Eine Einschätzung aus dem Projekt KukPiK in Großbeeren

Welche Faktoren beeinflussen die Pflegezeiten von Stauden?

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Staudenpflanzungen sind in den letzten zwanzig Jahren wieder in die Städte zurückgekehrt. Als Gründe wurden schon 2007 neben der Ästhetik auch ökonomische Faktoren genannt, dabei wurde schon damals auf die Pflegeleichtigkeit verwiesen. (vgl Schmidt, 2013) Hinzugekommen ist das Erkennen der Vorteile einer artenreichen Bepflanzung für die Artenvielfalt in der Stadt und die Fähigkeit, Auswirkungen des Klimawandels zu puffern.
Klimaanpassung Grünforschung
Abb. 1: Als Schau- und Sichtungsgarten angelegt, wurden auf den zehn Staudenparzellen drei Pflanzungen in unterschiedliche Substrate gepflanzt und mit verschiedenen Mulchstoffen abgemulcht. Alle Fotos: LVGA

An der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik e. V. (LVGA) in Großbeeren wurde im Rahmen des Projektes "Kleingehölze und krautige Pflanzen im Klimawandel (KukPiK)" ein Schau- und Sichtungsgarten angelegt. Ziel war es, Empfehlungen für eine klimaresiliente Anlage und Pflege von Pflanzungen im öffentlichen Grün herauszugeben.

Ein Schwerpunkt in der fünfjährigen Projektlaufzeit war die Frage nach dem Pflegeaufwand von Staudenpflanzungen: Wie hoch ist der Pflegeaufwand verschiedener Pflanzvarianten? Welche Faktoren beeinflussen ihn? Wie wirken sich die Folgen des Klimawandels auf die Pflegeintensität aus?

Was ist Staudenpflege und wie groß ist der Aufwand?

Aber was ist eigentlich "Staudenpflege"? Aus dem Arbeitskreis Pflanzenverwendung im Bund deutscher Staudengärtner wurden 2013 im Handbuch der Staudenverwendung aufeinander aufbauend fünf Pflegestufen definiert, in denen die unterschiedlichen Arbeiten gruppiert wurden (Tab. 1): Angefangen bei Stufe 1 und 2, in denen sich Tätigkeiten befinden, die auf jeden Fall getan werden müssen (Winterrückschnitt und Unkrautkontrolle). Bis hin zu Stufe 5, die die sogenannten kosmetischen Maßnahmen wie das Pinzieren oder Aufbinden beinhaltet, die nur bei Pflanzungen mit einem hohen Gestaltungsanspruch notwendig sind (vgl. Bouillon 2013, S. 203).

Von einer pflegeextensiven Pflanzung kann man sprechen, wenn entweder eine reduzierte Anzahl an Arbeiten durchgeführt werden muss (z. B. nur die Pflegestufen 1 bis 3 oder sogar nur 1 und 2 [vgl. Schmidt & Hofmann 2010]) oder die Pflegezeit gering ist. Was als gering einzuschätzen ist, wird unterschiedlich gesehen (Tab. 2). In der Auswertung, der im Projekt KukPiK generierten Zahlen, wird die Einschätzung von Schmidt (2013) mit 3 bis 7 Minuten pro Quadratmeter und Jahr als Grundlage genommen. Nach deren Einschätzung ist eine Pflanzung pflegeintensiv, wenn der Aufwand über 12 Minuten pro Quadratmeter und Jahr steigt.

Das Unkrautjäten macht einen großen Teil der Staudenpflege aus (vgl. Hüttenmoser, 2007, S. 57). Eine weitere wichtige Pflegemaßnahme ist der Winterrückschnitt der Stauden. Dennoch gibt es bisher kaum reine Angaben zu dessen Anteil am Pflegeaufwand. Oftmals ist dieser in den Pflegezeiten enthalten (vgl. Schmidt & Hofmann 2010). Hüttenmoser hat den Aufwand von Jäte- und Rückschnittzeiten (Sommer- und Winterschnitt!) getrennt aufgeführt, aber keine Entwicklung über mehrere Jahre dargestellt (vgl. 2007, S. 57). Verschiedene Faktoren wirken dabei auf den zeitlichen Aufwand, unter anderem die verwendete Technik (vgl. Zimmerling et al., 2023).

