Eine Gemeinschaftsaufgabe für Kommune und Stadtgesellschaft
Klimaanpassung und Starkregenvorsorge in Darmstadt
von: Christian Kotremba, David Fleischmann, Dr.-Ing. Sandra Sieber, Dr. Patrick Voos


Die Wissenschaftsstadt Darmstadt verfolgt im Starkregenrisikomanagement verschiedene Ansätze hinsichtlich Sensibilisierung, Schutz und Vorsorge und behandelt das Thema mit hoher Priorität. Die einzelnen Ansätze in Planung, Umsetzung und Öffentlichkeitsarbeit werden im Folgenden skizziert.
Die Klimakrise fordert zum Handeln
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit ihren knapp 170.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist aufgrund ihrer Lage an der Schnittstelle zwischen Odenwald und Oberrheinischer Tiefebene bereits heute deutlich von Klimarisiken betroffen. Trockenheit, Dürre, hohe Jahresmitteltemperaturen und Hitze treten hier gehäuft auf.
Doch auch Starkregenereignisse gehören zu den Klimarisiken, die in der Region aufgrund der fortschreitenden globalen Klimakrise mit einer größeren Häufigkeit und Intensität zu erwarten sind. Der Oberrheingraben wird auch zukünftig hinsichtlich des Auftretens von Folgen der Klimaerwärmung zu den hochvulnerablen Regionen Deutschlands zählen (vgl. Klimawirkungs- und Risikoanalyse für Deutschland, 2021).
Darmstadt ist eine der wenigen Großstädte Deutschlands ohne ein größeres Fließgewässer im Stadtgebiet. Kleinere Fließgewässer, wie die Modau, der Mühlbach oder der Darmbach durchfließen das Stadtgebiet von Ost nach West. Kleinere Hochwasser treten hier immer wieder auf und sind das Ergebnis von Starkniederschlägen im Stadtgebiet beziehungsweise im nahen Odenwald. Darüber hinaus wurde die Stadt in den vergangenen Jahren mehrfach von Starkregenereignissen getroffen, welche lokal zu Überflutungen im Stadtraum geführt haben, trotz der in weiten Teilen flachen Topografie.
Am 7. Juli 2025 ist letztmalig ein größeres Starkregenereignis mit lokalen Überflutungen und vollgelaufenen Kellern im Darmstädter Zentrum und vor allem im Norden der Stadt aufgetreten. Das im Stadtzentrum gelegene Einkaufszentrum "Luisencenter" beispielsweise war in den vergangenen Jahren mehrfach von Überflutungen betroffen. Das vermehrte Auftreten lokaler Starkniederschläge ist eine der direkten Folgen der globalen Klimakrise.
Großstädte, wie auch Darmstadt, sind über Jahrzehnte unter heute veralteten Leitbildern (z. B. autogerechte Stadt) entwickelt worden und zeigen daher aus heutiger Sicht hochproblematische strukturelle städtebauliche Defizite, die es nun gilt bestmöglich an die neuen Herausforderungen anzupassen.
Darmstadt weist im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größe mit knapp 58 Prozent innerhalb des bebauten Siedlungskörpers einen besonders hohen Versiegelungsgrad und damit auch im Innenstadtkern wenig Begrünung auf (vgl. Versiegelungsstudie GDV, 2023 & Stadtklimaanalyse Darmstadt). Dieser verstärkt den städtischen Wärmeinseleffekt, fördert Hitzeinseln und Oberflächenabflüsse im Zuge von Starkregen.
