Historische Bezüge werden zur Zucker- und Textilindustrie hergestellt

Die Sächsische Landesgartenschau in Löbau

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Landesgartenschauen erfreuen sich in Sachsen seit 1996 großer Beliebtheit. Jede Landesgartenschau spannt dabei ihren Bogen von der industriellen Geschichte, die einst auf dem Gelände angesiedelt war, hin zu einem nachhaltigen Konzept, welche den Bewohnern und Gästen der Stadt während und nach der Landesgartenschau einen dauerhaft wirksamen Erholungsbereich bietet. Alte Industriebrachen verschwinden und die dabei frei werdenden Flächen werden zu einem qualitätsvollen, stadträumlich und ökologisch bedeutsamen öffentlichen Raum entwickelt. Der Erholungsbereich wird so verschiedene Stadtteile und städtische Freiräume mit dem umgebenden Landschaftsraum verbinden und für die benachbarten Wohngebiete Möglichkeiten der Naherholung bereitstellen. Auch in Löbau wird die Konzeption für das Gelände einen dauerhaften Beitrag zur zeitgemäßen Gartenkultur leisten. Nach der gescheiterten Bewerbung im Jahr 2004 zur Ausrichtung der 5. Landesgartenschau für 2009, erhielt Löbau im Dezember 2007 den Zuschlag zur Durchführung der 6. Sächsischen Landesgartenschau 2012.

Im November 2008 gewinnt das Landschaftsarchitekturbüro hutterreimann + Ceika aus Berlin den Wettbewerb zur Neugestaltung des zirka 20 Hektar großen Areals und am 23. April 2010 erfolgte der erste Spatenstich zur Landesgartenschau mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Oberbürgermeister Dietmar Buchholz sowie Winfried Kaiser, Präsident des LV Gartenbau.

Mit einem Investitionsvolumen von 8,5 Millionen Euro, wird ein Erholungsbereich geschaffen, der während der Landesgartenschau ein abwechslungsreiches Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm sowie anspruchsvolle gärtnerische Ausstellungsflächen bietet. Getreu dem Motto: "Auf Kurzem Weg ins Grüne", kann so das Gelände vom etwa 500 Meter entfernten Bahnhof, Busbahnhof oder dem Parkplatz direkt vor dem Gelände auf der Görlitzer Straße entdeckt werden.

Lageplan Landesgartenschau Löbau. Abb.: Landesgartenschau Löbau

Blick auf die Setzgärten. Fotos: Landesgartenschau Löbau

Die Zuckerfabrik

Auf dem Löbauer Gartenschaugelände hatte seit Ende des 19. Jahrhunderts die Zuckerindustrie ihren zentralen Standort. Die landwirtschaftlichen Betriebe Ostsachsens lieferten kostengünstig ihre Zuckerrüben an diese Zuckerfabrik. Im Verlaufe der Jahre vergrößerte sich der Standort ständig. Die Konzentration der Produktion in den sechziger Jahren durch die Zuckerfabriken aus Löbau, Brottewitz, Döbeln und Oschatz führte zur Bildung des VEB Zuckerkombinates "Ernst Thälmann". Löbau verarbeitete in der Saison die Zuckerrüben aus dem Gebiet von Pirna bis Guben. Das Zuckerlager fasste in jedem Stockwerk etwa 2500 Tonnen Weißzucker.

Mit dem Beitritt der DDR zur BRD übernahm befristet die Südzucker GmbH auch die Löbauer Zuckerfabrik. Im Jahre 2000 stellte Südzucker die Produktion ein und verlegte diese nach Opole in Polen. Der Maschinenpark wurde abgebaut bzw. verschrottet. 1992 wurde der 81 Meter hohe Schornstein gesprengt, die anderen Gebäude abgerissen. Erhalten blieb das Zuckerlager, welches als Wahrzeichen der ehemaligen Zuckerfabrik, Ausstellungen, Blumenschauen und die Gastronomie der Landesgartenschau aufnimmt.

