Der Praxistipp

Beim Urban Gardening sind Gartenamtsleiter gefragt

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Aus dem Burggraben frisch auf den Tisch, die Essbare Stadt Andernach.

Andernach geht mit dem Konzept "Essbare Stadt" neue Wege, motiviert die Bürger, sich für den Lebensraum in der eigenen Stadt säend, pflanzend, pflegend, erntend einzusetzen. Das Erfolgsmodell ist nun schon im fünften Jahr funktionstauglich - dazu scheint alles geregelt und ästhetisch schön angelegt zu sein. Auch eine zukunftsorientierte Freiraumplanung in Stuttgart, in München oder zur IGA Berlin 2017 greift dieses Thema auf. Wir befragten dazu die Initiatoren des Projektes, Gartenbauingenieurin Heike Boomgaarden und den Geo-Ökologen Lutz Kosack.

Im Andernacher Burggraben gedeihen heute Gemüse, Kräuter und Obst. Die Bürger der Stadt sind herzlich eingeladen, sich an den essbaren Pflanzen kostenlos zu bedienen. So sind Lebens-Mittel-Punkte entstanden, an denen sich junge und alte, ansässige und hinzugezogene Menschen verschiedener Kulturen und Herkünfte begegnen und in den Dialog kommen. Mit diesem ökohumanen Ansatz begegnet man gleich mehreren existenziellen Problemen: sozialer Vereinsamung, Ernährungskrisen, Entfremdung, Abnahme der Biodiversität, Klimawandel - hier findet innerstädtisch alles einen Lösungsweg. Anbau und Ernte werden durch eine Projektgruppe im Grünflächenamt gesteuert.

Das Motto heißt "pflücken erlaubt und betreten erwünscht". Die Grundpflege der Flächen wird in Andernach von der Perspektive GmbH übernommen. Da die "Essbare Stadt" ein ganzheitliches Modell ist, werden Synergieeffekte für eine neue Ausbildung von Langzeitarbeitslosen zu Permakulturassistenten genutzt. Diese sind auch in der Flächenpflege aktiv und entlasten somit die Bürgerinnen und Bürger.

Das Projekt arbeitet zudem mit örtlichen Vereinen und Institutionen vor Ort zusammen - von den Senioren bis hin zur BUND-Kindergruppe. So werden 101 verschiedene Tomatensorten als Beitrag zur Biodiversität gepflanzt. Im "Bohnenjahr" gab es mehr als 60 Sorten Bohnen, im Erdbeerjahr wurden 50 verschiedene Erdbeersorten gepflanzt. Zum jährlichen Erntedankfest werden die jeweiligen Gemüsearten verarbeitet angeboten und man kann Saatgut von den Sorten erhalten. Heike Boomgaarden rät: "Ich empfehle in meinen Beratungen in den interessierten Städten dieses Modell mit kompetenter Begleitung von Planern und Grünflächenamtsleitern anzugehen, um den Bürgern hilfreich zur Seite zu stehen und ganz im Sinne der eigenen Bedürfnisse Neues zu schaffen. Urbanes Ernten trägt zur Lebensqualität des öffentlichen Raumes bei, mitten in der Stadt, in der Firma, in der Schule, in der Klinik. Der Begriff ´Essbare Stadt´ ist bewusst nicht geschützt. Wir freuen uns über Nachahmer!". Bereits 60 Städte sind inzwischen dem Beispiel gefolgt. Hier werden weitere Erfahrungen vermittelt: www.wesentlich-gmbh.de

Sibylle Eßer, Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG)

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2014 .

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