Pflanzenkolumne
Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose?
von: M. Sc. Dominic Wachs
Gerade die "Königin der Blumen" bildet eine Projektionsfläche der Gesellschaft und ist das Ergebnis fortwährender züchterischer Bemühungen, dem aktuellen Zeitgeist gerecht zu werden. Wegen ihrer Beliebtheit¹ steht sie exemplarisch für die Frage, wie klassische Gartenpflanzen auf veränderte Umweltbedingungen, neue gestalterische und nicht zuletzt auch auf ökologische Anforderungen reagieren können.
Zwischen Tradition und Kritik
Moderne Rosen waren aus privatem wie öffentlichem Grün vor wenigen Jahren noch kaum wegzudenken. Mittlerweile hat sich dieser Trend verändert. Denn ihr Image ist ambivalent.² Während sie einerseits für romantische Blütenfülle und eine gehobene Gartenkultur stehen, gelten sie andererseits, im Gegensatz zu ihren wilden Verwandten, als pflegeintensiv und ökologisch wenig relevant für verschiedene Bestäubergruppen. Die züchterische Ausrichtung auf Blütenschönheit ging häufig mit Nachteilen einher. Mehrere Sorten waren anfällig für Pilzkrankheiten, auf Pflanzenschutzmittel angewiesen und wenig attraktiv für Insekten.
Das führte zunehmend zur Kritik. In einer ökologisch orientierten Pflanzenverwendung wurden verhätschelte Rosensorten als ungeeignet eingestuft – zu pflegeintensiv, zu monofunktional, zu wenig naturnah. Entsprechend selten fand sie in den vergangenen Jahren Eingang in moderne staudenbetonte und biodiversitätsorientierte Pflanzkonzepte.
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Neue Züchtungen und wenig beachtetes Potenzial
Parallel zur kritischen Bewertung hat sich jedoch auch die Züchtung weiterentwickelt. Moderne Rosensorten, insbesondere solche mit dem ADR-Prädikat (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung), werden unter praxisnahen Bedingungen auf Gesundheit, Robustheit und Standorttoleranz geprüft. Dabei zeigt sich, dass viele neuere Sorten eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten aufweisen, ohne regelmäßigen chemischen Pflanzenschutz auskommen und dabei auch mit sommerlichen Hitze- und Trockenperioden gut zurechtkommen.
Selbst in einem der trockensten Frühjahre seit Beginn der Aufzeichnungen – mit gerade einmal rund 96 Liter pro Quadratmeter Niederschlag von März bis Mai (etwa 50 % des Mittels) und in Berlin/Brandenburg sogar nur 57 Liter pro Quadratmeter (dwd.de) – überzeugen einige Rosen selbst an schwierigen Standorten ohne Bewässerung mit üppiger Blüte und gesundem Laub. Diese Beobachtung legt nahe, dass auch diverse Rosensorten über eine Anpassungsfähigkeit verfügen, die in Zeiten zunehmender Trockenheit nicht selbstverständlich ist.
Mit steigender Sommertrockenheit in vielen Regionen Mitteleuropas rücken bestimmte Eigenschaften der Rose wieder stärker in den Fokus, die einem erst bei genauerer Betrachtung auffallen. Tiefreichende Wurzeln, reduzierter Wasserbedarf und ein robustes Laub machen viele zu potenziell geeigneten Pflanzen für standortangepasste Konzepte. Ökologisch bleiben ungefüllte Blüten deutlich wertvoller als stark gefüllte Sorten. Auch darauf haben moderne Züchtungen mittlerweile reagiert.
Zusammen mit der langen Blütezeit ergeben sich hierdurch neue gestalterische Potenziale. Beispiele für innovative Gestaltungsansätze, die Rosenpflanzungen neu denken, sind Projekte wie die "Rosendünen" der BUGA Heilbronn 2019 oder der Rosengarten im Spinelli-Park der BUGA Mannheim 2023, die auf eine Verbindung aus robusten Rosensorten mit trockenheitsliebenden Stauden und Gräsern setzten. Hier wird deutlich, dass Rosen mehr können als Solitäre im Rindenmulch oder bodendeckende Monokulturen (#thefairy), nämlich Teil einer zukunftsorientierten Pflanzenverwendung sein.
Fazit
Die Rose ist kein statisches Gartenelement. Sie steht exemplarisch für die Spannung zwischen Tradition und Veränderung. Ein differenzierter Blick auf die Vielfalt aktueller Sorten und auf die komplette Klaviatur der Gartenrosen – von Strauch- über Beet- und Bodendecker- bis zu Kletterrosen – sowie auf ihre tatsächlichen Standortansprüche eröffnet neue Perspektiven jenseits der traditionellen Rosenverwendung. Gerade die Plastizität der Gartenrosen und die je nach Sorte unterschiedlich ausgeprägten xerothermen Eigenschaften können dazu beitragen, ein klimaangepasstes und zugleich attraktives öffentliches Grün zu gestalten. Am Ende zeigt sich: Eine Rose ist eben doch nicht einfach nur eine Rose.
Dominic Wachs
Hinweise
1 Ein Blick auf die Anzahl der Veröffentlichungen verrät, dass die Beliebtheit von Rosen vor allem im englischsprachigen Raum ab den 2000er Jahren einem anhaltenden Abwärtstrend unterliegt (Google Books Ngram Viewer, Abfrage am 26.06.2025).
2 Im Übrigen auch beim Autor.