Um eine Staudenpflanzung pflegeextensiv zu gestalten, hilft es, von vornherein einen gewissen Stress aufzubauen (vgl. Eppel-Hotz et al., 2016, S. 20). Bekannt ist, dass ein nährstoffarmes Substrat und eine Mulchschicht helfen, den Pflegeaufwand zu reduzieren ((vgl. Schmidt, 2013 & Schönfeld, 2020).

Mulchschichten können aus organischen oder mineralischen Materialien bestehen (vgl. Bouillon, 2013, S. 163). Sie vermindern die Keimung unerwünschter Beiflora und reduzieren die Verdunstung und damit die Austrocknung des Bodens (vgl. Hertle, 1995 S. 181). Mulch mit Feinanteil, wie zum Beispiel Sand, kann das Keimen von Unkräutern oder von Zielarten aber auch fördern (Heinrich & Messer, 2017, S. 67; Hüttenmoser, 2020).

Versamung und Dynamik können ebenfalls helfen, den Pflegeaufwand zu reduzieren, da ausgefallene Pflanzen durch versamte Individuen ersetzt werden können. In diesem Fall muss die Pflanzung auf die Dynamik ausgelegt sein und die Unplanbarkeit akzeptiert werden (vgl. Schmidt & Hofmann, 2010). Dafür benötigt es allerdings einen hohen Ausbildungsstand der Pflegekräfte (vgl. Eppel-Hotz et al., 2016, S. 38).

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Abb. 2: 2Der Standort der artenreichen Staudenparzellen entspricht dem Lebensbereich trockenen Freifläche. Je nach Bepflanzung gibt es eine hohe bis mittlerer Dynamik. Foto: LVGA
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Tabelle 1: Übersicht der Pflegestufen nach Bouillon (2013, S. 203), gekürzt und verändert. Tabelle: LVGA
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Tabelle 2: Einstufung Pflegezeiten in extensiven und intensiven Aufwand. Abb.: LVGA

Wichtig ist der Blick auf die langfristige Entwicklung der Pflege von Staudenpflanzungen. Schmidt und Hofmann (2010) konnten in ihren 10-jährigen Datenreihen sehen, dass nach einer stabilen Zeit von drei bis fünf Jahren der Pflegeaufwand wieder zunahm. Eine Abnahme des Pflegeaufwandes in den ersten vier Standjahren konnten Kühn und Wachs (2023) (in Coppicing-Pflanzungen) beobachten. Dagegen konnte Hüttenmoser (2007, S. 59) keine Veränderung des Pflegeaufwandes in Staudenpflanzungen in den ersten fünf Jahren feststellen.

Wie haben sich die Pflegezeiten der ersten vier Jahre auf den Flächen des Projektes KukPiK von 2021 bis 2024 entwickelt? Sieht man einen Unterschied zwischen verschiedenen Mulchmaterialien und Substraten? Und kann man erkennen, ob sich Effekte des Klimawandels, zum Beispiel in Form von unterschiedlichen Niederschlagsmengen, auf den Pflegeaufwand auswirken?

Dabei muss vorab gesagt werden, dass diese hier vorgestellten Zahlen nur einen ersten Einblick geben und außerdem nicht global übertragen werden können.

Staudenparzellen des Projektes KukPiK

Erfasst wurden die Pflegezeiten auf zehn Staudenparzellen. Jede Staudenfläche hat eine Größe von 30 Quadratmetern. Angelegt als Schaugarten hat jede Parzelle andere Faktoren: Auf den zehn Parzellen gibt es drei Pflanzungen (Pflanzung A [zweimal], Pflanzung B [sechsmal], Pflanzung C [zweimal]).

Gepflanzt wurden diese abwechselnd in den anstehenden Boden (sandiger Schluff) und in ein Baumsubstrat (gem. FLL, auf Schieferbasis). Es kamen drei unterschiedliche Mulchmaterialien zum Einsatz, während eine Parzelle nicht abgemulcht wurde (P1) (Abb. 4). Die Flächen wurden im Mai 2021 gepflanzt und im Juni 2021 abgemulcht (vgl. Zimmerling et al., 2024).

Alle drei Pflanzungen können als artenreiche Pflanzung mit hoher bis mittlerer Dynamik beschrieben werden. Der Standort entspricht der trockenen Freifläche. Die Stauden wurden dementsprechend ausgesucht. Im Vergleich mit dem FLL-Objektartenkatalog Freianlagen liegt das Pflegeniveau oder Service-Level der Pflanzungen zwischen 2 und 3 (vgl. FLL, 2018).

