respektive Kultur bis hin zum geschlechtsspezifischen Verhältnis zum Außenraum und den damit verbundenen Nutzungsaspekten und sozialen Rollen.

Einbezogen werden sollte auch die Recherche nach den Gartenschriftstellerinnen oder Gartenhistorikerinnen, ihren Werken und die Frage, wie sie rezipiert wurden/werden.

Dieser thematischen Bandbreite an Themen widmet sich das Netzwerk bis heute. Es gibt allen Interessierten auf seinen Tagungen Raum, Forschungsergebnisse wie Erfahrungswissen zu präsentieren und zu diskutieren.

Die Tagungen

Die jährlichen Tagungen sind ein wichtiges Forum für den persönlichen Austausch. Sie bestehen aus einem Vortrags- und einem Exkursionstag und finden in der Regel am Freitag und Samstag nach dem Tag des offenen Denkmals im September statt. Die bisherigen Tagungsorte verteilen sich über den gesamten deutschsprachigen Raum. Trier, Stralsund, Berlin, Dresden, Hamburg, Zürich und Wien markieren bisher die äußeren geografischen Grenzen. Tagungsorte in ländlichen Regionen wie Sulzbürg in der Oberpfalz und Schloss Dennenlohe in Mittelfranken eröffneten Perspektiven auf "ländliche Gärten und ihre Meisterinnen" und Gartengestalterinnen in Franken.

Thematische Querverbindungen zu vielen Professionen in Praxis, Wissenschaft und Verwaltung bilden sich in der Zusammensetzung der Mitglieder ab und werden transdisziplinär wirksam. So bekommt das Netzwerk auf seinen jährlichen Tagungen in Vorträgen, Werkstattberichten und Exkursionsführungen immer wieder inhaltlich und methodisch neue Impulse und Perspektiven aus Architektur, Literaturwissenschaft, Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft, Agrarsoziologie, Kunst, Museums-, Bibliotheks- und Archivwesen, regionalen Geschichtswerkstätten und vielen Fachrichtungen mehr.

Es ist eine ausgesprochene Stärke des Netzwerks, dass es nicht rein akademisch ist und der Austausch auf Augenhöhe funktioniert. Wissenschaftliche Erkenntnisse wirken in die Praxis und Praxis wirft Forschungsfragen auf. So auch auf der letzten Netzwerktagung.

SUG-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
Leitung (m/w/d) für das Gartenamt , Würzburg  ansehen
Projektleitung „Strategische Freiraumentwicklung..., Wiesbaden   ansehen
Ingenieur:in - Landschaftsarchitektur (w/m/d) -..., Bremerhaven  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen
Gartenkultur Forschung und Bildung
2 Auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg erläuterte Dr. Gerlinde Volland die Symbolhaftigkeit der Frauenfiguren auf Grabmalen. Rechts daneben die Organisatorin der Tagung in Hamburg 2019 Ann-Christin Neugebauer. Foto: Ahr

Rückblick: Netzwerktagung 2025 in Friedrichshafen

Am 19. und 20. September trafen sich auf Einladung von Ulrike Siegmund, Bodenseebibliothek im Stadtarchiv, rund 30 Fachfrauen und -männer auf der 22. Jahrestagung des Netzwerkes in Friedrichshafen.³ Geleitet von dem Tagungsthema "Querbeet am Bodensee – Initiativen und Forschungswege" wurden diverse regionale Beispiele vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart vorgestellt und diskutiert:

Jürgen Oellers, Leiter des Stadtarchivs Friedrichshafen, berichtete anhand eines Aktenbüschels aus den 1960er Jahren von den Anfängen der Botanischen Gesellschaft und der umfangreichen Friedrichshafener Sukkulentensammlung auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei am

Riedlewald. Der Frauenanteil dieser engagierten Ortsgruppe war im Jahr 1967 verschwindend gering: zwei von 40 Mitgliedern.

