Ein Blick auf die historische Dimension der "Energielandschaften"

Vom solaren zum fossilen Energiesystem und wieder zurück

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Technik ist alles, was glitzert und sich dreht, oder? Ähnliche Assoziationen weckt auch der Begriff der Energielandschaft: Drehende Windkraftanlagen und glitzernde Photovoltaik. Der Bund Heimat und Umwelt blickt 2025 auf die historische Dimension von Energiebereitstellung und Energienutzung.
Energiewende Energetischer Landschaftsbau
Abb. 1: Energielandschaften – alles was glitzert und sich dreht? Foto: Sandra Sieber

Obwohl Kraftmaschinen wie Windmühlen oder Techniken zur Herstellung von Holzkohle (Kohlenmeiler) als pittoreske Elemente in Freilichtmuseen oder Gemälden durchaus gegenwärtig sind, bleibt die energetische Dimension der historischen Kulturlandschaften oft unscharf. Der Beitrag möchte ein paar Schlaglichter auf das frühe Zusammenspiel von Energie, Technik und Landschaft in Mitteleuropa werfen. Aber auch auf die Geschichte der sogenannten erneuerbaren Energien soll geblickt werden, feiert doch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aktuell seinen 25. Geburtstag und das Stromeinspeisungsgesetz sowie das 1000-Dächer-Programm werden bereits 35 Jahre alt.

Kraft und Energie

Wenn von Energielandschaften gesprochen wird, werden damit die gegenwärtigen Landschaften mit zeitgenössischen Anlagen zur regenerativen Energiebereitstellung bezeichnet. Diese Zuschreibung resultiert teils aus der Genese des Energiebegriffs. Dieser ist in der Physik seit etwa 1800 bekannt, er löste den zuvor verwendeten Begriff der Kraft ab und etablierte sich erst um 1900 in der Alltagssprache.

Der Wechsel von Kraft zu Energie lässt sich dabei nicht an der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts festmachen. Er ist eher eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Mechanisierung ab dem 12. Jahrhundert und geht einher mit der Ablösung tierischer, menschlicher und mechanischer (Muskel-)Kraft durch eine neue Generation von Maschinen, die mit fossilen Energien betrieben wurden.

Um diese Entwicklung greifbar zu machen, könnte in Abgrenzung von "historischen Energielandschaften" von "modernen oder zeitgenössischen regenerativen Energielandschaften" gesprochen werden. Die Unterscheidung in historische und zeitgenössische regenerative Energielandschaften liegt allerdings nicht nur in der definitorischen Schärfe.

Der Begriff der Energielandschaft steht immer auch für eine bestimmte Sicht auf das, was als Landschaft, Natur und Technik definiert und gelesen wird. Er schließt auch implizite Wertungen und Hierarchisierungen mit ein (gut/schlecht, schön/hässlich, moralisch/unmoralisch). Fachlich wird hier von einem engen und einem weiten (Kultur-)Landschaftsbegriff sowie einem engen und einem weiten Technikbegriff gesprochen. Unsere etwas blasse Vorstellung von der energetischen Dimension historischer Kulturlandschaften ist daher nicht nur ein Resultat fehlenden Wissens.

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Abb. 2: Historische Mühlen waren als Kraftmaschinen vielseitig einsetzbar, gegenwärtig ist meist nur die Funktion der Kornmühle. Foto: Sandra Sieber
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Abb. 3: Reste einer Wassermühle im Ortsbild. Foto: Sandra Sieber

Die energetische Dimension der historischen Kulturlandschaften

Für die Kulturlandschaftsforscher Klaus-Dieter Kleefeld und Winfried Schenk steht fest, dass Energiebereitstellung und Energieeinsatz das Aussehen und die Struktur von Landschaften mitbestimmen: Landschaften sind immer auch Energielandschaften oder lassen sich als solche lesen. Ein Wechsel von einer Kultur- zu einer Energielandschaft sei geschichtlich nicht haltbar.

