Kunst im Park

Der Sanayeh Garden in Beirut

Der Sanayeh Garden in Beirut, Treffpunkt von 11 000 Menschen an jedem Wochenende präsentierte im Jahr 2016 eine Kunstausstellung. Foto: ZMK Landscape Architects, Naqqach, Libanon

Der René Mouawad Garden bekannt als Sanayeh Garden, eine der ältesten öffentlichen Freiflächen in Beirut, liegt im Westen der Hauptstadt des Libanons zwischen Tallet al Khayat und Hamra Street. Die Metropole mit etwa 3 Millionen Einwohnern war lange Zeit den Wirrnissen des Bürgerkrieges (1975-1990) ausgesetzt, der durch Spannungen zwischen arabischen Nationalisten und prowestlichen Christen ausgelöst worden war. Er hat tiefe Spuren in der Hauptstadt und seinen Gärten hinterlassen - in einem Land, das halb so groß ist, wie Sachsen-Anhalt.

Nach schweren Schäden und starker Verwahrlosung wurde der 2,2 Hektar große Sanayeh Garten nach einer eineinhalb Jahre dauernden Sanierung im Mai 2014 neu eröffnet, der Pflanzplan ist einzusehen über stadtundgruen.de/media/PDF/Pflanzplan_Sanayeh.pdf. Der Besucherandrang war groß, mehr als 22 000 Gäste strömten damals in die grüne Oase. Noch immer ist er Treffpunkt für 11 000 Menschen an jedem Wochenende.

Im Jahr 2016 organisierte die Agentur "Art in Motion" eine Kunstausstellung im Sanayeh Garden. 24 Künstler, von denen 15 aus dem Libanon, Syrien, Irak, Palästina und Kasachstan stammten und neun aus Europa, hatten sich zum Ziel gesetzt, einen kulturellen Diskurs mithilfe der Kunstwerke zu initiieren.

24 Künstler zeigten in dem 2,2 Hektar großen Sanayeh Garden ihre Kunstinstallationen, auch Cathy Weyders war mit ihren "Rescue Igloo" vertreten. Foto: Cathy Weyders

Das französische Atelier YokYok und der Bildhauer Ulysse Lacoste arbeiteten etwa mit Kunst- und Architekturstudenten aus Beirut zusammengearbeitet und bauten eine "Papierkuppel". Das architektonische Objekt "The Paper Dom" besteht aus geschichteten Zeitungsblättern, die als Metapher des Alltags in der Stadt dient. Das Kunstwerk besitzt eine hölzerne Struktur mit einem Durchmesser von zehn Metern, es wirkt wie schwebend, nur an einem Punkt am Boden fixiert. Besucher durchlaufen es und lassen Raum, Ruhe und Schatten auf sich wirken. So wird es ein sozialer Ort.

Eine weitere Künstlerin, Cathy Weyders erfindet Landschaften, in denen man durch Tarnung leben und überleben kann, versteckt in Schutzanzügen, Hauben oder Masken. Diese Installationen wirken oft wie organische Häuser, die als Fantasy-Architektur erscheinen. Es entstehen Räume, die die Besucher gleichzeitig betrachten und durchlaufen können. Weyders beschäftigt sich seit 2004 zudem mit dem Thema Katastrophe, etwa die ertrinkende Welt, die Flut oder auch mit der Kunst, einen Schiffbruch zu überleben. Weyders "Rescue Igloo" gehört zu einer Reihe von neuen Skulpturen, die sich mit temporären Wohnungen befassen: Gebäude aus Eis sowie aufblasbare Boote und Flöße, die an frühere, ursprüngliche, archaische Architekturen der Künstlerin erinnern.

Ihr erstes "Rettungsiglu" baute Weyders 2010 für eine Ausstellung in Luxemburg mit dem Namen "bewegende Welten". Der Fokus liegt hier auf dem Thema "Globale Erwärmung" und dem Begriff des Überlebens - ihre Skulpturen so wie das "Rettungsiglu" sind aus Rettungswesten gebaut. Ein schwimmender, nomadischer Lebensraum, eine Art Notkabine bei Naturkatastrophen - wenn Polkappen schmelzen oder Tsunamis die Erde überrollen und nur noch der Überlebensinstinkt zählt. "Als ich dieses Iglu realisierte, gab es keine Flüchtlinge im Mittelmeer. Später, 2016, als die Ausstellung eröffnet wurde, kamen auch viele Flüchtlinge, die über ihr Schicksal berichteten" so Weyders.

Tatsächlich sind ihre Schutzeinrichtungen sehr empfindsam: Aus leichten, flüchtigen Materialien gebaut erweisen sie sich als ungeeignet für reale Einsätze. Die Schaumstoffjacken widerstehen kaum dem Wind, ein Zelt kann wegfliegen. Sie sind temporäre, kurzfristige Lösungen und symbolisieren die Zerbrechlichkeit der Welt.

Ein Sitzelement in Form eines Kunstwerkes wurde von dem libanesischen Bildhauer Nabil Helou geschaffen. Es ist eins der wenigen Kunstwerke - aus Fiberglas hergestellt und mit weit ausschwingenden Formen - das die Besucher benutzen durften. "Ich habe versucht, Gefühle mit Textur, Ideen mit Volumen, Formen mit Licht und Leere mit Schatten zu verschmelzen", so Nabil Helou. Ein weiteres Kunstwerk ist der "Olive tree" von Abdul Rahman Katanani. Ein aus Draht gefertigter Olivenbaum von 102 x 110 Zentimetern.

Die internationalen Künstler produzierten ihre Arbeiten " in situ" und verwendeten lokale Materialien. Das Ziel der Inventionen war es, alle Formen des künstlerischen Ausdrucks im libanesischen Kontext zu fördern und gleichzeitig einen Austausch mit der internationalen Kunstszene herzustellen. Dies gelang über Zusammenkünfte der Künstler mit Experten für zeitgenössische Kunst. Außerdem wurden Einführungsworkshops zu verschiedenen Ausdruckformen organisiert, wie zum Beispiel Workshops zur Integration der arabischen Kalligraphie in die zeitgenössische Kunst oder Workshops zu Architektur.

Luna Kansou und Mechthild Klett

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 03/2019 .

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