Alternative Grünflächenpflege für nachhaltige Kommunen

Effektive Mikroorganismen

von:
Wie die Bayerische Gartenakademie bereits in Neue Landschaft 01/2015 erklärte, bringt der Einsatz von "Effektiven Mikroorganismen" (EM) im Gemüsegarten tatsächlich höhere Erträge. Davon können aber nicht nur Landwirte profitieren. Die unsichtbaren Helfer lassen sich schließlich auch in der kommunalen Grünflächenpflege anwenden – noch dazu sehr vielfältig.
Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
1 Bei der Baumpflege im hessischen Usingen werden konsequent Effektive Mikroorganismen eingesetzt. Foto: Karin Zwermann

EM können wie eine Art Pflanzenstärkungsmittel betrachtet werden. Da sie – regelmäßig angewendet – dafür sorgen, dass das ökologische Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Somit lassen sich gestresste, kranke Grünflächen wieder revitalisieren. Aber nicht nur die Flora, sondern auch die Fauna sowie Gewässer können von einer Behandlung mit EM profitieren – davon geben die nachfolgend erwähnten Beispiele Zeugnis. In den beiden Orten Usingen und Wernborn in Hessen werden seit vielen Jahren flächendeckend bei allen Bäumen, Beeten und Kübelpflanzen EM erfolgreich einsetzt. Aber auch andere Kommunen setzen ebenfalls auf diese nachhaltige Möglichkeit der Pflanzen- und Grünflächenpflege.

Das sind "Effektive Mikroorganismen" (EM)

    Bei EM handelt es sich um eine flüssige, angenehm säuerlich riechende Multimikrobenkultur. In der braunen Flüssigkeit sind verschiedene Arten von aeroben und anaeroben Mikroorganismen (Milchsäurebakterien, Hefen, Photosynthesebakterien. . . ) enthalten. Geprägt wurde der Begriff "Effektive Mikroorganismen" (EM) von dem japanischen Agrarwissenschaftler und Professor für Gartenbau Professor Teruo Higa. Im Rahmen seiner Forschungen entdeckte Prof. Higa vor über 40 Jahren eine Mischung aus verschiedenen Bakterienstämmen. Er vertritt die These, dass im Boden (wie überall) folgende Arten von Mikroben vorkommen, welche sich gegenseitig beeinflussen:

    • positive (aufbauende), dazu gehören die Effektiven Mikroorganismen (EM)
    • negative (abbauende), die Fäulnisprozesse und Krankheiten hervorrufen
    • neutrale (opportunistische) Mikroben, die sich je nach Milieu positiv oder negativ verhalten

    Besteht ein ausgewogenes Gleichgewicht, tragen Mikroben dazu bei, dass den Pflanzenwurzeln die notwendigen Nährstoffe wieder zur Verfügung gestellt werden können. Mit rund 80 Prozent machen die Mikroorganismen, bestehend vor allem aus Bakterien und Pilzen, den weitaus größeren Anteil an Bodenlebewesen aus. Die Mikroben sind maßgeblich für die Umwandlungsprozesse organischer Stoffe verantwortlich, wie Laub, Holz, Kot, Kadaver. Der japanische Wissenschaftler geht davon aus, dass durch EM die Lebendigkeit des Bodens erhöht und so die Bodenqualität verbessert und die Ernteerträge gesteigert werden können. Mittlerweile wird das Prinzip aber auch in anderen Bereichen genutzt, wie bei der Reinigung oder zur Verbesserung der Wasserqualität. Dabei sollen vor allem geruchsbildende Keime verdrängt werden – auch wenn das kein primäres Ziel war, sondern eher ein angenehmer Nebeneffekt. Die Methode funktioniert, da die Schmutzreste den Mikroorganismen als Nahrungsquelle dienen und so beseitigt werden.

