Rückeroberung und Erschließung mit großer Bürgerbeteiligung

Die Pariser Ringbahn als neuer städtischer Freiraum

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Abb. 1: Restaurierter ehemaliger Bahnhof Montrouge und wieder hergestellte Treppenanlage für den Zugang zum Gleis. Foto: Verone Stillger

Bahnbrachen haben ein großes Potenzial in Stadterneuerungsprozessen, wegen ihrer Größe, ihrer meist zentralen Lage, der häufig linienhaften Flächen und den damit günstigen Voraussetzungen für Grün-, Fuß- und Radverbindungen. Das weiträumige Südgelände in Berlin und die Ringbahn in Braunschweig sind Beispiele hierzulande, die New York Highline ist international bekannt und vielfach dokumentiert. Auch in Paris gibt es seit 1988 auf einer ehemaligen Hochbahnlinie bei der Opéra Bastille - aufwändig gestaltet und bepflanzt - die Promenade plantée, auch Coulée verte René-Dumont genannt. Dies sind nur vier ganz unterschiedliche Beispiele für eine Nutzung und Gestaltung von aufgegebenen Bahnlinien, um neue Freiräume in der dichtbesiedelten Stadt zu schaffen. Ein weiteres Beispiel aus Paris wird hier vorgestellt.

Die Pariser Ringbahn - La Petite Ceinture

Die Petite Ceinture, dt. Kleiner Gürtel, ist eine 32 Kilometer lange Ringbahn, die einmal rund um Paris verläuft. Die Bahnlinie, abgekürzt PC, wurde zwischen 1852 und 1869 zunächst für den Güterverkehr gebaut, ab 1862 auch für den Personenverkehr genutzt¹. Sie existierte damit bereits 80 Jahre als die Highline 1932 in New York für den Warentransport erst gebaut wurde.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Güterverkehr in Paris zwischen den großen Bahnhöfen mit Pferdefuhrwerken abgewickelt worden. Das war langsam und kostspielig und passte nicht mehr zu der sich entwickelnden Industriegesellschaft. Gleichzeitig wurden in der französischen Hauptstadt neue Befestigungsanlagen errichtet. Dies erforderte eine kreisförmige Verbindung für die logistische Versorgung der Stadt im Falle einer Belagerung. Außerdem war der Bau der PC Teil eines Konjunkturprogramms zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

1900 nutzten mehr als 39 Millionen Passagiere pro Jahr diese Bahnlinie. Mit dem Ausbau der U-Bahn sank die Zahl bis 1927 auf 7 Millionen. 1934 wurde die Personenbeförderung eingestellt, 1996 auch der Güterverkehr.

Teile der Ringbahn sind als Industrieerbe inventarisiert. Zahlreiche Abschnitte entwickelten sich im Laufe der Jahre zu ökologischen Rückzugsorten mit einem hohen Wert für die biologische Vielfalt, auch wegen der kleinräumig wechselnden Bedingungen. Abb. 2 zeigt einen Abschnitt (in Abb. 3 verortet), der inmitten der dicht bebauten Stadt einen waldartigen Eindruck vermittelt. Der angenehme Temperaturunterschied zu den angrenzenden Siedlungsflächen war an den heißen Tagen im Juni 2019 deutlich zu erleben, verbunden mit dem Eindruck, nicht in Paris zu sein.

Die Bahnstrecke verschwindet mal im Tunnel oder im tiefen Einschnitt oder verläuft in Hochlage deutlich sichtbar. Abb. 3 zeigt den Wechsel der Höhenlage des Gleiskörpers. Die PC ist ein ungewöhnlicher Ort in Paris. Sie ermöglicht einen Spaziergang im Grünen und Blicke auf das Stadtgefüge abseits der üblichen Wege und Sehgewohnheiten. In Hochlagen von 6 bis 8 Metern bietet die Trasse überraschende Eindrücke, teilweise fast indiskrete Blicke in angrenzende Häuser und Höfe.

