TU Berlin

DFG-Förderung "Re-Figuration von Räumen" für weitere vier Jahre

In 15 Teilprojekten wurden Alltagshandlungen in digitalisierten Lebenswelten, die digitale Überwachung in Kontrollräumen, das Raumwissen und die Raumaneignung von Kindern und Jugendlichen, die Aneignungsprozesse in Flüchtlingsunterkünften, die Öffentlichkeit im sozialen Web oder die Sicherheit und Unsicherheit im Generationenvergleich untersucht. Foto: Andrea Damm, pixelio.de

Der Berliner Sonderforschungsbereich 1265 "Re-Figuration von Räumen" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) um weitere vier Jahre verlängert. Der Sonderforschungsbereich (Sfb) untersucht den derzeitigen rapiden gesellschaftlichen Wandel aus der Perspektive räumlicher Umordnung. Die Forschung baut auf der Beobachtung auf, dass mit der Digitalisierung, mit den neueren Globalisierungstendenzen und verstärkt durch die Pandemie die Räume der Menschen neu strukturiert werden. Dies führt zu neuen Herausforderungen, aber auch zu einer tiefgreifenden Verunsicherung im alltäglichen Leben.

Die Forscher und Forscherinnen haben sowohl die Veränderungen in gebauten als auch in cyberphysischen und in subjektiv erfahrenen Räumen in den Blick genommen. In 15 Teilprojekten wurden unter anderem die Alltagshandlungen in digitalisierten Lebenswelten, die digitale Überwachung in Kontrollräumen, das Raumwissen und die Raumaneignung von Kindern und Jugendlichen, die Aneignungsprozesse in Flüchtlingsunterkünften, die Öffentlichkeit im sozialen Web oder die Sicherheit und Unsicherheit im Generationenvergleich untersucht. TU-Professorin Dr. Martina Löw, Leiterin des Fachgebietes Planungs- und Architektursoziologie, und TU-Professor Dr. Hubert Knoblauch, Leiter des Fachgebietes Allgemeine Soziologie, haben die Sprecherschaft inne.

Identifikation dominanter Raumfiguren

In der ersten Förderphase von 2018 bis 2021 konzentrierte sich die Arbeit des interdisziplinären Forschungsverbundes auf die Ausarbeitung sozialtheoretischer Grundbegriffe der Räumlichkeit von Gesellschaft und die empirische Bestimmung qualitativer Merkmale der Refiguration. Es wurden zunächst zwei dominante Raumfiguren identifiziert: die des Territorialraums, gebildet durch Grenzziehung wie etwa staatliche Territorien, Lager oder auch Spielplätze, und die des Netzwerkraums, hergestellt über eine Logik der Assoziation und Verknüpfung räumlicher Elemente in einem Netzwerk, wie etwa translokale Kommunikationsnetzwerke. Im Zuge der Forschungen wurde aber auch die Rolle von Bahnenräumen als zentrale Raumfigur deutlich, etwa in der Logistik des Warentransports oder bei Stadtneugründungen in Südkorea. Und auch der Ort als Angelpunkt multipler Bezugsweisen hat an Relevanz noch zugenommen.

"Die anfängliche Beobachtung, dass sich Gesellschaften weltweit in räumlichen Spannungen verändern, kann der Sfb nun konkretisieren: Die letzten Jahrzehnte sind von einem Zusammenspiel - und auch von Konflikten - zwischen im Handeln gleichzeitig wirksamen Raumfiguren geprägt, weil mit ihnen sich widersprechende Logiken einhergehen. Die Spannung zwischen Raumfiguren wurde auch zuletzt in der Corona-Krise mehr als deutlich: Die Schließung der Grenzen und der öffentlichen Räume im Modus der Ausgangssperre auf der einen Seite, die explosionsartig rasante globale Diffusion des Virus und die digitale Vernetzung der isolierten privaten Kammern und Kacheln auf der anderen", erläutert Prof. Dr. Martina Löw.

Die Forschung baut auf der Beobachtung auf, dass mit der Digitalisierung, mit den neueren Globalisierungstendenzen und verstärkt durch die Pandemie die Räume der Menschen neu strukturiert werden. Foto: pixelproducer, pixelio.de

Fokus auf die Rolle von Konflikten

In der nun neu bewilligten zweiten Förderphase wird der Sfb daher einen Forschungsschwerpunkt auf die Rolle von Konflikten in Prozessen der Raumkonstruktion, insbesondere auch in und zwischen Raumfiguren setzen. Dabei geht es etwa um Konflikte auf der Ebene von Wissen und Handeln, um sozioökonomische Konflikte in Städten, um geopolitisch-makroterritoriale Auseinandersetzungen oder auch um Konflikte bezüglich Klimagerechtigkeit.

Um diese Ähnlichkeiten und Unterschiede, aber auch die vielfachen Verflechtungen der weltweit in sehr verschiedenen Gesellschaften untersuchten Räume in den Blick zu nehmen, verfolgt der Sfb die vergleichende Perspektive der "multiple spatialities". Eine Ausweitung der Untersuchungsorte zum Beispiel um Westafrika, Indien, China und Peru ist geplant. Gestützt wird dieses Vorhaben durch die zahlreichen internationalen Kooperationsbeziehungen des Sfb sowie durch die enge Zusammenarbeit mit dem Global Centre of Spatial Methods for Urban Sustainability (SMUS) der TU Berlin. "Eine Pointe des Sfb ist es, Veränderungen im räumlichen Wissen, räumlichen Handeln und räumlichen Strukturen weltweit so zueinander ins Verhältnis zu setzen, dass ein umfassendes Bild der Umordnung des Sozialen entsteht", sagt Prof. Dr. Hubert Knoblauch.

Kunst als Vermittlerin von Forschung

Neben qualitativen Methoden wird der Sfb in der zweiten Förderphase eine Erweiterung in Richtung quantitative Daten und Mixed-Methods vornehmen und damit die Entwicklung eigenständiger Methoden einer sozialwissenschaftlichen Raumforschung fortsetzen. Um den nachhaltigen Umgang mit der großen Bandbreite digitaler beziehungsweise digitalisierter Forschungsdaten zu gewährleisten und für die Sozialwissenschaften zu verbessern, hat der Sfb zudem ein Infrastrukturprojekt zur Weiterentwicklung des Datenmanagements konzipiert. Forschungsinhalte werden weiterhin auch in Form eines Kunstforschungsprojekts reflektiert und einer breiteren Öffentlichkeit kommuniziert.

"Der Sfb ist so auf dem Weg, eine einmalige Verbindung zu schaffen: eine Raumforschung, die Raumsoziologie, Architektur, Kunst, Planung, Geografie, Kommunikationswissenschaft und - in der nächsten Förderphase - auch die Stadtanthropologie verknüpft", so Prof. Dr. Martina Löw. Die Forschungsergebnisse dieser interdisziplinären Gruppe werden in einem visuellen Lesebuch, das in Kooperation mit zwei Künstlerinnen entstanden ist, auf humorvolle Weise zeichnerisch zugänglich macht. Stefanie Terp, Technische Universität Berlin

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2022 .

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