Der Schlosspark von Sztynort im nordöstlichen Polen in Masuren

Steinort – revisited

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In dieser Zeitschrift erschien im Heft 12/2019 ein Artikel über den Schlosspark von Steinort im ehemaligen Ostpreußen, heute Sztynort im nordöstlichen Polen in der Masurischen Seenplatte. In den vergangenen Jahren fanden maßgebliche Veränderungen im Park und in den Bestandsgebäuden statt, die in diesem Artikel beschrieben werden.
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Abb. 1: Steinort, Sztynort. Luftbild: Lehndorff-Gesellschaft

Sztynort hat sich in jüngerer Vergangenheit mit seiner großen Marina für Segeltourismus zu einem sehr bekannten Urlaubsort in Masuren entwickelt. Alle Bauten, wie Restaurants, Hotel, Bars und Bühnen, ein kleiner Supermarkt und moderne Sanitäranlagen dienen der touristischen Nutzung und sorgen für einen angenehmen Aufenthalt in einem natürlichen Hafen, der als kleiner See direkt mit dem angrenzenden Mauersee verbunden ist.

Die Lage mitten in einem riesigen Gebiet miteinander verbundener Seen bietet ideale Ferienbedingungen. Die Marina verfügt über 230 Liegeplätze für große Segelboote in der Hauptsaison. Der Eigentümer des Anwesens ist die Entwicklungsgesellschaft King Cross mit Sitz in Warschau. Die einzige Ausnahme in diesem Immobilienbestand ist das zentral gelegene dreiflügelige Schloss, welches 1691 fertiggestellt wurde und sich seit 2009 im Eigentum der Polnischen Kulturstiftung (POLSKO-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytkow Kultury (PNF)) befindet. Die Koordination der bisher erfolgten Bestandssicherungsmaßnahmen erfolgte von Deutschland aus maßgeblich über die Schwesterstiftung, die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS).

Das Schloss ist, abgesehen von einem schmalen Geländestreifen, der um das Gebäude verläuft, komplett umgeben vom Eigentum des Projektentwicklers. Diese Tatsache führt zu notwendigen Abstimmungen, aber auch zu einem gewünschten Informationsaustausch zwischen den zwei Akteuren am selben Ort. Somit gehört auch der hinter dem Schloss befindliche große historische Park und ehemalige Barockgarten zum Eigentum von King Cross.

Im Schloss erfolgten in den vergangenen Jahren, unter anderem auch mit Mitteln des Bundes, die Bestandssicherungsmaßnahmen und eine Wiederherstellung von Kellergewölben. Darüber hinaus wurden Fundamente trockengelegt sowie der Dachstuhl ertüchtigt und Deckenbalken ausgetauscht. Aufgrund der begrenzt vorhandenen Mittel für die Renovierungsarbeiten kommen diese Arbeiten derzeit schrittweise voran.

In den Jahren 2021 und 2022 erarbeiteten 34 deutsche und polnische Experten unter der Beteiligung der Lehndorff-Gesellschaft Steinort eine Nutzungskonzeption für das Schloss, welche im März 2023 verabschiedet wurde und als Grundlage für die Arbeit am Wiederaufbau dienen soll.

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Abb. 2: Schlossfassade mit dem barocken Zentralbau und neugotischen Fialen. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 3: Die restaurierten Decken und Balken im Kernbau des Schlosses. Foto: Georg v. Gayl

Die Konzeption sieht vor, sich im Rahmen einer so genannten Lehndorff-Galerie im Kernbau der 500 Jahre alten Geschichte des Standortes des gemeinsamen Deutsch-Polnischen Erbes zu widmen. Unter der Überschrift Academia Masuria – Forum für Europäischen Dialog sollen im Westflügel beispielhafte Foren zu Nachbarschaft und Gastfreundschaft, Natur, Wissenschaft und Dialog stattfinden, die gemeinsam mit dem Stn:ort Lab Steinort zu einem Labor für soziale Theorien und Praktiken machen könnten. Angesichts der Zeitenwende des Jahres 2022 könnte Steinort mit seiner Lage und Geschichte ein einzigartiges Potenzial zur Gestaltung deutsch-polnischer und europäischer Verständigung und Zusammenarbeit bieten.