Abb. 2: Gehölzbestand an der PC mitten in Paris, Gleisbereich mit Mulch abgedeckt. Foto: Verone Stillger

Abb. 3: Unterschiedliche Bauformen der Ringbahn PC in der dicht bebauten Innenstadt. Quelle: www.apur.org/dataviz/petite_ceinture/in dex2.html#0, Übersetzung der Legende und anderer Texte V. Stillger

Abb. 4: Logo der PC, seit 2016 als Marke geschützt von der SNCF. Zugriff über l'Institut National de la Propriété Industrielle (INPI). https://bases-marques.inpi.fr

Erste Konzepte zur Wiedernutzung Mitte der 1990er-Jahre

Die Association Sauvegarde Petite Ceinture¹, dt. Vereinigung zur Sicherung der PC, fördert die Erhaltung, Wissensvermittlung und Wiederverwendung der PC. Sie wurde 1992 von Bahnenthusiasten gegründet, auch um Projekte zu verhindern, die die angestrebte Wiedernutzung für den Schienenverkehr verhindern könnten. 1996 wurden in einem Weißbuch von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe und Mitgliedern der Vereinigung unter Leitung des Historikers Payen-Appenzeller erste Studien zur Zukunft der Strecke nach dem Ende des regulären Betriebs veröffentlicht². Die Ergebnisse wurden der Stadt Paris und der französischen Bahn übergeben.

Darin dargestellt werden die Unterschiede, Qualitäten und das Potenzial dieses Stadtraumes sowie zwölf Szenarien für die Zukunft der PC: Zugverkehr, Straßenbahnen, Veranstaltungsorte, Promenaden, Sozialwohnungen, Museumsgebäude, Bürotürme, Straßen mit Geschäften, Stadtlandwirtschaft, ohne Nutzung und Veränderung, nur punktuelle Interventionen oder vollständige Beseitigung der Bahn. Die Ideen sind utopisch, visionär, gegensätzlich oder komplementär. Das Weißbuch lieferte Ansätze, die heutige, sehr unterschiedliche Planungen zeigen und umsetzen.

Rahmenbedingungen für die Rückeroberung der PC

Die Stadt Paris und die französische Bahn SNCF haben sich 2006 in einem ersten Rahmenvertrag verständigt, das Gelände der PC in Teilen neu zu nutzen. Verpflichtend war es, die Gleise zu erhalten, um sie gegebenenfalls. zu einem späteren Zeitpunkt wieder für Bahnprojekte zu nutzen, und eine lokale Entwicklung zum Wohle von Parisern und Besuchern zu ermöglichen. Von 2007 bis 2013 wurden mehrere Abschnitte der PC geöffnet und Gemeinschaftsgärten, Grünverbindungen sowie Naturlehrpfade angelegt.

2015 unterzeichnete die neu gewählte Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo gemeinsam mit den Präsidenten von SNCF-Betrieb und SNCF-Netz ein zweites Abkommen. Dessen Ziel war es, mit Bürgerbeteiligung so viele Abschnitte wie möglich für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und neue, aber umkehrbare Nutzungen zu entwickeln: spazieren gehen, Natur erleben und entdecken, sich erholen und Orte für gemeinschaftliche Aktivitäten entwickeln … Alles unter der Prämisse, die biologische Vielfalt an der PC und das Bahnerbe durch die Förderung einer respektvollen Nutzung zu sichern. Die angestrebte Vielfalt der Nutzungen ist dargestellt im nun von der SNCF als Marke geschützten Logo, siehe Abb. 4.

Durch die Verträge werden der Stadt Paris 20 Hektar zur Verfügung gestellt, was ca. 20 Kilometer Trassenlänge entspricht. Davon sollen bis 2020 mindestens 10 Kilometer für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Abb. 1 zeigt einen 2019 wiederhergestellten Zugang. Wegen langer Abschnitte mit Tunneln ist ein durchgehend geöffneter Rundweg hier nicht möglich.

Budget Participatif - Beteiligungsbudget

Es gibt in der Bevölkerung ein großes Interesse die PC zu nutzen. Im Jahr 2015 gewann das Projekt Reconquête de la PC, dt. Rückeroberung der PC, beim Wettbewerb Budget Participatif mit 11 575 Stimmen den vierten Platz bei acht Preisträgern. Damit verbunden sind Fördermittel in Höhe von 7 500 000 Euro. 73 zu diesem Thema zur Abstimmung gestellte Ideen zeigen das Interesse der Pariser an dem Raum. 47 Vorschläge sind zu verorten, die anderen betreffen die PC als Ganzes. Die Vorschläge nennen als wichtige Ziele:

  • Vielfalt von Nutzungen ermöglichen: Sport, Kultur, Anbau von Nahrungsmitteln, Neues entdecken, Dinge gemeinsam tun, Wissen vermitteln
  • Biodiversität erhalten
  • durchgehende Verbindung ermöglichen
  • Gebäude des kulturellen Erbes wie Bahnhöfe, Tunnel nutzen durch Vereine, Handwerker, Künstler, Studenten, Anwohner usw.

