Klimawandel

„Frankfurt kämpft um sein Grün“

Nach dem Dürresommer 2018 wird der Haushaltsansatz für Grünpflege in Frankfurt am Main um drei Millionen Euro erhöht. Besonders das Grün am Main-Ufer hatte gelitten. Foto: Peter Freitag, pixelio.de

Für Frankfurts Grünanlagen und die Menschen, die sie pflegen, geht ein extremes Jahr zu Ende. Seit April war kaum noch Regen gefallen, schon zu Beginn des Sommers verwandelten sich Liegewiesen in braune Steppen, im Hochsommer verdorrten die Bäume und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig musste wegen extremer Brandgefahr ein Grillverbot aussprechen. "Nie zuvor hat Frankfurt den Klimawandel so drastisch zu spüren bekommen", sagte Heilig: "Er gefährdet leider auch die grüne Substanz unserer Stadt, die wir doch gerade zur Bewältigung der Hitze so dringend brauchen."

In einer Magistratsvorlage hat die Umweltdezernentin zusammengestellt, welche Folgen das Hitzejahr 2018 für Parks und Bäume hatte und wie die Pflege in Zeiten des Klimawandels aufrechterhalten werden kann. Fazit: Die Stadt muss dauerhaft mehr investieren.

"Ich bin sehr froh, dass meine Magistratskolleginnen und -kollegen diese notwendige Anpassung der Mittel für Grünunterhalt erkannt haben", so die Stadträtin im Anschluss an die Sitzung vom 21.12.2018, in der der Magistrat beschloss, den bislang vorgesehenen Haushaltsansatz im Bereich der Grünpflege um drei Millionen Euro zu erhöhen.

Bei wolkenlosem Himmel und rund 100 Sommertagen mit Temperaturen über 25 Grad zog es 2018 mehr Menschen in die Grünanlagen als je zuvor. Für die Stadt bedeutet dies: es werden mehr Grünflächen nötig und die vorhandenen Parks werden intensiver genutzt. Viele stark beanspruchte Rasenflächen sind auf Dauer wohl nur mit Bewässerungsanlagen wie am Mainufer beim Eisernen Steg oder in der Taunusanlage zu erhalten. Seit 2015 ist die zu pflegende Fläche um 42 Hektar gewachsen. Das ist etwa die zehnfache Größe des Hafenparks.

An beliebten Orten wie dem Mainufer war trotzdem kaum noch ein Plätzchen frei - mit entsprechend höherem Reinigungsaufwand. Hierfür wie für die verstärkte Sauberkeit im gesamten Stadtgebiet wird das erfolgreiche Pilotprojekt "cleanffm" ebenfalls mit weiteren 2,5 Millionen ausgestattet. Mit dem Geld sollen Reinigungsintervalle ausgeweitet werden sowie Maßnahmen zur Sensibilisierung der Frankfurter Bevölkerung, Pendler und Pendlerinnen und Gäste für das Thema mit dem Ziel, einen verbesserten wie verantwortungsvolleren Umgang mit dem öffentlichen Raum zu erreichen.

Erhöht hat sich auch die Zahl der vom Grünflächenamt gepflegten Bäume. Die inzwischen mehr als 192 000 Bäume in Grünanlagen, an Straßen und auf Spielplätzen sind anfällig für ganz unterschiedliche Folgen des Klimawandels. Jungbäume müssen bewässert werden, an älteren Bäumen zeigen sich Krankheiten wie der Massaria-Pilz bei Platanen oder Schädlinge wie der Eichenprozessionsspinner. Auch Stürme können große Schäden anrichten. So verursachte ein einziger Sturm am 15. August 2015 Kosten von 130 000 Euro. Was das Dürrejahr 2018 langfristig an Schäden nach sich zieht, lässt sich noch kaum abschätzen. Viele vertrocknete Bäume werden wohl gar nicht mehr austreiben, manche Baumart wie die Robinie muss nach und nach komplett ersetzt werden.

Für die Begrünung privater Gebäude hat Frankfurt bereits das Förderprogramm "Frankfurt frischt auf" aufgelegt. Kommendes Jahr soll nun auch ein Programm zur nachträglichen Begrünung von Plätzen, von Straßenzügen und Straßenbahntrassen folgen. Hierfür sollen dem Grünflächenamt zunächst 500 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Gemeinsam mit Planungs- und Verkehrsdezernat möchte die Umweltdezernentin eine Liste erarbeiten, welche Plätze am dringendsten mehr Schatten nötig haben und welche Flächen entsiegelt werden könnten.

"Schließlich möchte ich jedoch besonders die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den grünen Berufen würdigen. Danke, dass Sie bei extremer Hitze nicht aufgegeben, sondern unsere Bäume und Staudenbeete durch den Sommer gerettet haben. In Frankfurt kämpfen wir gemeinsam um unser Grün."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 02/2019 .

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