Eine künstlerische Perspektive nahm die Fotografie-Meisterin Sabine Kunzer mit der Vorstellung ihrer großformatigen "Kraftblüten"- Fotografien ein und schilderte eindrucksvoll die individuellen Wesenheiten ihrer floralen Gegenüber.

Dass die ältere Schwester der berühmten Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, nämlich Jenny von Laßberg (1795–1859) eine "Blumennärrin" war, vermittelte die Kunsthistorikerin Brigitte Rieger-Benkel, die Briefe und andere historische Quellen in aufwändiger Recherchearbeit ausgewertet hat. So lassen beispielsweise ihre detaillierten Pflanzenbestellungen oder liebevollen Beschreibungen der botanischen Zöglinge erkennen, wie leidenschaftlich Jenny von Laßberg im Münsterland, in der Schweiz und in Meersburg am Bodensee ihre gärtnerischen Vorstellungen umgesetzt hat.

Wolfgang Ilg wies auf die interaktive Datenbank "Women in Botany" (https://womeninbotany.uni-regensburg.de) hin. Hier finden sich weltweit biobibliografische Informationen zu etwa 13.000 universitär oder professionell tätigen Botanikerinnen und Gärtnerinnen, aber auch zu anderen Frauen der "scientia amabilis".

Die Gartengeschichte der im Bodensee gelegenen Insel Mainau haben prominente Frauen mitgeprägt: Luise Großherzogin von Baden (1838–1923), Viktoria Königin von Schweden (1862–1930) und Sonja Gräfin Bernadotte (1944–2008). Die auf der Tagung selbst referierende Bettina Gräfin Bernadotte setzt sich engagiert für die Blumeninsel und gartenkulturelle Belange auf lokaler und internationaler Ebene ein.

Stefania Pitscheider Soraperra (Direktorin des Frauenmuseum Hittisau, Österreich) stellte das Frauenmuseum in seiner 25-jährigen Geschichte vor. Die diesjährige Ausstellung "Stoff/Wiese" & "Stoff/Wechsel" thematisiert Nachhaltigkeitsfragen rund um Textilherstellung und Mode. Bekleidung wird mit all ihren sozialen und ökologischen Konflikten überwiegend von Frauen produziert und nachgefragt. Auf dem Außengelände am Museum lassen sich Faser- und Färbepflanzen in direkter Anschauung erleben.

Wie in Friedrichshafen auf dem 2024 fertig gestellten Wohngebäude der Zeppelin-Wohlfahrt GmbH ein Urban Gardening-Dachgartenprojekt realisiert wurde, berichtete die Projektbegleiterin und Gärtnerin Katrin Fieberitz. Dieses Vorhaben stellt eine Besonderheit dar, da die gemeinschaftsbasierte Organisationsform des Urban Gardening bislang kaum im Rahmen des sozial geförderten Wohnungsbaus realisiert wurde.

Simone Syré (Architektin) und Dr. Barbara Wagner (Kunsthistorikerin) gaben Einblick in die maßgeblich von Frauen getragene Anwohnerinitiative, einen stark versiegelten Platz in einem Friedrichshafener Wohnquartier mit Unterstützung des Stadtbauamtes Friedrichshafen zu begrünen und die Aufenthaltsqualität zu steigern. Weil dieser Ort zugleich Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus ist und die künstlerische Deutung des Themas unter besonderem Schutz steht, waren mehrere Abstimmungsprozesse notwendig.

Die Exkursion am zweiten Tag der Netzwerktagung führte in das denkmalgeschützte Zeppelindorf in Friedrichshafen, das ab 1914 als Werkssiedlung der Luftschiffbau Zeppelin GmbH in der Tradition der Gartenstadtidee mit riesigen Hausgärten gegründet wurde.

Brigitte Seebeck (Zeppelin-Museum), Katrin Fieberitz (Gärtnerin) und Dr. Hartmut Semmler (Historiker) erweckten im Schauhaus des Zeppelin-Museums, im angrenzenden Garten und in den umliegenden Gassen die Geschichte einer Werkssiedlung des frühen 20. Jahrhunderts zum Leben.