Exkurs Beteiligungsbudget

Das Beteiligungsbudget sieht vor, dass die Pariser entscheiden wie zwischen 2014 und 2020 5 Prozent des Investitionsbudgets zu verwenden ist; das sind 0,5 Milliarden Euro. 2015 umfasste das Budget 100 Millionen Euro. Davon stecken 30 Millionen Euro im Beteiligungsbudget der Gesamtstadt und 70 Millionen in den Haushalten der insgesamt 21 Pariser Bezirke - Arrondissements.

Im Dezember 2019 wird für das Beteiligungsbudget über neue Projektförderungen entschieden. Im Wettbewerb sind unter anderem die Öffnung und Entwicklung weiterer Abschnitte der PC.

Beteiligungsprozess

Eine Leitlinie der Stadt Paris für die weitere Entwicklung der PC ist der Dialog zwischen Bewohnern und Bezirksräten. Das Beteiligungsbudget finanziert Planungskosten und einen Teil der daraus resultierenden Maßnahmen. Im April 2017 wurden drei Teams von der Stadt Paris beauftragt. Anwohnerinnen und Anwohner und andere Interessierte konnten vor Ort an neun sogenannten Haltestellen aus Containern, das Bahngelände betreten, experimentieren und konkrete Vorschläge entwickeln, wie der Raum nach ihren Vorstellungen gestaltet werden sollte, um der PC neues Leben einzuhauchen.

Zahlreiche Veranstaltungen, Führungen und Workshops wurden von den drei Teams vorbereitet und realisiert: Floquart & Dior Paysages mit dem Schwerpunkt Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und digitale Medien, OIKOS mit dem Schwerpunkt Beteiligung, Werkstätten und Kollaboration und Le Bruit du Frigo mit dem Schwerpunkt sanfte Mobilität und Barrierefreiheit. Abb. 5 zeigt eine mit jungen Leuten entwickelte Bankkonstruktion.

Abb. 5: Bei Bel-Air, Bankkonstruktion mit jungen Leuten entwickelt, einfache Holzzäune sichern eine Böschung. Foto: Verone Stillger

Abb. 6: Orientierungsstein mit unlesbar gemachten Bezeichnungen von neu geschaffenen Zugängen und Kommentaren wie Tod der Bourgeoisie und Gentrifizierung verp . . . dich. Foto: Verone Stillger

Abb. 7: Treppe zum Gemeinschaftsgarten Le Jardin du Ruisseau, im Hintergrund die REcyclerie mit Sitzplätzen auf dem Bahnsteig, Gleisbereich bislang nur bei Sonderveranstaltungen geöffnet. Foto: Verone Stillger

Jedes Team hat seine eigene Methodik genutzt; nicht nur deshalb sind die Ergebnisse nicht vergleichbar. Überall existierten Einschränkungen wegen der Sicherheit. So mussten die Besucher beim Betreten der Workshop-Stationen bestätigen, dass sie Informationen zum Geländezustand und zu notwendigen Vorsichtsmaßnahmen erhalten haben, wie zum Beispiel kein Betreten von abgesperrten Bereichen und Tunneln, festes Schuhwerk, Tetanusimpfung, kein Graben und Steine sammeln.

Statt aufwändig gestalteter Promenaden soll es nur Wege für derbes Schuhwerk geben, um die Rauheit des Geländes zu erhalten, ergänzt durch einzelne kleine Interventionen. Favorisiert wird ein öffentlicher Grünraum neben dem Trubel der Stadt, ein kontemplativer Raum, der die Belastungen der Stadt für die Anwohner abschwächt und nur den Menschen aus der Nachbarschaft bekannt ist. Anwohner bezeichnen die PC als ihr Revier. Sie wollen nur einfache, unauffällige Zugänge, Verbesserungen bei den Wegen und Flächen für Gemeinschaftsgärten: einfach Beiträge zu ihrer Lebensqualität.

Es gibt Beteiligte, die überhaupt keine Veränderungen bei der PC möchten: wegen der Sorge um den Erhalt der Biodiversität, wegen der ungestörten Nutzung und Ruhe und vor allem wegen drohender Gentrifizierung, siehe Abb. 6. An verschiedenen Stellen gibt es illegale Zugänge zu den Gleisen, die Insidern für ihre Nutzungswünsche ausreichen. Ein Nutzer fordert zum Beispiel, dass es ein diskreter Ort bleiben müsse, auch für Graffiti-Künstler und Urbex-Fans. Sie sind auf der Suche nach verlassenen Orten für Fotos und Videos. Deshalb müssten nicht geöffnete Abschnitte erhalten bleiben, für Aktivitäten, die sonst keinen Platz mehr finden in Paris.

