Beispiel einer naturnahen Schulhofgestaltung in Markgröningen

Abenteuerland(ern)

von

Vorentwurfsskizze.

Schulhöfe sind wertvolle Spiel-, Lern-, Bewegungs- und Kommunikationsräume für Schüler, Eltern, Lehrer und bei Öffnung des Geländes auch für weitere Nutzer der Anlage aus dem Umfeld. Viele unserer Schulhöfe zeigen sich in einem tristen Grau. Sie sind zubetoniert, kahl und monoton. So auch der Schulhof der Landerngrundschule in Markgröningen. Das wenige Grün, die aufgemalten Hüpfspiele, das Klettergerüst und der Spielkreisel reichten nicht aus, um die Anforderungen an einen naturnahen, bewegungsfreundlichen Schulhof für die Kinder zu erfüllen.

Die Schule ergriff im Frühjahr 2009 die Initiative und lud die Landschaftsarchitektin und Mediatorin (BM), Claudia Peschen und den Gärtnermeister und Berater für Naturgärten, Andreas Bosch, zu einem ersten Gespräch ins Kollegium ein, um sich zu den Möglichkeiten der Schulhofumgestaltung auszutauschen. Das Planerteam stellte seine umfangreichen Erfahrungen zu partizipativen Schulhofprojekten vor und überzeugte alle Anwesenden davon, die gesamte Schulgemeinde von Beginn an eng in die Planung einzubinden. Die Anregung, die Umsetzung mit allen Nutzern und Anliegern in Form von Mitmachbaustellen und anschließenden Vereinbarungen von Pflegepatenschaften einzelner Klassen für Teile der neuen Anlagen durchzuführen, traf ebenfalls auf breite Zustimmung.

Man einigte sich darauf, gemeinsam auf die Stadt Markgröningen zuzugehen, um die Kommune für die Idee und Finanzierung einer solchen Form der Schulhofumgestaltung zu gewinnen. Nach einem erfolgreichen Gespräch folgte die Beauftragung des Vorentwurfs mit Kostenschätzung. Die Kosten sollten hierbei zweifach ermittelt werden, mit und ohne Durchführung einer Mitmachbaustelle, um mögliche Einsparungen durch Eigenleistungen aufzuzeigen.

Der Startschuss für die Planung war somit gefallen. Zunächst wurde die gesamte Schulgemeinde, bestehend aus Schülern, Kollegium, Schulleitung, Eltern und Hausmeister über die anstehende Planung zur Schulhofumgestaltung informiert. Die Schüler bauten Klassenmodelle zu ihren jeweiligen "Traumschulhöfen" und benannten die wesentlichen Elemente ihrer Arbeit. Die besten Ideen aus jedem Modell und ein Gesamtmodell wurden prämiert und alle Arbeiten den Planern von Kindern und Lehrern vorgestellt. Die Arbeiten wurden im Foyer der Schule ausgestellt. Gespräche mit dem Kollegium, dem Elternbeirat, dem Hausmeister und der Stadt Markgröningen lieferten weitere wertvolle Anregungen für die Planung. Wichtig war den Planern unter anderem Antworten auf die folgenden Fragen zu erhalten:

  • Was wollen wir auf dem Gelände erleben?
  • Was benötigen wir, damit das möglich ist?
  • Welche Elemente können und möchten wir selbst bauen?


Schulhof vor der Umgestaltung. Foto: Claudia Peschen

Die Wünsche und Anregungen wurden aufgenommen und flossen in die Vorentwurfsplanung zur Schulhofumgestaltung ein. Erste Ideen wurden allen Beteiligten präsentiert und miteinander diskutiert. Hierbei wurde auch erläutert, welche Ideen berücksichtigt wurden und welche Ideen nicht in die Planung eingeflossen waren. Die Einteilung in mögliche Bauabschnitte wurde gemeinsam festgelegt.

Unter dem Motto "Abenteuerland(ern)" zeigte der Vorentwurf die naturnahe Umgestaltung des Schulhofes mit vielfältigen Angeboten zu Spiel und Bewegung, Kreativität, Naturerlebnis sowie Ruhe und Rückzug auf.

Es ist geplant, einen Teil der vorhandenen Asphaltflächen zu entsiegeln, der Zugang zu den Gebäuden und zum Schulhof sollen auch für Rollstuhlfahrer zugänglich gemacht werden. Die zukünftige Hauptattraktion der Anlage ist das gestrandete Piratenschiff, das mit vielseitigen Aufstiegen und Ebenen zum Klettern und Spielen einlädt. Ergänzt wird dies durch einen Piratenunterstand mit Sitzen und einer Hängemattenschaukel. Westlich schließt sich das gewünschte Atrium mit Kletterfelsen an, das auch für den Unterricht und Schulveranstaltungen genutzt werden kann. Ein blauer Faden aus Mosaiken führt durch den Hof und verbindet verschiedene Elemente. Die bestehenden Bäume erhalten eine vergrößerte Baumscheibe und im Osten wird die Pflanzfläche vergrößert. Hier kann man auf Mulchwegen ausgestellte Kunstobjekte erkunden. Das Gelände der Kernzeitbetreuung wird mit Sitzmöglichkeiten und einer Sanierung der Rasenfläche aufgewertet. Am westlichen Nebenzugang wird eine Seilbahn aufgestellt. Ein Holzpodest lädt zum Sitzen ein.

Auf der Wiese neben der Gymnastikhalle werden reichhaltige neue Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen:

Im Hang entstehen ein Baumhaus, Plattformen und Wege, die auf der darunter liegenden Wiese mit einem Niedrigseilgarten verbunden sind. Ein Bodentrampolin und eine Einpunktschaukel ergänzen das Bewegungsangebot. Weidenbauten und Sitzstämme bieten Rückzugsmöglichkeiten. Im Schulgarten findet sich neben den Beeten ein Backhaus und Sitzmöglichkeiten.

Das Spielfeld (17 Meter x 22 Meter) wird mit einem Kunstrasenbelag hergestellt und durch einen vier Meter hohen Ballfangzaun abgegrenzt. Der Spielkreisel und die Weitsprunganlage bleiben erhalten.

Prämierung der Modelle. Foto: Claudia Peschen

Klassenmodell. Foto: Claudia Peschen

Nachdem sich alle Beteiligten geeinigt hatten, wurde der Vorentwurf mit den beiden Kostenschätzungen dem Gemeinderat der Stadt Markgröningen vorgestellt. Ausschlaggebend für die Bewilligung der Finanzierung des ersten Bauabschnitts in Höhe von 30 000 Euro für das Jahr 2009 war neben dem Engagement der Schule vor allem auch die Bereitschaft der Mitwirkenden, einen Teil der Arbeiten in Form von Projektwochen unter fachlicher Anleitung der Planer selbst durchzuführen. Auch die Gegenüberstellung der notwendigen finanziellen Mittel bei konventioneller Ausschreibung der Arbeiten und Bau unter Einbeziehung der Schulgemeinde, die die mögliche Kostenersparnis aufzeigte, beförderte diese positive Entscheidung.

Gemeinsam mit Elternbeirat, Kollegium und der Stadt Markgröningen wurde die Organisation der ersten Projektwoche in Angriff genommen. Notwendige Vorarbeiten wie die Entsiegelung des künftigen Standortes des Piratenschiffes wurden durch die Stadt Markgröningen beauftragt und die Fachfirma "Gemeinsam Gestalten" für den Bau des Schiffes gewonnen. Materiallieferungen und die Unterstützung der Arbeiten durch den Bauhof der Stadt Markgröningen wurden abgestimmt. Der TÜV wurde über das geplante Bauvorhaben informiert, dessen Anmerkungen zur Ausführung einbezogen. Der Elternbeirat warb bei den Eltern intensiv für die Mitarbeit und nachdem alle Helfer sich gemeldet hatten, konnte der Baustellenplan für die Projektwoche erstellt werden. Neben Freiwilligen zur tatkräftigen Unterstützung auf der Baustelle erklärten sich auch viele Eltern dazu bereit, Speisen und Getränke für die "Bauarbeiter" zu spenden.

Jetzt konnte die Projektwoche starten. Vom 5. bis 9. Oktober 2009 verwandelte sich der Schulhof in eine große Baustelle. Insgesamt 90 Eltern, alle Schüler und Lehrer, der Hausmeister und der Bauhof der Stadt Markgröningen packten mit an. Dank des unermüdlichen Einsatzes wurde das Piratenschiff mit vielen Aufgängen, Podesten und Seilen gebaut, der blaue Faden gepflastert, Zäune und Mauern verschönert und das Gelände der Kernzeitbetreuung verbessert. Die Kinder schippten, schoben Schubkarren, malten, pflasterten, sie waren mit viel Freude bei allen anstehenden Arbeiten dabei.

Nach der TÜV-Abnahme feierten am 13. Oktober alle gemeinsam mit dem Bürgermeister und

Zweiter Bauabschnitt. Foto: Claudia Peschen

Zweiter Bauabschnitt. Foto: Claudia Peschen

Erster Bauabschnitt. Foto: Claudia Peschen

Erster Bauabschnitt. Foto: Claudia Peschen

Gemeinderäten die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts. Zu diesem Anlass wurde die Piratenflagge gehisst und das gestrandete Schiff von den anwesenden "Piraten" feierlich getauft. Seitdem ist die "Wilde Landern" ein beliebter Anziehungspunkt für viele Kinder, auch außerhalb der Schulzeiten, was von allen begrüßt wird.

Nach dieser erfolgreichen Arbeit waren sich alle Beteiligten einig, dass man auch im folgenden Jahr gemeinsam am Traumschulhof weiter bauen wollte. Für den zweiten Bauabschnitt waren Mittel in Höhe von rund 16 000 Euro veranschlagt. Da die Stadt Markgröningen nur 7000 Euro im Jahr 2010 zur Verfügung stellen konnte stellten Planer und Schule gemeinsam eine Sponsoringbroschüre zusammen, über die bei örtlichen Firmen insgesamt 3000 Euro eingeworben werden konnten. Die Schule gründete einen Förderverein, der 1000 Euro spendete und die Schulstiftung Baden-Württemberg genehmigte für den zweiten Bauabschnitt 5000 Euro. Jetzt war die Finanzierung gesichert und der zweite Bauabschnitt konnte in Angriff genommen werden.

Vom 27. bis 29. Oktober 2010 wurden ein Baumhaus mit verschiedenen Aufgängen, der Schulgarten mit Weidenzaun, ein Weideniglu und ein Weidengang errichtet. Genau wie bereits im Jahr zuvor unterstützten die gesamte Schulgemeinde und der Bauhof der Stadt Markgröningen die Maßnahme in der Vorbereitung und Durchführung. Auch hier wurde der nächste Baustein zum Traumschulhof gemeinsam mit dem Bürgermeister am 11.11.2010 eingeweiht.

Die erfolgreiche Realisierung der ersten beiden Bauabschnitte führte dazu, dass die Stadt Markgröningen auch im Jahr 2011 Mittel in Höhe von 22 000 Euro für eine weitere Projektwoche zur Verfügung stellte. Vom 26. bis 29. September 2011 wurden in schweißtreibender Arbeit ein Atrium gemauert, Pflaster verlegt, Betonmauern mit Mosaiken verziert, Zäune gebaut, Bäume und Sträucher gepflanzt und eine Wiesenfläche eingesät. Der Bürgermeister und alle am Projekt beteiligten weihten diesen Abschnitt am 14.10.2011 ein.

Die Umgestaltung des Schulhofs der Landerngrundschule in Markgröningen ist ein gelungenes Beispiel für die naturnahe Umgestaltung von Schulhöfen unter Einbeziehung der Nutzer und Anlieger. Sie ist für die Stadt Markgröningen inzwischen ein Pilotprojekt für weitere partizipative Planungsverfahren.

Die in der Landernschule gemachten positiven Erfahrungen und Ergebnisse bei der Einbeziehung von Kindern, Eltern, Hausmeister und Kollegium bei der Planung und Umgestaltung sollen richtungweisend für weitere Projekte sein. Es hat sich gezeigt, dass alle Beteiligten sachkundige und interessierte Partner und Experten in eigener Sache waren. Sie konnten ihre Ideen und Sichtweisen in das Projekt einbringen und kooperativ zu gemeinsamen Lösungen finden. Die Beteiligung am Bau des Schulhofs schloss den Kreis von den ersten Ideen über die Mitmachbaustellen hin zur fertigen Baumaßnahme. Die Beteiligung in Planung und Bau führte zu einer stärkeren Identifizierung der Helfer mit dem fertigen Bauwerk und damit auch zu weniger Vandalismus. Die Kinder lernten dabei Praktisches und konnten erleben, dass Beteiligung sich lohnt (Demokratieerlebnis). Darüber hinaus sparten die Mitmachbaustellen Kosten.

Dritter Bauabschnitt. Foto: Claudia Peschen

Dritter Bauabschnitt. Foto: Claudia Peschen

Der zu Beginn befürchtete Vandalismus blieb aus, obwohl der Schulhof in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Zerstörungen gewesen war. So konnte bisher darauf verzichtet werden, das gesamte Schulgelände einzuzäunen. Eine Maßnahme, die zu Beginn des Projektes angedacht war.

Kriterien, die vor allem zum erfolgreichen Gelingen beigetragen haben, waren unter anderem:

  • Einbeziehung der gesamten Schulgemeinde von Anfang an
  • Unterstützung durch politische Entscheidungsträger und Verwaltung
  • Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten
  • Transparenz während des gesamten Verfahrens
  • angemessene Beteiligungsformen der unterschiedlichen Gruppen
  • angemessene Zeitperspektive unter Berücksichtigung der kurzfristigen Denkweise der Kinder
  • frühzeitige Abstimmung mit dem TÜV
  • frühzeitige Planung und Organisation der Mitmachbaustellen
  • fachkundige Anleitung der Mitmachbaustellen
  • überdurchschnittliches Engagement aller Beteiligten
  • Unterstützung durch den Bauhof der Stadt Markgröningen
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Wertschätzung für die geleistete Arbeit
  • Flexibilität der Planung auf veränderte Wünsche und Kostenrahmen einzugehen

In einer Zeit, in der die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zunehmend ein wesentlicher Bestandteil von Planungsprojekten wird, sind gerade Projekte unter Einbeziehung von Kindern eine unerlässliche Aufgabe. Hier können alle Beteiligten nicht nur ihr Expertentum und ihre Perspektive einbringen, sondern auch erfahren, dass ihr Engagement Früchte trägt.

Partizipation und Zusammenarbeit mit allen lohnt sich und macht Spaß!

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 05/2012 .

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