Stark versiegelte und baulich verdichtete Stadträume weisen im Allgemeinen aufgrund der reduzierten Versickerung und des erhöhten Oberflächenabflusses eine hohe Verwundbarkeit gegenüber Überflutungen auf. Daher gilt das Entsiegeln vollversiegelter Flächen im Verkehrs- und Straßenraum sowie auf Plätzen als die zentrale Maßnahme zur Starkregenvorsorge für die Wissenschaftsstadt Darmstadt. Eine jüngst gegründete verwaltungsinterne "Arbeitsgruppe Entsiegelung" beschäftigt sich derzeit mit potentiellen Entsiegelungsprojekten und soll diese effektiv von der Theorie in die Praxis führen.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt stellt sich den großen Herausforderungen der Klimakrise und hat mit dem Antrag "Höchste Priorität für Klimaschutz – Weltklima in Not – Darmstadt handelt" (Antrag SV 2019/0043) bereits am 19. September 2019 die Weichen hin zu mehr Klimaschutz und -anpassung gestellt. Gemäß dieser Beschlussfassung haben sowohl der Klimaschutz als auch die Klimaanpassung höchste Priorität im städtischen Handeln. Der vom Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung Ende 2025 beschlossene integrierte Klimaanpassungsplan bestärkt die Beschlusslage und stellt die Weichen für ein umfassendes und systematisches Vorgehen.
Klimaanpassung und Starkregenvorsorge als Gemeinschaftsaufgabe
Der integrierte Klimaanpassungsplan beinhaltet 20 zentrale Maßnahmen zur Förderung blau-grüner Infrastrukturen (vgl. Abb. 1), zum Ausbau des Schwammstadtprinzips sowie dem klimaangepassten Planen und Bauen in Bestand und Neubau. Im Kontext des Schwammstadtprinzips werden dezentral Flächen zur Regenwasserversickerung, –verdunstung und -rückhaltung mittels entsiegelter und begrünter Flächen, Retentionsmulden, Tiefbeeten, wasseroptimierten Baumscheiben (vgl. Abb. 2), Gründächern, wassergebundenen Wegeeindeckungen und multicodierten Flächen implementiert.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt versteht die Klimaanpassung inklusive Starkregenvorsorge als Gemeinschaftsaufgabe – sprich die Stadtgesellschaft ist bei der Umsetzung von Maßnahmen gefragt, damit diese in der Fläche wirksam werden können. Da die Kommune nur begrenzte Handlungsspielräume in der konkreten baulichen Vorsorge hat, bietet die Wissenschaftsstadt Darmstadt vielfältige Angebote und Leistungen für Bürgerinnen und Bürger sowie für ansässige Unternehmen an.
Diese umfassen kostenfreie Webanwendungen, wie hochauflösende Starkregengefahrenkarten oder ein bürgerorientiertes Gründach- und Entsiegelungskataster. Im Kontext der Regenwasserrückhaltung auf Privatgrundstücken werden Zisternen und Grauwasserrecyclinganlagen über Zuschüsse durch ein städtisches Förderprogramm angereizt.
Darüber hinaus veranstaltet die Stadt Klimarundgänge, Initialberatungen, stadtteilspezifische Workshops und Informationsveranstaltungen. Insbesondere die Informationsveranstaltungen zur Starkregenvorsoge hatten großen Zulauf. Broschüren wie die zum "Klima- und naturbewussten Planen und Bauen" und Flyer komplettieren das Angebot.
Ein stadtweites Starkregenfrühalarmsystem soll voraussichtlich ab Ende 2027 in Betrieb genommen werden und den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, die Zivilgesellschaft sowie Politik und Verwaltung frühzeitig vor Starkregenereignissen extremen Ausmaßes warnen und Einsatzabläufe des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes in deren Kontext optimieren. Das System wird im Rahmen der Maßnahme "Förderung smarter Kommunen und Regionen" mit Fördergeldern des Programms "Starke Heimat Hessen" des Ministeriums für Digitalisierung und Innovation des Landes Hessen gefördert.
Wie die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung angeht, wird nachfolgend an einigen lokalen Best-Practice-Beispielen aus baulicher Umsetzung, Planungskultur bei kommunalen (Hochbau-)Vorhaben sowie starkregenbezogenen Förder- und Informationsangeboten für die Zivilgesellschaft aufgeführt.