Gartenkultur Forschung und Bildung
3 Simone Syré und Dr. Barbara Wagner erklären den langjährigen Prozess der Gestaltung Fridolin-Endraß-Platz als Nachbarschaftstreffpunkt mit Respekt vor dem Gedenkort. Foto: Ahr
Gartenkultur Forschung und Bildung
4 Dr. Hartmut Semmler erläutert die Bau- und Freiraumstruktur im Zeppelindorf mit großen, ehemals von Frauen bewirtschafteten Selbstversorgergärten hinter den Häusern. Foto: Ahr
Gartenkultur Forschung und Bildung
5 Der sich zurzeit im Prozess der Neuorganisation befindliche Garten am Schauhaus im Zeppelindorf warf die Frage auf, wie die Arbeitswelt der Frauen im ehemaligen Selbstversorgergarten gleichwertig zu den Schauräumen im Haus vermittelt werden kann. Foto: Ahr

Aus verschiedenen Perspektiven wurde der Geschichte einer aufstrebenden Industriestadt und der überwiegend in Frauenhand liegenden Selbstversorgung nachgespürt. Nicht zuletzt war die museale Herausforderung, historische Bausubstanz und Gartenkultur in die Gegenwart zu übersetzen, immer wieder Gegenstand der Diskussionen.

Der Weg zum Zeppelindorf machte den "Riedlewald" erlebbar – einen naturnahen innerstädtischen Erholungswald. Die heutige Existenz der "grünen Lunge" ist Königin Olga von Württemberg (1822–1892) zu verdanken. Sie hat in der königlichen Residenzstadt Friedrichshafen 1862 den "Riedlewald" käuflich erworben, um ihn vor dem drohenden Kahlschlag durch Holzhändler und dem Druck der Überbauung zu bewahren. So sorgte die beliebte Königin dafür, dass die forstliche Nutzung fortgeführt und der Wald für die Naherholung parkartig umgestaltet wurde.

Nach 22 Tagungen mit rund 125 Vorträgen hat das Netzwerk einen reichhaltigen Wissensschatz über das gartenkulturelle Wirken von Frauen im weitesten Sinne generiert und zusammengetragen.

"Ja gibt's denn da so viele?" Diese Frage bekam Dr. Roswitha Kirsch-Stracke, langjährig engagierte Mitbegründerin des Netzwerks, anfangs häufig gestellt. Inzwischen kann sie eindeutig mit "Ja!" beantwortet werden.

Themenvielfalt

"Da sich in Gärten soziale und wirtschaftliche, kulturelle und ökologische, ethische, religiöse und ästhetische Dimensionen menschlichen Handelns bündeln und präsentieren, ja auch interagieren, können wir sie ebenso als soziale Räume wie als Schnittflächen gesellschaftlichen Handelns verstehen.

Genau dieser 'Schnittflächencharakter' macht das Konzept Garten so attraktiv und fruchtbar für weitreichende Analysen aus unterschiedlichsten Disziplinen und Perspektiven" schreiben Prof. Dr. Heide Inhetveen und Dr. Mathilde Schmitt im Vorwort zum Tagungsband "Frauen und Hortikultur", dem Schwerpunktthema der 4. Arbeitstagung des Netzwerkes 2003.4

Dies kommt in den facettenreichen Beiträgen aller Netzwerktagungen zum Ausdruck. Sie zeigen auf, welche Forschungswege zu den Zeugnissen des gartenkulturellen Wirkens von Frauen führen und wie die Gesellschaft mit diesen Zeugnissen umgeht.

Die Mitglieder des Netzwerks setzen sich mit den Rollenzuschreibungen und den Frauenbildern zu verschiedenen Zeiten auseinander und machen sich bewusst, wie diese in Medien und im Raum sichtbar und wirksam wurden beziehungsweise immer noch werden.

