Ein Indikator für die Friedhofsentwicklungsplanung

Berliner Friedhöfe als Erholungsflächen

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Friedhofsflächen ohne Gräber. Foto: Simon Koch

Bei Friedhöfen denkt man zunächst nicht intuitiv an Erholung. Doch neben der Bestattungs- und Trauerfunktion wird ihnen eine ganze Reihe weiterer Funktionen zugeschrieben. Hierzu zählen unter anderem soziale, historische oder ökologische Funktionen (Preisler-Holl/Uttke 2011). Darüber hinaus sind sie auch von "Bedeutung für Ruhe, Besinnung und Erholung der Bevölkerung." (SenStadt 2006:10). Neben Parks und Wäldern gehören Friedhöfe zu den grünen Erholungsflächen, die frei und öffentlich zugänglich sind. In Innenstadtbereichen haben sie teilweise einen erheblichen Anteil an den öffentlichen Grünanlagen.

Wie in vielen anderen Städten werden auch in Berlin zahlreiche Friedhofsflächen nicht mehr für die Bestattung benötigt. Diese Entwicklung wirft Fragen zum Umgang und der möglichen Nachnutzung dieser Überhangsflächen auf (Preisler-Holl/Uttke 2011). Daher bietet die aktuelle Friedhofsentwicklung ein großes, bisher kaum beachtetes Potenzial für die Stadtentwicklung. Dementsprechend sollen Friedhöfe nicht "als Außenseiter der Stadtplanung gelten, sondern als wichtiger Bestandteil des Funktionsgefüges Stadt stadtgeographisch mehr Beachtung finden." (Jenz 1977:182).

Die Funktion als Erholungsfläche wurde in der Forschung und Friedhofsentwicklungsplanung bisher nur unzureichend berücksichtigt. Ziel dieser Arbeit ist es daher, ein besseres Verständnis über Friedhöfe und ihre Bedeutung als Erholungsflächen zu vermitteln. Auf der Basis der Erholungsfunktion von Friedhöfen wird ein Indikator am Beispiel Berlins entwickelt - im Folgenden Erholungsindikator genannt - welcher die potenzielle Erholungsfunktion einzelner Friedhofsflächen anzeigt. Der Erholungsindikator bietet ein Planungsinstrument, das neue Impulse für die Friedhofsentwicklungsplanung ermöglichen kann.

Spielende Kinder und Eltern auf dem Friedhof in der Pappelallee. Foto: Simon Koch

Erholungssuchende auf dem Alten Garnisonfriedhof. Foto: Simon Koch

Die Bedeutung von Friedhöfen als Erholungsflächen

Während die Erholungsfunktion in wissenschaftlichen Publikationen meist nur eine Nebenrolle spielt, ist dieses Thema bei der Tagespresse durchaus beliebt. So erschienen 2011 über die Friedhöfe in München eine ganze Reihe von Beiträgen mit provozierenden Schlagzeilen wie "Hüllenlos auf dem Gottesacker" (Spiegel 2011) oder "Partymeile auf dem Friedhof" (Süddeutsche.de 2011). Auch in anderen Städten können Friedhöfe beliebte Erholungsorte sein. In Berlin werden beispielsweise der Friedhofspark Pappelallee in Berlin-Prenzlauer Berg und der Alte Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte beinahe exzessiv zur Erholung genutzt.

Zahlreiche Gespräche mit den dortigen Friedhofsnutzern gaben uns Einblicke in die Beweggründe, den Friedhof zur Erholung zu nutzen. Diese waren im Wesentlichen (1) ein Mangel und die Übernutzung anderer Erholungsflächen in der Umgebung, und (2) eine (meist durch Kinder begründete) verringerte Bereitschaft eine mehr als fußläufige Entfernung zur Erholungsfläche zurückzulegen.

Gerade für Kinder und ältere Menschen stellen weite Strecken eine große Hürde dar. Auf Grund ihres geringeren Aktionsraumes sind sie im besonderen Maße auf wohnungsnahe Grün- und Erholungsflächen angewiesen (Blinkert 1993; Flaschenträger/Mollenkopf 2001).