SUG-Stellenmarkt




Bauliche Umsetzung – Schwammstadtquartier Lincoln-Siedlung und multifunktionale Landschaftstreppe Ludwigshöhviertel
In Neubauquartieren findet das Schwammstadt-Prinzip in Darmstadt bereits seit vielen Jahren breite Anwendung in Planung und Praxis. Das im Darmstädter Süden gelegene urbane Wohnquartier "Lincoln-Siedlung" (eine Konversionsfläche) mit einer Größe von knapp 25 Hektar und Wohneinheiten für rund 5000 Menschen, wurde ab 2014 in Gänze als Schwammstadtquartier entwickelt: 100 Prozent des anfallenden Regenwassers werden vor Ort und ohne Einbindung der Kanalisation zurückgehalten und versickert.
Durch die örtliche Versickerung wird zudem die Kanalisation in den angrenzenden Stadtgebieten entlastet und somit auch die Gefahr durch starkregeninduzierte Überflutungen gemindert. Hierzu wurden zahlreiche Anlagen, wie Versickerungsmulden (vgl. Abb. 3), Tiefbeete, Grünflächen, wasseroptimierte Baumscheiben und begrünte Dächer auf den Wohneinheiten und Fahrradabstellplätzen umgesetzt. Das Neubauquartier weist generell einen niedrigen Versiegelungs- und Bebauungsgrad auf. Parkplatzflächen wurden vielfach mit versickerungsfähigen Pflasterbelägen ausgestattet.
Das derzeit noch im Bau befindliche, 34 Hektar große Wohnquartier "Ludwigshöhviertel" (eine weitere Konversionsfläche) wird ebenfalls mit Schwammstadtelementen entwickelt und bietet zukünftig etwa 3100 Menschen Wohnraum in einer grünen Umgebung mit einer natürlichen Landschaftstreppe, welche die Ausläufer des Odenwaldes aufgreift (siehe Abb. 4).
Teilbereiche der Landschaftstreppe werden als Flächen für die Regenwasserbewirtschaftung im Gebiet genutzt. Großflächige begehbare Versickerungsmulden nehmen bei Bedarf das Regenwasser aus dem Quartiers-Carré sowie aus angrenzenden Wohnquartieren auf. Um das Quartier vor übermäßiger Hitzebelastung zu schützen, wurde bereits in frühen Planungsphasen die Gebäudestellung anhand von Kleinklimasimulationen, mit dem Ziel der Sicherung lokaler Kaltluftströme, optimiert.
Durch die breite Umsetzung des Prinzips der Schwammstadt wird sowohl die örtliche Verwundbarkeit gegenüber Überflutungen im Zuge von Starkregen wie auch gegenüber Hitze und Überwärmung in den beiden Quartieren signifikant gemindert.
Planungskultur – Klimavorbehalt bei kommunalen Bauvorhaben
Auch bei städtischen Bauvorhaben im Hochbau wird die Klimaanpassung stets über den sogenannten "Klimavorbehalt" mitgedacht – und soll laut integriertem Klimaanpassungsplan in den kommenden Jahren sukzessive auf weitere Bereiche, wie die Stadtplanung und den Tiefbau ausgebaut werden. Der Klimavorbehalt prüft mittels einer zweistufigen Klimarelevanzprüfung (siehe Abb. 5) die Auswirkungen von städtischen Bauvorhaben und Magistratsvorlagen auf das Stadtklima und die Treibhausgasbilanz. Ziel der Prüfung stellt die gemeinsame Umsetzung einer "klimaoptimierten Lösung" dar. Im Kontext der Klimaanpassung sind unter anderem folgende Kriterien im Kriterienkatalog hinterlegt:
- Naturnahe Gestaltung der Außenflächen durch umfangreiche Begrünung
- Geringe Versiegelungsgrade bei unbebauten Grundstücksflächen
- Speicherung von Dachflächenwasser mittels Zisternen und Nutzung des Regenwassers als Brauchwasser
- Lokale Versickerung von ungenutztem Regenwasser auf dem Grundstück
- Entwicklung der unbebauten Bereiche nach dem Schwammstadtprinzip
- Verwendung von wasserdurchlässigen Oberflächenbefestigungen im Bereich von Einfahrten und Stellplätzen


Förderprogramm Zisternen und Grauwasserrecyclinganlagen
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt unterstützt den privaten Regenwasserrückhalt sowie die Nutzung von Regenwasser durch ein Förderprogramm für Zisternen und Grauwasserrecyclinganlagen. Die Förderhöhen sind dabei gestaffelt und richten sich nach Zisternenvolumen respektive zusätzlicher Nutzung als Grauwasser.
