76. Frankfurter Buchmesse 2024
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Dies ist auch bei mehr als 3.000 Veranstaltungen, Foren, Diskussionen und Lesungen gelungen. Die übergeordneten Diskurse drehen sich weiterhin um die Kriege in Gaza und der Ukraine, die Flüchtlingskrise, den Rechtsextremismus und mit deutlichem Abstand noch um den Klimawandel. Doch das alles beherrschende Thema war "KI". Wird die sogenannte "künstliche Intelligenz" künftig Bücher auf Anweisung selbst schreiben? Haben Übersetzer:innen noch ein Betätigungsfeld? Wird uns "KI" überholen und eine autonome Macht werden? Die Staatsministerin für Kultur Claudia Roth brachte es bei einem KI-Forum im Frankfurt-Pavillon auf den Punkt. Jede "KI" könne nur so intelligent sein wie die Menschen, die sie mit Daten füttern. Wenn wir den menschlichen und mitmenschlichen Blick nicht verlieren, sei "KI" auch in Zukunft beherrschbar und ein nützliches Instrument für viele Anwendungen, meinte Roth.
"Grüne" Verlagsprodukte
Doch fast alle Bücher, egal ob Sach- und Fachbuch, Ratgeber oder Bildband sind aktuell und noch ganz überwiegend ohne "KI" hergestellt. Die Verlage der grünen Branche hatten sehr viele Titel zu den Themen DIY-Garten, Nutzpflanzen, Selbstversorgung, Privatgarten und Insekten. Titel zum Klimawandel kamen nur wenige neue hinzu. Bücher zur Landschaftsarchitektur zeigten mit guten Plänen und vielen Bildern, wie ansprechende Stadtgestaltung mit großzügigem Grün, aber auch gutem Design gelingen kann. Dazu gehören Rooftops, Fassaden- und Dachbegrünung, Parks und Gärten als Beitrag zum besseren Lokalklima und zur Abkühlung insgesamt.
Wie in den vergangenen Jahren geben hier vor allem die koreanischen und Schweizer Verlage den Ton an, mit sehenswerten Titeln. Neu in diesem Jahr, seit der Teil-Legalisierung von Hanf, sind zahlreiche Titel über den Cannabis-Anbau, Pflege, Ernte und Verarbeitung der Pflanze. Ein Titel (alle im Nachtschatten Verlag, CH-Solothurn erschienen) erweitert sogar das Blickfeld und meint, dass Hanf die Lösung (fast) aller Probleme wäre, von Treibstoff über Nahrung, Kleidung bis hin zur Medizin.
Neue Bücher über Pilze, Samen in vielen Größen und Formen und nicht zuletzt Titel, die sich mit den gesellschaftlichen und psychischen Folgen des Klimawandels auseinandersetzen kennzeichneten das breite Angebot. Die Zahl der "grünen" Verlage an der Buchmesse wird indes immer kleiner. Waren es 2023 noch etwa 80 mit entsprechenden Angeboten, blieben auch dieses Jahr weitere fern und andere reduzierten ihre Präsenz auf ein Regal in einem Gemeinschaftsstand.
SUG-Stellenmarkt



DIY – Ratgeber - Pflanzenlexika
Die Anzahl von neuen Titeln, die sich um Nutzgärten, das Selbermachen, die Selbstversorgung, das Einwecken und Vorräte anlegen drehen, bleibt wie in den Vorjahren hoch. Bei KOSMOS (Stuttgart) geht es mit "Slow gardening" (Autorinnen Elisabeth Grindmayer & Stephanie Haßelbeck) um den Weg zum naturnahen Küchengarten. Der Löwenzahn Verlag (AT-Innsbruck) verrät in "Selbstversorgung im Winter" (Til Genrich), wie man ganzjährig unabhängig durch ernten, sammeln und selber machen wird.
Beim pala Verlag (Darmstadt) erschien der Titel "Permakultur in der Stadt – Von der Vision nachhaltigen Lebens im urbanen Raum" (Andreas Telkemeier) mit vielen praktischen Beispielen. Ein beeindruckendes Kompedium der "Flora von Bayern" (Lenz Meierott, Andreas Fleischmann, Marcel Ruff und Wolfgang Lippert [†] ) hat der Haupt-Verlag (CH-Bern) vorgestellt. Das vierteilige Werk im Schuber kostet zur Einführung 155,-, später 274,- EUR.
Bei G|U (München) erschien einer der wenigen neuen Titel zum Klimawandel. "So wird der Garten fit fürs Klima" (Joachim Mayer) beschreibt eine neue Gartenpraxis bei Hitze, Wind und Starkregen mit den besten Pflanzenempfehlungen für den Zier- und Nutzgarten. Bei Ökobuch (Rastede) geht es unter anderem um "Mein vertikaler Garten" (Jason Johns). Das reich bebilderte Buch zeigt, wie Gemüse, Obst, Kräuter und Blumen auf kleinster Fläche und an Wänden gezogen werden können.
Der DK Verlag (München) hat neben den neuen Büchern über "Heilpflanzen" und "Samen" mit hochqualitativer Bebilderung auch den Titel "Migration" herausgebracht. Er zeigt "Migrationsursachen wie Flucht, Überbevölkerung, Krieg, Nahrungsmangel, Klimawandel oder Binnenmigration. Der innovative Ansatz mit globaler Perspektive, veranschaulicht mit packenden, selten gezeigten Bildern, erforscht die Geschichte aller Kontinente und verdeutlicht, wie Migration die Entwicklung und die Menschheit nachhaltig beeinflusst hat – und bis heute ihre Spuren hinterlässt." so der Verlag. Die Auswirkungen auf urbane Freiräume, Gärten und öffentliches Grün sind dabei (direkt und indirekt) mitgedacht.


