Eine Dachstrategie für die gesamtstädtische Entwicklung

Der Bonner Freiraumplan

von: ,
Die Ziele unserer Städte zur Freiraumentwicklung sind im Kern doch zumeist die gleichen, ob im Norden, Süden, Osten oder Westen. Ist es doch in urbanen Räumen heute dringender als je zuvor, sich um die Sicherung, Entwicklung und gerechte Verteilung von Freiräumen wirksam vor Ort mit fachlicher Expertise zu kümmern.
Stadtplanung Klimaschutz
1 Blick über Bonn Richtung Siebengebirge. Foto: Bundesstadt Bonn

Begrifflichkeiten wie "Klimafitte Quartiere", "Grünraumgerechtigkeit", Biodiversitätsnetze" und weitere mehr finden sich als Anforderungen heute in allen Städten.

Die jeweiligen Antworten und damit verbundenen Strategien und Methoden sind jedoch so verschieden, wie die räumlichen, politischen und geographischen Strukturen und historisch gewachsenen Stadtbilder jeweils verschieden sind. Es braucht daher eigene, spezifische Antworten für die Städte und Regionen, um vor Ort realisierbare, akzeptierte Strategien zu entwickeln und auf der Fläche umzusetzen. So auch in Bonn, wo in den letzten fünf Jahren mit intensiver fachlicher Arbeit und ebenso intensiver politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzung die Entwicklung eines neuen Bonner Freiraumplans erfolgen konnte.

Die Bundesstadt Bonn gehört mit über 330000 Einwohner:innen zu den zwanzig größten Städten der Bundesrepublik Deutschland. Im südlichen Rheinland liegend und als Teil der Region Köln – Bonn liegt sie damit in einem der am dichtesten besiedelten Regionen Europas.

Die Stadt Bonn wächst nach wie vor. Gleichzeitig soll die Grünqualität der Stadt mit ihrem beeindruckenden Freiraumsystem weiterentwickelt werden, welches Zeugnisse der letzten 2000 Jahre aufweist: römische Grundlagen, kurfürstliche Haltungen oder bundeshauptstädtischen Entwicklungen. In diesem Zuge dient der sogenannte "Bonner Freiraumplan" als Dachstrategie für die Entwicklung der Bonner Freiräume zu verschiedenen Fachthemen.

SUG-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
gartentechnische Leitung (w/m/d) der Regiebetriebe..., München  ansehen
Stellvertretende Fachdienstleitung (m/w/d), Brake  ansehen
Gärtner (m/w/d) in Vollzeit, Leonberg  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen
Stadtplanung Klimaschutz
2 Planungsprozess Bonner Freiraumplan. Abb.: bgmr Landschaftsarchitekten

Bereits in den 1990er Jahren wurde mit der Erstellung des Integrierten Freiraumsystems (IFS) ein Meilenstein in der Freiraumplanung der Stadt Bonn gelegt. Das damalige Fachgutachten hatte zum Ziel, den ökologischen Status quo der Stadt nach dem Strukturwandel durch den Bonn-Berlin Beschluss aufrechtzuerhalten. 2014 wurde die Weiterentwicklung IFS 2012 fertiggestellt und dient seitdem per politischem Beschluss bei raumwirksamen Planungen als informelle Planungsgrundlage.

Das IFS betrachtet weitestgehend eine Einzelflächenbewertung der Grünen Freiräume und stellt somit einen Status quo bezogen auf den baulichen Außenbereich dar. Das 2017 erstmals erstellte Freiraum Monitoring stellt zudem die Realnutzung der Bonner Freiraumstruktur anhand von neun definierten Freiraumkategorien dar.

Ziel des Bonner Freiraumplans ist es Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen, die im Sinne eines erweiterten Freiraumverständnisses, die gesamte Oberfläche der Stadt (grüner Freiraum, graue Infrastruktur sowie private und öffentliche Bauflächen) mitbetrachtet, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen bei erheblicher Flächenkonkurrenz gerecht zu werden.

