Badenweiler

Denkmalgeschützter Kurpark beim Realisierungswettbewerb Cassiopeia-Therme außen vor

Badenweiler: In diesen Zugang des Kurparks beim Schlossplatz ist die neue Lieferantenzufahrt in den Park geplant, 08.05.2018 Foto: Andreas Paul

Dem Auslobungstext zum "Interdisziplinären Realisierungswettbewerb Erweiterung der Cassiopeia-Therme" im baden-württembergischen Badenweiler ist zu entnehmen, dass der Kurpark als Sachgesamtheit nach § 2, DSchG unter Schutz steht. "Wegen der hohen Denkmalbedeutung und der sich überlagernden denkmalpflegerischen Belange sind im Umgang mit dem Kurpark hohe Anforderungen zu stellen." Des Weiteren ist zu lesen: "Aufgrund der hohen Anforderungen an die Außenanlagen die mit dem Entwurf der Erweiterung einhergehen, wird den Wettbewerbsteilnehmern dringend empfohlen, externe Landschaftsarchitekten hinzuzuziehen". Was ist eine Empfehlung wert?

Es ist daher die Frage zu stellen, wie der Begriff "interdisziplinär" im Titel des Auslobungstextes zu verstehen ist. Bei einem derartigen Projekt bedeutet dies, dass die beteiligten Disziplinen der Ingenieure, Architekten und Landschaftsarchitekten gleichwertig zusammenarbeiten. Es ist eine zum Teil bedauerliche Entwicklung, dass Architekten die Kooperation mit Landschaftsarchitekten meiden, wie dies beim 1. Preis des Realisierungswettbewerbs der Fall war.

In einer Anfrage an das Land Baden-Württemberg, Vermögen und Bau, Amt Freiburg, wurde bestätigt, dass auch kein stimmberechtigter Landschaftsarchitekt als Fachpreisrichter ins Preisgericht berufen wurde. Lediglich in der Vorprüfung waren ein Fachingenieur der Landschaftsarchitektur und der Leiter der Kurgärtnerei beteiligt. Man kann feststellen, dass die "hohen Anforderungen" an das Kulturgut Kurpark zwar im Papier formuliert sind, aber in der Zusammensetzung und Kompetenz des Preisgerichtes keinen Niederschlag fanden. Dem entsprechend ist auch das Ergebnis des 1. Preises der Architekten Marte.Marte in Bezug auf den Park einzuordnen.

Kurpark mit Gebäuden am Schlossplatz und der Lieferantenzufahrt (Bildmitte), 1. Preis, Architekten Marte.Marte. Repro: Andeas Paul

Der erste Preis sieht eine etwa vier Meter breite Fahrtrasse im Zugangsbereich des Kurparkes vom Schlossplatz aus gesehen vor, die weit in den Kurpark hinein verläuft, wo auch die meisten Besucher in den Park gehen (s. Grundriss 1. Preis). So werden im Hauptzugangsbereich des Parks, wenn der 1. Preis umgesetzt werden sollte, die Lkw der Müllabfuhr, der Restaurantbelieferung und des Technikservices in den Park fahren und damit den sicheren und ungestörten Aufenthalt für Fußgänger erheblich beeinträchtigen. Das oben angegebene Amt schreibt weiter, dass im Nachgang ein Landschaftsarchitekt hinzugezogen wird. Warum nicht gleich im Rahmen des Wettbewerbes?

Der Wettbewerb wurde als Interdisziplinärer Realisierungswettbewerb ausgelobt. Daher wäre es zwingend erforderlich gewesen, dass bei einem derartigen Projekt die interdisziplinären Arbeitsgemeinschaften zwischen Hochbauarchitekten und Landschaftsarchitekten mit Schwerpunkt Gartendenkmalpflege im Auslobungstext hätten verbindlich festgeschrieben werden müssen. Die mangelhafte Bearbeitung des Freiraums ist im 1. Preis schon jetzt erkennbar. Auch von Architekten kann man so viel Fachkompetenz und Gespür erwarten, den Zugangsbereich zum denkmalgeschützten Kurpark nicht in eine Lieferantenzufahrt umzugestalten. Noch dazu werden mit dieser Planung bestehende fußläufige Verbindungen, die in fast gleicher Höhe verlaufen, überbaut, und die aktuelle Erschließung des Kurhauses unzureichend berücksichtigt. Für einen Kurort, in dem auch viele ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen Erholung suchen, spricht dies nicht für eine besondere Sensibilität, was die aktuelle Nutzung des Parks betrifft.

Das Land Baden-Württemberg sollte im Umgang mit historischen Parkanlagen im ländlichen Raum ein größeres fachliches Engagement aufbringen. Nicht nur die Anlagen in unmittelbarerer Nähe von Metropolregionen sind zu pflegen und weiter zu entwickeln. Der ländliche Raum steht mittlerweile im aktuellen Fokus räumlicher Entwicklung.

Prof. Andreas Paul,
a.o.paul@t-online.de

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 06/2018 .

Stadt+Grün Stellenmarkt

Wie kann ich mein Stellenangebot hier veröffentlichen? Weitere Informationen
http://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[division]=3&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=329++216++94++92&no_cache=1