Die Londoner RHS Chelsea Flower Show im Wandel
Neue Gartenkategorien und grüne Trends
von: Dipl.-Ing. Gartenbau Anke Bührmann
Im Jahr 2005 wurde die Dauer der Schau von vier auf fünf Tage verlängert. Trotz dieser Änderung ist der Andrang so groß, dass es für manche Besucher:innen zu viel ist. Überraschend ist das nicht, denn mehr als 160.000 Garteninteressierte besuchen die Schau innerhalb weniger Tage. Die Zahl der Eintrittskarten ist limitiert, sie gelten für einen bestimmten Tag und müssen vorab gekauft werden – am besten so früh wie möglich, um noch eine Karte für den Wunschtermin zu bekommen.
Die RHS Chelsea Flower Show ist weit mehr als eine Gartenschau. Sie ist auch ein gesellschaftliches Ereignis, an dem Film- und Fernsehstars sowie Angehörige des britischen Königshauses teilnehmen. Geplant und durchgeführt wird die Schau von der altehrwürdigen Royal Horticultural Society (RHS). Queen Elizabeth II war Schirmherrin der RHS. Sie hatte das Amt 1952 von ihrem Vater übernommen und besuchte die RHS Chelsea Flower Show regelmäßig zur Eröffnung. Seit 2024 ist ihr Sohn, King Charles, Schirmherr der RHS.
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Großer Besucherandrang
Die Schaugärten müssen direkt vor der Schau in maximal 19 Tagen angelegt werden. Dennoch wirken sie so, als ob sie schon lange existieren. Zu jedem Schaugarten gibt es eine Liste mit den verwendeten Pflanzen sowie Informationen zu der jeweiligen Gartenidee, zum Sponsor und zum Gartenarchitekten. An manchen Tagen ist Geduld gefragt, um die schönsten oder besten Schaugärten aus der Nähe sehen zu können. Auch wenn das Gelände mit rund 4,5 Hektar recht groß ist, herrscht vor vielen Gärten anstrengendes Gedränge, insbesondere, wenn sie mit einer Medaille ausgezeichnet wurden.
Während viele Besucher von den Gärten, den Ideen und der Atmosphäre der Chelsea Flower Show begeistert sind, ist auch immer wieder Kritik zu hören: Zu teuer, zu voll, zu elitär sei die Schau, sagen die einen. Für die anderen ist sie ein außergewöhnliches gartenbauliches Event oder eine wunderbare, typisch englische Veranstaltung mit exquisiten, perfekt anmutenden Gärten. Wieder andere schätzen sie als ein besonderes Erlebnis mit der Möglichkeit, Exklusives, Praktisches oder Dekoratives rund um den Garten zu kaufen. Manche Besucher genießen auch einfach einen schönen Frühlingstag im Freien, zusammen mit Freunden und umgeben von Pflanzen.


Inspirationen für kleine Räume drinnen und draußen
Für einige ist der Besuch der RHS Chelsea Flower Show auch ein "Muss", um Pflanzenneuheiten zu sehen und zu erfahren, was im Gartenbau Trend ist. Aus diesen Reihen kam manchmal die Kritik, dass es keine nennenswerten Weiterentwicklungen der Schau gab. Inzwischen hat sich aber einiges getan und die RHS konnte in den letzten Jahren einige interessante und wohltuende Veränderungen anstoßen. So sind 2021 drei neue Kategorien dazugekommen, die aktuelle Trends und gesellschaftliche Veränderungen berücksichtigen: Balkongärten, Containergärten und die Zimmerpflanzenstudios.
Diese drei neuen Kategorien sprechen auch neue und jüngere Besucher an. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass junge Pflanzenfreunde ohne großes finanzielles Budget, aber mit viel Pflanzenliebe und -erfahrung, an der Chelsea Flower Show teilnehmen können. Dadurch kommt die RHS auch ihrem selbstgestellten Anspruch an mehr Diversität und Inklusion etwas näher.
Die Kategorie der Balkongärten berücksichtigt, dass während der Pandemie auch Menschen ohne eigenen Garten ihre Freude an Pflanzen entdeckt haben. Die Balkongärten sind nur zwei Meter x fünf Meter groß. Sie bieten eine Fülle an Anregungen für Besucher, die keinen Garten haben oder die eine Gartenecke in einen grünen Rückzugsort verwandeln möchten.
Der neue Themenbereich der Containergärten stellt Ideen vor, um gepflasterte Flächen zu verschönern und naturnah zu gestalten. Die Houseplant Studios sind die dritte neue Kategorie. Bei den Studios handelt es sich um Gartenpavillons, die kreativ und phantasievoll mit Zimmerpflanzen ausgestattet sind. Sie vermitteln Wissen und Inspirationen rund um die Verwendung von Pflanzen in verschiedenen Wohnräumen.
Unterstützung durch Großsponsor
Nach dem Ende der Pandemie sorgte die Initiative Project Giving Back (PGB) im Jahr 2022 für Aufsehen. Das von zwei Philanthropen ins Leben gerufene Projekt hat zum Ziel, sowohl den Gartenbau als auch karitative Einrichtungen zu unterstützen. PGB entstand während der Covid-19-Zeit und läuft voraussichtlich bis 2026. Die Pandemie hat vielen Unternehmen und Organisationen finanziell stark zugesetzt und machte es schwerer, Sponsoren für Schaugärten zu finden.
Aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, der Besucherzahlen und der umfangreichen Berichterstattung ist die RHS Chelsea Flower Show eine sehr gute Möglichkeit, den Blick auf Non-Profit-Organisationen zu lenken. Die hohe Reichweite der Schau soll jedoch nicht nur Wohltätigkeitsorganisationen zugutekommen, sondern auch dem Gartenbau.
Wichtig ist den Initiatoren von Project Giving Back außerdem, dass die Gärten nachhaltig geplant sind. Dazu gehört auch, dass sie später einem anderen guten Zweck dienen, beispielsweise als Schul- oder Krankenhausgarten. Dieser Fokus auf Nachhaltigkeit und das Ziel der Weiternutzung könnten mit ein Grund dafür sein, dass viele Schaugärten jetzt realistischer wirken als vor der Pandemie: Romantische Cottages, urige Fischerhütten und andere idyllische Elemente ermöglichten früher zwar malerische Szenerien, entsprechen aber nicht der Gartenwirklichkeit.