Die vielschichtigen Freiräume Bonns tragen zum grünen Charakter der Stadt bei und bieten unterschiedliche Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten für die Bonner:innen. Gleichzeitig steht die Stadt- und Freiraumentwicklung vor großen Herausforderungen, vom Umgang mit dem fortschreitenden Klimawandel in sich weiter verdichtenden Quartieren, der Mobilitätswende, Wärmewende über den Demografiewandel oder auch die Digitalisierung. Dazu kommt das Arten- und Lebensraumsterben als nahezu unfassbar große Last. Der immer knapper werdende, bezahlbare Wohnraum verschärft die Problematik.

Für fünf Themenfelder wurden in der Studie, gestützt durch kartografische Darstellungen, die Herausforderungen beschrieben und daraus resultierende zukünftige Aufgaben für die Freiraumentwicklung benannt:

  1. Stadtwachstum und Freiraum
  2. Biodiversität, Artenschutz und Naturerleben
  3. Klimaanpassung und Ressourcenschutz
  4. Sport, Spiel, Bewegung und Gesundheit
  5. Vielfältige Freiraumansprüche auf knappen Flächen

Diesen Herausforderungen muss die Stadt- und Freiraumentwicklung in Bonn auf knappen und begrenzten Flächen begegnen. Sie können nicht mehr allein im grünen Freiraum gelöst werden. Deshalb betrachtet eine zukunftsorientierte Freiraumentwicklung die gesamte mehrdimensionale Oberfläche der Stadt, um diese hinsichtlich der Erholungsnutzung, der sozialen Teilhabe und Baukultur sowie Ökologie, Klimaanpassung und biologischen Vielfalt zu sichern, zu entwickeln und mehrfach zu nutzen.

Hierbei wird die Kulisse der grünen Freiräume ergänzt um die graue Infrastruktur (stark versiegelte unbebaute Freiflächen), wie Straßen und Stellplätze sowie um die privaten und öffentlichen Bauflächen mit ihren Höfen, Dächern oder Fassaden. Der Bonner Freiraumplan zeigt daher die zukünftige Ausrichtung der Freiraumentwicklung und formuliert Entwicklungsziele sowohl für die grünen Freiräume als auch für die graue Infrastruktur und die privaten und öffentlichen Bauflächen.

Besonders herausfordernd in der Kommunikation des "Mehr an Freiraumqualitäten" als oberstes Ziel ist die Gleichzeitigkeit zahlreicher Strategien und Konzepte in Bonn, die auf den begrenzten Freiraum einwirken. Von Schwammstadt-, Klimaanpassungs- und Biodiversitätskonzept über den Sportentwicklungsplan, die Friedhofskonzeption oder die Spielbereichsentwicklungsplanung bis hin zum Klimaplan. Alle genannten und weiteren urbanen Strategien formulieren Erwartungen, die eine Fokussierung auf die wirksamsten Punkte so herausfordernd werden lässt.

Die jetzt politisch beschlossenen Inhalte zeigen unter Berücksichtigung dieser umfassenden Anforderungen ein zukunftsfähiges Produkt. Das beratende und die Stadtverwaltung umfassend begleitende Fachbüro bgmr Landschaftsarchitekten aus Berlin hat mit der umfangreichen Expertise den Prozess sehr gut begleitet und maßgeblich zum erfolgreichen Abschluss beigetragen.