Die Zeit wurde mittels einer Stoppuhr festgehalten. Dabei wurden alle Tätigkeiten separat erfasst und nach Bouillon (2013) in die fünf Pflegestufen sortiert (Tab. 1). Die Pflegearbeiten wurden durch das gut ausgebildete Pflegepersonal des KukPiK-Teams durchgeführt.

Laut dem Handbuch der Staudenverwendung fallen die auf den Flächen getätigten Arbeiten in die Pflegestufen 1 bis 4 (keine kosmetischen Maßnahmen) (vgl. Bouillon, 2013), wobei Arbeiten in der Stufe 4 nur einmalig 2024 und nur in Parzelle P1 erfolgten (vgl. Tab. 1).

Welche Entwicklung können wir sehen?

Betrachtet man alle Pflegezeiten der Jahre 2021 bis 2024, werden starke Schwankungen innerhalb der Jahre, jedoch keine klaren Tendenzen (Abb. 5) ersichtlich.

Versucht man eine Interpretation, kann man Folgendes sagen:

  • fünf Parzellen zeigten ihren höchsten Aufwand im ersten Jahr
  • vier dieser fünf Parzellen zeigten im zweiten Jahr ihren niedrigsten Aufwand
  • ab dem zweiten Jahr stieg der Aufwand bei acht von zehn Parzellen

Außerdem wird ersichtlich, dass der Wert von 7 Minuten pro Quadratmeter und Jahr, der eine Pflanzung als pflegeextensiv einstuft, mehrmals überschritten wurde. Im Jahr 2024 lagen fünf Parzellen über diesem Wert, jedoch wurde von keiner Parzelle die Zahl von 12 Minuten pro Quadratmeter und Jahr erreicht.

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Abb. 3: Die Pflegearbeiten bei KukPiK werden separat durchgeführt und mit der Uhr gestoppt.
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Abb. 4: Schematische Darstellung der Parzellen mit den jeweiligen Aufbauten (a. B. = anstehender Boden, Pflanzung A: 23 Arten, Pflanzung B: 21 Arten, Pflanzung C: 17 Arten). Grafik: David Zimmerling

Schaut man sich die gemittelten Zeitwerte aller Parzellen an, sieht man, dass der Gesamt-Pflegeaufwand von 2022 zu 2024 kontinuierlich zugenommen hat: Nach einem Anfangshoch in 2021 sank der Wert 2022, um dann wieder anzusteigen (Abb. 6). Dabei ist auffällig, dass der Aufwand des Jätens (grüne Linie) von 2021 bis 2024 abgenommen hat, aber 2022 und 2023 Schwankungen zeigte.

Dagegen haben die Werte der Pflegestufe 2 (rote Linie), hauptsächlich Winterrückschnitt, und 3 (blaue Linie), hauptsächlich Remontierschnitt, kontinuierlich zugenommen. Im Pflanzjahr 2021 wurden keine Arbeiten der Pflegestufe 1 durchgeführt.

Der Trend der Zunahme des Pflegeaufwandes lässt sich auch ablesen, wenn man die zwei Substratvarianten vergleicht: Alle gemulchten Parzellen (P2 – P10) verzeichneten ab 2022 eine kontinuierliche Zunahme der Pflegezeiten (Abb. 7). Ein Unterschied zwischen den Substraten besteht jedoch im ersten Jahr. 2021 lag der Pflegeaufwand in den Parzellen im anstehenden Boden (P2, P3, P6, P7 & P10) um circa das achtfache höher als bei den Baumsubstrat-Parzellen.

Von Mai 2021 zu 2022 sank der Aufwand aber um circa die Hälfte auf etwas mehr als 4 Minuten pro Quadratmeter und Jahr. 2024 erreichten beide Substrat-Varianten einen ähnlichen Wert um die 7 Minuten pro Quadratmeter und Jahr.