Auch im Sammelband "Energielandschaften" der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur (DGGL) von 2013 verweisen bereits mehrere Beiträge darauf, dass die Landnutzung bis ins 19. Jahrhundert immer auch energetische Nutzungen einschloss und diese landschaftsprägend waren. Der Begriff der Energielandschaft wird so zum Pleonasmus in einer Reihe: Landschaft = Kulturlandschaft = technogene Landschaft = Energielandschaft.

Kleefeld und Schenk kommen auf drei einander ablösende Energiesysteme: Im "unmodellierten Solarenergiesystem" der Jäger- und Sammlergesellschaften begrenzten der Naturraum und seine Ressourcen das Wachstum, aber auch die technische und ökonomische Entwicklung der Population. Die Auswirkungen auf die Umgebung waren bei diesem Energiesystem eher punktuell.

Im "modellierten Solarenergiesystem" der Agrargesellschaften ist die Sonne weiterhin ein wichtiger Energielieferant, ihre Strahlung wird aber gezielt durch Ackerbau ausgenutzt und optimiert. Hier lassen sich auch Kraftmaschinen wie Wind- und Wassermühlen verorten. Mit der verstärkten Nutzung fossiler Energieträger verlor die Fläche als begrenzender Faktor bei der Energiebereitstellung an Bedeutung, allerdings gab es in Bezug auf das "fossile Energiesystem" keinen abrupten Wechsel, sondern eine parallele Nutzung über längere Zeiträume, die erst mit der Erfindung der Dampfmaschine im frühen 18. Jahrhundert eine Dynamisierung erfuhr.

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Abb. 4: Teile des Augsburger Wassermanagement-Systems (hier Zirbelnuss-Kanal-Brücke), das bis heute das Ortsbild prägt. Foto: Sandra Sieber
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Abb. 5: Einer der Lechgräben in Augsburg, sie werden erstmals 1276 erwähnt und dienten erst Wassermühlen von Handwerksbetrieben, dann Fabriken und später Generatoren zur Kraft- beziehungsweise Stromerzeugung. Foto: Sandra Sieber

Kraftmaschinen, vorchristliche Montanregionen und mittelalterliche Welterbestätten

Im Sinne dieser sich stetig entwickelnden Energiesysteme und Energienutzungen muss die erste Industrialisierung oder Proto-Industrialisierung als eine Epoche der technischen Innovationen in den Blick genommen werden: In diese mittelalterliche Früh- oder Vorphase der Industrialisierung fallen vor allem Innovationen im Bereich des Bergbaus und der Metallverarbeitung, der Textilverarbeitung, des Mühlenbaus sowie deren Wassermanagement.

Auch die Landwirtschaft profitierte von technologischen Innovationsschüben bei der Metallgewinnung und Verarbeitung, die immer auf Wind- und Wasserkraft basierten. Dies führte ab dem frühen Mittelalter im 9. Jahrhundert immer wieder zu Bevölkerungswachstum und lokal zu wirtschaftlichen Aufschwüngen und Prosperität. So machte beispielsweise die Adaption der italienischen Baumwollverarbeitung im süddeutschen Raum die Stadt Augsburg zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum, basierend auf seinem Wassermanagement-System.

Dieses war ab dem 13. Jahrhundert in Entwicklung und diente der Textil- und Papierindustrie quasi als Flächenkraftwerk. Bis heute prägt es mit seinen Kanalsystemen das Ortsbild und die Umgebung von Augsburg. Ein anderes Beispiel ist die Eisenverarbeitung im Niederbergisch-Märkischen Land, die auf der Ausnutzung der Wasserkraft der Wupper beruhte. So konnte dort bereits ab dem 15. Jahrhundert ein Schwerpunkt der Eisenverarbeitung entstehen, aus dem bis heute bekannte Städte wie Solingen und Remscheid hervorgingen.

Kraftmaschinen wie Mühlen waren direkt im Orts- und Landschaftsbild präsent, auch als Teile der Stadtsilhouette und der Stadtbefestigungen. Sie wurden im 17. Jahrhundert gerade wegen ihrer Wertung als technologische Innovationen und als Signet regionaler Prosperität in Bildern dargestellt.

