Kommentar

Biodiversitäts-Hotspot Stadt?

von

Heiner Baumgarten, Foto: igs hamburg 2013,

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Städte über eine sehr viel höhere Artenzahl an Tieren und Pflanzen verfügen als die freie Kultur-Landschaft. Dies liegt nicht in erster Linie an einer bewussten und konzipierten Strategie der zuständigen Ämter, sondern ist bedingt durch die sehr hohe Vielfalt der Lebensräume und die Besonderheiten des Stadtklimas.

So konnten sich neben den heimischen Arten auch Arten aus wärmeren Klimabereichen ansiedeln und erfolgreich verbreiten. In der aktuellen Diskussion über das Insektensterben rücken auch die Städte wieder in den Mittelpunkt: Gibt es Potenziale oder Strategien zur Sicherung der Artenvielfalt in der Stadt - auch als Ausgangspunkt für eine Wiederbesiedlung für eine weitgehend ausgeräumte und verarmte Kulturlandschaft? Potenziale ja, Strategien eher weniger.

Hamburg hat zum Beispiel mit seinem Naturschutz-Großprojekt "Natürlich Hamburg" eine bis 2031 reichende Strategie zur Entwicklung von mehr Artenreichtum in Parks, entlang von Straßen und auch in Naturschutzgebieten, einen umfassenden Ansatz gewählt, der auf der Basis von Pflege- und Entwicklungsplänen Maßnahmen von 2022 bis 2031 umsetzen soll. Allerdings wird dadurch auch nicht die Artenverarmung in der Hamburger Kulturlandschaft gestoppt und erst recht nicht in der Metropolregion. Dennoch zeigt dieses Beispiel eine Möglichkeit für die Handlungsmöglichkeiten der Städte.

Viele Städte haben auch bereits ihre eigenen Programme für Blühstreifen an Straßen oder in Parkanlagen, um Lebensraum für Insekten (zurück) zu gewinnen. Begleitend sind die Entwicklung und der Schutz vorhandener früh blühender Wildsträucher erforderlich, um das Nahrungsangebot für Insekten in der Stadt zu sichern. Das Stadtgrün leistet einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität und zur Sicherung eines gesunden Stadtklimas im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dafür sollte das Förderprogramm des Bundes "Zukunft Stadtgrün" als eigenständiges Programm fortgeführt und deutlich ausgeweitet werden.

Auch wenn alle Städte einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Biodiversität leisten können, so zeigt doch der aktuelle Bericht des Weltbiodiversitätsrates vom 6. Mai das die Hauptaufgaben in der Landwirtschaft und bei Gegenmaßnahmen zum Klimawandel liegen müssen. Die weitere Zerstörung von Naturlandschaften weltweit und die fortschreitende Intensivierung in der Landwirtschaft müssen gestoppt werden, sonst bleiben die Anstrengungen der Städte in der Bilanz wirkungslos.

Heiner Baumgarten

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 06/2019 .

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