Hauck, E. Thomas; Hennecke, Stefanie; Körner, Stefan (Hrsg.)

Aneignung urbaner Freiräume - Ein Diskurs über städtischen Raum

Hauck, E. Thomas; Hennecke, Stefanie; Körner, Stefan (Hrsg.): Aneignung urbaner Freiräume - Ein Diskurs über städtischen Raum

Ein Diskurs über städtischen Raum, transcript Verlag Bielefeld 2017, 323 Seiten, 29,99 Euro, ISBN 978-3-8376-3686-4

Der Begriff der "Aneignung" ist plötzlich wieder en vogue. Es ist verdienstvoll, dass sich das vorliegende Buch mit den Wurzeln dieses aus der Entwicklungspsychologie entwendeten Fachbegriffs beschäftigt. Mit was haben wir es überhaupt zu tun? Mit einem Phänomen, einer Haltung, einer Strategie, einem menschlichen Bedürfnis, einem Qualitätskriterium für Freiräume? Mit allem ein bisschen. Folgerichtig wurde den 13 Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Disziplinen vorgegeben, ihre Perspektive der Betrachtung offen zu legen und den Gegenstand ihres Interesses zunächst einmal zu definieren. Meist schwingt etwas Positives mit, wenn die aktive Nutzung oder das Sich-Anverwandeln von städtischen Flächen gefördert werden soll. Inbesitznahme ist aber auch Enteignung, der Begriff ist schillernd. Die Aneignungsdebatte ist eng mit einigen klassischen Themen der Freiraumplanung verbunden: Der Tragik der Allmende, die schwierige Balance zwischen mono- und multifunktionalen Freiräumen, die Debatte um den Wert temporär vorhandener Zwischenräume, die Forderung nach diskriminierungsfreien und partizipativ entwickelten Freiräumen. Wie ein Amalgam verbindet der Aneignungsbegriff viele Argumentationsketten miteinander. Das zeigen die Autorinnen und Autoren an Beispielen aus Mexiko-Stadt, Wien, Berlin, München, Hannover, Magdeburg und Kassel. Das zeigen sie auch, indem Impulsgeber der Debatte wie Lucius Burckhardt, Günter Grzimek, Wulf Tessin und Werner Nohl oder Autoren wie Martina Löw, James Jerome Gibson, Ulrich Deinet und Henri Lefebvre daraufhin befragt werden, was ein politisch wirksamer Begriff zu den Raumvorstellungen einer Gesellschaft beitragen kann. Theorie und Praxis, verschiedene Maßstabsebenen der Planung sowie Strategien und Perspektiven verschiedener Nutzergruppen werden ausgelotet.

Mit dem Ziel, aneignungsfähige Freiräume zu schaffen, verändert sich die Rolle der Landschaftsarchitekten zu Anwaltsplanern, zu Freiraumkulturmanagern, zu Intendanten, zu Kuratoren, zu Impulsgebern oder zu Strippenziehern in sozialen Netzwerken. Es lohnt sich, den Wurzeln dieser aktuellen Debatte nachzugehen. Sie beginnt 1904 mit dem von Alexej Leontjev geprägten Begriff, spinnt sich in die Moderne der 70er-Jahre und erfasst die Positionsbestimmung der Professionellen gegenüber ihren Adressaten, den Bewohnerinnen und Bewohnern städtischer Freiräume. Dabei lassen die Herausgeber den Autorinnen und Autoren Raum. Das Buch liefert zahlreiche aktuelle und historische Beispiele sowie exemplarische Forschungsergebnisse. Schade nur, dass in der Kurzzitation keine Jahreszahlen angegeben werden. Dies würde das Einordnen der Quellen beim Lesen maßgeblich erleichtern. Prof. Dr. Bettina Oppermann

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 09/2017 .

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