Kommentar

Lieber Lastenrad als SUV

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Mobilität – zugegeben, das Thema begeistert aktuell nur wenige. Die Brücken bröckeln, die Bahn scheitert an fehlendem Personal und maroder Infrastruktur, auf den zugeparkten Straßen und Gehwegen ist kein Vorankommen … Bei der Gemengelage kommt auch die ambitionierteste Politik nicht weit.


Neben dem obligaten Gemecker über Bahn und Politik, entlädt sich die Häme besonders gern an SUV und Lastenrad. Zugegeben, ich freue mich über jedes Lastenrad, ob leer, mit Hund oder beladen mit der ganzen Krabbelgruppe. Denn: Die Dinger lassen sich weder wegdrängen noch wegdiskutieren. Das Lastenrad macht klar, warum der Radverkehr nicht einfach mit dem fußläufigen Verkehr auf Restflächen zusammengepfercht oder in "Schlitzradwege" gezwängt werden kann.

Auch E-Bike und Pedelec haben unsere Mobilität verändert: Wer früher glaubte, nur mit dem gehobenen Markenauto zum Briefkasten fahren zu können, präsentiert heute stolz das E-Mountainbike vor der Bäckerei. In ländlichen Regionen gibt es sogar mehr Pedelecs als im Bundesdurchschnitt und Personen über 60 legen mit dem Pedelec deutlich längere Strecken zurück. Über 60-Jährige sind auch häufiger zu Fuß unterwegs, über 80-Jährige legen fast 40 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurück, der Bundesdurchschnitt nur 25 Prozent. Hier wird vielleicht klar, warum auch Gehwege heute (eigentlich schon länger …) eine Breite von 2,5 Metern haben sollten. Wir sind eine alternde Gesellschaft, gerade im ländlichen Raum, der es jedoch ziemlich egal ist, wie das ältere Paar mit Rollator den Bordstein herunterkommen soll, wenn vor ihnen mal wieder Auto, Mülltonne oder geparkte Räder den Weg versperren – sollen sie doch SUV fahren!

Auch der Klimawandel wird unsere Mobilität verändern: Hin zum vollklimatisierten SUV, weil die Stadtbäume den zunehmenden Trockenzeiten nicht standhalten konnten? Oder hin zu einer Fuß-, Radwege und ÖPNV-Planung, die auf veränderte Klimabedingungen eingeht? Sei es durch angepasste Routenführungen, Verschattungselemente, mobile oder dauerhafte Bepflanzungen – in der 15-Minuten-Stadt und auch im ländlichen Raum, wo nicht alle 10 Minuten ein Bus fährt?

Richtig spannend wird es, wenn sich eine größere Standardabmessung von PKW-Parkplätzen durchsetzen wird. Wer jetzt schluckt: Es könnte auch ein Paradies für Bäume, Radelnde und ALLE zu Fuß werden!

Dr.-Ing. Sandra Sieber

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Dr.-Ing. Sandra Sieber
Autorin

Infrastruktur und Umwelt, Professor Böhm und Partner

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