Das seit 2017 erfolgreich durchgeführte Steinort Festival, jeweils im Juli, konnte dank der Lehndorff-Gesellschaft mit Unterstützung des Deutschen Generalkonsulates in Danzig und von King Cross weiter ausgebaut werden. 2024 stand das Festival unter dem Motto "Im 80. Jahr nach dem 20. Juli 1944. Nachdenken über Immanuel Kant – Zum Ewigen Frieden".

Seit dem Jahr 2022 renoviert King Cross zwei historische Gebäude auf dem Schlossgelände denkmalgerecht unter anderem mit Mitteln der EU: den Speicher und das Rentamt. Beide Gebäude wurden im Sommer 2024 eröffnet. Das rechtwinklig zum Schloss stehende ehemalige Speichergebäude wurde zu einem Veranstaltungsort mit Café und Bar umgebaut sowie in den oberen Stockwerken zu einem Segel-Museum mit einem starken Ortsbezug verwandelt.

Das südlich angrenzende ursprüngliche Rentamt erhielt eine neue Funktion als Coworking Space und dient darüber hinaus als Verwaltungsgebäude von King Cross. Als Verbindungselement entstand zwischen den beiden Gebäuden ein gläsernes, modernes Treppenhaus. Die Hochbauplanung für alle Bauten erfolgte durch das Architekturbüro Chiliart, Mikołaj Nowakowski, aus der nahgelegenen Stadt Giżycko.

Die Freianlagen im direkten Umfeld der beiden Gebäude wurden für die Gebäude-erschließung und deren Außennutzung auch mit einer Holzterrasse angepasst. Darüber hinaus zählen zum weiteren baulichen Engagement des Entwicklers mehrere neugebaute Ferienhäuser im Einfamilienhaus-Look nordwestlich der Marina.

Zu den weiteren Veränderungen gehört ein neu angelegter Nutzgarten südlich des Teehauses am südlichen Ende der alten Eichenallee im historischen Park. Auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern werden hier von zwei in Vollzeit beschäftigten Gärtnern Beerenobst, Gemüse und Küchenkräuter in Hochbeeten für das angrenzende Restaurant Baba Pruska angebaut, frei nach dem Motto Grow local – eat local. Den Gemüsegarten schützt ein Wildzaun und gegen Schnecken gibt es einen schneckenfeindlichen Bodenbelag entlang des Zaunes. Eine eigene Wasserversorgung trägt zum Ernteerfolg bei und ein Folientunnel dient dem Anbau von Tomaten und Gurken. Auch beim in unmittelbarer Nachbarschaft vom Gemüsegarten gelegenen historischen Teehaus wurde die Renovierung am Dach begonnen.

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Abb. 4: 2024 wurde der historische Speicher als Begegnungsort mit Café und Museum eröffnet. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 5: Das renovierte Rentamt dient heute als Coworking Space und als Verwaltungsgebäude. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 6: In dem vor kurzem angelegten Gemüsegarten wird für die Küche im angrenzenden Restaurant angebaut. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 7: Das klassizistische Teehaus von 1816 mit renoviertem Dach. Foto: Georg v. Gayl

Der ehemalige Barockgarten

Der einstige Barockgarten, der im Verlauf der letzten 200 Jahre in Richtung englischer Landschaftsgarten umgestaltet wurde, erstreckt sich vom Schloss in Richtung Nordosten. Diese Himmelsausrichtung ist bemerkenswert, da viele Schlossanlagen sich eher nach Süden orientieren. Von dem Barockgarten erhalten sind als wichtigstes Strukturelement noch eine Baumreihe aus über 300 Jahre alten Stiel-Eichen, die auf einer Achse zwischen einer Kapelle und dem Teehaus liegen. Beide Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die Eichen wurden hingegen schon zwischen 1650 und 1680 in der Barockphase gepflanzt.

Geht man von Süden kommend am Schloss vorbei, liegt direkt angrenzend ein ehemaliges ovales Rasenparterre, heute eine Wiesenfläche im Übergangsbereich zwischen Schloss und Park. Das Gelände fällt dann ab in Richtung des etwa 16 Hektar großen ehemaligen Barockgartens.

Auf alten Plänen und Messtischblättern lassen sich drei parallel verlaufende Wege nach Nordosten in Richtung Mauersee finden sowie Heckenstrukturen und Heckenkompartimente erkennen, von denen heute noch alte Hainbuchen übriggeblieben sind. In den vergangenen vier Jahren wurden diese Altbäume behutsam mit dem Ziel zurückgeschnitten, ihnen ihre ursprüngliche Funktion als Raumbildner zu geben. Diese ehemaligen Hecken liegen auf dem abfallenden Hang und reichen bis zur alten Eichenallee.