Die Textilindustrie

Fast zeitgleich mit der Errichtung der Zuckerfabrik wurde am Löbauer Wasser das erste Textilveredlungsunternehmen gegründet. Der Fabrikant Gustav Römer baute erst eine Rotgarnfärberei, der in den Folgejahren eine mechanische Weberei folgte. Die Firma produzierte Baumwollstoffe, etwa für Hemden und Blusen und füllte darüber hinaus die gesamte Palette von Baumwollerzeugnissen aus. Nach 1945 wurde der Betrieb Volkseigentum und firmierte als VEB Stückfärberei Löbau. Mit dem Anschluss der Druckerei Eibau nannte er sich Oberlausitzer Textilveredlungswerk Löbau. 1990 übernahm die Treuhand das Textilveredlungswerk. Das Werk wurde 1994 durch die Treuhand geschlossen, die Maschinen verkauft, die Gebäude abgerissen. Mit dem Abriss des Kesselhausschornsteines endete endgültig die Ära der Textilveredlung in Löbau. Heute wird das Gelände im Tal des Löbauer Wassers durch die Landesgartenschau ökologisch aufgewertet und dient zukünftig der Naherholung.

Die Themenbereiche

Im Südosten der großen Kreisstadt Löbau befindet sich das zirka 20 Hektar große Ausstellungsgelände der Landesgartenschau. Vom neugeschaffenen Parkplatz aus, dem ehemaligen Güterbahnhof, betritt der Besucher das Landesgarten-schaugelände. Schon am Haupteingang wird man durch ein Blumenmeer begrüßt und erhält einen anschaulichen Überblick über die Vielfältigkeit des ersten Ausstellungsbereiches, dem Zuckerplateau, vor der Kulisse des Löbauer Berges. Entlang der auf dem Zuckerplateau beginnenden Berg- und Talpromenade, gesäumt von über 2500 Quadratmeter Wechselflor, schließen sich die verschiedenen Ausstellungs- und Themenbereiche der Landesgartenschau an. Die Themenbereiche knüpfen dabei in ihrer Gestaltung und Namensgebung an die bewegte Geschichte des Industriestandortes an.

Die Zuckerhügel. Foto: Christo Libuda, Lichtschwärmer

Perspektive Setzgärten. Grafik: Wettbewerbsbeitrag ©hutterreimann 2008

Steganlage in den Setzgärten. Foto: Landesgartenschau Löbau

Das Zuckerplateau

Das neu angelegte Festgelände auf dem Zuckerplateau bietet den Besuchern eine große Auswahl an Aktivitäten. Anziehungspunkt für Blumenfreunde ist dabei zu aller erst das ehemalige Zuckerlager, die Blumenhalle. Im neuen Gewand und mit neuer Funktion präsentiert es sich während der Landesgartenschau zum einen als Ausstellungsbereich für die Blumenschauen und die Künstler und zum anderen als Erholungs- und Verköstigungsbereich mit der Hauptgastronomie. Die Blumenschauen in der ersten Etage werden im 14-tägigen Rhythmus neu gestaltet. Im Erdgeschoss sind wechselnde Kunstausstellungen zu sehen. Gleich neben der Blumenhalle lockt die neue Messe- und Veranstaltungshalle mit ihrer imposanten Größe von 4000 Quadratmetern die Besucher. Auf der großen Bühne präsentieren sich - wetterunabhängig - Sänger, Artisten, regionale Vereine und viele andere Künstler.

Auch der fachlich interessierte Besucher kommt auf seine Kosten. Gegenüber der Messe- und Veranstaltungshalle, gleich neben dem Haupteingang, befinden sich die Ausstellungsbeiträge der Grünen Verbände. Auf 500 Quadratmetern präsentieren der Landesverband Sachsen der Kleingärtner e. V. und der Territorialverband Löbau der Kleingärtner e. V. verschiedene Ausstellungsbeiträge für Kleingärtner und andere Gartenbesitzer. Der Anbau von Mischkulturen und Kräutern im Garten werden praxisnah vorgestellt. Den Bereich Kräuter im Garten betreut die "Alte Apotheke zu Löbau". Der biologische Anbau ist dabei ein besonderer Schwerpunkt. Gleich daneben zeigt der Landesverband Sachsen des Bundes deutscher Baumschulen in einer Dauerausstellung zum einen erfolgversprechende Obstsorten für den kleinen Hausgarten und zum anderen Laubbaumsortimente für innerstädtisches Grün und pflegeleichte Gehölzpflanzungen die dem hiesigen Klima angepasst sind. Zudem ist der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen e. V. vertreten. Von diesen Eindrücken inspiriert, kann der Besucher nun das noch fehlende Accessoire für den eigenen Garten auf dem Gärtnermarkt erwerben. Von der Berg- und Talpromenade aus können die weiteren Themenbereiche in Augenschein genommen werden.

