Gartenbaudirektor von Altona

Ferdinand Tutenberg zum Amtsantritt vor 100 Jahren

Ferdinand Tutenberg (1874–1956) war der erste Gartenbaudirektor Altonas. Foto: Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Inv. AB13307

Vor 100 Jahren, zum Amtsantritt am 1. April 1913, wurde Ferdinand Tutenberg (27.5.1874-12.3.1956) zum ersten Gartenbaudirektor von Altona gewählt. Im ehemals dänischen Altona bestand nämlich der Wunsch, das 250-jährige Stadtjubiläum und die 50-jährige Zugehörigkeit "zum deutschen Vaterlande"¹) mit einer Gartenbauausstellung zu feiern. Die Ausstellung war umstritten, weil "[der] Außenwelt, die Altona nicht für sich, sondern als Teil Großhamburgs ansieht, ... der wahre Hochstand hamburgischer Gartenkunst nicht zur Darstellung gebracht [wird], besonders aber ... durch die Ausstellung auf Jahre hinaus die Pläne einer Hamburger Ausstellung ... unmöglich gemacht [sind] ..." ²), sie wurde jedoch ein Publikumserfolg und nur durch den Kriegsausbruch 1914 jäh beendet.

Seine erste Gartenbauausstellung betreute Tutenberg 1901 als Obergärtner in Mainz. Nach sieben Jahren Wanderschaft war dies von 1899 bis 1905 seine erste Anstellung in einer öffentlichen Verwaltung. Er leitete die Abteilung Neuanlagen mit dem Palmenhaus und vertrat den Gartendirektor Schröder, bestritt Wettbewerbe, publizierte viel und würdigte die repräsentativen Schmuckplätze und Prachtstraßen der wilhelminischen Epoche in Mainz.

1905 entschloss man sich im nahen Offenbach zum Ausbau der städtischen Gartenanlagen und zum Aufbau einer Gartenverwaltung, die Wahl zum Stadtgärtner fiel auf Tutenberg, der hier bis 1911 tätig wurde. Tutenberg plante den großzügigen Bau des Anlagenrings um die Altstadt, ließ Hunderte von Bäumen pflanzen, richtete eine städtische Baumschule ein, gestaltete Plätze, förderte die Anlage der ersten Kleingärten und lehrte an der Gewerbeschule. Die Planung des Waldparks am Bieberer Berg erfolgte auf Veranlassung des Sozialdemokraten Leonhard Eißnert. Um Ideen für den Waldpark zu bekommen, reisten die beiden um 1910 nach Hannover und besichtigten mit Gartenbaudirektor Zeininger die Vordere Eilenriede, ein Waldpark von Julius Trip. Tutenbergs Entwurf für den Offenbacher Waldpark, dessen Gestaltungsmerkmal ein beherzter "Pücklerschlag" ist, wurde später verändert von seinem Nachfolger verwirklicht. Tutenberg wandte sich in dieser Zeit dem Heimatschutzgedanken zu und betonte: " ... was ... am meisten des Heimatschutzes ... benötigt, ... [ist] der Wald..." und: "... daß wir so praktisch als möglich, im künstlerisch-sozialen Sinne des Wortes arbeiten müssen ..." ³)

Der Offenbacher Magistrat weigerte sich, Tutenberg, der 1909 die Höhere Gartenbauschule in Köstritz absolviert hatte, zum Gartenbauinspektor zu befördern. So bewarb er sich um 1911 als Gartenbauinspektor in Bochum und wurde ausgewählt, blieb aber nur bis 1913. Er gestaltete die gärtnerischen Anlagen für das südliche Villenviertel Ehrenfeld und richtete dort den Rechener Busch als Waldpark her, der ein Pendant zum Bochumer Stadtpark werden sollte. Weiter gestaltete er den Kortumpark und überplante mehrere Stadtplätze.

In Altona verbrachte Tutenberg anschließend den längsten und letzten Abschnitt seiner beruflichen Laufbahn. Nach 21 Jahren Tätigkeit im Dienst Altonas wurde Tutenberg, obwohl bereits seit dem 1.11.1931 Mitglied der NSDAP4, am 1.7.1934 wegen eines Zerwürfnisses mit den Nazis zwangspensioniert und zog nach Wiesbaden, 1938 weiter nach Oberursel. Im Entnazifizierungsverfahren vor der Spruchkammer Bad Homburg wurde er 1948 zur Zahlung eines Sühnegelds von 600 Reichsmark verurteilt und in die Gruppe IV, Mitläufer, eingestuft.5) Die bedeutendsten seiner zahlreichen Projekte, die er in Altona neben der Planung der Gartenbauausstellung 1914 schuf, sind der Altonaer Volkspark als Waldpark mit Stadionanlagen und Schulgarten sowie der Hauptfriedhof Altona. Hervorragende Leistungen erbrachte er während dieser Amtszeit auch im Rahmen der Kommunalisierung ehemals privater Parks in Blankenese und mit Gutachten für den Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk zum Buerschen Grüngürtel und zum Köllnischen Wald in Bottrop.

Tutenberg muss heute als bedeutender Vertreter der Waldparkbewegung um 1900 gesehen werden und ist, in Zeiten da die Gestaltung "Urbaner Wälder" en vogue ist, wieder aktuell. Die Pflege seiner Waldparks sollte, besonders in Bochum, intensiviert werden.

Dipl. Ing. Olaf Bey


1) Zur Erinnerung an die Eröffnung der Gartenbau-Ausstellung Altona am 15. Mai 1914. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Sign.: A 102049, S. 7.

2) Hamburgische Zeitschrift für Heimatkultur, 6. Jg., 1914, S. 1.

3) F. Tutenberg: „Heimatschutz und Landesverschönerung“ in: Frankfurter Zeitung v. 21. Januar 1908, S. 7.

4) Bundesarchiv Berlin, NSDAP-Gaukartei, Mitgliedsnr. 726338.

5) Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Signatur: Abt. 520/11 Nr. 7567.


 

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2013 .

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