Kraftmaschinen prägten mit ihren Mühlgräben und Teichen immer auch ihre Umgebung. Sie stellten Eingriffe dar, die noch heute beeindrucken. Für die mittelalterliche Montanindustrie der Oberpfalz ('Ruhrgebiet des Mittelalters') mit 200 Hochöfen und 500 Hammerwerken (um 1400), in der etwa 25 Prozent der dortigen Bevölkerung tätig waren, wurden etwa Kanäle und Stauseen (Hammerweiher) angelegt, der größte soll 450 Hektar umfasst haben. Aber auch indirekt formten Kraftmaschinen Landschaften und das über hunderte von Kilometern:

Die Niederlande mit Holland verfügten weder über nennenswerte Rohstoffe noch über Wasserkraft. Mit der Weiterentwicklung der Windmühlen konnten große Energiequellen nutzbar gemacht und in ein weitreichendes Handelssystem eingebunden werden. Für holländische Sägemühlen kam das Holz zum Beispiel aus dem Nordschwarzwald oder aus dem Spessart, was wiederum den Wunsch nach einer Begradigung von Flüssen aufkommen ließ, um das Flößen der Stämme zu erleichtern.

Im Schwarzwald prägte der Holzhandel gar Begriffe wie Holländerholz. Historische Kraftmaschinen aufgrund ihrer geringen Höhe als wenig relevant für das Landschaftsbild zu charakterisieren, greift mit Blick auf diese räumlichen Dimensionen zu kurz.

Noch weniger präsent als die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rohstoff- und Energielandschaften, sind die der antiken, vorrömischen Zeit in Deutschland. Für Hessen wird etwa bereits ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. von einer hochorganisierten antiken vorchristlichen Montanregion ausgegangen: Für den Hintertaunus wird beispielsweise von 330 Verhüttungsplätzen und 190 Schmieden ausgegangen, die lange fälschlicherweise ins Mittelalter datiert wurden.

Für die Gewinnung von 1,5 bis 4,5 Kilo Luppe, einem Zwischenprodukt bei der Eisenverhüttung, sollen über 450 Kilo Holzkohle benötigt worden sein, die wiederum auch erst aus Holz gewonnen werden musste. Auch die Weiterverarbeitung der Luppe zu Eisen benötigte wieder Energie. Schlackenhalden und über 120 Kilo schwere Schlackenklötze sind bis heute erhalten.

Vergleichbare Zentren sind für die Donau, den Schwarzwald und das Siegerland belegt. Auch die Salzproduktion wie in Bad Nauheim, basierend auf dem Rohstoff Sole und dem Energieträger Holz, werden heute als "beinahe frühindustriell" charakterisiert.

Die UNESCO würdigt den hohen Innovationsgehalt dieser historischen Energie- und Rohstofflandschaften mit mehreren Weltkulturerbe-Titeln, darunter das Augsburger Wassermanagement-System (ab dem 13. Jahrhundert), das Bergwerk Rammelsberg (als einziges Bergwerk der Welt kontinuierlich über 1000 Jahre in Betrieb), die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří (seit 800 Jahren vom Bergbau geprägt) sowie die Oberharzer Wasserwirtschaft (um 1200), mit 107 historischen Teichen, 31 Kilometer Wasserläufen und 310 Kilometer Gräben.

Diese Beispiele verdeutlichen noch einmal die enge Verzahnung von Energienutzung und Rohstoffgewinnung beziehungsweise -verarbeitung im "modellierten Solarenergiesystem": Wind- und Wasserkraft sowie Holz und Holzkohle sind der Antrieb für Maschinen, Pumpen und Prozesse, die den Abbau und die Weiterverarbeitung von Rohstoffen erst ermöglichten.

