Die Rheinufersanierung verläuft auf zwei Kilometern

Das neue Bonner Rheinufer - Humboldts „achtes Weltwunder“?

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Abb. 1: Vom Alten Zoll aus schaute schon Humboldt auf den Rhein. Foto: Bundesstadt Bonn

Alexander von Humboldt bezeichnete den Blick von der Bastion des Alten Zoll in Bonn entlang des großen Rheins bis hin in das Siebengebirge als das "achte Weltwunder" (vgl. 1). Der Rhein mit seinen Ufern in Bonn bietet auf seiner Verlaufstrecke durch die Bundesstadt tatsächlich bis heute herausragend schöne Blickbeziehungen. 14,5 Kilometer Flusslauf von insgesamt 1232,7 Kilometern in Europa bieten entlang der Stadtteile Bad Godesberg, Bonn und Beuel dazu auch zahlreiche Möglichkeiten. Das bekannteste Bild ist sicherlich das von Humboldt beschriebene und kann direkt am aktuell geplanten, ersten Bauabschnitt einer Rheinufersanierung von rund 1,6 Kilometern Länge genossen werden.

Der beschriebene besondere Raum nahe des Bonner Rheinufers, welches saniert werden soll, befindet sich zentral gelegen innerhalb der Stadt und prägt diesen. Von Nord nach Süden reihen sich historische Bauten und stadtbildprägende Denkmale am Bonner Rheinuferabschnitt. Die Beethovenhalle ganz im Norden mit den von Herrn Raderschall in den 1960er-Jahren gestalteten Außenanlagen bildet den Startpunkt. Folgt man dem Verlauf des Rheins weiter flussaufwärts, so wechseln sich Wohngebäude und Hotel(neu)bauten bis zur großen Rheinquerung, der Kennedybrücke, ab. Davon ausgehend weiter Richtung Süden befinden sich die Bonner Oper, wiederum Wohnbebauung, universitäre Gebäude und dann der historische Alte Zoll, den Alexander von Humboldt so gerne nutzte, um den beschriebenen Blick zu genießen.

Darüber hinaus kirchliche und weitere universitäre Einrichtungen bis ganz am Ende des Realisierungsabschnitts das Arndthaus aus dem Jahr 1819 mit Museum und Garten die Perlenkette abschließt. Zwischen dieser Perlenkette verschiedenster Gebäude und den dazugehörigen Grundstücken und dem eigentlichen Rheinwasser befinden sich zwischen 15 und 30 Meter breiter, öffentlicher Raum und eine Höhendifferenz von bis zu 8 Metern, die direkt zu überwinden ist, um in die Bonner Innenstadt zu gelangen. Der Weg hier in die Stadtmitte führt über den in den Jahren 2019/20 ganz neu bearbeiteten Stadtgarten, die Hofgartenwiese und das Universitätshauptgebäude aus der Zeit von Kurfürst Clemens zum geschichtsträchtigen Alten Rathaus.

Abb. 2: Der Rheinpavillon – heute eine Gastronomie mit Sommerangeboten im Freien und Restaurant im denkmalgeschützten Innenraum. Foto: Bundesstadt Bonn

Abb. 3: Das Rheinufer mit Blick auf die Oper. Foto: Bundesstadt Bonn

Der Freiraum des Bonner Rheinufers ist heute sehr heterogen gestaltet und in den einzeln erkennbaren Abschnitten wiederum historisch entwickelt. Allen einzelnen Teilbereichen ist gemein, dass der motorisierte Individualverkehr eine große Rolle spielt, sowohl als fließender Zweirichtungsverkehr als auch großflächiger Parkraum. Daran unmittelbar angrenzend bewegen sich die Radfahrenden auf einem schmalen Radweg, bevor sich die Bereiche für das langsame Bewegen und Flanieren anschließen. Diese verkehrsbefreiten Bereiche sind im Umfeld der Bonner Beethovenhalle, die aktuell umfassend saniert wird, als in die Jahre gekommene, versiegelte Oberflächen, aktuell jedoch mit ästhetisch ansprechenden, artenvielfältigen Staudenflächen gestaltet. Großflächiger Baumbestand mit raumdominierenden Linden besetzen den folgenden Bereich Richtung Süden bis zu dem Denkmal der ehemaligen jüdischen Synagoge nördlich der Kennedybrücke.

