Fachtagung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Forscher legen beispiellose Datenfülle zu Deutschlands Alleen vor

Rund 100 Gäste aus Baumpflege, Politik und Verwaltung waren im November an die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) gekommen, um über Strategien für den Alleenschutz zu diskutieren. Foto: Elisa Wätjen, HNEE

"Die Geschichte der Alleen ist eine Geschichte des Verlustes": Mit diesen Worten machte die Vorsitzende der Alleenschutzgemeinschaft (ASG) Cornelia Behm deutlich, wie wichtig die November-Fachtagung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) für die Bewahrung des Natur- und Kulturguts Alleen war.

Diese Überzeugung teilten die knapp 100 Teilnehmer aus Baumpflege, Politik und Verwaltung ganz eindeutig. Denn trotz steigender Corona-Inzidenzen und regnerischen Herbstwetters waren sie physisch auf den Waldcampus gekommen - mit einem klaren Ziel: Ideen darüber auszutauschen, wie Alleen in der Landschaft endlich wieder gestärkt werden können.

Ungleichmäßige Alleenverteilung auf dem Bundesgebiet

Eine Vorreiterrolle nimmt dabei Prof. Dr. Jörg Peters ein, wie dessen Vortragsthema eindrucksvoll belegte. Der HNEE-Professor und sein Team haben für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) eine bundesweite Datenbasis zu Alleen erstellt, die wichtige Impulse für deren Bewahrung setzen könnte. Denn: Einen vergleichbaren Informationsfundus hat es zu den kostbaren grünen Landschaftsadern bisher nicht gegeben. Peters sagte, dass man unter anderem die Lagegenauigkeit, die Alleen-Gesamtlänge pro Bundesland, die Alleendichte sowie Lücken und Nachpflanzungspotenziale analysiert habe. Dabei sei eine sehr ungleichmäßige Verteilung der Alleen auf dem Bundesgebiet aufgefallen: Während Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die meisten dieser grünen Adern beherbergen, zeige sich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen ein komplett gegenteiliges Bild.

Der HNEE-Professor Jörg Peters stellte die Ergebnisse eines Forschungsprojekts vor, das Behörden dabei helfen soll, regionale sowie kommunale Alleekataster aufzubauen. Foto: Pro Baum

Cornelia Behm, die Vorsitzende der Alleenschutzgemeinschaft (ASG) würdigte das Projekt als "Meilenstein in der Geschichte der Alleen in Deutschland". Foto: Elisa Wätjen, HNEE

Das Ost-West-Gefälle im Alleenbestand, so Peters weiter, könne durch den geringeren Verkehrsdruck in der ehemaligen DDR erklärt werden: Anders als im Westen bestand kein Anlass, Bäume an Fernstraßen aus Gründen der Verkehrssicherheit abzuholzen. Allerdings gebe es auch im nördlichen Altbundesgebiet Länder, die deutlich reicher an Alleen und Baumreihen seien als ihre Pendants im Süden. Das liege höchstwahrscheinlich an den Entscheidungen der jeweiligen Straßenverkehrsämter, mutmaßte Peters.

Auf solche politischen Entscheidungsträger wolle man künftig Einfluss nehmen, indem man die Forschungsergebnisse für Behörden, Verbände und Planungsbüros bereitstelle. Diese sollen die Daten dann für Vor-Ort-Kartierungen, den Aufbau regionaler sowie kommunaler Alleekataster sowie ein Alleen-Monitoring nutzen.

Argumentationshilfe für die politische Arbeit

Die ASG-Vorsitzende Behm würdigte das Projekt als "Meilenstein in der Geschichte der Alleen in Deutschland". Zugleich äußerte sie eine berechtigte Hoffnung: Dass die umfassenden Daten als "Argumentationshilfe" für die politische Arbeit im Alleenschutz dienen werden. Allerdings räumte sie ein, dass es weiterhin eine Herausforderung bleiben werde, den Grundkonflikt zwischen Verkehrssicherheit und Baumschutz zu moderieren.

Einer, der den Enthusiasmus über das DBU-Projekt etwas dämpfte, war Brandenburgs ehemaliger Minister für Infrastruktur und Raumordnung, Reinhold Dellmann. Er stellte die Frage in den Raum, wie man aus diesem "wissenschaftlichen Vorlauf" ein Handwerkszeug machen könne, das Behörden und Verwaltungen anwenden können. Die Antwort lieferte er gleich selbst: Im nächsten Schritt müsse eine Software entwickelt werden, die das gesammelte Alleen-Wissen in die Verwaltungspraxis bringen kann.

Ein weiteres rasch zu realisierendes Ziel müsse eine beherzte Kommunikationsoffensive sein. Das forderte Katharina Dujesiefken vom Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland, die den Alleenschutz "eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe" nannte. Um sie zu bewältigen, müssten "Naturschutzverbände, Bürger und Straßenbauer einander besser kennenlernen und einen Konsens finden". In Eberswalde sind die Tagungsteilnehmer mit gutem Beispiel vorangegangen. Das nährt die Hoffnung, dass es doch noch gelingen kann, die Verlustgeschichte der Alleen umzuschreiben - in Richtung Happy End für Mensch und Natur.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe ProBaum 04/2021 .

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