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Abb. 6: Inzwischen historische Form der Windenergieanlagen mit Gittermast in Thüringen, Foto von 2008. Foto: Sandra Sieber
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Abb. 7: Auch fast schon ein Relikt historischer Ortsbilder: Oberirdische Stromleitungen. Sicherungskästen im Dachgeschoss älterer Bestandsgebäude zeugen noch von dieser Periode der Stromverteilung. Foto: Sandra Sieber
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Abb. 8: AKW-Geschichte: Das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich bei Koblenz wurde 1986 in Betrieb genommen und bereits 1988 wieder stillgelegt, wegen eines fehlerhaften Baugenehmigungsverfahrens. 2019 wurden die Kühltürme abgerissen, der vollständige Rückbau soll bis Ende der 2020er Jahre erfolgt sein. Foto: Sandra Sieber

Die Mühle am rauschenden Bach . . .

Im Kontrast zu diesen Beispielen steht das idyllische Bild der historischen Kulturlandschaft als kleinbäuerlichem Gegenpol zu dem, was als Bild von Technik und Industrie gedacht wird. Der enge, fachlich tradierte Landschaftsbegriff speist sich aus einem Gegensatz von Natur, inklusive kleinbäuerlicher Land- und Forstwirtschaft, und Technik, die tendenziell als zeitgenössisches, technisches Artefakt gesehen wird.

Historische Energie- und Rohstoffnutzungen werden mit dem selektiven Blick des engen Landschaftsbegriffs aus der bildhaften Vorstellung der historischen Kulturlandschaft aussortiert. Historische Energie- und Rohstoffnutzungen werden bestenfalls ab der Gründerzeit als solche genannt (drittes Energiesystem, durch fossile Brennstoffe gekennzeichnet).

Die technisch komplexen Kraftmaschinen des zweiten Energiesystems, werden durch den Blick des engen Landschaftsbegriffs losgelöst von den dazugehörigen vorchristlichen, mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Gewerbe- und Industriekomplexen. Sie werden zu funktions- und kontextfreien historischen Mühlen, zu Artefakten einer vermeintlich bäuerlichen, dezidiert nicht technisch-industriell gedachten Kulturlandschaft.

Auch historische Waldnutzungen inklusive der Köhlerei, die immer auch der Energie- und Rohstoffgewinnung dienten (s. oben), werden in der Logik des engen Landschaftsbegriffs zur energie- und technikfreien historischen Waldnutzung. Das Verschwinden sichtbarer Spuren im Laufe mehrere Jahrhunderte verstärkt diese Tendenz.

Da der enge Landschaftsbegriff im Wesentlichen auch unser erlernter Landschaftsbegriff ist, lässt sich das Bild der scheinbar idyllischen, kleinbäuerlichen Kulturlandschaft nicht einfach ausräumen. Gerade oder nur deshalb, war das Erscheinen der zeitgenössischen regenerativen Energieanlagen im Landschaftsbild so ein "Wandel".

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Abb. 9: Wismut-Geschichte: Die Spitzkegelhalden bei Ronneburg in der Nähe von Gera. Die Halden wurden zwischen 2004 und 2006 abgetragen, zur BUGA Gera-Ronneburg (2007) waren sie Geschichte. Foto: Sandra Sieber
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Abb. 10: Sieht heute auch anders aus: Der Braunkohletagebau Meuro, heute der Großräschener See in der Niederlausitz, ein Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land (2000 und 2010). Foto: Sandra Sieber

Schon eine eigene Geschichte – Energie im 20. Jahrhundert

Über zeitgenössische regenerative Energieanlagen als neues Element im Landschaftsbild wird inzwischen schon gut 30 Jahre gestritten. Grundlegendes Vokabular zur kritischen Bewertung findet sich bereits in einem Text von Werner Nohl aus dem Jahr 1993. Allerdings hat inzwischen eine ganze Generation junger Planerinnen und Planer die Hochschulen verlassen, für die regenerative Energieanlagen zur Alltagslandschaft und zur Landschaft der Kindheit gehören. Zeitgenössische regenerative Energieanlagen sind selbst schon Teil der Technikgeschichte.