Zudem war fast allen befragten Nutzern gemein, dass sie in der unmittelbaren Umgebung des Friedhofes wohnten. Die Nutzung eines Friedhofes als Erholungsfläche ist jedoch nicht selbstverständlich. Eine zentrale Rolle spielt es, ob der Friedhof für Bestattungen noch geöffnet oder bereits geschlossen ist. Das Pietätsempfinden des von uns interviewten Friedhofspublikums ließ es im Allgemeinen nicht zu, aktive Friedhöfe parkähnlich zu nutzen, um Trauernde nicht zu stören. So weisen Friedhöfe zwar kaum oder keine physischen oder juristischen Barrieren auf, was die Zugänglichkeit angeht. Jedoch stehen psychologische Barrieren der Erholungsnutzung entgegen. Sichtbar wird dies beispielsweise am Georgen-Parochial-Friedhof IV in Berlin-Friedrichshain. Zwar wird dieser Friedhof von den Anwohnern sehr geschätzt, doch beschränkt sich die Nutzung überwiegend auf ruhige Spaziergänge. Wird ein Friedhof für Bestattungen geschlossen, verschwindet dieses Hemmnis, die Intensität und Vielfalt der Erholungsnutzung nehmen zu.

Doch wird aus einem Friedhof nicht einfach ein Park. Das Verhalten der Menschen auf einem geschlossenen Friedhof unterscheidet sich deutlich von dem in anderen Grünanlagen. Es wird Zurückhaltung gewahrt, was den Nutzern selbst zu Gute kommt. Sie schätzen insbesondere die Ruhe, Stille und Friedlichkeit. Denn dadurch sei die Erholungsqualität von Friedhöfen im Vergleich zu anderen Parkanlagen deutlich höher. Jedoch bleibt auch festzuhalten, dass "Friedhöfe auch zu ganz normalen Orten werden können, denn in der Postmoderne bestimmt allein das Individuum, was ihm noch heilig ist." (Sörries 2011: 288). So sah sich die Verwaltung des Friedhofspark Pappelallee gezwungen, eine Reihe sonst auf einem Friedhof unüblicher Verhaltensregeln aufzustellen, um auf die verschiedensten Nutzungsinteressen zu reagieren.

Die Friedhofssituation in Berlin und der Friedhofsentwicklungsplan

Der Bedarf an Bestattungsflächen ist in ganz Deutschland rückläufig, dies ist überwiegend in den aktuellen Trends bei der Wahl der Bestattungsform begründet (Körner/Venne 2008; Mies 2002). Neben Feuerbestattungen im Allgemeinen ist es vor allem die wachsende Zahl anonymer Bestattungen, die dazu führt, dass auf den Friedhöfen weit weniger Fläche benötigt wird. So verbraucht eine Bestattung in einer Urnengemeinschaftsanlage nur noch etwa drei Prozent der Fläche einer herkömmlichen Erdbestattung (SenStadt 2006).

Zwei Spaziergänger auf dem Georgen-Parochial-Friedhof IV. Foto: Simon Koch

Erholungssuchende auf dem ehemaligen Friedhof St. Marien St. Nicolai. Foto: Simon Koch

Da eine Urnenbestattung auch deutlich geringere Gebühreneinnahmen für den Friedhofsträger bedeutet, dieser aber weiterhin alle Flächen des Friedhofes pflegen muss, entsteht eine zunehmend problematische Finanzsituation für viele Friedhöfe (Preisler-Holl/Uttke 2011; Mies 2002). Um auf diese tiefgreifenden Veränderungen der Friedhofsentwicklung zu reagieren, wurden in mehreren Städten Deutschlands Friedhofsentwicklungspläne ins Leben gerufen, die unter anderem Vorschläge für die Schließungen von Friedhofsflächen und deren Nachnutzungen erarbeiten sollen (Preisler-Holl/Uttke 2011).