Das gleiche Bild zeigt sich auch, wenn man die ungemulchte Parzelle (P1) mit den gemulchten Parzellen (P2 – P10) vergleicht (Abb. 8). Einen Unterschied sieht man jedoch in 2023: Der Aufwand von P1 war in diesem Jahr etwa doppelt so hoch wie der der gemulchten Parzellen. 2023 war mit über 800 Millimeter Niederschlag, gemessen an der LVGA Großbeeren, ein überdurchschnittlich nasses Jahr. In der Vegetationsperiode März bis Oktober fielen über 500 Millimeter Niederschlag. Die gemulchten Parzellen zeigten eine kontinuierliche Zunahme des Gesamt-Pflegeaufwandes.

Anders sieht die Entwicklung aus, wenn man nur die Jätezeiten betrachtet: Werden diese separat angeschaut, wird ersichtlich, dass neben der ungemulchten Parzelle (P1) auch die Parzellen mit Estrichsand (P2 – P4) und Rindenhumus (P5 & P6) einen erhöhten Jäteaufwand im Jahr 2023 verzeichneten (Abb. 9). Nur die Parzellen, die mit Kalksplitt (P7 – P10) gemulcht wurden, zeigten einen gleichmäßigen Anstieg des Jäteaufwandes von 2021 bis 2024.

Mehr Aufwand aber unterschiedliche Quellen?

Werden die ersten vier Jahre der Pflanzungen betrachtet, ergibt sich nur ein klarer Trend: Der Pflegeaufwand hat zugenommen. 2024 wurde ein Wert erreicht, der an der Grenze eines Zeitwertes liegt, der als pflegeextensiv eingeschätzt werden kann. Weitere Trends sind nicht klar ablesbar, aber dennoch nicht weniger interessant.

Bemerkenswert ist der große Unterschied der Jätezeit im ersten Jahr in den Parzellen des anstehenden Bodens. Dies lässt sich durch einen hohen Diasporenanteil im Boden erklären. Darüber hinaus könnte auch das Mehrangebot an Nährstoffen im Vergleich zum Baumsubstrat (z. B. mehr als das Doppelte an Nmin) eine Einfluss gehabt haben (vgl. Zimmerling et al., 2024, S. 67).

Wenn die einzelnen Parzellen angeschaut werden, so scheint es "Gewinner" und "Verlierer" zu geben. Wobei es mehr Parzellen gibt, bei denen der Pflegeaufwand zugenommen hat. Nur bei den beiden in anstehenden Boden gepflanzten und mit Estrichsand gemulchten Parzellen (P2 & P3) nahm der Pflegeaufwand im Vergleich zum ersten Jahr ab. In den Parzellen, die in Baumsubstrat gepflanzt wurden (P1, P4, P5, P8 & P9), gab es eine zum Teil sehr starke Zunahme des Pflegeaufwandes von 2021 zu 2024, wobei der Aufwand für Tätigkeiten der Pflegestufe 3 einen großen Anteil der Zunahme ausmachte.

Diese Arbeiten betreffen vor allem den Remontierschnitt bei Salvia nemorosa 'Mainacht' (P3 – P8) und Alchemilla epipsila (P9 & P10), sowie den Rückschnitt der Fruchtstände bei Iris x barbata-elatior 'Lovely Again' (P1 & P2) und Iris pallida subsp. illyrica (P3 – P8). Das Wässern der Parzellen ist mit rund 0,7 Minuten pro Quadratmeter und Jahr vernachlässigbar.

Diese Arbeiten der Stufe 3 (Vitalität) machten 2024 fast die Hälfte aller Pflegemaßnahmen aus und der Aufwand lag nur knapp unterhalb des Jäteaufwandes (Abb. 6). Wenn man die Tätigkeiten der Stufe 3, die laut Literatur für pflegeextensive Pflanzungen nicht notwendig sind, komplett einstellen würde, könnte man anscheinend eine starke Reduzierung des Aufwandes erzielen: In 2024 würden dann alle Parzellen zum Teil weit unter der Marke von 7 Minuten pro Quadratmeter und Jahr liegen.

Ein anderer Ansatz zur Aufwandsreduzierung könnte sein, keine Arten zu verwenden, die von einem Remontierschnitt oder einem Nachblütenschnitt profitieren. Gerade Salvia nemorosa 'Mainacht' ist jedoch eine der Stauden, die im Projekt eine der längsten Blühzeiten und auch im Insektenmonitoring einen starken Beflug aufzeigt (vgl. Zimmerling et al, 2024, S. 52, siehe z. B. auch Corduan et al., 2023).