Sowohl die fachlichen/beruflichen Hintergründe derjenigen, die die Tagungen organisieren, als auch die regionalen Bezüge wirken auf die Inhalte der Tagungen und sorgen für eine enorme Bandbreite der Schwerpunktthemen (s. Kasten, S. 23) und Tagungsbeiträge. "Weinkönigin als Markenstrategie", "Das Frauenbild um 1900 – Max Liebermann, seine Tochter Käthe und der Garten in Wannsee", "Von Kohlgärten, Gärtnerinnen und Appelhakeschen – Gartenkultur im historischen Stralsund" seien beispielhaft genannt.

Einzelbiografien zu adeligen Initiatorinnen und Förderinnen der Gartenkultur wie etwa Kurfürstin Sophie von Hannover (1630–1714) oder Landgräfin Elisabeth von Hessen-Homburg (1770–1840), zeigen auf, dass diese hoch gebildeten Frauen, die mit der Heirat auch einen Ortswechsel vollziehen mussten, gartenkulturelle Ideen in die neue Umgebung mitnahmen und Gartenanlagen am neuen Lebensort beeinflussten oder neu gestalteten.

Der Blick auf Frauen im Umfeld berühmter Gartengestalter wie Hermann von Pückler-Muskau lohnt sich. Lucie Pückler geb. Hardenberg (1776–1854) war sowohl Geldgeberin, Beraterin und Gestalterin als auch Statthalterin bei Planung und Bau des Muskauer Parks und weiterer Gartenanlagen. Biografien und Werke von Gartengestalterinnen wie Herta Hammerbacher (1900–1985) und Ester Claesson (1884–1931) oder von Else Hoffa (1885–1964), der ersten Obergärtnerin Deutschlands, und die Herausforderungen in einer männerdominierten Arbeitswelt sind Gegenstand von Forschungen.

Gruppenbezogene Untersuchungen geben Einblick in die Arbeitsweise der Pionierinnen des ökologischen Landbaus, in die Arbeitsbedingungen der "Gartenfrauen" in staatlichen Gärten um 1900 in Dresden oder legen das Augenmerk auf jüdische Gartenarchitektinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Weitere Themen sind etwa: Rollenklischees und Emanzipation in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung, die Wege zur Weitergabe von Gartenwissen, der Wandel der Beschäftigung von Frauen in der öffentlichen Garten- und Friedhofsverwaltung sowie neue grüne Berufsbilder und Qualifizierungen. Fragen der Methodik werden auf den Tagungen erörtert, um den Anteil von Frauen in der Gartenkultur nicht nur zu vermuten oder zu behaupten, sondern ihn soweit wie möglich zu belegen. Dies ist nur eine kleine Auswahl an Forschungsthemen.

Nachzulesen sind viele Tagungsbeiträge in eigenen Tagungsbänden, in Fachzeitschriften wie "Die Gartenkunst", "Stadt+Grün", in "Zoll+" oder in Kürze auf einer neuen Website: https://netzwerk-frauengeschichte-gartenkultur.de

Gartenkultur Forschung und Bildung
6 Tagungsgruppe im von Königin Olga von Württemberg (1822–1892) erhaltenen "Riedlewald", heute innerstädtischer Naherholungswald Friedrichshafens. Foto: Bodenseebibliothek im Stadtarchiv Friedrichshafen
Gartenkultur Forschung und Bildung
7 Inger Johannes, Dipl.-Ing. Landespflege, vermittelt den Wandel der Gestaltung und Nutzung der Gärten der Konventualinnen im Kloster Marienwerder, Jubiläumstagung Hannover 2024. Foto: Ahr

Immer wieder kam im Netzwerk die Diskussion auf, ob es nicht sinnvoller sei, einen Verein zu gründen, der die Finanzierung der Tagungen erleichtern könnte. Dennoch gab es Gründe, warum dieser Schritt nicht erfolgte.

Gerade heute, in einer Zeit, in der sich Personen für jahrelange Vorstandsämter nicht mehr so leicht zur Verfügung stellen, erweist es sich als Glück, dass das Netzwerk mit seinen offenen Rändern und ohne Hierarchie in dieser Form besteht.

Es gibt außer dem Interesse am Thema des Netzwerks keine Bedingungen der Mitgliedschaft. So ist ein Reinschnuppern möglich, ohne sich gleich festlegen zu müssen, wie weit das Engagement geht. Und gleichzeitig ist es möglich, zeitweise Aufgaben im Netzwerk zu übernehmen.

Die Ausrichtung einer Tagung kann beispielsweise als wertvolle Erfahrung dazu beitragen, das persönliche und professionelle Netzwerk der jeweiligen Organisatorin zu erweitern und sie zu neuen Initiativen zu inspirieren. Dr. Angela Pfennig hat im Anschluss an die Tagung "Neuland unter dem Pflug – das gartenkulturelle Wirken von Frauen im Ostseeraum" 2011 die Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur ins Leben gerufen, deren Veranstaltungen auch immer wieder den Fokus auf das Wirken von Frauen richten.

Ein hierarchiefreies Netzwerk braucht dennoch ein Minimum an Struktur und Management. So gibt es in diesem Netzwerk Mitglieder, die sich bereit erklären, bestimmte Aufgaben längerfristig zu übernehmen, wie die Mitgliederverwaltung und Pflege des Verteilers, die Website-Erstellung und -pflege, das Erstellen und Aktualisieren von Checklisten für die Tagungsorganisation, das Schreiben von Artikeln, die Kommunikation in alle Richtungen mit den Mitgliedern, mit Anfragenden von außen sowie die Organisation von Stafetten-Übergaben von einem Tagungsorganisations-Team zum nächsten.

Diese "Netzwerkknoten"-Personen (zurzeit ausschließlich Frauen) sind unbedingt notwendig, damit das Netzwerk funktioniert. Je nachdem, wie stark sich einzelne einsetzen, entwickelt sich das Netzwerk und wird das Anliegen, Frauengeschichte in der Gartenkultur bewusst zu machen, weitergetragen.

Im Jahr 2024 konnte das Netzwerk sein 25-jähriges Jubiläum in Hannover feiern. Die Kontinuität und den Erfolg des Netzwerks führte der Laudator Prof. Dr. Jochen Wolschke-Bulmahn auf "Ausdauer, Beharrungsvermögen, Überzeugung und Begeisterung" seiner Mitglieder zurück, um das Wissen über Werk und Wirken von Frauen in der Garten- und Landschaftskultur zu erweitern.5

Auch wenn die Spurensuche teils ein mühsames Unterfangen darstellt, weil die Quellenlage in der Regel nicht so ergiebig ist wie bei den männlichen Protagonisten und alternative Forschungswege begangen werden müssen, ist die wesentliche Erkenntnis, dass solche Erschwernisse nicht von der Forschung abschrecken dürfen, sondern als Ansporn gesehen werden können.

In diesem Sinne sind neue Mitglieder herzlich willkommen und können sich bei Beate Ahr melden.

Gartenkultur Forschung und Bildung
8 „Die Gartenfibel für Kinder und Mütter“ mit gartenpädagogischem Ansatz von Beate Hahn (1894–1970) wurde im Vortrag von Anneken Fröhling auf der Netzwerktagung 2024 „Grünes Wissen wachsen lassen“ sowie im Schulmuseum Friedrichshafen als digitales Objekt des Monates im September 2025 präsentiert. Foto: Bodenseebibliothek im Stadtarchiv Friedrichshafen

