Interdisziplinäre Planung und Innovationswille gefragt

Eine neue Wasserkultur braucht eine andere Planungskultur

von ,

Fotos und Abbildungen: Gerhard Hauber, Atelier Dreiseitl

So kann Infrastruktur auch aussehen – See mit Retentionsvolumen für ein 5-jähriges Regenereignis in Winnenden.

Die Wasserver- und entsorgung, sowie der Umgang mit Regenwasser in unseren Siedlungen entwickelten sich über viele Jahrzehnte zu einer rein technischen Aufgabe der Infrastrukturplanung und in einer wachsenden Anzahl von Kommunen zu einem eigenständigen Infrastrukturbetrieb. Das zugrundliegende Paradigma besteht darin, erprobte Technologien an den Stand der Technik und die Umweltgesetzgebung anzupassen. Das Ziel ist, die bestehende Infrastruktur weiter zu erhalten, zu ertüchtigen und große Anschlusszahlen zu erreichen, um die hochinvestiven Kosten für die Erneuerung und den Betrieb im Griff zu behalten. Das Ergebnis ist ein leistungsfähiges und in den vorgegebenen Funktionsgrenzen komfortables Wasserinfrastruktursystem, das weltweit hohes Ansehen genießt.

Trotz der im Detail ausgefeilten Technologien, der DIN-genormten Bauausführung, der Verwendung DIBt-geprüfter Baustoffe, der Einhaltung und Kontrolle strenger Planungsabläufe und Genehmigungsverfahren kommt das bestehende System an ökonomische, ökologische aber auch soziale Grenzen der Belastbarkeit. Klimawandel, demografischer Wandel und ökonomische Zwänge beschäftigen seit Jahren schon die Ingenieurswissenschaft. Gesucht werden Lösungen für die Anpassung der Infrastruktur an die Herausforderungen "der Zukunft". Jedoch ist die Zukunft an manchen Orten schon Gegenwart, und überzeugende und machbare Lösungen sind noch nicht gefunden oder weit davon entfernt, hoffnungsvolle "Laborergebnisse" in der breiten Masse anwenden zu können.

In der medialen Wahrnehmung gehen die ernsthaften Probleme in der verborgenen Welt der unterirdischen Infrastruktur unter. Bei Flusshochwässern oder Sturzfluten durch Starkregen wird der Schaden als Versicherungsfall und zeitlich begrenzter Katastrophenzustand bewertet. Die Ursache wird an der unzureichenden Infrastruktur festgemacht. Es geht um Abdichtung von Türen und Kellerfenstern, die Erhöhung der Pumpenkapazität und Verminderung der Verstopfungsgefahr von Gullys und Rechen an Durchlässen.

Die massive Versiegelung unserer Stadtlandschaften geht weiter. Der Ausbau von Deichen und Hochwasserschutzwänden, Vergrößerung von Kanälen und großen Regenwasserrückhaltebecken bringt zwar eine lokale Verbesserung, führt aber zu einer Verlagerung und Verschärfung des Problems flussabwärts, wie am Beispiel der extremen Elbehochwasser 2002, 2006 und 2013 zu sehen. Die Nachrechnung von bereits sanierten und erneuerten Kanalisationen inklusive ihrer ausgebauten Rückhaltebecken belegen, dass die Versagenshäufigkeit zunehmen wird.

Eine nur auf Anpassung der Infrastruktur ausgelegte Strategie ist aus unserer Sicht nicht ausreichend, um langfristig die Ver- und Entsorgungssicherheit, den Überflutungsschutz in unseren Städten und die Wassergüte und Verfügbarkeit der natürlichen Wasserressourcen zu erhalten.

Was wir brauchen, ist eine Wasser- und Planungskultur. Wie gehen wir mit Wasser in unseren Städten und unserer Landschaft um? Wasser darf nicht länger nur als Ver- und Entsorgungsaufgabe gesehen und in alleiniger Verantwortung der Infrastrukturabteilung behandelt werden. Wasser ist ein Kulturgut, das wir nicht nur zum Überleben im Sinne von Trinken und Verdauen benötigen. Freien Zugang zu sauberem Wasser eingebettet in einer natürlichen oder lebenswert gebauten Umgebung braucht jeder Mensch, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Nicht umsonst sind oft die teuersten und begehrtesten Bauplätze am Wasser gelegen.

Mit dem heutigen Wissen und den, wenn auch oft begrenzten, ökonomischen Voraussetzungen, kann für alle diese hohe Lebensqualität heute schon Wirklichkeit werden. Wenn wir es schaffen, adaptive, integrierte Infrastrukturkonzepte anzuwenden. Wenn wir vom Silodenken wegkommen, wenn sich politische Entscheidungsträger, Bauherren, Genehmigungsbehörden, Betreiber, Stadtplaner, Architekten, Freiraumplaner, Infrastrukturplaner, Ärzte, Umweltschützer, Künstler, und andere verantwortlich fühlen für die Entwicklung einer lebenswerten und nicht nur einer technisch funktionierenden Stadt.

Für alle Beteiligten werden die ökonomischen Vorteile dabei sehr schnell sichtbar. Sozioökonomische Studien belegen, dass eine gesunde, lebenswerte Umgebung stressbedingte Krankheiten reduziert, dass der Erhalt der biologischen Vielfalt, zum Beispiel in Gewässern, eine Gen-Datenbank für die Zukunft darstellt und hilft, Klimastress in den Städten abzumildern, oder, wie das Beispiel der "Cloudburst-Strategie in Kopenhagen zeigt, Kosten für Reparaturen durch Überflutungsschäden dramatisch gesenkt werden. Die gesellschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand, allerdings spürt der städtische Entsorgungsbetrieb das nicht in seiner Jahresbilanz, wenn weniger Menschen zum Arzt gehen.

Scharnhauser Park: Blick auf die Landschaftstreppe, die auch zur Regenwasser-Bewirtschaftung dient.

Scharnhauser Park: Lageplan mit Regenwasserkonzept.

Scharnhauser Park Baumhain: Eine multifunktionale Nutzung ist möglich: Bei Trockenwetter sind es Spielflächen, bei Regenwetter Retentionsvolumen.

Politische Führung muss eingefordert werden

Deshalb ist politische Führung angezeigt, die durch uns, die Fachleute und unsere Organisationen eingefordert werden muss. Es ist Zeit, sich zu koordinieren und massiv für eine gänzlich neue Planungs- und Baukultur zu werben. Eine Anpassung der Stadtplanung und Neuordnung der Verantwortungsbereiche erfordert eine Gleichbehandlung und objektive Bewertung der jeweiligen Interessen aller Fachbereiche, die bei der Stadtentwicklung und Infrastrukturplanung beteiligt sind.

Und es wird nicht nur diskutiert, es gibt viele Pilotprojekte zu den unterschiedlichsten Themen eines urbanen Wassersystems. Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ist in immer mehr Städten und Gemeinden Alltag und es wird intensiv geforscht, zum Beispiel das Verbundprojekt INIS - "Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für ein e zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung" des BMBF, www.bmbf.nawam-inis.de/de/node/1.

Die Stadt Hamburg hat dieses Thema als eine der wesentlichen Zukunftsaufgaben definiert und erkannt, dass die Stadt ohne eine integrative Betrachtung und ernsthafte Entwicklung von Lösungen ihre Zukunft gefährdet. Quelle: www.risa-hamburg.de/index.php/hintergrund-ziele.html.

Es gibt also viele Initiativen und Anstrengungen auf den verschiedensten Ebenen. Es gibt auch die notwendigen Erkenntnisse, Lösungen und Erfahrungen, aber im Alltag und in der Umsetzung einer anderen, flexibleren und stärker integrierten Wasserkultur gibt es immense Hindernisse. Die breite Masse an Projekten wird weitgehend gebaut, wie man immer gebaut hat und bringt uns deshalb keinen Schritt weiter.

Anspruchsvoll gestartetes Projekt immer weiter erodiert

Wir selbst erleben einfach zu oft, wie ein anspruchsvoll gestartetes Projekt im Lauf des Verfahrens immer weiter erodiert, um am Ende nur noch wenig Innovation übrig zu lassen. Mit unserer über 30-jährigen Erfahrung und vielen gebauten Projekten können wir sehr oft innovative Lösungen durchsetzen. Aber der Aufwand ist immens und benötigt großes strategisches Geschick, sehr viel Kommunikation und Einfühlungsvermögen in die "politische" Dynamik des jeweiligen Projektes. Das darf nicht der Normalfall sein. Es müssen andere Zielvorgaben, Verfahren und Leitlinien erarbeitet werden, die innovative Ansätze und gleichzeitig den Fokus einer lebenswerten Stadt/Gemeinde noch stärker ins Zentrum des Handelns stellen.

Im Folgenden sind drei Projekte aus unterschiedlichen Regionen, Zeiten, Zielen, Größen und Randbedingungen dargestellt. Diese Projekte zeigen innovative Planungen in der Praxis. Es wird dabei kurz auf die Ziele, den Planungsablauf und die erreichten Ergebnisse eingegangen, um am Schluss auf Vorschläge für das Erreichen einer neuen Planungskultur einzugehen.