Auch die Tätigkeit in der Stufe 4 kann auf eine Art zurückgeführt werden: Scabiosa ochroleuca. Diese Tätigkeit wurde aber erst 2024 und nur in Parzelle P1 notwendig.

Erkennbar ist also, dass das Jäten nur eine von vielen Pflegemaßnahmen ist und andere Aufgaben eine hohe Auswirkung auf den gesamten Pflegeaufwand haben. So sieht man ebenso eine bisher stetige Zunahme des Aufwandes für den Staudenrückschnitt von 2022 bis 2024 (Abb. 6), der sich mit der kontinuierlichen Entwicklung der Pflanzungen im Projekt (Zunahme der Flächendeckung und Aufwuchshöhe) deckt.

Betrachtet man die Entwicklung der Pflegezeiten im Zusammenhang mit den Substrat-Mulch-Kombinationen, so ergibt sich derzeit ein Bild, das den Anschein gibt, dass die Variante anstehender Boden mit Estrichsand langfristig stabiler ist als die Entwicklung Baumsubstrat mit Kalksplitt. Wobei diese Einschätzung mit längeren Datenreihen untermauert werden muss. Interessanterweise sind die Parzellen P2 & P3 auch eine der günstigsten Varianten im Projekt, wenn die Materialkosten betrachtet werden (Tabelle 3).

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Abb. 5: Pflegzeiten der Parzellen P1 – P10 von 2021 bis 2024 aufgeteilt in die Pflegestufen 1 (Sauberkeit), 2 (Unkrautkontrolle), 3 (Vitalität) und 4 (Ordnung und Weiterentwicklung). Die gestrichelten Linien markieren die Zeiten, in denen Staudenpflanzungen laut Schmidt, 2013 als pflegeextensiv gelten. Oberhalb von 12 Minuten gelten Staudenpflanzungen demnach als pflegeintensiv. Grafik: David Zimmerling
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Abb. 6: Entwicklung der Pflegezeiten über die Jahre 2021 bis 2024 gesamt und aufgeteilt in die Pflegestufen 1 (Sauberkeit), 2 (Unkrautkontrolle) und 3 (Vitalität) (jeweils Mittelwert aller Parzellen). 2021 gab es keine Tätigkeiten der Pflegestufe 1. Tätigkeiten der Stufe 4 (Ordnung und Weiterentwicklung) gab es erstmals in 2024. Sie werden hier nicht dargestellt. Obere gestrichelte Linie = Grenze pflegeextensiv. Grafik: David Zimmerling
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Abb.7: Entwicklung der Pflegezeiten der gemulchten Parzellen P2 – P10 2021 – 2024 (jeweils Mittelwerte der Parzellen), sortiert nach Substraten (anstehender Boden: P2, P3, P6, P7, P10; Baumsubstrat: P4, P5, P8, P9). Obere gestrichelte Linie = Grenze pflegeextensiv. Grafik: David Zimmerling
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Abb. 8: Pflegezeiten der Parzellen P1 – P10 2021 – 2024 (jeweils Mittelwerte der Parzellen), sortiert nach ungemulcht (P1) oder gemulcht (P2 – P10) und der Niederschlag im Zeitraum März bis Oktober der Jahre 2022 bis 2024. Der Niederschlag 2021 wird nicht dargestellt, da erst im Mai gepflanzt und zur Sicherung des Anwachsens großzügig gewässert wurde. Ab 2022 erfolgte parzellengenau eine Notbewässerung. Obere gestrichelte Linie = Grenze pflegeextensiv. Grafik: David Zimmerling
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Abb. 9: Jäteaufwand der Parzellen P1 – P10 2021 – 2024 (jeweils Mittelwerte der Parzellen), sortiert nach verwendeten Mulchstoffen, und der Niederschlag im Zeitraum März bis Oktober der Jahre 2022 bis 2024. Der Niederschlag 2021 wird nicht dargestellt, da erst im Juni gemulcht und zur Sicherung des Anwachsens großzügig gewässert wurde. Ab 2022 erfolgte parzellengenau eine Notbewässerung. Obere gestrichelte Linie = Grenze pflegeextensiv. Grafik: David Zimmerling

Erwartungsgemäß haben die Parzellen mit Baumsubstrat und Kalksplitt die höchsten Materialkosten verursacht. Dazu sei gesagt, dass die Materialpreise sich aufgrund von Liefermenge und damit verbundenen Lieferkosten bei Projekten stark unterscheiden können.