Die Berg- und Talpromenade

Die "Berg - und Talpromenade" ist das prägende Strukturelement, da sie die Hauptzugänge am Zuckerplateau mit der Altstadt (Brunnenstraße) verbindet. Beginnend am Zuckerplateau fädeln sich die einzelnen Themenbereiche an der 1,1 Kilometer langen Promenade bis hin zur Löbauer Wiese auf und können zu Fuß oder mit der Kleinwegebahn erschlossen werden. Eine Vielzahl von Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein.

Das Kalkwäldchen. Foto: Landesgartenschau Löbau

Die Fischtreppe. Foto: Landesgartenschau Löbau

Die Mühleninsel. Foto: Landesgartenschau Löbau

Die Weidenkirche. Foto: Landesgartenschau Löbau

Der Heidegarten und das Kalkwäldchen

Hinweg über den Garten erschließt sich als erster Themenbereich an der Berg- und Talpromenade ein auf 350 Quadratmetern angelegter Heidegarten. Anschließend gelangt man zum Kalkwäldchen. Name und Standort sollen an den 30 Meter hohen turmartigen Kalkofen der ehemaligen Zuckerfabrik erinnern. In ihm wurden mittels Kalk und Kohlensäure die Nichtzuckerstoffe des Zuckerrohsaftes gereinigt. Die verbliebene Mischung wurde als Düngemittel verwendet. Grüne Böschungen umschließen hier eine große, weiße Kalksplittfläche und nehmen so Bezug auf die Vergangenheit. Eine Reihe Gehölze bildet einen Sichtschutz zur Umgebung. Eine optische Aufwertung erhält das Kalkwäldchen zusätzlich durch den Saurierpark aus Bautzen. Dieser stellt zwei Szenen mit Albertosaurus und Archelon sowie die Styracosaurus (Stachelige Echse) aus der Kreidezeit dar.

Das Schräge Wäldchen

Vom Kalkwäldchen aus führt die Berg- und Talpromenade zum "Schrägen Wäldchen". Es trägt seinen Namen aufgrund der geneigten Böschung, an der mehr als 600 Birken gepflanzt sind. An der Böschung, die zwischen dem Zuckerplateau und den sich im Tal befindenden "Setzgärten" vermittelt, befinden sich Aussichtsplattformen mit Sitzbänken, von dem man einen guten Blick über den nächsten Themenbereich erhält. Über ein paar Stufen erreicht man den Seifert'schen Garten, mit seinen Freilandorchideen, dem Arboretum und dem "Grünen Klassenzimmer".

Das Grüne Klassenzimmer

Das Grüne Klassenzimmer befindet sich im Seifert'schen Garten, dem Arboretum von Löbau und ist ein Projekt, welches den Kindern die Natur als vielfältigen, interessanten und wissenswerten bunten Teppich präsentiert. Geplant ist zudem die Darstellung von pädagogisch aufbereiteten Fachthemen, die alle Altersgruppen und Schulformen ansprechen sollen. Angelehnt an den aktuellen Unterrichtsstoff soll vor allem die Sozialkompetenz der Kinder gefördert werden. Ziel ist zu lernen, Verantwortung für die Natur zu übernehmen.

Die Setzgärten

Am Fuße des schrägen Wäldchens trifft der Besucher auf den nächsten Themenbereich, die Setzgärten. Diese insgesamt fünf Becken waren Teil der Zuckerfabrik, in dem das Rübenwaschwasser gesammelt wurde. Diese dienen in Zukunft als Spiel- und Erholungsbereich. Die beiden ersten Setzgärten sind für einen Spielbereich trocken gelegt worden. Im sich anschließenden Becken beginnt die Steganlage mit vielfältigen Seerosen und anderen Schwimmblattpflanzen. Auch in diesem Bereich ist das Thema Zucker wieder deutlich zu erkennen. Spielgeräte in Form von Zuckerhügeln oder Würfelzuckerstücken sollen die jungen Besucher zum Spielen anregen. Hell eingestreuter Kies in Verbindung mit dem klaren Wasser der Setzgärten ist für Wasserspiele geeignet. Zahlreiche Sitzgelegenheiten an der Berg- und Talpromenade bieten Eltern Ruheplätze, die durch ein Bistro, den Schnitzelgarten an den Setzgärten ergänzt werden, der sich am Ende der Setzgärten befindet und Schattenplätze unter Zuckerahornbäumen bietet.

Mühleninsel

An die Setzgärten schließt sich die Mühleninsel an, die vom Löbauer Wasser mit seiner Sohlgleite eingerahmt wird. Ein Ort der Stille mit erhabener Ausstrahlung. So betten sich die Mustergrabanlangen in dieses Ambiente genauso ein wie der Weidenpavillon, in dem die Ökumene zu Gottesdiensten einlädt. Beim Rundgang entdeckt der Besucher die Insel aber auch als einen separaten Garten mit üppig gepflanzten Stauden, der im Kontrast zur beachtlichen Ufervegetation mit wildem Weidendickicht steht.

Löbauer Wiese

Den Abschluss der Berg- und Talpromenade bildet der Platz an der Löbauer Wiese. Wechselflor mit unterschiedlichen Farbakzenten erinnern an die frühere Textilindustrie mit Färberei und Näherei. Hier sind auch Trimm-dich-Parcours angelegt und auch die Geflügelzüchter präsentieren sich. Am Ende der Löbauer Wiese gelangt man zum Stadtein- bzw. -ausgang. Von diesem aus erreicht man in wenigen Minuten die historische Innenstadt Löbaus mit ihren sanierten Altbauten.

Das Grüne Klassenzimmer im Seifert´schen Garten. Die Pflanzplanung der Stauden übernahm das Büro Christian Meyer, Garten- und Bepflanzungsplanung, Berlin. Die Planung des Wechselflors ist von Orel + Heidrich Landschaftsarchitekten, Herzogenaurach. Foto: Landesgartenschau Löbau

Das sanierte Zuckerlager wurde von thoma Architekten, Zeulenroda geplant. Technische Ausrüstung und Tragwerksplanung übernahmen IBOS GmbH, Görlitz. Für die Sanierung des Hermannbades zeichnet die Tega Planungsgesellschaft mbH, Weißenberg verantwortlich.

Herrmannbad

Der das Gelände abschließende Themenkomplex ist das Herrmannbad, welches über die Herrmannwiese erreicht werden kann. Dieses traditionsreiche Bad wird bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts für Familienausflüge genutzt. Das Freibad wird im Zuge der Landesgartenschau saniert, um für die Besucher eine kühle Erfrischung im Sommer zu schaffen.

Der Eintritt ist mit einer gültigen Eintrittskarte zur LGS inklusive.

Wechselflor

Die Wechselflorflächen auf der Landesgartenschau umfassen insgesamt eine Größe von über 4000 Quadratmeter, die sich über das gesamte Gelände, vom Zuckerplateau bis hin zur Poetenwiese, verteilen. Der Kernbereich des Wechselflors sind die Flächen entlang der Berg- und Promenade, die sämtliche Gartenbereiche miteinander verbindet. So wie die Promenade die verschiedenen Abschnitte zu einem Fluss der Gärten verbindet, so soll dies auch durch die Farben des Wechselflors erreicht werden. Ton-in-Ton-Pflanzungen mit fließenden Farbübergängen tragen dazu bei, dass hier eine übergeordnete Verbindung entsteht. Die Gruppierung auf den Bändern wird locker durchmischt sein, währenddessen die Kristalle durch streng abgegrenzte Pflanzgruppen symbolisiert werden. Im Bereich des Zuckerplateaus sind die Wechselflorflächen in weiß gehalten. Im Verlauf der Berg- und Talpromenade werden dann aus den weiß gehaltenen Flächen weiß-rosa Bänder, welche vor dem Viadukt gänzlich in Rosa übergehen. Auf der Löbauer Wiese angekommen ist der dortige Wechselflor in Rosa, Violett und Rot gehalten. Auf der Herrmannwiese wechseln dann die Farben zu einem Rot-Orange-Violett-Blauen Band. Die letzte Fläche vor dem Herrmannbad wird komplett in unterschiedlichen Blautönen gehalten. Auf dem Zuckerplateau, der Löbauer Wiese und der Herrmannwiese werden dazu noch verschieden farbige kristallförmige Wechselflorflächen angelegt, die sich an der Farbgebung der Bänder orientieren. Neben Tulpen, Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht werden Mohnblumen und Hornveilchen im Frühjahr zu sehen. Zum Sommer stehen dort unterschiedliche Sorten von Cosmen, Löwenmaul, Begonien und Sommerastern. Durch die Pflanzung von Dahlien, Mangold, Salbei und verschiedenen Gräsern werden optische Kontrapunkte gesetzt.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2012 .

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