Stadtplanung Klimaschutz
3 Stadtteilspaziergang Bezirk Bonn: "Dichte Innenstadt – Straßen, Plätze und Sportflächen als Potential". Foto: bgmr Landschaftsarchitekten
Stadtplanung Klimaschutz
4 Kopfbuchen im Kottenforst. Foto: Bundesstadt Bonn

Planungsprozess

Der Planungs- und Dialogprozess des Bonner Freiraumplans erstreckte sich insgesamt auf einen Zeitraum von zwei Jahren. Er begann Ende 2021 mit der Beauftragung des Büros bgmr Landschaftsarchitekten und endete mit Abgabe des Endberichts Ende 2023. Die darauffolgende, intensive politische Beratung nahm wiederum fast ein Jahr in Anspruch, so dass der politische Beschluss durch den Rat der Stadt Bonn am 12.11.2024 gefasst wurde.

Der Planungsprozess wurden in drei Bearbeitungsschritten vollzogen. Zunächst erfolgte die Ermittlung von Grundlagen und Rahmenbedingungen, dabei wurden alle freiraumwirksamen Planungen und Konzepte Bonns erfasst und je nach Bedeutung für die Dachstrategie integriert. Die Recherchearbeit wurde ergänzt durch das Urban Mapping, in dem mittels Ortserkundungen typische Bonner Freiraumtypologien wie Bonner Landschaften, Wasserlagen, Klassiker und Juwelen, Plätze und Nischen zusammengestellt wurden. Damit wurde einem wichtigem Aspekt der Strategie, die Besonderheiten und Identität der Bonner Freiraumstruktur herauszuarbeiten und zu entwickeln, Rechnung getragen.

Es zeigte sich in der Flächenanalyse, dass Bonn im Vergleich mit deutschen Großstädten eine grüne Stadt mit 53 Prozent Freiflächenanteil ist. Die höchsten Flächenanteile nehmen dabei die Waldgebiete mit 28,5 Prozent ein, und auch bei der Versorgung mit innerstädtischem Grün durch Park- und Grünanlagen, Friedhöfe und Sportflächen nimmt Bonn einen Spitzenplatz ein. Lediglich bei der Versorgung mit landwirtschaftlichen Flächen und Kleingärten rangiert Bonn auf einem hinteren Platz.

Im Prozess eingebettet war ein Beteiligungsverfahren, das neben den verwaltungsinternen Rückkopplungen im Rahmen einer Arbeitsgruppe und Lenkungsgruppe auch eine Bürger:innen- und Stakeholderbeteiligung umfasste.

Dabei stellte die Einbeziehung der Bürgerschaft in diese übergeordnete, gesamtstädtische Freiraumstrategie ohne parzellenscharfe Zuordnung eine besondere Herausforderung dar, denn Beteiligungsverfahren funktionieren gut auf Quartiersebene, in denen Anwohnende ihre ortsspezifischen Erfahrungen und Bedarfe äußern können. Die Ziele und Inhalte des Freiraumplans wurden daher auf die vier Bonner Stadtbezirke Bonn, Beuel, Bad Godesberg und Hardtberg heruntergebrochen. Hier wurden im Mai 2022 sehr gut besuchte Stadtspaziergänge erfolgreich durchgeführt, begleitet von einer Online-Beteiligung.

Aus den Erkenntnissen der Analyse der vorhandenen Freiraumstruktur, den aktuellen Herausforderungen der Stadt- und Freiraumentwicklung und den Ergebnissen aus den Beteiligungsformaten wurde in einem zweiten Schritt das gesamtstädtische Freiraumkonzept Bonner Freiraumplan entwickelt.

Im dritten und letzten Bearbeitungsschritt, der Implementierung, erfolgte schließlich die Übersetzung der Zielsetzungen und Erkenntnisse in konkrete Handlungsempfehlungen mit Priorisierungen.

