Kommentar

Friedhöfe im Wandel

Götz Stehr, GALK-Präsident, Geschäftsbereichsleiter Grün der Stadt Wolfsburg. Foto: Helmut Kern/GA Karlsruhe

In den letzten Jahren nimmt die Auseinandersetzung über die Zukunft der Friedhöfe immer mehr zu. Eine Ursache liegt sicherlich in der veränderten Betrachtung und Haltung zu Friedhofsflächen an sich. Als Schwerpunkt werden Friedhöfe selbstverständlich auch weiterhin der Ort für die Beisetzung von Menschen sein und auch zukünftig als Orte der Trauer und Besinnung verstanden und erlebt werden.

Parallel wird der Friedhof jedoch zunehmend auch als öffentliche Grünfläche gesehen, die weitere Leistungen und Funktionen für die Nutzer erbringen kann oder längst in unterschiedlicher Form von den Anwohnern genutzt wird. Hierbei spielt neben der Bestattungsintensität, der Gestaltung und der Größe des Friedhofes vor allem seine Lage im städtebaulichen Umfeld eine wichtige Rolle. Stadtklimatische und ökologische Funktionen sind sicherlich in Gemeinden und Kleinstädten untergeordneter einzuschätzen als in Gebieten mit verdichteter Bebauung.

Gerade in Großstädten und Ballungsräumen werden die Friedhöfe aber auch für die Freizeit und Naherholung genutzt und sie sind - je nach Lage - schon immer die Grünfläche in der Nachbarschaft gewesen. Somit erbringen Friedhöfe - meistens ganz nebenbei - vielfältige öffentliche Leistungen und Funktionen, die wir Friedhofsbetreiber viel mehr in das Bewusstsein der Bürgerschaft und der Politik bringen müssen. Und dies auch vor dem Hintergrund, dass die Frage der Finanzierung dieser vielfältigen Leistungen und den hiermit verbunden Folgekosten nicht zu Lasten der Gebührenzahler gehen kann.

Insofern bietet uns eine Forschungsarbeit über die öffentlichen Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde, eine gute Grundlage, diese möglichen öffentlichen Leistungen und Funktionen für einzelne Friedhöfe zu benennen und zu bewerten. Auf dieser Grundlage kann und muss dann gemeinsam mit den kommunalen Entscheidungsträgern die zukünftige Ausrichtung von Teilen der Friedhöfe gesprochen und dies festgelegt werden. Und natürlich ist dieses zusätzliche Angebot auch monetär zu bewerten, um eine Refinanzierung sicher zu stellen.

Aber allen Beteiligten sollte klar sein, dass die Grundfunktionen des Friedhofes, wie geschildert, dauerhaft gesichert sein müssen und die Umsetzung dieser Funktionen weder beeinträchtigt noch behindert werden darf.

Götz Stehr

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2017 .

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