Eine ursprüngliche Verbindung zwischen Schloss und dem etwa 1200 Meter entfernten Mauersee erfolgte einst über einen mit dem Boot befahrbaren 650 Meter langen Kanal. Der Kanal ist noch heute vorhanden, aber stark zugewachsen. Im Winter lässt er sich jedoch gut erkennen. Das Areal beidseitig des Kanals ist ein streng geschützter Erlenbruchwald und nicht Teil von möglichen Rekonstruktionsüberlegungen.

Zu den Arbeiten im Park, die in den vergangenen Jahren von King Cross durchgeführt wurden, gehörte das Freilegen ehemaliger Wege, so dass sich die Anlage vom starken Waldcharakter wieder mehr in parkähnliche Bereiche entwickelt. Viele umgestürzte Altbäume und Gehölzaufwuchs wurden geräumt und so Durchblicke in die angrenzende Feldflur ermöglicht. Nordöstlich der alten Eichenallee ist durch die regelmäßige Mahd eine verbuschte Wiesenfläche entstanden, die den Parkcharakter der Anlage unterstreicht.

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Abb. 8: Die berühmte Eichenallee entstand zwischen 1650 und 1680 und ist einreihig. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 9: Der in Richtung Nordost verlaufende 600 Meter lange Kanal führt in den Mauersee. Foto: Georg v. Gayl
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Abb. 10: Schnittmaßnahmen im Park ermöglichen seit kurzem wieder Ausblicke in die angrenzende Feldflur. Foto: Georg v. Gayl

Weiterentwicklung der Freianlagen

Ein Teil der Segeltouristen aus der Marina kommen zum Schloss und gehen weiter in den Park. Durch die Wiederherstellung von Wegen ist das hiesige touristische Angebot um das Erleben einer alten Parkanlage erweitert worden.

Für eine mögliche Weiterentwicklung und Rekonstruktion der Freiflächen in Steinort stellt sich die Frage, ob der ursprünglich im Nordosten angrenzende ehemalige Hecken-Terrassen-Garten zumindest in Teilen wiederhergestellt werden kann, um das Schloss und den angrenzenden Park wieder als eine Einheit wirken zu lassen. Anhand alter Karten lassen sich im Park die ehemaligen Raumstrukturen der Heckenkompartimente gut nachweisen.

Alte Fotos von der Gartenfassade des Schlosses zeigen eine ovale Rasenfläche mit einer Sonnenuhr, die sich heute in Morag (ehemals Mohrungen) befindet. Im Rahmen der möglichen Herstellung des Rondells könnte die Sonnenuhr auf ihrem ursprünglichen Standort aufgestellt werden. Das Rasenrondell könnte von einer wassergebundenen Wegedecke eingefasst werden und ließe sich mit vergleichsweise überschaubaren Kosten herstellen. Ein Rekonstruktionsversuch zeigt die Abbildung 11.

Vom Rondell kommend führen Wege sowohl zu den Heckenkompartimenten als auch direkt in den Park in Richtung alte Eichenallee. Für eine Wiederherstellung der Heckenkompartimente wäre eine umfassende Fällung von ausgesamten Laubbäumen erforderlich, die hier sehr schattige Bereiche bilden. Nur bei genügender Sonneneinstrahlung können sich dichtwachsende, raumbildende Hecken entwickeln. Für die Inhalte innerhalb der Heckenkompartimente bietet sich aus gartenhistorischer Sicht ein breites Spektrum an Möglichkeiten an.

Die Wiederherstellung der historischen Strukturen lässt sich in dem völlig unverbauten historischen Park umsetzen. Die historische Baumsubstanz ist teilweise noch erhalten, was auch für das Wegenetz gilt. Mit der Rekonstruktion des nordöstlichen Schlossumfeldes kann die Verbindung zwischen der Gartenanlage und dem Schloss wieder erlebbar gemacht werden.

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Abb. 11: Messtischblatt von 1921 und Rekonstruktionsversuch Rasenrondell und Heckengärten. Foto: Georg v. Gayl
Literatur
Dipl.-Ing. Georg von Gayl
Autor

Landschaftsarchitekt

Georg von Gayl Landschaftsarchitekten Planungsgesellschaft mbH

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