Betrachtet man nur das erste Jahr und damit den Zeitraum der Fertigstellungspflege, kann der Einsatz von unkrautfreien Substraten aber dennoch interessant sein. Hier lohnt sich ein projektbezogener Vergleich der Lebenszykluskosten je Variante.

Inwiefern die Auswirkungen des Klimawandels (z. B.: Niederschlagsextreme, Trockenheit, Hitze) einen Einfluss auf die Pflege der Parzellen im Projekt haben, ist bisher nicht nachweisbar. Untersuchungen von Grünland zeigen, dass dort die Biomasseproduktion mit höherem Niederschlag zunimmt.

Aber auch die Dauer der Vegetationsperiode und Temperaturen nehmen Einfluss auf das Wachstum und damit die Pflege (vgl. Danius, 2021). Ein Zusammenhang zwischen den Schwankungen in der Niederschlagsmenge 2022/2024 und 2023 mit der Biomasseentwicklung konnte im Projektzeitraum nicht festgestellt werden. Sowohl die Aufwuchshöhe als auch der Deckungsgrad der Parzellen sind im Zeitraum 2021 bis 2024 kontinuierlich gestiegen.

Ob der erhöhte Jäteaufwand im Jahr 2023 in der ungemulchten Parzelle und den Parzellen mit Mulchstoffen mit Feinanteil mit der überdurchschnittlichen Niederschlagsmenge zusammenhing, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen. Derzeit geben die Zahlen von 2021 bis 2024 kein klares Bild, wie sich der gesamte Pflegeaufwand zwischen den Mulchstoffen verhält.

Was bedeutet das?

Der Pflegeaufwand der Parzellen ist innerhalb der ersten vier Jahre gestiegen.

Stress kann helfen, den Pflegeaufwand zu reduzieren. Zum Beispiel durch die Verwendung nährstoffarmer Substrate. In unserem Versuch hat sich aber gezeigt, dass sich die Pflegezeiten im Vergleich zum anfangs nährstoffreichen anstehenden Boden nach vier Jahren angeglichen haben. Ob dieser Trend bestehen bleibt, muss weiter beobachtet werden.

Die im Projekt gewählten Mulchschichten reduzierten den Pflegeaufwand in einer ähnlichen Art und Weise. Es macht den Anschein, dass die Mulchmaterialien aber unterschiedlich auf feuchte Witterung reagieren. Eine genauere Differenzierung bedarf ebenso weiterer Beobachtung und einer größeren Wiederholung. Auf Grundlage bisheriger Ergebnisse kann von der Verwendung von Baumsubstrat ohne Mulchschicht nur abgeraten werden.

Die Pflanzenauswahl hat einen Einfluss auf die Bandbreite der Pflegetätigkeiten und damit den Gesamtaufwand. Hier kann aber eine bewusste Entscheidung für die Reduktion von Maßnahmen entgegenwirken. Bei der Diskussion um Pflegeextensivierung darf daher nicht nur über den Jäteaufwand gesprochen werden.

Wichtig ist aber vor allem eins: Der Ausbildungsgrad der Pflegenden, mit denen jedes Gelingen oder Scheitern von Pflanzungen abhängt.

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Abb. 10: Der Remontierschnitt, wie zum Beispiel bei Salvia nemorosa 'Mainacht', sorgte 2024 für fast die Hälfte des Gesamt-Pflegeaufwandes in den Staudenparzellen. Kann man ihn weglassen oder . . .
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Abb. 11: . . . sollte man auf die Verwendung des Steppensalbeis sogar ganz verzichten? Dabei ist dieser Salbei nicht nur für den Menschen attraktiv.
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Abb. 12: Das Ziehen von Staudensämlingen war 2024 das erste Mal notwendig. Die sich stark vermehrende Scabiosa ochroleuca musste in der Parzelle P1 reduziert werden. Arbeiten in der Pflegestufe Ordnung und Weiterentwicklung benötigen einen hohen Ausbildungsgrad. Foto: LVGA
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Tabelle 3: Materialkosten der einzelnen Kombinationen ohne Berücksichtigung der Kosten für unter anderem Entsorgung und Einbau. Abb.: LVGA

Anmerkungen

Das Projekt Kleingehölze und krautige Pflanzen im Klimawandel (KukPiK) wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berlin aus dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030).