Starke Landschaften, blau-grüne Netze und grüne Viertel

Das räumliche Leitbild des Bonner Freiraumplans setzt sich aus drei zentralen Leitbildthemen zusammen, die seitens des Planungsbüros als tragendes Gerüst des Konzeptes herausgearbeitet wurden. Jedem Leitbildthema sind Orte und Handlungsräume, Entwicklungsziele und Schlüsselmaßnahmen zugeordnet. Die Entwicklungsziele schließen dabei die Querschnittsziele Klimaschutz und -anpassung, Biodiversität, Teilhabe/Inklusion sowie Beteiligung mit ein. Konkrete priorisierte Umsetzungsempfehlungen für die Entwicklungsziele der Leitbildthemen sind in zwölf Schlüsselmaßnahmen dargestellt. In fünf ausgewählten Lupenräumen wurden die drei Leitbildthemen zudem in räumlichem Kontext vertiefend dargestellt.

Starke Landschaften stellen das Grundgerüst der Bonner Freiraumstruktur dar. Die Stadt Bonn wird im Osten und Westen eingefasst von den Wald-Berglandschaften des Kottenforstes im Linksrheinischen und des Ennerts/Siebengebirges im Rechtsrheinischen. Ungefähr mittig verläuft der Rhein als zentrales, prägendes, blaues Band, an dessen Ufern sich die Stadt entwickelte. Der Rhein ist für Bonn Lebensader, Naherholungsraum, Verkehrsachse, Klimaanlage und vieles mehr. Nordöstlich mündet die Sieg in den Rhein, ein Fluss mit hohen naturräumlichen Qualitäten und wunderschönen Auenbereichen. Zu den Flusslandschaften stellen die sogenannten produktiven Landschaften der Landwirtschaft das dritte flächige Element der Starken Landschaften dar.

Neben dem Entwicklungsziel des Erhalts der stadtraumprägenden Landschaften werden die Stärkung deren Eigenart, die Klimaanpassung und die Verbesserung der Verflechtung in die Stadt und ins Umland empfohlen. Im Lupenraum "Rheingärten" werden diese Entwicklungsziele exemplarisch vertieft.

Stadtplanung Klimaschutz
5 Übersicht über den Projektraum der „Rheingärten“. Foto: Stadt Bornheim
Stadtplanung Klimaschutz
6 Blaue Netze: Godesberger Bach. Foto: bgmr Landschaftsarchitekten

Lupenraum Rheingärten

Die Idee einer freiraumplanerischen Qualifizierung der landwirtschaftlich geprägten 150 Hektar großen Fläche zwischen Bonn und Bornheim wurde im Mai 2022 durch einen Bürgerantrag seitens des ansässigen Ortsausschusses initiiert und von den Bonner und Bornheimer Ratsgremien aufgegriffen und bestätigt. Das von Siedlungsflächen und dem Rhein eingefasste Gebiet ist zum einen produktive Landschaft im Sinne der Leitbildthemen des Freiraumplans und zum anderen Erholungsgebiet im Relief der alten Rheinterrassen. Auf Wunsch der Bürgerschaft soll der Raum im Sinne der Klimavorsorge, der Naherholung und der Artenvielfalt gemeinsam mit der Stadt Bornheim qualifiziert werden.

Aus der ersten planerischen Betrachtung als Lupenraum im Bonner Freiraumplan wurde 2024 durch das Büro bgmr Landschaftsarchitekten eine vertiefende Konzeptstudie entwickelt, die als Grundlage für eine Fördermittelbewerbung dienen soll. Der Lupenraum Rheingärten ist damit eines der ersten Projekte aus dem Bonner Freiraumplan, die in eine konkrete planerische Umsetzung gehen werden.

Die hauptsächlich flächige Raumtextur der starken Landschaften wird ergänzt durch lineare Verbindungselemente des zweiten Leitbildthemas, die blau-grünen Netze, als wichtiges Element der zukünftigen Bonner Freiraumstruktur. Hier wird die Verbindung aus den Wohnquartieren in die starken Landschaften aufgezeigt, sowohl im Sinne der Erholungsnutzung als auch des Biotopverbunds. Unter den blauen Netzen sind dabei die Bonner Bäche gefasst, die teils verrohrt, teils offen von den Hängen der Wald-Berglandschaften in Richtung Rhein fließen. Sie bieten ein hohes Potenzial als erlebbare Landschaftselemente und Biotopverbundräume die starken Landschaften mit den Wohnquartieren zu verbinden. Wo dies möglich ist, sind daher bei Bachrenaturierungen und -freilegungen, die im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen sind, die Grundsätze des Bonner Freiraumplans zu integrieren.