    SUG-Stellenmarkt

    Relevante Stellenangebote
    gartentechnische Leitung (w/m/d) der Regiebetriebe..., München  ansehen
    Garten-& Landschaftsbauer, Mauerer, Forstwirt,..., Creglingen  ansehen
    Gärtner (m/w/d) in Vollzeit, Leonberg  ansehen
    Alle Stellenangebote ansehen
    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    2 In Usingen wurde diese japanische Kirsche vor Jahren neu gepflanzt und mit EM versorgt. Foto: Karin Zwermann

    Vielfältige Einsatzgebiete

    In öffentlichen Parks, Grünflächen und im kommunalen Bereich können EM vor allem eingesetzt werden

    • als Bodenhilfsstoffe und zur Pflanzenstärkung
    • zur Fermentierung von Grünabfällen (Bokashi)
    • in der Teichpflege
    • in Kläranlagen

    Darüber hinaus gibt es noch andere Anwendungsmöglichkeiten. So lassen sich EM nicht nur in der Flora und Fauna einsetzen, sondern auch in Gebäuden. Möglich ist dies etwa bei der Reinigung nach einem Wasserschaden oder einer Überschwemmung, insbesondere nachdem Heizöl ausgetreten ist. Eine solche Anwendung fand 2021 nach der Flutkatastrophe sowohl im Ahrtal als auch im Kreis Euskirchen statt. Dabei ging es vor allem darum, Gerüche zu beseitigen und Schimmelbildung vorzubeugen. Dazu hatten die drei großen deutschen EM-Hersteller Großspenden an die von der Flutkatastrophe betroffenen Gebiete bereitgestellt, um so die Häuser schneller wieder bewohnbar zu machen. Eine andere Möglichkeit, die für Kommunen noch interessanter ist, wäre Laub-Bokashi. Das im Herbst anfallende Laub kann mit Hilfe von EM fermentiert und anschließend als Mulchschicht wieder ausgebracht werden. Vorgemacht hat das die niederländische Gemeinde Heerenveen als Teil eines größeren Forschungsvorhabens mit mehreren Projekten mit Bokashi und Kompost aus Blättern und Gras (Grasschnitt am Straßenrand). Im Herbst 2021 wurden dort 600 Tonnen geschreddertes Laub mit EM, Tonmineralien und Muschelkalk vermischt und luftdicht in dicke Folienschläuche gepresst. Anschließend wurde die Mischung darin innerhalb von gut drei Monaten fermentiert. Die Bokashi-Herstellung finanzierte sich durch die Ersparnis bei Transport- und Verarbeitungskosten.

    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    3 Das geschredderte Laub der Gemeinde Heerenveen fermentierte dreizehn Wochen lang in luftdichten Folienschläuchen. Foto: Agriton BV, Nederland
    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    4 Das fertige Laub-Bokashi wurde als Mulchschicht . . . Foto: Agriton BV, Nederland
    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    5 . . . zwischen Bäumen und Sträuchern ausgebracht. So werden nicht nur Beikräuter unterdrückt, sondern auch die Bodenqualität verbessert und das Pflanzenwachstum positiv beeinflusst. Foto: Agriton BV, Nederland

    Zahlreiche Baumsanierungen

    Um einen kranken Baum sanieren zu können benötigt man etwa zehn bis 25 Liter EM und zehn Liter pflanzlichen Bokashi-Dünger. Ein praktisches Beispiel für solche Baumsanierungen ist die erfolgreiche Kastanienhilfe in Hamburg. Vor dem Werkhaus im Münzviertel, einem Modellprojekt zur Verschränkung von Pädagogik, Kunst und Quartiersarbeit, stehen drei mächtige, schätzungsweise rund 100 Jahre alte Kastanien. Wie so viele Kastanien im urbanen Raum waren auch diese durch das Stadtklima besonders gestresst, so dass sie sich nur unzureichend gegen die Miniermotten wehren konnten. Anfang 2014 wendete sich Sophie Thiel, die damalige Gärtnerin und Projektleitung im Werkhaus an den Verein EM e. V. (https://emev.de), weil sie von deren Hilfsprojekten erfahren hatte. Aufgrund der Erfahrungen mit weißblühenden Kastanien konnte der Verein direkt Verbesserungsvorschläge machen und mit EMIKO Bodenaktivator und EM 5 forte die Hilfsaktion sponsern. Die anschließende weitere Vorgehensweise beschreibt Dean Haltmayer aus dem Werkhaus Münzviertel wie folgt: "Zur Stärkung der Kastanien wird vor allem weiterhin das Laub entsorgt, um die Vermehrung der Motten zu reduzieren; zusätzlich sind Leimringe und Pheromonfallen an den Bäumen angebracht. Die EM-Behandlung ist über die letzten Jahre weniger geworden." Das begründet der Geograph B.Sc und Erlebnispädagoge insbesondere durch den organisatorischen Aufwand, den Parkplatz freizuräumen und den hohen personellen Bedarf in der Sozialberatung des Projekts. Die kräftigere Belaubung und der Zustand der Bäume sind neben der Durchführung der Maßnahmen zur Stärkung gegenüber den Miniermotten auch auf die Temperaturen und den Niederschlag im Sommer zurückzuführen. "Aus diesem Grund hatten wir die letzten Jahre sehr unterschiedliche Ergebnisse." Darüber hinaus hat der EM e. V. noch viele weitere Baumsanierungen dokumentiert und im seinem EM-Journal veröffentlicht.