Projektlaufzeit: 1.11.2020 – 31.12.2025

Ich möchte mich bei allen aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projektes KukPiK für deren wertvollen Beitrag zum Projekt bedanken. Außerdem bedanke ich mich besonders bei:

Isabelle Schnabel für ihre stetige Hilfe bei der Datenerhebung, Dr. Andreas Winkler bei der Hilfe zur Überarbeitung der Grafiken und Prof. Dr. Norbert Kühn für die Motivation und seine Anmerkungen und Hinweise zu diesem Artikel.

Literatur

  • Bund deutscher Staudengärtner (BdS), o.J., https://t1p.de/wjxjm
  • B... für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (Hrsg.) (2017): Staudenmischpflanzung, 2. Auflage, Bonn.
  • Bouillon, J. M. (Hrsg.). (2013). Handbuch der Staudenverwendung: Empfehlungen für Planung, Anlage und Management von Staudenpflanzungen; 25 Tabellen. Ulmer.
  • Breloer, H., Junker, D., Klärle, M., Lay, B., Münstermann, D., Neumann, K., Steidle-Schwahn, A., Thieme-Hack, M., Thomas, J., & Ziegler, W. (2011). Grünflächen-Pflegemanagement: Dynamische Pflege von Grün (A. Niesel, Hrsg.; 2. Auflage). Ulmer.
  • Corduan, Daniela, Anita Grossmann, Anika Gathof, und Norbert Kühn. "Attraktive Staudenpflanzungen in urbanen Versickerungsmulden Optionen zur Klimaverbesserung und Biodiversitätsförderung". Stadt+Grün, Nr. 6 (2023): 22–28.
  • Danius, L. (2021). Auswirkungen des Klimawandels auf das Grünland – am Beispiel der Flachland- Mähwiese und Pfeifengraswiese. ANLiegen Natur, Laufen, 43(2), 47–58.
  • Eppel-Hotz, A., Felger, D., Henne, S., Hüttenmoser, B., Jaugstetter, B., Krause, G., Marzini, K., Murer, E., Schmidt, C., Schmidt, S., Schulte, A., Semmler, R., & Veser, J. (2016). Pflegereduzierte Grünflächen: Attraktive und wirtschaftliche Lösungen mit Stauden und Ansaaten. Forum Verlag Herkert GmbH.
  • Heinrich, A., & Messer, U. J. (2017). Staudenmischpflanzungen: Praxis – Beispiele – Tendenzen (2nd ed). Ulmer.
  • Hertle, B. (1995). Mulchmaterialien in Staudenpflanzungen. Beiträge zur Räumlichenplanung, Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur Universität Hannover.
  • Hüttenmoser, B. (2007). Staudenverwerndung im Öffentlichen Grün.
  • Hüttenmoser, B. (2020). Mischpflanzungen auf mineralischen Substraten. DEGA Galabau, 2, 55–56.
  • Kühn, N., & Wachs, D. (2023). Pflegeersparnis und Diversität durch Coppicing. Stadt+Grün, 12.
  • Schmidt, C. (2013). Innovative Konzepte für pflegereduzierte Pflanzungen im öffentlichen Grün Staudenmischpflanzungen. Stadt+Grün, (07).
  • Schmidt, C., & Hofmann, T. (2010). Pflegebedarf eine unbekannte Größe. DEGA Galabau, 3, 35–39.
  • Schonfeld, P., (2020): Substrate für Staudenpflanzungen, Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim
  • Zimmerling, D., Lenz, C., & Kaiser, D. (2024). Projektbericht der ersten Laufzeit 1.11.2020—31.12.2022 des Projektes Kleingehölze und krautige Pflanzen im Klimawandel. (KukPiK 1)—Anlage und Pflege eines Schau- und Sichtungsgartens. Eigen Verlag.
  • Zimmerling, D., Prinz, L., & Lenz, C. (2023). Welches Gerät eignet sich am besten? DEGA Galabau, 06, 48–50.
 David Zimmerling
Autor

Projektleiter Kleingehölze und krautige Pflanzen im Klimawandel (KukPiK) und Klimaanpassung Urbanes Grün Brandenburg (KLUG-BB)

Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik e. V. (LVGA)

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