700 Teilnehmer aus 32 Ländern

Weltkongress Gebäudegrün für mehr Pflanzen in den Städten

Begrünte Städte müssen eine Selbstverständlichkeit werden. Diese Forderung zog sich wie ein roter Faden durch den Weltkongress Gebäudegrün, der im Juni auf Einladung des Bundesverbands GebäudeGrün (BuGG) in Berlin stattfand. Mehr als 700 Teilnehmenden aus 32 Ländern waren sich einig: Pflanzen auf Dächern, an Fassaden und in Innenräumen zählen zu den effektivsten Klimaanpassungsmaßnahmen und müssen noch viel stärker in den Fokus von Planung, Kommunen und Politik rücken.
Gründächer Bauwerksbegrünung
Dr. Gunter Mann rief zu Beginn des Kongresses zum intensiven Austausch auf. Foto: BuGG

BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann rief zu Beginn des Kongresses zum intensiven Austausch auf. Mann betonte: „Der Weltkongress bietet eine wichtige Plattform zur Kommunikation über wissenschaftliche und technische Lösungen zur Klimaanpassung unserer Städte.“ Thomas Banzhaf, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), betrachtet Fassaden und Dachflächen als neue grüne Landschaften. Er appellierte an die Politik: „Unser Land braucht viel mehr Tempo bei der Begrünung der Städte!“

Patrick Blanc: Pflanzenauswahl wichtig

Der französische Botaniker Patrick Blanc zeigte auf, wie wichtig die richtige Pflanzenauswahl bei der Begrünung von Bauwerken ist. Auf seinen vielen Reisen lässt er sich inspirieren: „Seit 50 Jahren bereise ich die Welt und schaue dort nach Pflanzen. Ich orientiere mich immer an der Natur“, so Blanc. Begrünungen könnten komplexe Gebilde werden. Wichtig sei das Zusammenspiel von Pflanze und Ort. In der Anwendung müsse die Natur im künstlichen Raum nachgeahmt und für künstliche Wasserspeicher gesorgt werden.

Der Biologe Dr. Michal Knapp von der Tschechischen Universität für Agrarwissenschaften in Prag forscht über Biodiversität auf Gründächern. Dabei hat er festgestellt, dass die Vielfalt der Insektenarten auf begrünten Dächern geringer ist als am Boden. Auf den Dächern herrsche praktisch eine „vereinfachte Biodiversität“. Offenbar fehle es an einer gut funktionierenden Verbindung zwischen der Insektenpopulation am Boden und jener auf den Dächern. Das zeige sich auch daran, dass die Biodiversität auf begrünten niedrigen Gebäuden der Biodiversität am Boden ähnlich sei.

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Gründächer Bauwerksbegrünung
Patrick Blanc, Botaniker und Erfinder der Pflanzenwände, ist Stammgast beim Weltkongress. Foto: Neue Landschaft

Drohnen für Leckortung auf Gründächern

Über die Leckortung auf Gründächern berichtete Gordon Denner, Projektleiter von FLO Systems in Kressbronn am Bodensee. Leckagen sind häufig vom Grün verdeckt und sehr schwer aufzufinden. Für einen schnellen Überblick können mit Sensoren ausgerüstete Drohnen verwendet werden. Beim punktgenauen Auffinden hilft das Elektroimpuls-Verfahren. Zur Vorbeugung von Leckagen kann das Dach inzwischen mit smarten Geräten ausgerüstet werden. Denner empfiehlt dafür ein funkbasiertes Sensorsystem auf der Basis neuer NBIoT-Netze. Es misst flüssiges Wasser am Fußpunkt des Sensors sowie die Feuchtigkeit im Dämmpaket. Im Schadensfall gehen dann Alarm-Mails an den Auftraggeber heraus.

An Tag drei des Weltkongresses fanden Exkursionen mit fachkundiger Begleitung zu besonderen Begrünungsobjekten in Berlin statt. Neben dem Wissenstransfer und dem Aufzeigen von Best Practice-Beispielen, stand die Vernetzung zwischen den Teilnehmenden aus Planung, Politik, Städten, Siedlungswasserwirtschaft, Industrie, Immobilienbranche und Verbänden im Vordergrund. Die Teilnehmer waren beeindruckt von der Fülle und Vielfalt der Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungen in Berlin. Darunter waren auch Projekte, die nicht frei zugänglich sind.

Bundesverband GebäudeGrün organisierte

Organisiert wurde der Weltkongress Gebäudegrün vom Bundesverband GebäudeGrün. Unterstützt wurde er dabei von internationalen und nationalen Partnern wie dem Europaverband (EFB), den Gebäudegrün-Verbänden aus Österreich (VfB) und der Schweiz (SFG), der EILO, dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportsplatzbau (BGL), dem Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur, der Neuen Landschaft, der Stadt+Grün sowie 18 weiteren Kongresspartnern sowie 17 Medienpartnern.

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