Die PC soll keine Attraktion für Paris-Besucher werden, wie es die Promenade plantée bei der Oper mit den Kneipen, Ateliers und Boutiquen in den darunterliegenden Arkaden geworden ist. Die PC soll nachbarschaftlich orientiert bleiben und damit den Quartieren als Freiraum dienen.

Die Situation der New York Highline mit Tausenden von Besuchern täglich und als Teil vieler touristischer Programme soll sich hier nicht entwickeln: Dort entstand seit 2006 auf einer aufgelassenen Güterverkehrsstrecke ein 2,4 Kilometer langer Park, der sich in Höhe des 2. Stockwerks durch Manhattan zieht. Der Autor Jeremiah Moss beschreibt die High Line in der New York Times vom 21. August 2012 bereits als "Opfer ihres eigenen Erfolgs: . . . einen von Touristen überfüllten Laufsteg und Katalysator für eine der schnellsten Gentrifizierung in der Geschichte New Yorks." Die New York City Economic Development Corporation veröffentlichte im August 2011, dass die Immobilienwerte in fünf Minuten Entfernung zwischen 2003 und 2011 um 103 Prozent gestiegen sind, siehe www.nycedc.com/podcast/19-economic-impact-parks, aufgerufen 15.08.2019. Aktuellere Zahlen sind in offiziellen Quellen nicht zu finden.

Einige Beispiele

Die planerischen Vorstellungen zur Nutzung und Gestaltung der PC haben sich seit 2006 verändert. Das Spektrum der realisierten Projekte reicht von der kompletten Beseitigung aller Bahnrelikte inklusive des Gleiskörpers, über Promenaden mit Gestaltungselementen und Aufzügen bis zu schlichten Zugängen und Mulchmaterial auf dem Gleis oder mit wassergebundener Decke. Barrierefreie Zugänge existieren an einzelnen Stellen. Von dort aus ermöglicht eine Art Draisine mit einer Plattform mobilitätseingeschränkten Besucherinnen und Besuchern, sich auf Teilen der Strecke fortzubewegen. Auch der Umgang mit den Bahnhöfen variiert zwischen edlem Restaurant, Veranstaltungsort/ Club und Recycling-Kooperative mit Bistro und urbaner Landwirtschaft.

Es gibt keine freigegebene durchgehende Verbindung. Einmal wegen der noch für den Regionalexpress RER genutzten Gleise und wegen verschiedener kilometerlanger Tunnel. Es sind sehr unterschiedlich lange Wegstücke freigegeben, die im Vergleich zu hiesigen Regelungen, häufig nur wenig gesichert sind. Alle offiziellen Zugänge zur PC werden mit Einsetzen der Dunkelheit mit hohen Metalltoren verschlossen. Eine aktuelle Maxime ist: respektieren, was vorhanden ist und möglichst wenig Neues hinzufügen. Einige Beispiele werden hier kurz vorgestellt.

Gemeinschaftsgarten Le Jardin du Ruisseau

Bereits 1998 startete an der Porte de Clignancourt eine echte Rückeroberung an der Stelle des heutigen Gemeinschaftsgartens Le Jardin du Ruisseau. Anwohner säuberten nach mühsamer Absprache mit der SNCF den von Bewohnern des Viertels als Deponie genutzten Einschnitt der PC. Müll wurde trotzdem weiter abgeladen. Deshalb pflanzten sie Blumen an den Hängen, um damit aufzufordern, den Ort zu respektieren. Daraus entwickelte sich der in Abb. 7 gezeigte Jardin du Ruisseau. Er wurde 2004 offiziell eröffnet und ist ein sehenswertes Projekt vor allem auch in Kombination mit der benachbarten REcyclerie.

Sie entstand direkt nebenan im früheren Bahnhofsgebäude mit den Grundsätzen: reduzieren, wiedernutzen, recyceln. Der Bahnsteig wird als Terrasse für das Bistro genutzt; in der Verlängerung ist ein Gemüsegarten mit einem umfangreichen Bildungsangebot entstanden zu Themen wie Kompostieren mit den Abfällen des Bistros, Anpflanzen von saisonalem Gemüse etc. Auch Anwohner bringen ihre komposttierbaren Abfälle vorbei.

Naturlehrpfad Le Sentier nature im 16e Arrondissement

2007 wurde in dem sehr wohlhabenden Viertel ein Naturlehrpfad eröffnet. Leitidee war es, einen ökologischen Korridor für Fauna und Flora zu entwickeln, begleitet von einem Lehrpfad. Die Gleise wurden entfernt auf einer Länge von ca. 1,2 Kilometer und 2,3 Hektar Fläche. Spuren der PC sind mit Ausnahme der seitlichen Mauern nicht mehr zu erkennen, siehe Abb. 8.

Abb. 8: Ehemalige Trasse der PC, seit 2007 als Grünverbindung und Naturlehrpfad umgestaltet; die erhaltenen Mauern sind nur schemenhaft zwischen den Bäumen erkennbar. Foto: Verone Stillger

Abb. 9: Promenade im 15e Arrondissement mit Holzdeck und Tafel des Naturlehrpfades. Foto: Verone Stillger

Promenade La Petite Ceinture du 15e Arrondissement

Sie wurde 2013 eröffnet mit einer Länge von 1,3 Kilometer und ca. 3,5 Hektar Fläche, zwischen dem Park André-Citroën und dem Park Georges-Brassens. Der Gleiskörper ist nach einer aufwändigeren Umgestaltung, zum Beispiel durch Holzwege überdeckte Gleise, noch erkennbar. Naturnahe Lebensräume wie besonnte Wiesen, Gehölzflächen und Pioniervegetation auf Schotterflächen sind entstanden und werden auf Infotafeln erläutert, siehe Abb. 9. Aufzüge, die nach Aussage einer Anwohnerin allerdings häufig defekt sind, überwinden an drei Stellen den Höhenunterschied. Der besonnte Weg mit kleinen Plätzen links und rechts der Gleise wird offenbar von zahlreichen Joggern und Spaziergängern genutzt.

"Auf die Gleise" - La Station Ménilmontant im 14e Arrondissement

Mit der Aufforderung "Auf die Gleise" startete hier die Beteiligung. Realisiert wurden ein direkter Zugang zur PC von beiden Seiten und eine niveaugleiche Querung statt der bisherigen Brücke. Einfache Sitz- und Liegebänke schaffen Aufenthaltsqualität, siehe Abb. 10.

La Promenade du Bel Air im 12e Arrondissement

Erst Ende August 2019 wurde dieser 1,7 Kilometer lange Abschnitt in Hochlage eröffnet. Wassergebundene Wegstrecken, Spontanvegetation, Gehölzbestände und ein angrenzender Gemeinschaftsgarten prägen diesen in Abb. 11 gezeigten Bereich. Im Beteiligungsverfahren befürchteten Anwohner Steinwürfe von hoch oben. Das führte zum Bau hoher Zäune. Es gibt einen barrierefreien Zugang. Dieser Abschnitt stellt auch eine Verbindung zur bereits erwähnten Promenade plantée in Richtung Opéra Bastille her.

Insgesamt ist die PC eine unerwartete sinnliche Erfahrung, ein besonderer Freiraum mitten in Paris. Natürliche, künstliche und technische Welten vermischen sich hier.

Abb. 10: Ehemaliger Bahnsteig von Ménilmontant nun mit Holzdeck und Bänken, in der Mitte wassergebundener Decke, rechtes Gleis befahrbar für Draisinen, daneben ein Gemeinschaftsgarten. Foto: Verone Stillger

Abb. 11: Bei Bel-Air: linkes Gleis für Arbeitsdraisine und Plattform für mobilitätseingeschränkte Personen. Foto: Verone Stillger

Wie geht es weiter?

Aktuell zeichnet sich ein Wandel im Umgang mit der Marke PC hin zu einer ökonomischen Nutzung ab. Auf der Webseite von Paris wirbt die Stadt bei großen und kleinen Unternehmen, Start-ups und Gruppen um Projekte und nimmt wirtschaftliche Aktivitäten ins Visier mit Statements wie: Verbessern Sie Ihre wirtschaftliche Aktivität und steigern Sie gleichzeitig den Wert der PC. Bereit, die zukünftigen, sehenswerten Orte von Paris und seiner Region zu schaffen? (Übersetzung V. Stillger) Die Gründung einer Vermarktungsgesellschaft von der SNCF und der Stadt Paris wurde Ende 2018 vorbereitet, dann aber wegen großer Widerstände bislang zurückgestellt.

Die Arbeiten an der PC sollen bis 2020 abgeschlossen werden. Es wird interessant, wie zukünftig die Akzente gesetzt werden. Bon voyage, dt. Gute Reise! Die PC ist ein lohnender Programmpunkt bei einem Paris-Besuch für alle, die sich mit Stadtentwicklung beschäftigen.


Anmerkungen

¹ www.petiteceinture.org Link zur Internetseite mit historischen Bildern, Filmen und Informationen

² issuu.com/alainguez/docs/petiteceinturelelivreblanc

Zu weiteren Konzepten für mehr Grünflächen in der französischen Hauptstadt, siehe auch V.Stillger in Stadt+Grün 12, 2018.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 10/2019 .

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