Internationale Landschaftsarchitektur
Archiworld Publishers Co., Ltd. aus Seoul hat in der Reihe "Landscape Architecture Competition" zuletzt Band 8 herausgebracht, mit Wettbewerbsbeiträgen rund um den Globus und ihre Reihe "Landscape Space" beschäftigt sich im Band 5 mit "Walking Space". Der ebenfalls koreanische Verlag Archi-Lab Co. hat die LGV-Reihe "Landscape Gardening View" fortgesetzt, mit jeweils einem Band "Park" und "Rooftop Garden".
Die Edition Hochparterre (CH-Zürich) hat neue Architekturführer, z.B. für Zürich, Baden und Biel verlegt, die auch die Freiräume mitbetrachten. Der AT-Verlag (CH-Aarau) präsentierte seinen Gartenführer Schweiz mit den 330 schönsten Gärten und Parks des Landes. Beim DAM-Buchpreis war der Quart Verlag (CH-Luzern) mit dem Titel "Das Bewusstsein des Ortes" erfolgreich, ein Buch, das Architektur und Natur verbinden und Oasen der Ruhe und Gelassenheit schaffen will. Reich bebilderte Gartenbücher u.a. aus Großbritannien, Frankreich, Spanien und Australien komplettierten das umfangreiche Buchangebot.


"Radici nel futuro" – Eine Piazza als Zentrum
Um das Motto des diesjährigen Gastlandes Italien "Verwurzelt in der Zukunft" umzusetzen, hatte das Ehrengast-Komitee keinen geringeren als Stararchitekt Stefano Boeri gewinnen können, der bei der Eröffnung anwesend war. Von ihm stammt zum Beispiel auch das Hochhaus mit dem "Bosco verticale" in Mailand. Das Studio Boeri interiors kreierte nun für Frankfurt eine klassische italienische Piazza, umgeben von einem Kolonnaden-Gang aus verschiedenen Säulentypen und überschirmt von einem Sternenhimmel.
Hinter den Kolonnaden konnten Besucher:innen in Kammern und Ausstellungsräume eintauchen, die die italienische Kultur, Kunst und natürlich die Buchwelt bis zur Gegenwart beherbergten. Aus "grüner" Sicht fielen hier vor allem die vielen Bildbände über italienische Gärten, Landschaften, Schlösser, Güter und Anwesen sowie die Reiseliteratur von Apulien bis Toskana auf. Wie alle Ehrengäste nutzte auch Italien die Buchmesse für touristische Werbung.
Abseits der Messe, auf dem Frankfurter Paulsplatz, zeigten das Stadtmarketing Frankfurt in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse und dem Goethe-Haus einen "Great Escape Room". Besucher:innen konnten sich 238 Jahre nach Goethes Italienreise gemeinsam mit dem Geheimrat noch einmal auf den Weg gen Süden machen, sie mussten dabei Rätsel lösen, um nach 20 Minuten wieder aus der Box heraus zu kommen.



Bilanz
Mehr als 4.300 Aussteller (Vorjahr: 4.100) aus der ganzen Welt präsentierten 230.000 Messebesucher:innen aus 153 Ländern (Vj.: 215.000) ihre Verlagsprogramme. Rund 7.500 Journalist:innen (7.000) berichteten über die weltgrößte Buchmesse, die das Vor-Corona-Niveau aber noch nicht erreicht hat. Die nächste Frankfurter Buchmesse findet vom 15.-19. Oktober 2025 statt. Ehrengastland werden dann die Philippinen sein.