Ein großer Meilenstein bei der Etablierung zeitgenössischer regenerativer Energieanlagen in Deutschland ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das ab dem Jahr 2000 die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Einspeisung regenerativer Energien bot. Sein Vorläufer war das Stromeinspeisungsgesetz von 1990, das erstmals eine Abnahme und Vergütung von Strom aus der Nutzung von Wasserkraft, Windkraft oder Solarenergie vorsah. Zur gleichen Zeit startete auch das 1000-Dächer-Programm.

Es war als Breitentest einer Nischentechnik gedacht und führte zur Initiierung der privaten Photovoltaik-Nutzung. Das 1000-Dächer-Programm verdeutlicht das komplexe Zusammenspiel von Forschung, Entwicklung und Marktreife: Es braucht Privatpersonen, die bereit sind, eine solche Technik aufzugreifen und eine Vorreiterrolle bei ihrer Nutzung einzunehmen. Vor 1990 existierten im Bereich der Photovoltaik fast nur Forschungs- und Demonstrationsanlagen, es gab keinen Markt und keine Angebote für Photovoltaikmodule und Wechselrichter im privaten Segment.

Die ersten Nutzenden mussten trotz des 1000-Dächer-Programms noch hohe Summen für eine Photovoltaik-Anlage ausgeben. Die Motivation bei dieser Investition lag primär in der Begeisterung für die Technik als solche und im Gedanken des Umweltschutzes. Bekannter ist bis heute das 100.000-Dächer-Programm, das von 1999 bis 2003 PV-Anlagen förderte und zur Realisierung von 300 Megawatt installierter Leistung führte.

Auch hinter den sogenannten Energielandschaften steht also ein sehr langer Prozess aus langsamer Etablierung und zunehmender Dynamisierung. So wurde in Deutschland die erste Windenergieanlage an Land im Jahr 1982 errichtet, 1990 gab es rund 500 Anlagen, im Jahr 2000 mehr als 9000, 2005 etwa 15.000 Anlagen und im Jahr 2024 rund 29.000 Windenergieanlagen.

Entsprechende Dynamisierungen erfolgten auch bei Solarthermie und Photovoltaik. Schaut man auf die Verteilung der modernen regenerativen Energiebereitstellung nach Bundesländern, so spiegelt diese Verteilung weiterhin die naturräumlichen Potenziale wie Solarstrahlung und Windhöffigkeit, aber auch strukturelle Unterschiede in der Landwirtschaft zum Beispiel beim Tierbestand und den Betriebsgrößen.

Inzwischen sind auch Atomkraftwerke zu Relikten geworden, nachdem 2011 der Ausstieg aus dem Ausstieg von 2010 aus dem Atomausstieg von 2002 erfolgte. Am 15. April 2023 wurden mit Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 die letzten deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet.

Anfang 2025 schaffte es der Abriss der Kühltürme des AKW Grafenrheinfeld bei Schweinfurt immerhin auf Platz drei in der Abstimmung "Abriss des Jahres" des bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, der damit auf den Verlust bedeutender Bauten aufmerksam machen möchte. Auch die Geschichte der Wismut, zeitweise weltweit der viertgrößte Produzent von Uran, ist heute fast vergessen, auch wenn einige sich noch an die BUGA Gera-Ronneburg von 2007 erinnern werden.

Gegen dieses schleichende Verschwinden wirbt eine Porzellanmanufaktur für ihre "Atomteller". Denn Wandteller sind, so die Manufaktur, ein Signet für Heimat, Idylle, Nostalgie und eben auch Energiebauwerke, die, ob Windmühle oder Atomkraftwerk, Landschafts- und Heimatbilder prägen.

So öffnen sich spannende Perspektiven auf Landschaft und Energie, wenn man den engen, auf die kleinbäuerliche Agrarlandschaft fokussierten Landschaftsbegriff verlässt und das beeindruckende Erbe der protoindustriellen bis gegenwärtigen Energie- und Industrielandschaften erkundet.

Dr.-Ing. Sandra Sieber
Autorin

Infrastruktur und Umwelt, Professor Böhm und Partner

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