Der Vorbereich angrenzend an die Bonner Oper und die vorgelagerte Tiefgarage ist neben der asphaltierten Fahrbahn für den Individualverkehr mit wassergebundenen Decken und Baumneupflanzungen versehen, die bereits im Jahr 2019/20 zum Beethovenjubiläumsjahr in Bonn hergerichtet wurden.

Im weiteren Verlauf Richtung Süden, also flussaufwärts und wiederum dem Lieblingsblick von Humboldt über den Rhein zum romantischen Siebengebirge folgend, haben die Ausflugsschiffe auf dem Rhein deutliche Spuren hinterlassen. Nicht nur die Schiffsanleger reihen sich hier aneinander, ebenso Ticketverkaufsstation als auch Toilette und Gastronomie, für die per Schiff ankommenden oder abfahrenden Besucher*innen Bonns genauso wie die Bewohner*innen.

Große, das Flussufer prägende Schiffsanleger für Hotel und Feuerwehrschiffe finden sich darüber hinaus nördlich der Kennedybrücke.

Wenige Jahre später geboren als Alexander von Humboldt, der jedoch in Berlin zur Welt kam, würdigen die Bonner*innen Peter Joseph Lenné als Sohn der Stadt am Rheinufer auf Höhe des Alten Zoll. So erfreut sich die Bevölkerung an einem eigenen, kleinen Gärtchen, welches aus Spendengeldern finanziert wurde. Lennés Geburtshaus, heute im Eigentum des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW und genutzt von der Bonner Universität, befindet sich nur wenige 100 Meter entfernt.

Im Sommer einer der wenigen Bereiche, in welchem der Kontakt zum fließenden Wasser des Rheins tatsächlich möglich wird, befindet sich am so genannten Rheinpavillon. Heute eine Gastronomie mit Sommerangeboten im Freien und Restaurant im denkmalgeschützten Innenraum.

Hier fährt auch die Fähre "Rheinnixe" zur anderen Seite des Rheins, im Rheinland liebevoll mit Bezug zur alten Treidelhistorie "Schäl Sick" genannt.

Alle weiteren Bereiche sind mit einer steinernen Mauer und Zaunelementen als Barriere zwar unmittelbar an der Bundeswasserstraße Rhein gelegen, lassen den Besuchern des Rheinufers aber keine Chance, das kostbare Gut Wasser zu ertasten oder zu erfühlen.

Hintergrund dessen ist neben der intensiven Schifffahrt die Lage am Prallhang des Rheins mit dessen Strömungen und Gefahrenlagen insbesondere im Fall eines für diesen Bereich regelmäßig wiederkehrenden Hochwassers.

Abb. 4: Blick nach Beuel. Foto: Bundesstadt Bonn

Abb. 5: Der Schiffsanleger. Foto: Bundesstadt Bonn

Die Gestaltungsaufgabe

Der Rhein und seine Uferpromenade sind identitätsstiftend und das Aushängeschild für Bonn. Als öffentlicher Raum hat das lange schmale Ufer vielfältige, teils gegenläufige Nutzungsanforderungen zu erfüllen:

  • Aufenthalts-/Bewegungs-/Aktionsraum
  • Kultur/Spiel/Sport
  • Tourismus/Gastronomie
  • Verkehrsraum

Gestalterisch stellt sich dieser wertvolle innerstädtische Freiraum allerdings mit seinen überdimensionierten und asphaltierten Verkehrsflächen in großen Bereichen und in den erneuerungsbedürftigen Teilräumen der Promenade, nicht mehr zeitgemäß dar.

Das Thema der Umgestaltung und gestalterischen Aufwertung der Rheinuferpromenade beschäftigt die Stadt Bonn schon lange. Während der vergangenen zehn Jahre wurden für das Rheinufer vielfältige Programme, Entwicklungsziele, Wettbewerbe und Gestaltungskonzepte mit dem Leitthema "Bonn Stadt zum Rhein" erarbeitet und diskutiert, zum Beispiel im Rahmen der Regionale 2010 und des Masterplans Bonn Innere Stadt. Einige Projekte im öffentlichen Raum wurden realisiert, wie zum Beispiel die Neugestaltung des Alten Zoll am zentralen Verknüpfungsbereich von Rheinufer und Innenstadt und Teilabschnitte der Promenade für das Beethovenjahr 2020.