Ziele des Förderprogramms sind die Schonung natürlicher Wasserressourcen, die Entlastung von Abwasserkanälen, die Entschärfung von Abflussspitzen und somit auch die Verminderung lokaler Überschwemmungen im Zuge von Starkniederschlägen.
Zusätzlich lohnt sich der Einbau von Zisternen und Brauchwasseranlagen durch die Einsparung von Niederschlagsabwassergebühren und Kosten für Trinkwasser.
Das gesammelte Regenwasser und nach Aufbereitung auch das Grauwasser eignen sich etwa zur Gartenbewässerung und mit entsprechender technischer Gebäudeausrüstung auch für die Verwendung in WC-Spülung und Waschmaschine (vgl. Abb. 6). Förderberechtigt sind neben Privatpersonen auch kleinere und mittlere Unternehmen, Vereine, Stiftungen, Organisationen und Körperschaften.
Gründach- und Entsiegelungspotenzialkataster
Das Webkataster richtet sich in erster Linie an die Bürgerschaft und war bei der Einrichtung im Jahr 2021 eines der ersten seiner Art in Deutschland. Mit Hilfe der Online-Kartenanwendung (vgl. Abb. 7) können Bürgerinnen und Bürger ganz einfach per Mausklick erkennen, wo Potenziale zur Entsiegelung und Dachbegrünung auf dem eigenen Grundstück oder Gebäude vorhanden sind.
Zugleich werden die potenziell eingesparten Abwassergebühren sowie weitere Faktoren, wie die zurückgehaltene Niederschlagsmenge oder das Feinstaubbindevermögen angezeigt. Individuell an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Pflanzlisten geben Anregungen und Tipps für die Begrünung der Dachflächen. Zur Entsiegelung von Hofflächen, Vorgärten oder Parkplätzen werden wasserdurchlässige Befestigungsarten empfohlen. Die Onlineanwendung ist inzwischen ein bewährtes Werkzeug zur Sensibilisierung für die Themen Entsiegelung und Dachbegrünung.
Onlineanwendung Starkregengefahrenkarten
Um die potenzielle Gefährdung im Stadtgebiet durch Überflutungen im Zuge von Starkregenereignissen zu ermitteln, wurden im Auftrag des Amts für Klimaschutz und Klimaanpassung der Wissenschaftsstadt Darmstadt hochauflösende Starkregengefahrenkarten (vgl. Abb. 8) in Zusammenarbeit mit dem Büro Dahlem Beratende Ingenieure erstellt.
Die für die Bürgerschaft kostenfreie Onlineanwendung zeigt Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten bzw. Fließrichtungen von Oberflächenwasser für verschiedene Niederschlagsszenarien mit statistischen Wiederkehrzeiten von 30 Jahren (35,6 mm/1 h), 100 Jahren (44,5 mm/1 h) und größer 100 Jahren (RADKLIM, variierend, circa 30 bis 100 mm/1 h) sowie für ein zusätzliches Klimaszenario mit Klimawandelaufschlag (108 mm/1 h).