    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    6 Diese Kastanien in Hamburg waren geschwächt und benötigten Hilfe . . . Foto: EM e. V., Herbert Rohde
    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    7 . . . diese kam durch eine Behandlung mit EM. So sahen die Bäume danach aus. Foto: EM e. V., Herbert Rohde

    Usingen und Wernborn

    Manuel Moses vom Bauhof und Wadim Heinrich vom Umweltamt sind in Usingen für den Einsatz von EM auf allen Grünflächen der hessischen Kommune zuständig. Dazu gehören rund 3500 Bäume im Usinger Stadtgebiet. Die Stadtgärtner können mittlerweile auf eine langjährige positive Erfahrung zurückblicken. Als vor über zehn Jahren die drei Meter hohe Hainbuchenhecke mehr und mehr verkahlte Stellen aufwies, sollte diese entsprechend saniert werden. Vom Ehepaar Karl und Karin Zwermann wurden die Usinger Stadtgärtner damals auf EM aufmerksam gemacht. So erhielt im Frühjahr 2013 die über drei Meter hohe Hainbuchenhecke eine Verjüngung. Dazu wurde sie zunächst auf eine Höhe von 1,5 Meter und eine Breite von einem Meter zurückgeschnitten und anschließend mit EM versorgt. Daraufhin trieb die Hecke, wie erhofft, erneut aus und erholte sich zusehends. Danach wurde sie regelmäßig mit EMa (1:1000) und einem organischen Dünger versorgt. Im selben Jahr wurden auch neue Beetrosen auf dem Usinger Schlossplatz (das ehemalige Schloss ist seit vielen Jahrzehnten ein Gymnasium) gepflanzt. Doch der Boden dort musste aufgrund der schlechten Qualität zunächst gut vorbereitet werden. Nach der Pflanzung wurden die Rosen regelmäßig mit EMa gegossen. Sie haben sich prächtig entwickelt. Diese Erfolge waren der Auslöser für Wadim Heinrich, sich intensiver mit EM auseinanderzusetzen. Also informierte er sich ausführlich über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. EM wenden die Usinger Stadtgärtner seitdem bei allen Neuanpflanzungen von Bäumen regelmäßig an: "Grundsätzlich geben wir beim Angießen von neu angepflanzten Bäumen in den ersten Jahren EM zum Gießwasser." Doch nicht nur Neuanpflanzungen werden damit behandelt, sondern auch alte Bäume und Wunden, unter anderem verursacht durch Anfahrschäden. "Unsere über 300-jährigen Eiben im Schlosspark bekommen jährlich eine Lanzendüngung im Feinwurzelbereich mit EM. Auch mit der Wundbehandlung von Bäumen haben wir erstaunlich gute Erfolge erzielt." Heinrich berichtet zudem noch von einer weiteren interessanten Beobachtung: "Als wir vor vielen Jahren zwei Linden bestellt haben, wurde die eine zu den Rosen und die andere in den Park gepflanzt. Da wir die Rosen regelmäßig mit EM behandeln wuchs die Linde dazwischen deutlich kräftiger heran als das andere Exemplar."

    Sand in Taufers

    Bereits seit dem Jahr 2002 zählt die italienische Marktgemeinde Sand in Taufers im Nordosten Südtirols zu den Anwendungspionieren auf dem Gebiet von EM. Dort werden diese in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Dazu zählen praktische Anwendungsbereiche ebenso wie didaktische. Zu den praktischen Einsatzgebieten gehört der Recyclinghof von Sand in Taufers. Dort werden die biologischen Abfälle mit dem Einsatz von "EM"-Kulturen optimiert. Dazu wird der angelieferte Kompost regelmäßig mit EM besprüht. Sind die Bioabfälle zu nass, wird durch das Einbringen von Gesteinsmehl gegengesteuert. Dieses wiederum verschafft den Mikroben durch die große Oberfläche eine optimale Besiedlungsfläche. Daraus folgt, dass aus den Abfällen natürlich und vergleichsweise schnell Kompost entsteht. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass durch den Einsatz von EM in der Kompostieranlage lästige Gerüche vermieden werden können. Aber nicht nur dort, sondern auch im Naturbadeteich von Sand in Taufers kommen EM zum Einsatz. Dadurch werden ganz ohne Chemie die Selbstreinigungskräfte aktiviert und die Pflanzenfilteranlage gestärkt. Beides führt zu einer guten Badewasserqualität. Die didaktische Anwendung findet im Projektunterricht in der Grundschule von Sand in Taufers statt. Spielerisch wird dort ein Einblick in die Welt der Kleinstlebewesen vermittelt. Im Rahmen eines Singspiels mit dem Titel "Erde, wir lieben dich" führten die Kinder den Erwachsenen vor Augen, wie das intakte Bodenleben aus dem Gleichgewicht gerät und durch den Einsatz von EM wieder in Balance kommt.

    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    8 Hainbuchenhecke in der Gemeinde Usingen vor . . . Foto: Karin Zwermann
    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    9 . . . und nach der Behandlung mit EM. Foto: Karin Zwermann
    Pflanzenstärkungsmittel Grünflächenpflege
    10 Equipment für die EMa-Herstellung gemäß der Empfehlung des EM e. V. Foto: Andrea de Moll

    Integrierte Gesamtschule in Greifswald

    Die Integrierte Gesamtschule in Greifswald setzt sich ebenfalls mit dem Thema der Effektiven Mikroorganismen auseinander und erörtert dabei alternative Düngemethoden im Vergleich zu konventionellen. Im Lehrplan ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) integriert. Daher engagiert sich die BNE-Modellschule im Sinne der Nachhaltigkeit in Kooperation mit einer EM-Beraterin der örtlichen Kita für alternative und nachhaltige Garten- und Pflanzenpflege in der Hansestadt. Dieses Engagement wurde im Projektzeitraum Juni 2023 bis August 2024 gefördert durch die Stiftung Klima- und Umweltschutz Mecklenburg-Vorpommern.

    EM-Fertigprodukte oder EMa

    Um erste Erfahrungen mit dieser alternativen Grünflächenpflege zu sammeln, wird zunächst der Einsatz von gekauften EM-Fertigprodukten empfohlen. Diese sind über verschiedene Unternehmen erhältlich (vgl. mögliche Bezugsquellen am Ende des Beitrags). Wer in der Kommune langfristig Effektive Mikroorganismen anwenden will, sollte überlegen, EMa selber zu vermehren. Das erfordert einiges an Erfahrung und Sicherheit sowie das erforderliche Equipment. Dazu gehört ein Fermenter, der sich luftdicht verschließen lässt und eine integrierte Heizung hat. Denn während der sieben Tage dauernden Fermentation benötigen die EMa eine gleichmäßige Temperatur. Zudem sollte der Fermenter gut befüllbar sowie leicht zu leeren und zu reinigen sein. Denn wie auch bei anderen Fermentationsprozessen, wie etwa der Herstellung von Sauerkraut, Joghurt oder ähnlichem, wird Hygiene auch bei den EMa großgeschrieben. Erhältlich sind die Fermenter in verschiedenen Größen. Als Ausgangsstoff, um EMa ansetzen zu können, sind EM·1 und Zuckerrohrmelasse notwendig. In jedem Fall entstehen zunächst gewisse Kosten für die Kommunen. Eine Möglichkeit, ein solches Vorhaben zu finanzieren könnte eine Crowdfunding-Kampagne sein, wie etwa dieses Beispiel auf der Plattform Betterplace zeigt: https://t1p.de/obxgj

    Weiterführende Links:

    Christoph Fischer GmbH | EM-Chiemgau, Stephanskirchen/Högering, https://em-chiemgau.de

    DIMIKRO GmbH, Berlin, https://dimikro.de

    EMIKO Handelsgesellschaft mbH, Meckenheim, www.emiko.de

    MikroVeda GmbH, Kevelaer, www.mikroveda.eu

    EM e. V. – Gesellschaft zur Förderung regenerativer Mikroorganismen, https://emev.de

     Christine Schonschek
    Autorin

    Freie Fachjournalistin - Mitglied im Deutschen Fachjournalistenverband (DFJV)

    Ausgewählte Unternehmen
    LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

    Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

    Redaktions-Newsletter

    Aktuelle grüne Nachrichten direkt aus der Redaktion.

    Jetzt bestellen