Innovative Nachhaltigkeitsideen im Fokus
Biodiversität, das Reduzieren des CO2-Fußabdrucks und Anpassungen an den Klimawandel sind auch für die RHS wichtige Themen. Sie fließen auf unterschiedliche Weise in die Schaugartenplanung ein. Darum hat die RHS im vergangenen Jahr erstmals den RHS Environmental Innovation Award für einen innovativen und besonders nachhaltig gestalteten Garten auf der Chelsea Flowershow verliehen.
Neu ist auch eine Auszeichnung, mit der Grundschulkinder in die Preisvergabe und die Bewertung der Schaugärten einbezogen werden: 2024 durften Schüler zum ersten Mal den aus Kindersicht besten Schaugarten mit dem RHS Children's Choice Award auszeichnen.
Künstliche Intelligenz im Garten
Die Gärten der RHS Chelsea Flower Show sind gestalterische Meisterwerke und bieten praktische Inspirationen. Sie haben aber auch ein bestimmtes Thema und beziehen aktuelle Entwicklungen oder gesellschaftlich relevante Aspekte in die Planung ein. Als übergeordnete Themen für 2025 wurden "Innovation, natürliche Landschaften und die Zukunft" angekündigt.
Passend dazu wird Künstliche Intelligenz eine Rolle spielen: Einer der Schaugärten soll mittels KI-Technologie Informationen unter anderem zum pH-Wert und der Feuchtigkeit des Bodens an den Besitzer weitergeben. Damit wird nachhaltiges Gärtnern leichter. Außerdem soll es einen digitalen Zwilling des Schaugartens geben. Auf ihn können die Besucher über einen QR-Code zugreifen, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Nach Ende der Schau wird dieser Beitrag als Gemeinschaftsgarten weiterexistieren.

Neue Gartenschauen für neue Zielgruppen
Ein Besuch der RHS Chelsea Flower Show wird also vorerst nicht langweilig. Es ist anzunehmen, dass für einige Jahre – auch mit Unterstützung von Project Giving Back – eine Vielzahl neuer Themen, Ideen und Gartenprojekte vorgestellt wird. Das Bestreben, die Schau nachhaltiger zu gestalten, ist eine naheliegende und notwendige Entwicklung, die schon an vielen Stellen deutlich wird.
Mit dem Verzicht auf Zement soll der CO2-Fußabdruck reduziert werden, klimaresiliente Pflanzen werden wichtiger und die Planer müssen umdenken: In der Vergangenheit mussten sie nicht zeigen, ob das Design ihrer Entwürfe über einen längeren Zeitraum Bestand hat. Nun sollen die Gärten an anderen Standorten ein zweites Leben bekommen und weiterhin genutzt werden. Interessant wäre es zu erfahren, wie gut die Weiternutzung funktioniert.
Einige Kritikpunkte an der Schau bleiben aber, wie die sehr hohen Eintrittspreise. Sie wirken wie ein Widerspruch zum Bestreben der RHS, Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen für Gärten und Pflanzen zu begeistern: Ein Tagesticket kostet umgerechnet rund 118 bis 163 Euro. Günstiger, aber meist auch schneller vergriffen sind Tickets für den Nachmittag oder für den Abend.
Als preiswertere, familienfreundlichere und weniger überlaufene Alternative wird manchmal das RHS Hampton Court Palace Garden Festival empfohlen. Die Gärten dieser mehrtätigen Schau Anfang Juli sind ebenfalls hervorragend gestaltet. Das Festival fand bisher im jährlichen Turnus statt.
Doch das soll sich ändern: Es wird in Zukunft nur noch alle zwei Jahre auf dem Gelände des Hampton Court Palace in London durchgeführt. Stattdessen hat die RHS neue Gartenschauen für andere Regionen des Landes geplant. Damit möchte sie auch Garten- und Pflanzeninteressierte erreichen, für die die bisherigen RHS-Veranstaltungen zu weit entfernt waren und dadurch mehr Menschen für Pflanzen begeistern.
Termine
- RHS Chelsea Flower Show: 20.–24. Mai 2025
- RHS Hampton Court Palace Garden Festival: 1.–6. Juli 2025
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