Verlaufen grüne Wege entlang von freien Bachläufen, ist das Naturerleben für Nutzende besonders vielseitig. Grüne Wege beziehen sich aber auch auf viel genutzte, alltägliche Fuß- und Radwege. Diese Alltagswege bieten Potenziale der Biodiversitätssteigerung, dem Schließen von Verbindungslücken und der Attraktivierung im Sinne der Erholungsnutzung. Als Schlüsselmaßnahme sieht der Freiraumplan daher den Ausbau der grünen Wege vor, wobei der konkreten Umsetzung eine Machbarkeitsstudie mit Maßnahmenkonzept vorgeschaltet wird. Exemplarisch wird dies im Lupenraum Grüner Weg Rhein-Melbtal dargestellt.

Grüne Korridore, als dritte Schlüsselmaßnahme des Leitbildthemas blau-grüne Netze, stellen zusammenhängende Freiräume zwischen Landschaften und Siedlungsbereichen dar, die bereits heute ein Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen beinhalten, jedoch nicht als zusammenhängender Freiraum erlebbar sind. Der Freiraumplan identifiziert drei grüne Korridore mit besonderem Fokus: den grünen Korridor Rheindorfer Bach, den grünen Korridor Kottenforst-Rhein und den grünen Korridor Altarm Limperich mit besonderen Entwicklungspotenzialen. In der weiteren Entwicklung ist ein sensibler Umgang mit dem Raum in einer wachsenden und sich verdichtenden Stadt gefragt, denn die grünen Korridore tangieren teilweise Flächen zukünftiger Siedlungserweiterungen. Im grünen Korridor Kottenforst-Rhein zeigt sich dies besonders deutlich, weshalb er exemplarisch als Lupenraum im Konzept vertieft wurde.

Das dritte, quartiersbezogene Leitbildthema der grünen Viertel fokussiert wohnortnahe Freiräume wie Parks, Spiel- und Sportflächen, Quartiersplätze, Gemeinschaftsgärten aber auch Potenziale in der grauen Infrastruktur, etwa auf Dächern, Fassaden und Straßenräumen. Im Sinne einer lebenswerten Stadt werden vor allem Möglichkeiten der Klimafolgenanpassung für die genannten Handlungsräume aufgezeigt, sowie Potenziale der Mehrfachnutzung verdichteter Stadträume und Teilhabe. Eine Schlüsselmaßnahme der grünen Viertel ist die sogenannte Schulhofoffensive, die die Chancen einer aktiven Einbeziehung von Schulhöfen in die Freiraumversorgung von verdichteten Quartieren empfiehlt. In Bonn ist die Mehrfachnutzung von Schulhöfen durch Kinder und Jugendliche nach Schul- beziehungsweise OGS-Schluss bereits etabliert, jedoch erfordern Konflikte durch Ruhestörung und Vandalismus eine Anpassung der bestehenden Regelungen. Viele Schulhöfe Bonns weisen zudem einen hohen Versiegelungsgrad auf. Durch eine wassersensible und hitzeangepasste Umgestaltung können positive Auswirkungen für die Schule, aber auch auf das Kleinklima im Quartier erreicht werden.

Im Lupenraum "Klimaquartier Beuel" werden mögliche Maßnahmen der Klimaanpassung im verdichteten Stadtraum am Beispiel des Stadtteils Beuel veranschaulicht.