Scharnhauser Park Landschaftstreppe: Auch hier gibt es eine multifunktionale Nutzung, bei Regenwetter Retentionsvolumen.

Scharnhauser Park: Während eines Starkregens kann über die Landschaftstreppe ein Regenvolumen von 15 000 Kubikmeter zurückgehalten werden.

Integrierter Wasser- und Freiraumgestaltungsplan in Arkadien Winnenden

Projekt 2: Arkadien Winnenden

Zentrales und konsequent oberflächiges und sichtbares Regenwasserbewirtschaftungssystem mit dem Ziel einen eigenständigen Charakter des Freiraums zu entwickeln, sowie Schutz und ökologischer Umbau der Zipfelbachaue

Fakten:

Gesamtfläche 3,4 Hektar

Bauherr: Strenger Bauen und Wohnen GmbH

Planung und Gestaltung: 2006-2007

Bauausführung: 2007-2010

Basierend auf der Gartenstadtidee, aber modifiziert und modernisiert, entstand in der Siedlung Arkadien Winnenden mehr als nur eine traditionelle Siedlung - sondern ein Lebensraum. Das Quartier präsentiert sich als eine Einheit, die üblichen Grundstücks- und Trennungslinien sind aufgelöst. Übergänge zwischen öffentlichen- und halböffentlichen Flächen sind fließend und immer wieder durchsetzt mit vielfältigen Pocketparks, die Nachbarschaft und Kommunikation fördern. Die Grünräume der Siedlung sind direkt mit dem übergeordneten Auenbereich des Zipfelbaches vernetzt, auch um das Regenwassersystem zu vernetzen. Zentrum und Siedlungsmitte ist die Seekaskade aus Ober- und Untersee, gespeist aus dem frischen Wasser der vorhandenen Grundwasserfassung und überstaubar zur Retention von größeren Regenereignissen. Das Regenwasser ist ständig präsenter und sichtbarer Begleiter. Oberflächig geführt, gesammelt und in Biotopen gereinigt wird es der sensiblen Zipfelbachaue als dringend notwendige Nachspeisung zugeführt.

Die Hauptziele des ökologischen Wasserkonzeptes sind:

  • Annäherung an die natürliche Wasserbilanz der Landschaft entsprechend der örtlichen Verhältnisse durch Förderung des Verdunstungsanteils in offen geführten Ableitungsmulden, Rinnen, dauergestauten Wasserflächen und temporären Retentionsmulden in der Siedlungsaue. Die Versickerung steht hier nicht im Vordergrund, da der Boden sehr lehmig ist. Dennoch wird sich auch hier eine Verbesserung für das Grundwasser gegenüber der vorherigen großflächigen Versiegelung ergeben.
  • fünfjährige Rückhaltung des Oberflächenabflusses aus der Siedlung und gedrosselte Einleitung (90 Prozent Reduktion der Abflussspitzen) in den Zipfelbach
  • 100 Prozent Behandlung und Reinigung der Regenwasserabflüsse aus der Siedlung vor der Einleitung in den Zipfelbach
  • 90 Prozent Abkopplung vom bestehenden und überlasteten Mischwassersystems und Aufbau eines Trennsystems und damit Reduzierung der Mischwasserentlastung in den Zipfelbach.
  • Verbesserung der Gewässergüte und Hochwassersituation im Zipfelbach durch Renaturierung des Bachbetts und Aufweitung der Bachaue

Planungsablauf

Durch die Zusammenarbeit mit dem Entwickler bei zwei vorherigen Projekten war ihm das integrierte Regenwassersystem bekannt. Er kannte die Abläufe und musste nicht mehr überzeugt werden. Die Stadt Winnenden war interessiert und offen, aber mit einer vorsichtigen Skepsis behaftet.

Während des Durcharbeitens des Systems, das ja inzwischen von der Stadt übernommen wurde, überzeugten die sichtbare Nachhaltigkeit, die Freiraumqualität als auch die Verbesserung des Schutzes des angrenzenden Zipfelbaches. Jetzt nach Fertigstellung wird das Projekt auch von der Stadt als Vorzeigeprojekt für die nachhaltige Entwicklung von Winnenden verwendet. Lediglich der See gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen, weil seine Wartung und Pflege mehr Aufwand erfordert als eine Wiesenfläche, aber seine Qualitäten sind unbestritten.

Die neue Infrastruktur in Winnenden bietet neuen Lebensraum – etwa für Fischreiher.

Das Regenwassermanagement in Winnenden als Spiel- und Erlebnisraum für Kinder.

Das Planungsgebiet in Pfaffenhofen – eingebettet in eine Hügellandschaft.

Pfaffenhofen: Integration von Landwirtschaft, Wohnen und Arbeiten an einem Ort.

Projekt 3: Eco-Quartier Pfaffenhofen

Ein integriertes Wasserkonzept wird realisiert durch die getrennte Sammlung, Reinigung und Wiederverwendung von Regen- Grau- und Schwarzwasser. Es gibt ein zentrales und konsequent oberflächiges und sichtbares Regenwasserbewirtschaftungssystem, den Schutz des Schindelhauserbaches und die Entlastung der Hochwassersituation in Pfaffenhofen.

Fakten:

Gesamtfläche 20 Hektar

Bauherr: Ökologisches Zentrum Pfaffenhofen GmbH & Co.KG

Planung und Gestaltung: 2007-2011

Bauausführung: 2007-2016

Angespornt und gefördert von einem Bauherrn mit höchsten Nachhaltigkeitszielen konnte im Rahmen des Eco-Quartiers Pfaffenhofen ein Projekt umgesetzt werden, das in dieser Konsequenz seinesgleichen sucht. Angeschlossen an den vorhandenen Bio-Bauernhof und eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des bayerischen Hopfenanbaugebietes Hollertau, entstand und entsteht hier ein Wohn- und Gewerbegebiet für etwa 450 Einwohner. Energie wird zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen gewonnen, ein Nahwärmenetz, aus einem BHKW gespeist, versorgt die Bewohner mit Wärme und Strom. Regenwasser wird dezentral innerhalb der Siedlung bewirtschaftet und ist allgegenwärtig und sichtbar im privaten und öffentlichen Raum. Es wird zudem in Zisternen gesammelt und zur Nachspeisung eines Brauchwassersystems genutzt. Grauwasser wird getrennt gesammelt, in einer Pflanzenkläranlage gereinigt und ebenfalls für die Einspeisung in das Brauchwassersystem zwischengespeichert. Das Schwarzwasser, wie auch alle organischen Abfälle, sollen in absehbarer Zukunft in einer Terra Preta Anlage zu einem Boden fermentiert werden. Dieser soll dann in einem Agroforstsystem ausgebracht und die dadurch produzierte Biomasse ebenfalls zu Terra Preta fermentiert werden, welches als hochqualitatives Verkaufsprodukt eine neue Einkommensquelle für den Betreiber darstellen könnte. Viele Kreisläufe wie Energie, Wasser und Nährstoffe sind weitgehend geschlossen und auch auf Gebäudeebene werden hohe Energiestandards (mindestens Passivhausstandard) gefordert und gebaut.

Die Hauptziele des ökologischen Wasserkonzeptes sind:

  • Annäherung an die natürliche Wasserbilanz der Landschaft entsprechend der örtlichen Verhältnisse durch Förderung des Verdunstungsanteils in offen geführten Ableitungsmulden, Rinnen, dauergestauten Wasserflächen und temporären Retentionsmulden in der Siedlungsaue.
  • zehnjährige Rückhaltung des Oberflächenabflusses aus der Siedlung und gedrosselte Einleitung (90 Prozent Reduktion der Abflussspitzen).
  • Schutz des Schindelhauser Baches vor Überflutung und 100 Prozent Behandlung und Reinigung der Regenwasserabflüsse aus der Siedlung vor der Einleitung.
  • Grünfugen als Retentionsräume und sichtbare Integration des RW-Managements in den öffentlichen und privaten Freiraum.
  • Entlastung der Mischwasserkanalisation, die an der Kapazitätsgrenze ist.
  • Bis zu 50 Prozent Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs durch Substitution mit Regenwasser und gereinigtem Grauwasser (zusätzliches Brauchwassernetz).
  • Schwarzwasserbehandlung im Gebiet zur Energiegewinnung (Biogas/Pyrolyse) und zur Verwertung der organischen Bestandteile (Terra Preta - Produktion).

Das integrierte Wasserkreislaufkonzept in Pfaffenhofen.

Planungsablauf

Das oberflächige Regenwassersystem, mit der Maßgabe ein zehnjähriges Regenereignis zurückzuhalten, war herausfordernd, aber durch die frühe Berücksichtigung bereits in der städtebaulichen Konzeption machbar. Das oberflächige Regenwassersystem war für die Gemeinde in dieser Konsequenz relativ neu, wurde aber aufgrund des hohen Nachhaltigkeitsanspruches des Gesamtkonzeptes akzeptiert. Die Stadt war insbesondere entspannt, weil sich der Entwickler entschlossen hat, auch den Betrieb und die Wartung von öffentlichem Raum und Infrastruktur langfristig zu übernehmen. Schwieriger war es, das Grauwassersystem genehmigt zu bekommen. Bisher nicht umsetzungsfähig war das Schwarzwasserkonzept. Hier stößt man an viele Grenzen, zum Beispiel: Kann vom Anschlusszwang an die öffentliche Kanalisation abgewichen werden? Wie wird die dauerhafte Funktionsfähigkeit des in privater Hand geführten Systems gewährleistet? Welche technischen Standards müssen eingehalten werden? Diese ganzen Themen zu klären, sind für den privaten Entwickler bei aller Motivation fast unmöglich. Hier müsste ein System zur Unterstützung durch die öffentliche Hand greifen.

Aus unserer langjährigen Erfahrung mit innovativen Ansätzen in der Wasserplanung wird deutlich, dass man mit viel Aufwand, Engagement und fachlicher Überzeugungsarbeit, ein nachhaltiges Konzept zur Realisierung bringen kann. Allerdings sind die Hürden vielfältig und oft ist das Ergebnis nicht vorhersehbar oder planbar. Das erzeugt erstens viel Unsicherheit und zweitens verhindert es, dass sich die Motivation zur Weiterentwicklung sehr stark in Grenzen hält. Ein Planer, der seinem Kunden sagen muss, er weiß nicht, ob das, was er plant, genehmigt werden kann, diskreditiert sich selbst. Ein Planer, der seinem Kunden sagen kann, wir bekommen Unterstützung von einer Innovations-Taskforce, um die rechtlichen und politischen Aufgaben zu bewältigen, hat schon sehr viel bessere Chancen. Innovation braucht politische Rückendeckung, Flexibilität und Kompetenz in den Behörden, praktische Unterstützung in der Entwicklung von neuartigen Lösungen und multidisziplinäre Akteure, mit dem Ziel, lebenswerte und nicht nur funktionale Projekte zu entwickeln.

Es gibt auch schon eine Roadmap dazu von der Bundesstiftung Baukultur. Deren Baukulturbericht zeigt Handlungsfelder und konkrete Ansätze auf, wie man sich auf den Weg machen könnte (www.bundesstiftung-baukultur.de/fileadmin/user_upload/aktionen/baukulturbericht).

Wir fordern allerdings, bereits den nächsten Schritt zu tun. Foren wie der Deutsche Städtetag oder die GALK sollten sich mit folgenden Ideen beschäftigen:

  • Pflicht zur Erarbeitung eines Wasser-Masterplans für die gesamte Stadt unter Berücksichtigung der Wassereinzugsgrenzen und nicht der politischen Grenzen (auf Basis des Generalentwässerungsplan (GEP), aber mit erweiterten Anforderungen vgl. mit Wassersteckbrief der DGNB).
  • Grundlegende Definition von Leitbildern hin zu einer wassersensiblen Stadtentwicklung: technisch, gestalterisch, sozial, ökonomisch ausgewogen.
  • Jedes neue Projekt ab einer bestimmten Größe, zum Beispiel drei Hektar, muss von Anfang an interdisziplinär (gestalterisch-technisch-sozial) bearbeitet werden - sowohl auf Seiten der Investoren, der Stadt- oder Gemeindeverwaltung als auch auf Seiten der Planer.
  • Interdisziplinäres Arbeiten ist aufwändig und muss eingeübt werden
  • Es muss politisch gewollt und als Ziel definiert werden.
  • Zentral sind entsprechende Fortbildungen innerhalb der Verwaltungen.
  • Helfen könnten etwa ressortübergreifende Budgets.
  • Jedes neue Projekt muss mit einer sozioökonomischen Studie begleitet werden, die auch die gesamt-gesellschaftlichen Vor- und Nachteile als Kosten-Nutzen-Rechnung in den nächsten 30 bis 50 Jahren betrachtet.
  • Eine Taskforce, welche Städte und Gemeinden bei besonders innovativen Projekten unterstützt, sollte auf Länder oder Regionenebene eingerichtet werden, etwa nach dem Vorbild der Organisation CABE in Großbritannien: www.designcouncil.org.uk/our-services
  • Mehr Spielraum und dynamischere Verfahren bei der Genehmigung von innovativen Konzepten, um Innovation nicht als Problem, sondern als Normalzustand zu definieren.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 06/2015 .

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