BUGA-Eröffnung

"Erfurtern wird bewusst, was für einen Schatz sie da mitten im Zentrum haben"

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Gothaer Platz, der zwischen den BUGA-Standorten Petersberg und dem Egapark liegt, ist ein Birkenhain entstanden. Der Petersberg mit der Festungsanlage bildet "die Krone" der Stadt Erfurt und gehört zum Ausstellungsgelände der BUGA 2021. Foto: Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz

Erste Schritte ins Grün unternahm Sascha Döll in seiner Kindheit im Garten- und Landschaftsbau. In seiner Jugend hat er das Baumschneiden bei von Ehren in Hamburg gelernt, im Anschluss studierte er an der Uni Dresden Landschaftsarchitektur. Promoviert hat er an der Uni in Kassel - nach Erfurt kam er 2018, wo er seitdem das Garten- und Friedhofsamt leitet, ein Gespräch.

Wie haben Sie die Wechselwirkung von BUGA und Stadt erlebt: Welche Ansprüche entstehen mit der Entscheidung für eine BUGA im Grünflächenamt?

Eine Wechselwirkung zwischen Stadt und BUGA gab es nicht im klassischen Sinne, wie man es von einer BUGA kennt, wenn sie in die Stadt kommt. In Erfurt hatten wir eine Sonderlösung: die Flächen, die für die 171 Tage laufende Ausstellung hergerichtet wurden, übernahm die BUGA Gesellschaft, die Flächen, die dauerhaft in Stand gesetzt und neu geschaffen wurden, nämlich die Anlagen auf dem Petersberg und die Geraaue übernahm das Gartenamt. Dazu waren langfristig wirkende investive Maßnahmen notwendig.

Dr. Sascha Döll seit 2018 Leiter des Garten- und Friedhofsamtes in Erfurt. Foto: Steve Bauerschmidt

Was war die größte Herausforderung bei den vorbereitenden Maßnahmen?

Die 60 Hektar große Geraaue, die die jungen nördlichen Stadtteile mit einer hochwertigen grünen Infrastruktur, mit Spiel- und Sportplätzen versorgt hat. Wir haben einen grünen Korridor gebaut, der für die Zukunft die Neubaugebiete Erfurts mit dem historischen Stadtzentrum verbindet. Dazu gehörte auch der Radwegeausbau. Weiterhin haben wir die Stadtkrone, den Petersberg, komplett überarbeitet. Die Zitadelle war über eine lange Zeit durch seine militärische Nutzung geprägt und aufgrund seiner Geschichte von den Bürgern weitgehend unbeachtet. Nun wird den Erfurtern bewußt, was für einen Schatz sie da mitten im Zentrum haben und auch touristisch kann er nun ganz neu vermarktet werden.

Haben Sie auch innerstädtisch Neupflanzungen, Platzgestaltung, Straßenbegleitgrün mit der BUGA verjüngt, verändert und neu angelegt?

Ja, wir haben zum Beispiel in Erinnerung an den Erwerbsgartenbau entlang der Einfahrtsstraßen und einer Bahnlinie Blühfelder angelegt. Insgesamt sind 15 Hektar entstanden. Testpflanzungen haben wir schon im letzten Jahr angelegt, die sehr gut aufgingen und auf sehr große Resonanz stießen. Die Ansaat wurde auch am Panoramaweg aufgebracht, dieser liegt am Fuße des Petersberges und erschließt diesen neu. Abgewandelt als Sommerbepflanzung konnten sich Restaurants und Geschäfte aus der Altstadt melden, die von uns einen BUGA-Blumenkübel bekommen. Insgesamt verteilen wir 300 Stück. Dazu haben wir über das ganze Stadtgebiet mobile Sitzgelegenheiten mit Bepflanzungen aufgestellt, die sehr gut angenommen werden.

Überdies war der Hirschgarten in die Jahre gekommen, wir haben seine Staudenpflanzung komplett erneuert und eine Tröpfchenbewässerung installiert. Auf dem Gothaer Platz, der zwischen den BUGA-Standorten Petersberg und dem Egapark liegt, ist ein Birkenhain entstanden.

Welche Flächen auf dem gesamten BUGA-Gelände empfehlen Sie den Fachbesuchern - Ihren Kollegen - unbedingt als besuchenswert, weil sie inspirierend für die eigene Arbeit sein könnten?

Petra Pelz hat eine beachtliche Staudenpflanzung mit Präirie - und Steppenpflanzen an der Wasserachse im egapark angelegt, der Park selbst ist das beste Beispiel für eine Anlage der klassischen Nachkriegsmoderne. Und natürlich ist der Petersberg als nunmehr saniertes historisches Ensemble unbedingt besuchenswert. Einen Höhepunkt stellen die Pflanzungen von Laura Heuschneider im Festungsgraben dar, in denen sie die Erfurter Gartenbaugeschichte aufgreift. Neben Färberpflanzen wie dem für Erfurt typischen Waid, werden auch in der Stadt gezüchtete alte Blumen- und Gemüsesorten gezeigt, die Teils aus der Gendatenbank geordert werden mussten. Den fulminanten Abschluss findet die Fläche am Rutschenhang, der mit zahlreichen Kräutern bepflanzt ist.

Was muss eine Stadt leisten können, wenn die BUGA kommt?

Es ist schon eine herausfordernde Aufgabe, alle mit der BUGA verbundenen Sanierungsmaßnahmen und Neuanlagen mit einer Investitionssumme von 55 bis 60 Millionen Euro zu stemmen. Das -Team hat zeitweise das 14-fache Investitionsvolumen bearbeitet als es, normalerweise von unserer Planungsabteilung geleistet wird. Das muss man erst mal wuppen.

Fragen: Sibylle Esser

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2021 .

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