Stadtplanung Klimaschutz
7 Schulhofoffensive: Schulhof Hauptschule Sankt Hedwig. Foto: Bundesstadt Bonn
Stadtplanung Klimaschutz
8 Skizze Klimaquartier Beuel. Abb.: bgmr Landschaftsarchitekten

Umsetzung

Im Kapitel Implementierung führt das Planungsbüro die Umsetzbarkeit der empfohlenen Maßnahmen auf und setzt diese in einen realisierbaren Rahmen. So ist es einer Großstadt wie Bonn mit engen finanziellen und personellen Ressourcen nicht möglich, alle Maßnahmen separat und aktiv anzuschieben. Vielmehr wird, wo möglich, das Huckepackverfahren empfohlen, in dem bei anstehenden Maßnahmen wie etwa einer Bachrenaturierung im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die Inhalte des Leitbildthemas blau-grüne Netze zu integrieren.

Unerlässlich ist es dabei, Freiraumentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe verschiedener Fachämter zu begreifen und in die verschiedenen städtebaulichen Entwicklungsprozesse der Stadt zu integrieren. Denn nicht alle empfohlenen Maßnahmen sind durch anstehende Projekte abgedeckt, einige bedürfen eines aktiven Handelns.

Mit politischem Beschluss löst der Bonner Freiraumplan das Integrierte Freiraumsystem 2012 als informelle Abwägungsgrundlage ab und wird somit, vergleichbar mit dem Grünordnungsplan in der Bauleitplanung, als informelles Instrument auf Maßstabsebene des Flächennutzungsplans wirksam. Anhand eines Aktionsplanes priorisiert der Bonner Freiraumplan die konkrete Planung von zwölf Schlüsselmaßnahmen für die kommenden fünf Jahre. Durch ihren Modellcharakter dienen diese zum Anstoß weiterer Verfahren. Eine regelmäßige Fortschreibung des Planwerks ist zudem notwendig, um rechtzeitig auf neue Herausforderungen von Freiraumentwicklungen in Zeiten sich rasant wandelnder Ansprüche an unsere Städte reagieren zu können.

Resümee

Mit dem Bonner Freiraumplan wurde das umfassende Zielbild einer zukünftigen Freiraumentwicklung für Bonn entworfen. Nun gilt es, in einzelnen Schritten auf dieses Zielbild hinzuarbeiten. Dies kann nur im Schulterschluss mit anderen beteiligten Akteuren der Stadtentwicklung gelingen. Der Grundstein wurde im Dialogprozess der Freiraumplans gelegt, die konkrete Umsetzung und Anwendung der Ergebnisse steht nun an.

Die lange politische Diskussion des Planwerks hat bereits einige zukünftige Konfliktfelder offenbart: Parallel zu den Mammutaufgaben des Klimaschutzes, der Anpassung an den Klimawandel und dem Umgang mit der Biodiversitätskrise steht Bonn als wachsende Stadt mit hohen Wohnraumbedarfen und damit verbundenen Flächenkonkurrenzen vor großen Aufgaben, gleichzeitig sollen keine Einbußen an der Lebensqualität und Vielseitigkeit der Erholungs- und Naturräume entstehen. So war manchem politischen Vertreter das Ergebnis nicht restriktiv genug, manch anderem wiederum mit den Bedarfen des Wohnungsbaus nicht vereinbar. Die Diskussion um die Ressource Freiraum wird auch zukünftig weitergeführt, der Freiraumplan als integriertes Planungsinstrument stellt dazu die fundierte, zielorientierte Grundlage dar. Eine fortlaufende Reflektion des Erreichten einschließlich einer kritischen Auseinandersetzung mit den vielen Ansprüchen an die Freiräume wird die Arbeit der nächsten Jahre in Bonn prägen.

Dipl.-Ing. David Baier
Autor

Landschaftsarchitekt, Amtsleiter Amt für Umwelt und Stadtgrün der Stadt Bonn

 Sandra Paul
Autorin

Bundesstadt Bonn

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

Redaktions-Newsletter

Aktuelle grüne Nachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen