Claudia Gröschel/Hermann Scheuer (Hg.)

Frauendorfer Gartenschätze

Dietmar Klinger Verlag Passau 2012, Band 66 der Veröffentlichungen des Instituts für Kulturraumforschung Ostbayerns und der Nachbarregionen der Universität Passau.

Im Rahmen des Projekts "Gartenkunst im Passauer Land" entstand eine Aufsatzsammlung über den 1784 geborenen niederbayerischen Gartenpionier Johann Evangelist Fürst und sein Werk. Mit diesen nun von Gröschel und Scheuer als Buch herausgegebenen Aufsätzen wird an den seinerzeit über Deutschland hinaus bekannten und anerkannten heute aber nahezu vergessenen Volksschriftsteller, Journalisten, Herausgeber, Unternehmer und Bildungsreformer erinnert.

Fürst wurde als Sohn eines Bauern im vier Höfe umfassenden Frauendorf bei Vilshofen an der Donau geboren. Er erhielt, was damals eher ungewöhnlich war, eine schulische Ausbildung, die ihm zunächst das Studium der Theologie ermöglichte, ihn später aber die Laufbahn eines bayrischen Beamten einschlagen ließ. Als sein Bruder, der den elterlichen Hof übernommen hatte, diesen nur noch mit finanziellen Verlusten bewirtschaften konnte, übernahm J. E. Fürst das Anwesen und kaufte später noch die drei anderen Höfe des Weilers. Sein Ziel war, aus den Flächen ein Mustergut mit einer möglichst großen Vielfalt an landwirtschaftlichen und gärtnerischen Produkten zu entwickeln.

In Anbetracht der extrem schlechten Lage der Landbevölkerung in Niederbayern wollte Fürst sein Wissen und die Kenntnisse um die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit einsetzen, um die auf mangelhafter Bildung beruhende Situation der Landbevölkerung zu verbessern. Lernen durch Anschauung und Nachahmung war einer der beiden Wege, Verbesserungen für das Landvolk zu erreichen. Der andere war für die damals meist des Lesens nicht kundigen Bauern, das Erlernen des Lesens.

Mit seinem Mustergut, auf dem er am Ende aber vor allem die Obstbaumkultur realisierte, sah er eine Möglichkeit, anschaulich für eine effektive Steigerung der ländlichen Einkommen zu werben. Das Lesenlernen wollte Fürst mit der Herausgabe der Zeitschrift Die Bauernzeitung fördern. Fachliche Abhandlungen und Unterhaltsames mit einfachen Worten geschrieben und mit Holzschnitten bebildert sollten zum Lesen anregen. Da diese Zeitung aber weniger die Bauern als Pfarrer, Lehrer und Beamte erreichte, ergänzte Fürst sein Informationsangebot durch eine weitere Zeitung: Der Obstfreund und gründete die Praktische Gartenbau- Gesellschaft zu Frauendorf, eine Vereinigung von Fachleuten und interessierten Laien, wie sie in der Zeit ähnlich überall in Europa entstanden. Wichtiges Organ der Gesellschaft war die Mitgliederzeitschrift, die Allgemeine Deutsche Garten-Zeitung, die 1823 zum ersten Mal und danach wöchentlich erschien. Zweck dieses Blattes war die Weitergabe von Wissen, die Vermittlung von Kontakten der Mitglieder untereinander und der Verkauf von Pflanzen aus der Fürst'schen Gärtnerei.

Im Rahmen dieser Aufsatzsammlung wird nicht nur das Wirken des rastlos tätigen Volksaufklärer Johann Evangelist Fürst ausführlich dargestellt, sondern auch sein Werk in den Kontext der seinerzeit prägenden bildungspolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa gestellt.

In diesem Zusammenhang ist die Schilderung der bäuerlichen Lebensweise in Niederbayern und die der Bedeutung der Pfarrgärten zu Beginn des 19. Jahrhunderts bemerkenswert, aber auch der Aufsatz zum Höfischen Gartenwesen in Bayern. Interessant ist die Darstellung der Fürst'schen Vision einer bayerischen Kulturlandschaft im Spiegel europäischer Landschaftsgestaltung und die der Gartenkultur des Karpatenbeckens zu dieser Zeit, welche in den von Fürst herausgegebenen Zeitschriften dokumentiert ist. Zudem wird in einzelnen Aufsätzen auf die noch heute auffindbaren Spuren der Fürst'schen Gärtnerei in der Topografie und in der Verbreitung von Kulturpflanzen in der Gemarkung eingegangen.

Schön bebildert ist der interessante Beitrag zur Frauendorfer Sortenprüfung in den Anfangszeiten der Rosenzüchtung und der mit Kochrezepten für Gerichte aus den damals neuen Gartenprodukten. Sie runden das informative, kurzweilige und gut lesbare Buch ab, in dem es selbst unter allgemein Bekanntem noch Neues zu erfahren gibt.

Maren Brechmacher-Ihnen

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 02/2013 .

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