Mittlerweile haben sich jedoch die Planungsprämissen verändert. Klimawandel, Verkehrswende und die wachsende Bedeutung des öffentlichen Raumes als Sozial- und Kulturraum führen zu neuen Gestaltungsvorgaben. Der gesamte Raum der Uferzone einschließlich der zu integrierenden Verkehrsflächen soll daher unter Berücksichtigung der gestalterischen Bestandsstrukturen konzeptionell überdacht werden. Die Rheinuferpromenade soll weitgehend frei von unnötigem, motorisierten Verkehr zugunsten von Fuß- und Radverkehr und Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität werden.

Um sich der Gestaltungsaufgabe in diesem anspruchsvollen Planungsraum zu nähern und dabei die aktuellen Fragestellungen hinsichtlich Klima, Verkehr, Denkmalschutz, aber auch die veränderten Tourismusansprüche zu berücksichtigen, hat die Stadt Bonn nach einer umfassenden Beteiligung der Stadtgesellschaft in 2021 einen Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Für diese komplexe stadtgestalterische Aufgabe war eine integrierte Zusammenarbeit von Freiraumplanung und Verkehrsplanung unerlässlich. Die Wettbewerbsausschreibung richtete sich daher an interdisziplinäre Teams aus Landschaftsplaner*innen und Verkehrsplaner*innen, um den Freiraum und die weiterhin notwendigen Verkehrsräume integriert zu planen, und das große stadträumliche Potenzial des Rheinufers als Ganzes stärker zur Geltung zu bringen und nutzbar zu machen.

Seitens der Stadtverwaltung wurde für die Vorbereitung und Begleitung des Wettbewerbsverfahrens eine interdisziplinäre Projektgruppe gebildet. Ziel des nichtoffenen, einphasigen und anonymen Wettbewerbs war es, die gesamte Uferzone einschließlich der Straßenräume insbesondere unter den Aspekten Klimaanpassung und zukunftsweisende Mobilität zu gestalten.

Dabei sollten die geschützten und erhaltenswerten Grundstrukturen des bestehenden Promenadenbandes mit seinen Alleen integriert werden. Das Ziel, die Rheinuferpromenade langfristig zu einem Erlebnisort mit Verbesserungen der Aufenthaltsqualität und des gastronomischen Angebots zu entwickeln, sollte im Rahmen des Wettbewerbs berücksichtigt werden. Bei den Entwürfen für den Rheinuferboulevard waren die Auswirkungen des Klimawandels zu beachten. Die Berücksichtigung zunehmender Extremwetterereignisse, das Schwammstadt-Prinzip, ein angepasstes Regenwassermanagement und Biodiversität waren hierfür allgemeine stadt- und freiraumplanerische Leitgedanken. Der aktuelle Versiegelungsgrad im Wettbewerbsgebiet sollte konzeptabhängig deutlich verringert, der Anteil der Vegetationsflächen erhöht werden.

Der neue Rheinuferboulevard sollte als ganzheitlicher, weitestgehend verkehrsfreier Stadtraum insbesondere für die Fußgänger aufgewertet werden. Hierfür sind die wichtigen Wege zwischen Rheinufer und Innenstadt besonders zu berücksichtigen. Für diese schwierigen aber überaus wichtigen Verknüpfungsbereiche des Ufers mit der Stadt sollten die Wettbewerbsteilnehmer Ideen entwickeln und eine fußgängerfreundliche Gestaltung vorschlagen, dabei aber den Radverkehr besonders berücksichtigen.

Im Vorfeld der Auslobung wurde bereits die herausragende Bedeutung des Rheins für die Bonner Bevölkerung im Rahmen der verschiedenen Beteiligungsbausteine deutlich. Innerhalb kurzer Zeit wurden über die Beteiligungsplattform "Bonn macht mit" über 2000 Anregungen eingebracht. Auch die digitalen Veranstaltungen wurden rege genutzt. Über das Wettbewerbsverfahren hinaus wird das ausgezeichnete Planungsteam gefordert sein, mit den Bewohner*innen der Stadt Bonn in den Dialog zu treten und die Planung damit weiter zu schärfen und zu verbessern.