Dieses Zusatzszenario begründet sich in der Annahme der fortschreitenden Klimaerhitzung und der physikalischen Gegebenheit, dass wärmere Luftmassen mehr Feuchtigkeit aufnehmen können – mit jedem Grad erhöht sich der Sättigungsdampfdruck der Atmosphäre um 7 Prozent. Somit hat die Luft das Potential mehr Wasserdampf aufzunehmen und lokal abzuregnen. Es ist davon auszugehen, dass mit der fortschreitenden Klimakrise die Jährlichkeiten respektive Wiederkehrzeiten für Extremwetterereignisse in der Realität häufiger auftreten, als die üblichen Jährlichkeiten implizieren.
Das RADKLIM-Szenario basiert auf einem in jüngerer Vergangenheit im Darmstädter Stadtgebiet bereits aufgetretenen Ereignis. Die Karten zeigen teils hohe lokale Gefährdungen durch Überflutungen im Stadtraum. Neben den allgemein für die Zivilgesellschaft zugänglichen Gefahrenkarten wurden darüber hinaus besonders von Überflutungen gefährdete Risikoobjekte identifiziert sowie ein Handlungskonzept mit gezielter Ausweisung kommunaler Maßnahmen erarbeitet.
Die Bewerbung der Starkregengefahrenkarten erfolgte im Frühjahr 2025 über drei Informationsveranstaltungen. Die insgesamt sehr gut besuchten Veranstaltungen lassen darauf schließen, wie groß das Interesse an der Starkregenvorsorge in der Zivilgesellschaft ist, die von Starkregenereignissen am unmittelbarsten betroffen ist. Dies wird auch durch die hohe Anzahl an Rückfragen aus der Bürgerschaft im Nachgang zu den Veranstaltungen bekräftigt.
Aufbau eines Starkregenfrühalarmsystems
Derzeit wird durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt ein Starkregenfrühalarmsystem aufgebaut. Dieses soll ab Ende 2027 frühzeitig vor starkregeninduzierten Überflutungen (wie im Schlossgraben, Juli 2025, Abb. 9) warnen und somit Risiken für Leib und Leben reduzieren. Zur Verwirklichung des Projekts wird eine breite Messsensorik mit Bodenfeuchte- und Niederschlagssensoren, Kanalwächtern und Pegelmessern im Stadtgebiet und den angrenzenden Landkreisen ausgebracht.
Die erfassten Daten der Sensoren werden hierbei mit bestehenden Wetterdaten verknüpft. Über ein autark entwickeltes Starkregenfrühalarmsystem mit Schnittstellen wird die Anbindung zur bereits bestehenden urbanen Datenplattform geschaffen.
Die Warnung wird über abgestufte Warnhierarchien mittels Apps und Dashboards für relevante Nutzergruppen (u.a. Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung & Politik, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz) erfolgen. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt möchte durch das Projekt die Chance nutzen eine Vorreiterrolle im Kontext der nationalen Starkregenvorsorge einzunehmen.

Nationale und globale Entwicklungen – lokale Auswirkungen
Aktuell befindet sich die Menschheit an einem Scheideweg. Nur die strikte Einhaltung der in 2015 gesetzten Paris-Ziele mit einer Erwärmung der Erde um 1,5 beziehungsweise maximal 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau würde eine effektive und bezahlbare Klimaanpassung auf kommunaler Ebene ermöglichen. Hierzu bedarf es einen dringlich benötigten globalen Kraftakt zur Absenkung der Treibhausgase – sprich einen weltweit gelebten Klimaschutz. Wenn dieser global nicht erfolgt, werden lokal die Folgen der Klimakrise immer schwerer zu bewältigen sein.
Inwieweit die Darmstädter Maßnahmen zur Starkregenvorsorge erfolgreich sein werden, wird neben den globalen Entwicklungen maßgeblich von den kommunalen Herausforderungen abhängig sein. Die größte kommunale Herausforderung zur breiten Etablierung von Anpassungsmaßnahmen ist deren Finanzierung, in Darmstadt wie in anderen Kommunen. Klimaanpassung versteht sich zudem als Jahrhundertaufgabe, bei der es darum geht, Städte nachhaltig und zukunftsorientiert sowie über klassische Disziplinen und Verwaltungsstrukturen hinweg zu denken.
Damit dieser Prozess gelingen kann, bedarf es unter anderem einer Finanzierungssicherheit der Kommunen. Derzeit zählt die Klimaanpassung neben dem Klimaschutz weiterhin rechtlich zu den freiwilligen Aufgaben. Die Unsicherheit bei der Finanzierung wird verstärkt durch Förderprogramme, die in unregelmäßigen Abständen aufgelegt werden und zunehmend komplexere Anforderungen aufweisen.
Dazu kommt der personelle Ressourcenmangel. In diesem Spannungsfeld sind Klimaschutz und Klimaanpassung Abwägungsbelange, welche häufig gegenüber anderen Pflichtaufgaben nachstehen. Eine Erklärung der beiden Themenfelder zur kommunalen Pflichtaufgabe ist zeitnah dringlich erforderlich. Eine solche Einstufung würde die Dringlichkeit von Klimaschutz und Klimaanpassung anerkennen und die notwendige Handlungssicherheit schaffen.
Nur so kann eine fördermittelunabhängige Grundfinanzierung für den kommunalen Klimaschutz und die Klimaanpassung, eine bessere personelle Ausstattung und eine Priorisierung von Klimaschutz und Klimaanpassung in Abwägungsprozessen zwischen konkurrierenden kommunalen Aufgabenfeldern erreicht werden.
Gleichzeitig bleibt Klimaanpassung (inkl. Starkregenvorsorge), wie eingangs beschrieben, eine Gemeinschaftsaufgabe, da der Hauptanteil der betroffenen Flächen in einer Kommune private Flächen sind. Insofern muss auch ein dringender Appell an Grundstücksbesitzende gerichtet werden, private Liegenschaften im Sinne des Artikels 14 Abs. 2 des Grundgesetzes (GG) an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen.
Im Kontext der privaten Starkregenvorsorge besagt das Wasserhaushaltsgesetz (§ 5 Abs. 2 WHG), dass jede potenziell vom Hochwasser betroffene Person "[ . . . ] im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet ist, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen."
Hier sind die aufgeführten Instrumente, wie das Gründach- und Entsiegelungskataster, interaktive Starkregengefahrenkarten oder auch Beratungsangebote zentrale Informationsquellen, die Grundstücksbesitzende zur Eigenvorsorge befähigen (vgl. Abb. 10).

Angebote und weiterführende Informationen
- Webseite des Amtes für Klimaschutz und Klimaanpassung (Stadtklimaanalyse & Kartenwerke, u.a. Versiegelungsgrad, Klimaanalysekarte, Live-Wärmekarten)
- Integrierter Klimaanpassungsplan
- Broschüre "Klima- und naturbewusstes Planen und Bauen"
- Onlineanwendung Starkregengefahrenkarten
- Onlineanwendung Gründach- und Entsiegelungskataster
- Förderprogramm Zisternen und Grauwasserrecyclinganlagen
- Informationen zur Lincoln-Siedlung
- Informationen zum Ludwigshöhviertel
Alle zugehörigen Links unter:
https://stadtundgruen.de/q/?25
Literatur
- Umweltbundesamt (2021): Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland. 121 S.
- Wissenschaftsstadt Darmstadt (2025): Integrierter Klimaanpassungsplan der Wissenschaftsstadt Darmstadt. 152 S.
- Gesamtverband der Versicherer (2023): Versiegelungsstudie: Ludwigshafen ist die am stärksten versiegelte Stadt in Deutschland. Webseite: siehe https://stadtundgruen.de/q/?25
- Wissenschaftsstadt Darmstadt (2025): Stadtklimaanalyse für die Wissenschaftsstadt Darmstadt. 101 S.
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