Der Berliner Friedhofsentwicklungsplan wurde 2006 veröffentlicht. Bei den Entscheidungen über die jeweiligen Schließungen und Nachnutzungen wurden die Auslastung durch Gräber und Bindungsfristen in einzelnen Grabfeldern beachtet, aber auch Gesetze wie das Denkmalschutzgesetz, das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Bundesgesetz), das Friedhofsgesetz (§ 12, Ehrengrabstätten) und das Berliner Naturschutzgesetz (§ 26a). Der Erholungswert von Friedhofsflächen soll ebenfalls mit einbezogen werden: "In den Abwägungsprozess sollten darüber hinaus der historische Wert, der Erholungswert, die Grünanbindung (Funktion im Grünsystem der Stadt), der Klimawert und die Bedeutung der Freiflächen für den Naturhaushalt/ Naturschutz vom Grundsatz her einbezogen werden." (SenStadt 2006:22). Es wird dabei allerdings konstatiert, dass eine eingehende Untersuchung dieser Parameter nicht Gegenstand des Friedhofentwicklungsplans ist (SenStadt 2006).

In den kommenden Jahren werden laut Friedhofsentwicklungsplan rund 276 Hektar Friedhofsfläche nicht mehr als Bestattungsfläche benötigt. Allein elf Friedhöfe sollen komplett geschlossen werden (SenStadt 2006). Somit ist ihre Nachnutzung von wachsender Bedeutung für die Stadtplanung und bietet zum Beispiel erhebliche Potenziale zur Verbesserung der Grünflächenversorgung in Berlin. Innerhalb der Berliner Stadtgrenzen befinden sich 221 Friedhöfe (Friedhofsbestand 2013) mit einer Gesamtfläche von 1124 Hektar (SenStadt 2013a). Damit haben sie einen Anteil von 8,9 Prozent an den öffentlichen Grünflächen. Ohne Grünflächen, die keine allgemein zugänglichen Erholungsflächen darstellen (Straßenbegleitgrün, Kleingärten und Sportanlagen), wird die potenzielle Bedeutung von Friedhöfen als öffentliche Grünanlagen noch deutlicher. Mit 15,1 Prozent haben sie einen erheblichen Anteil an den zur Erholung nutzbaren Grünflächen. Auf Grund der großen Bedeutung als Erholungsflächen, stellt ein großflächig ermittelter Indikator zumErholungswert eine vielversprechende Ergänzung für die Planung dar, insbesondere für die Nachnutzung von Friedhofsüberhangsflächen.

Der Erholungsindikator

Für die flächendeckende Erfassung des Erholungswerts der Berliner Friedhöfe wurde für jeden Friedhof der Erholungsindikator angewendet, der sich aus folgenden Variablen zusammensetzt:

  • Grünflächen in Quadratmetern
  • Bevölkerungszahl
  • Kinder- und Rentneranteil

Zur Bildung des Indikators wurde zunächst das Einzugsgebiet eines jeden Friedhofs bestimmt. Anschließend wurden die Variablen für das jeweilige Einzugsgebiet ermittelt, um schließlich in die Berechnung einzufließen. Als Datengrundlage dienten die bereitgestellten Informationen des Umweltatlas der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt sowie des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg. Zudem wurden in Einzelfällen ergänzende Informationen aus den Geoportalen der angrenzenden Brandenburger Landkreise genutzt.

Verhaltensregeln im Friedhofspark Pappelallee: "Nicht erlaubt: Grillen [...], Hereintragen von jeglichem Mobiliar". Foto: Simon Koch

Erholungs-Indikator. Abb.: Eigene Darstellung

Anteil der Berliner Friedhöfe am öffentlichen Grün. Abb.: Eigene Darstellung nach SenStadt 2013c

Ermittlung der Friedhofseinzugsgebiete

Viele administrative Friedhofsflächen grenzen direkt aneinander und sind für die Besucher nicht zu trennen. Daher wurden zunächst 224 (Friedhofsbestand 2010) administrative Friedhofsflächen zu 182 realen Friedhofsflächen zusammengefasst. Für die Friedhöfe wurden alle für die Besucher passierbaren Eingänge erfasst, um welche Kreise mit einem Radius von 450 Meter gezogen wurden. Sich überschneidende Kreise von verschiedenen Eingängen desselben Friedhofs wurden zu einem Einzugsgebiet zusammengefasst.

Der 450-Meter-Radius basiert auf der Methodik zur Ermittlung der "Versorgung mit öffentlichen, wohnungsnahen Grünanlagen" des Berliner Umweltatlas. Der ursprünglich zugrunde liegende 500-Meter-Radius wurde dabei verkleinert, um den Unterschied zwischen Luftlinie und fußläufiger Entfernung zu berücksichtigen (SenStadt 2013b). Ein solcher 500-Meter-Wert wird häufig für die Bestimmung eines Einzugsgebietes von Grünflächen vorgeschlagen und deckt sich zudem mit Erkenntnissen der Mobilitätsforschung über Kinder und ältere Personen (Blinkert 1993; Flaschenträger/Mollenkopf 2001; Urge 2011).

Grünflächen

Als Grünflächen erfasst wurden lediglich öffentlich zugängliche Flächen. So wurden Flächen wie Sportanlagen oder Kleingartenanlagen von der Betrachtung ausgeschlossen. Aufgrund der hohen Dynamik bezogen wir Brachflächen, bis auf wenige bereits in Grünanlagen umgestaltete Ausnahmen, ebenfalls nicht in unsere Betrachtung ein. Ausnahmen waren das Tempelhofer Feld, der Park am Nordbahnhof und der Ostteil vom Park am Gleisdreieck, die in der Datengrundlage noch als Brachflächen klassifiziert sind.

Die berücksichtigten Wälder und Park- und Grünflächen wurden zudem einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. Flächen mit einer nicht öffentlichen Zweitnutzung - wie Bahnanlagen, Industrieflächen, Zeltplätze oder Kitas - wurden somit aus der Betrachtung entfernt. Neben Parks, Grünflächen und Wälder flossen auch die Friedhofsflächen in die Betrachtung mit ein.

Einwohner

Die Einwohnerdaten lagen auf Blockebene vor. Für alle Blöcke, die komplett oder zum Teil innerhalb des Einzugsgebiets liegen, wurden die Einwohnerzahlen addiert.

Kinder und Rentner

Als Kinder wurden kleine Kinder mit einem Alter von bis zu sechs Jahren betrachtet, als Rentner, die in den Daten als über 65-jährig Klassifizierten. Die Kinder- und Rentnerdaten lagen auf Planungsraumebene vor. Die Kinderanzahl und Rentneranzahl wurde in Quadratmeter je Planungsraum ermittelt. Wobei nur tatsächlich bewohnte Flächen der Planungsräume berücksichtig wurden. Die Anzahl der Kinder und Rentner pro Quadratmeter wurde dann auf die Wohnfläche der jeweiligen Planungsräume innerhalb der Friedhofseinzugsgebiete übertragen.

Berechnung des Erholungsindikators

Um der besonderen Bedeutung der in ihrer Mobilität eingeschränkten Bevölkerungsgruppen "Kinder und Rentner" gerecht zu werden, ging ihre Anzahl zusätzlich zur Gesamteinwohnerzahl mit ein, um ihnen mehr Gewicht zu verleihen.

Durch das doppelte Einfließen der Kinder und Rentner, wird die Grünfläche pro Einwohner künstlich verringert und die Bedeutung des Friedhofs steigt entsprechend. Von den öffentlichen Grünflächen innerhalb des Einzugsgebiets wurde die jeweils betrachtete Friedhofsfläche abgezogen:

Erholungs-Indikator = G/(EW+K+R)

G = öffentliche Grünflächen

EW = Einwohnerzahl

K = Kinderzahl

R = Rentnerzahl

Zur Klassifizierung der Friedhofsflächen in Flächen mit sehr hoher, hoher, mittlerer und geringer Bedeutung orientierten wir uns an den Werten des Umweltatlas Berlin.