Das Preisgericht hat sich unter neun teilnehmenden Büros einstimmig für den Wettbewerbsentwurf des Planungsbüros Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin mit VCDB VerkehrsConsult GmbH, Dresden entschieden, das bereits den Rhein-Boulevard in Köln-Deutz geplant hat. Der Entwurf zeichnet sich durch ein robustes freiraumplanerisches Konzept aus, das mit klarer Linearität unterschiedlich gestaltete Aufenthaltsräume mit Bezügen zur bestehenden Stadtstruktur ausweist und die räumlichen Besonderheiten sehr gut herausarbeitet. An markanter Stelle an der Oper schafft der Entwurf mit einer sinnvollen Geste durch eine neue Treppe eine optimale Verbindung zwischen Innenstadt und Rheinufer. Den zentralen Aspekten der Nachhaltigkeit und Klimawandelanpassung wird in diesem Entwurf besonders Rechnung getragen. Die Idee der separaten Fahrradtrasse greift die notwendige Verkehrsreduzierung am Rheinufer auf.

Die Stadt Bonn hat neben zahlreichen weiteren Maßnahmen zur Attraktivierung der Bonner Innenstadt für die Umgestaltung der Rheinuferpromenade einen Antrag zur Aufnahme in das Städtebauförderprogramm 2021-2025 gestellt. Nach positiver Förderzusage erwartet die Stadt nun eine 70-prozentige Förderung (17,2 Mio. Gesamtkosten für den 1. und 2. Bauabschnitt davon 12 Mio. Förderung von Bund und Land). Mit dem Städtebauförderprogramm des Masterplans Innere Stadt Bonn 2.0 besteht die große Chance, die in die Jahre gekommene Rheinuferpromenade aufzuwerten. (vgl. 3)

Das Plangebiet hat eine Fläche von rund 50 000 Quadratmetern im ersten und zweiten Bauabschnitt. Der erste Bauabschnitt (zwischen Kennedybrücke und Alter Zoll) soll im Jahr 2023 begonnen werden, der zweite Bauabschnitt (nördlich der Kennedybrücke bis Rosenthal) in 2025 und abschließend der dritte Bauabschnitt (Alter Zoll bis Zweite Fährgasse) in 2027. Dabei ist der dritte Bauabschnitt nicht Teil des aktuellen Förderantrages auf Städtebauförderung.

Abb. 6: So soll es einmal werden: Das abgetreppte neue Rheinufer. Visualisierung: Planorama

Abb. 7: Die neue Planung rund um den Rheinpavillon. Visualisierung: Planorama

Der Ausblick

Durch die Aufwertung des Rheinufers besteht für die Bundesstadt Bonn die Möglichkeit, neue Funktionen und Angebote am Rhein zu etablieren. Neben Plätzen zum Sitzen und Verweilen sind weitere Nutzungen geplant, die einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft haben, Menschen zusammenbringen und zu inspirieren. Das Rheinufer bietet hohes Potenzial, gemeinschaftsbildende Bewegungs- und Begegnungs-Angebote für die Bevölkerung zu schaffen. Mit dem Wettbewerbsergebnis besteht die große Chance, die Verbindung des Opernvorplatzes mit dem Rhein ebenfalls neu zu interpretieren. Die Oper soll sich damit weit in die Stadtgesellschaft und Richtung Rhein öffnen. Der vorliegende Siegerentwurf ist bestens dazu geeignet, eine große Auswahl der über 2000 Anregungen aus der Stadtgesellschaft im weiteren Planungsprozess zu integrieren. In der weiteren Planung wird die Stadtgesellschaft erneut in verschiedenen Formaten direkt vor Ort intensiv eingebunden. Damit soll eine breite Akzeptanz für eine klimagerechte und damit zukunftsfähige Neugestaltung des Rheinufers in Bonn erreicht werden.

Wenn in rund einem Jahrzehnt das Bonner Rheinufer neugestaltet und ausgebaut sein wird, ist sicherlich auch der Blick vom Alten Zoll über den Rhein um noch eine Attraktion reicher, ob es Alexander von Humboldt wohl gefallen hätte?

Abb. 8: Das neue Planungsgebiet im Überblick. Abb.: Bundesstadt Bonn

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2022 .

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