Quellen

  • Amica dissertatio inter Annam Mariam Schurmanniam et Andream Rivetum [...]. Paris 1638.
  • Inhetveen, Heide u. Mathilde Schmitt (Hg.): Frauen und Hortikultur. Beiträge der 4. Arbeitstagung des Netzwerks Frauen in der Geschichte der Gartenkultur in Göttingen im September 2003. Schriftenreihe angelas e. V. Rurale Geschlechterforschung Bd. 8, 2006, 141 S.
  • Fröhling, Anneken: Gardens for better living. Der Nachlass der Gärtnerin, Pädagogin und Autorin Beate Hahn (1894–1970). Tagungsbeitrag auf der 21. Netzwerktagung an der Leibniz Universität Hannover 2024. stadtundgruen.de/q/. Friedrichshafen, Digitales Objekt des Monats September 2025, stadtundgruen.de/q/
  • Volland, Gerlinde: Zum Beitrag von Frauen zur Geschichte der Gartengestaltung. Anregung zu einer interdisziplinären Arbeitsgruppe. In: Die Gartenkunst 1997, H. 1, 220–221.
  • Wolschke-Bulmahn, Jochen: 25 Jahre Netzwerk "Frauen in der Geschichte der Gartenkultur"– Ein Blick auf ein beeindruckendes Projekt. Tagungsbeitrag auf der 21. Netzwerktagung an der Leibniz Universität Hannover 2024.

https://stadtundgruen.de/q/?22

Anmerkungen

¹ Volland 1997, 220.

² Kramer, Anke (Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)), November 2025, unveröff. E-Mails.

³ Mit freundlicher Unterstützung durch die Stadt Friedrichshafen, Stabsstelle Gleichstellungsbeauftragte und vhs Friedrichshafen.

4 Inhetveen, Schmitt (Hg.) 2003, S. 9.

5 Wolschke-Bulmahn 2024, S. 2.

Die bisherigen Tagungen des Netzwerks

„Frauen in der Geschichte der Gartenkultur“

  1. Bielefeld 1999
  2. Hannover 2000
  3. Kassel 2002
  4. Frauen und Hortikultur, Göttingen 2003
  5. Frauen und Blumen, Steinfurth in Bad Nauheim 2004
  6. KunstGartenKunst, Gießen 2005
  7. WasserOrte – Spiegelungen, Hamburg 2006
  8. Rückzug und Aufbruch – Frauen und ihre Gärten in der Großstadt, Berlin 2007
  9. Kritische Betrachtung der Quellenlage: Zum Anteil von Frauen an der Gartenkultur: vermutet, behauptet, belegbar?, Dresden 2008
  10. Ländliche Gärten und ihre Meisterinnen, Sulzbürg/Oberpfalz 2009
  11. Neuland unterm Pflug – das gartenkulturelle Wirken von Frauen im Ostseeraum, Stralsund 2010
  12. Der Blick in die Landschaft, Hannover 2011
  13. Spurensuche in der Mark, Potsdam 2012
  14. Urbanes Gärtnern von und mit Frauen, Wien 2013
  15. Pflanzenproduktion aus Frauenhand – Frauen in Praxis, Lehre und Forschung des Gartenbaus und der Pflanzenzucht, Erfurt 2014
  16. Lein, Wein und mehr – ein Spaziergang durch 2000 Jahre Landschaftskultur, Trier 2015
  17. Fachfrauen und ihre Beiträge zur qualitätsvollen Gestaltung des öffentlichen Freiraums, Zürich 2016
  18. Markgräfinnen und Gräfinnen in Franken – starke Frauen gestalten, Schloss Dennenlohe 2017
  19. Gärten, Landschaft und Gesundheit, Bad Iburg 2018
  20. Freiräume – Frauenräume? Freiraumentwicklung in der Metropole Hamburg 2019
  21. Grünes Wissen wachsen lassen. Hannover 2024
  22. Querbeet am Bodensee – Initiativen und Forschungswege. Friedrichshafen 2025
  23. 2026 geplant: Osnabrück. Leider wegen der Pandemie ausgefallen: Frauen  in der Frankfurter Gartenkultur – Es gibt nicht nur die Merian . . .,  Frankfurt am Main 2020 und 2021.
Dipl.-Ing. Landespflege Beate Ahr
Autorin

Grünflächenamt der Landeshauptstadt Kiel

Autor

Stadt Friedrichshafen, Bodenseebibliothek im Stadtarchiv

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

Redaktions-Newsletter

Aktuelle grüne Nachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen