Kommentar

Fit for Future?

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Sieber, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Entwerfen+Freiraumplanung an der TU Darmstadt.

Frühsommer 2021, Entwurfsaufgabe: Ein Schulhof. Die böse Frage: Kann man heute noch eine Schule planen, die nicht nachhaltig ist, die nicht die Themen Klimawandel und Klimaanpassung miteinbezieht? Die ehrliche Antwort? Klar!

Im Mikrokosmos Schule nimmt das Dilemma tragikomische Züge an: "Aber Grün kostet doch!", "Grün macht Arbeit!", "Grün macht Dreck!" Da schrumpft die heute gern zitierte "Grüne Infrastruktur" schnell wieder zusammen aufs Format der Deko-Geranie: Nett, aber entbehrlich . . .

Doch noch mal zur Schule: Was würden Nachhaltigkeit, Klimaschutz- und Klimaanpassung hier bedeuten? Wenn man es wirklich ernst meinen würde? Gebäudebegrünung, dezentrales Regenwassermanagement inklusive Regenwassernutzung, suffiziente Gebäudekonditionierung, Reduktion von grauer Energie? Das wäre der Minimal-Standard.

Und die Materialien? Fallschutzbelag? Holzhäcksel? Sind die zertifiziert? Langlebige aber energieintensive Materialen wie Beton und Metall, versus nachwachsende Materialien? Heimische Pflanzen? Hasel? Zu allergen! Aber was ist mit den Bienen? Und was ist mit dem Mobilitätskonzept? Die Schulkantine? Fleisch von Tieren, die mit Pflanzen gefüttert werden, für die der Regenwald gerodet wird oder bei heimischen Böden zu Humusverlust führen? Beides mit Blick auf den Klimawandel und Klimaanpassung gar nicht gut . . .

Die neue Welt des Klimawandels, sie ist komplex, sehr komplex . . .

Sind die Studierenden heute gerüstet für diese Komplexität? Werden sie von uns dafür gerüstet? Seit Jahrzehnten erzählen wir von Stadtklima und Ökologie und sind - seien wir ganz ehrlich - fast froh, wenn die Studierenden das alles im Masterstudium wieder vergessen haben. Denn was hätten sie mit dem Wissen anfangen sollen . . . ? Im Jahr 2018 konnte man für einen pflegeleichten Betonplatz noch einen Städtebaupreis bekommen, heute - drei Dürre-Sommer und einen sehr regenreichen später - werden Vorschläge zur Klimaanpassung gesucht und - zugegeben - manchmal sogar realisiert.

Aber - und jetzt kommt die gute Nachricht - es gibt genug Studierende, die sich nicht beirren lassen, denen Struktur, Textur und monochrome Flächen nicht genug sind, die pfiffige Ideen zu Hitzeschutz und Regenwassermanagement haben, gestalterisch beeindruckend und nebenbei noch gut für die Bienen sind. Vielleicht tut sich ja doch etwas, in den nächsten 20 Jahren, wenn man sie lassen und die Planungen finanzieren würde. Sandra Sieber

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 08/2021 .

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