Der Emmaus-Kirchhof und die Einwohnerdichte in der Umgebung. Abb.: Eigene Darstellung

Erholungspotenzial-Kategorien. Abb.: Eigene Darstellung nach SenStadt 2013b

Häufigkeitsverteilung des Erholungspotenzials. Abb.: Eigene Darstellung

Zusammenhang zwischen Erholungspotenzial und der Lage innerhalb oder außerhalb der Umweltzone. Abb.: Eigene Darstellung

Ergebnisse

Der Erholungsindikator in Berlin zeigt auf den ersten Blick eine überwiegend homogene Verteilung von Friedhofsflächen mit unterschiedlichen Bedeutungsstufen. Dabei hat die Hälfte aller Berliner Friedhöfe nur ein eher geringes Erholungspotenzial. Über ein Drittel der Friedhöfe besitzen jedoch ein hohes bis sehr hohes Potenzial. Dabei besteht eine signifikant leichte bis mittlere Konzentration von Friedhofsflächen mit hoher Bedeutung im Innenstadtbereich (innerhalb der Umweltzone) und von Flächen mit geringerer Bedeutung in Stadtrandlagen.

Auffallend sind einige Friedhofsflächen mit sehr hohem Erholungspotenzial in Stadtrandlagen - zum Beispiel der Parkfriedhof Lichterfelde. Dies erklärt sich durch die Einfamilienhausbebauung im Einzugsgebiet des Friedhofs. Zwar besteht dort eine sehr gute Versorgung mit privaten Grünflächen, jedoch existieren keine nennenswerten öffentlichen Grünanlagen in der Umgebung. Auf Grund der Funktion und Bedeutung von öffentlichen Räumen ist die ermittelte Einstufung dennoch gerechtfertigt. Das Beispiel verdeutlicht allerdings auch, dass die Planung durch das Einbeziehen weiterer Variablen noch verfeinert werden könnte. Besonders in Anbetracht der begrenzten finanziellen Mittel für die Schaffung und den Erhalt von Grünanlagen scheint es ratsam, beispielsweise auch soziale Indikatoren, wie etwa den Berliner Entwicklungsindex, zu berücksichtigen, um die öffentlichen Mittel möglichst dort einzusetzen, wo sie am meisten gebraucht werden.

Ein Vergleich mit dem bisherigen Berliner Friedhofsentwicklungsplan macht das Potenzial einer solch fundierten Planung deutlich. Beispielsweise stellt der Emmaus Kirchhof in Berlin-Neukölln eine Friedhofsfläche dar, die ein sehr hohes Erholungspotenzial in einem mit öffentlichen Grünanlagen schlecht versorgten Gebiet besitzt. Die Entscheidung, fast die Hälfte der Friedhofsfläche für eine sonstige Nutzung vorzusehen, kann bereits auf Basis des Erholungsindikators kritisch beurteilt werden. Die Folge wird eine verschlechtere Grün- und Freiflächenversorgung in einem ohnehin benachteiligten Stadtquartier sein.

Fazit

Friedhöfe haben eine große Bedeutung als Erholungsflächen. Insbesondere geschlossene Friedhöfe sind beliebte Erholungsorte. Daher sollte das bei zukünftigen Entscheidungen berücksichtigt werden. Zudem bietet die Umnutzung von Friedhofsüberhangsflächen eine einzigartige stadtplanerische Möglichkeit, die Grünflächenversorgung der Bevölkerung zu verbessern und sozial gerechter zu gestalten.

Der Erholungsindikator ist ein mögliches Instrument, um die Wichtigkeit der einzelnen Friedhofsflächen für die Naherholung zu ermitteln. Dadurch kann er der Friedhofsentwicklungsplanung helfen, den Erholungswert der Friedhofsflächen besser mit einzubeziehen. Zum einen lassen sich die Friedhöfe identifizieren, deren stärkere Öffnung für den Alltag des Stadtquartieres positiv wäre. Darüber hinaus stellt der Indikator eine Argumentationsbasis dar, um die Interessen aller beteiligten Akteure (unter anderem Stadtplaner, Friedhofsträger und Bürger) besser abwägen zu können und um öffentliche Mittel optimal einzusetzen. Nicht zuletzt sollte auf eine in Bezug auf die Stadtentwicklung sensibilisierte Öffentlichkeit Rücksicht genommen werden. Es ist daher für die Friedhofsentwicklungsplanung lohnend, frühzeitig mögliche Interessenkonflikte erkennen zu können. Gerade die Nachnutzung von Überhangsflächen ist ein hoch emotionales Feld. Entscheidungen, die nicht von der Bevölkerung mitgetragen werden, können nur schwer umgesetzt werden (Gerresheim/Peters 2005). Doch eine Planung, die Änderungen unterworfen ist und sich nicht gegen Einzelinteressen durchsetzen kann, bietet weniger Sicherheit für die Friedhofsträger. Es sind daher planerische Mittel notwendig, um auch vermeintlich ungeliebte Entscheidungen kommunizieren zu können.

Wie von Preisler-Holl und Uttke (2011) vorgeschlagen, sollte die Friedhofsentwicklung eine Vielzahl an Perspektiven berücksichtigen, weder nur aus der bauhistorischen-denkmalpflegerischen Sicht, der rein technokratischen-betriebswirtschaftlichen, der ökologischen Funktion oder nur aus Sicht des Erholungswertes. Der Erholungsindikator in hier beschriebener oder abgewandelter Form ist somit eines der benötigten Planungsinstrumente für eine vollkommenere Stadtplanung.

Literatur

Blinkert, B. (1993): Aktionsräume von Kindern in der Stadt. Eine Untersuchung im Auftrag der Stadt Freiburg. Centaurus-Verlagsgesellschaft.

Flaschenträger, H., P. Mollenkopf (2001): Erhaltung von Mobilität im Alter. In: Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Band 197. Verlag W. Kohlhammer.

Gerresheim, H., R. Peters (2005): Mensch, Friedhof, Stadt. Neue Ideen für Orte der Trauer und Besinnung in der Stadt. In: Stadt+Grün, Jg. 54, Heft 10, S.44-47. Patzer Verlag.

Jenz, H. (1977): Der Friedhof als stadtgeographisches Problem der Millionenstadt Berlin. In: Abhandlungen des Geographischen Instituts Anthropogeographie, Band 26. Geographisches Institut d. FU Berlin.

Körner, S., M. Venne (2008): Nutzung und Erhaltung städtischer Friedhofsflächen. Strategien zur Konzeption und erste Ergebnisse eines DBU-Forschungsprojekts. In: Stadt+Grün, Jg. 57, Heft 11. S.16-21. Patzer Verlag.

Mies, J. (2002): Friedhofsentwicklung in den Neuen Bundesländern. Teil 1: Die aktuelle Situation der ostdeutschen Großstadtfriedhöfe. In: Stadt+Grün, Jg. 51, Heft 11, S.31-37. Patzer Verlag.

Preisler-Holl, L., A. Uttke (2011): Friedhofsentwicklung in Kommunen. Stand und Perspektiven. In: Difu-Impulse, Band 6. Deutsches Institut für Urbanistik.

SenStadt (2006): Friedhofsentwicklungsplan Berlin. In: Natur & Stadtgrün. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

SenStadt (2013a): Friedhöfe und Begräbnisstätten. Daten und Fakten. In: www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/friedhoefe_begraebnisstaetten/de/daten_fakten/index.shtml (letzter Zugriff: 28.07.2013).

SenStadt (2013b): Umweltatlas Berlin. 06.05 Versorgung mit öffentlichen, wohnungsnahen Grünanlagen (Ausgabe 2013). In: www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/ia605.htm (letzter Zugriff: 20.09.2013).

SenStadt (2013c): Öffentliche Grün- und Erholungsanlagen. Daten und Fakten. In: www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/gruenanlagen/de/daten_fakten/index.shtml (letzter Zugriff: 30.07.2013).

Spiegel (2011): Hüllenlos auf dem Gottesacker. In: Spiegel 2011, Heft 11, S. 46. Spiegel-Verlag.

Sörries, R. (2011): Ruhe Sanft. Kulturgeschichte des Friedhofs. Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Süddeutsche.de (2011): Partymeile auf dem Friedhof. In: www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchens-alter-nordfriedhof-partymeile-auf-dem-friedhof-1.1128590 (letzter Zugriff: 25.07.2013).

Urge (2001): Urban Green Environment. Interdisciplinary catalogue of criteria (ICC).

Simon Koch und Anna-Leonie Wolfrum

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 10/2013 .

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