DFB

Fußballbund empfiehlt Verzicht auf Mikroplastik erzeugende Produkte

Die Handlungsempfehlung des DFB soll helfen, die Diskussionen hinsichtlich der Kunststoffrasenplätze zuversachlichen. Foto: Rainer Sturm, pixelio.de

Was müssen Amateurvereine und Kommunen angesichts der Diskussion um Kunststoffgranulat auf Kunststoffrasenplätzen beachten? Der Deutsche Fußballbund hat eine Handlungsempfehlung veröffentlicht und gibt Tipps zur umweltschonenden Pflege. Die Handlungsempfehlung soll helfen, die Diskussionen hinsichtlich der Kunststoffrasenplätze zu versachlichen und den Nutzer*innen vorhandener Kunststoffrasen, insbesondere mit Kunststoffgranulat als Füllstoff, Hilfestellungen zu geben. Mit dem Ziel, möglichst wenig und im besten Fall keinen Mikroplastikaustrag vom Spielfeld in die Umwelt zu verursachen.

EU-Parlamentsbeschluss für Kunststoffe

Hintergrund ist die Umweltdebatte um die Kunststoffrasenplätze. Das Europäische Parlament verabschiedete am 13. September 2018 eine "Europäische Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft". Darin forderte es die Kommission auf, bis 2030 unter anderem ein EU-weites Verbot von Mikroplastikpartikeln in Kosmetika sowie Körperpflege-, Wasch- und Reinigungsmitteln zu prüfen und bei Bedarf zu erlassen. Die ECHA sollte zudem ein Verbot von Mikroplastik, das auch anderen Produkten "bewusst zugesetzt" wird, bewerten und - sofern erforderlich - das Verbot ausarbeiten, falls es keine sinnvollen Alternativen zu einem Verbot gebe.

Zur Analyse der aktuellen Situation in den EU-Mitgliedstaaten wurden Erkenntnisse von unterschiedlichen Untersuchungen und Studien der Mitgliedstaaten herangezogen. Nach Angaben der ECHA ist das Kunststoffgranulat für die Befüllung von Kunststoffrasenflächen EU-weit die größte Verschmutzungsquelle an Mikroplastik im Sport mit einem Austrag von geschätzten 16 000 Tonnen pro Jahr. Durch das Verbot soll in den kommenden 20 Jahren der Austrag in die Umwelt von 500 000 Tonnen Mikroplastik verhindert werden.

Auf Bundes- und Landesebene gibt es bislang (Stand: August 2021) kein Verbot, auf Bestandsanlagen Kunststoffgranulat weiterhin zu verwenden oder auch bei Bedarf entsprechend nachzufüllen. Auch der Bau neuer Plätze mit Kunststoffgranulat ist theoretisch nach wie vor möglich. Jedoch sollten aus Umweltgesichtspunkten und einer drohenden Einschränkung der Nutzungsdauer im Falle eines Verbotes Produkte ohne Kunststoffgranulate genutzt werden. Kunststoffrasenplätze mit Kunststoffgranulaten werden zusätzlich in der überwiegenden Zahl der Landesförderungen von der finanziellen Förderung ausgeschlossen. Im Zuge der Umwandlung alter Platzanlagen oder Errichtung neuer Platzanlagen wird durch die öffentliche Hand zudem überwiegend auf mit Kunststoffgranulat verfüllte Plätze verzichtet.

Kunststoffrasenbeläge in Deutschland

  • Kunststoffrasenbeläge der ersten Generation (ab Mitte der 1970er-Jahre): kurze, dichte, unverfüllte Polschicht, verbunden mit einer Elastikschicht auf bituminösem Unterbau.
  • Kunststoffrasenbeläge der zweiten Generation (ab Ende der 1980er-Jahre): längere, nicht zu dichte Polschicht mit Quarzsand bis fast an die Oberfläche verfüllt, in der Regel auf elastifizierender Schicht (gebundene elastische Tragschicht 35 mm oder Elastikschicht 25 mm) oder auf vorgefertigter Bahnenware beziehungsweise anderen vorgefertigten elastischen Systemen.
  • Kunststoffrasenbeläge der dritten Generation (seit Ende der 1990er-Jahre): Polschicht mit langen, wesentlich weicheren Kunststoffbändchen, die mit Sand und Kunststoffgranulat oder natürlichen Füllstoffen verfüllt werden, in der Regel auf elastifizierender Schicht (gebundene elastische Tragschicht oder Elastikschicht) oder auf vorgefertigter Bahnenware beziehungsweise anderen vorgefertigten elastischen Systemen.

Im Hinblick auf die technologische Entwicklung des Kunststoffrasens werden die Beläge heute in drei Kategorien unterteilt:

Verschmutzung und Pflege der Beläge

Vor allem Laub, Nadeln, Blüten und anderweitige Pflanzenrückstände unter anderem Kaugummireste zählen zu den bekanntesten Verschmutzungen, die für den Belag schädlich sind. Gleiches gilt für Böden aus angrenzenden Pflanz- und Wegeflächen. Was gilt es bei der Pflege zu beachten?

  • Allgemeine Pflegemaßnahmen: Die Spielfläche sollte regelmäßig gereinigt werden. Laub-, Blüten-, Zweigreste oder Abfälle müssen entfernt werden. Dafür eignen sich Reinigungsgeräte mit einfachen Bürsten, um die Rückstände abzusammeln.
  • Allgemeine Nutzungs- und Pflegehinweise: Der Kunststoffrasenplatz sollte gleichmäßig bespielt werden, damit die gesamte Spielfläche genutzt wird. Nach besonders intensiven Trainingsformen sollten diese Bereiche abgezogen werden. So wird im Anschluss daran das Granulat wieder verteilt.
  • Pflegefahrzeuge: Beim Einsatz von Pflegefahrzeugen sollte vor allem darauf geachtet werden, dass im Schritttempo gefahren wird. Zudem sollten starkes Beschleunigen und Abbremsen vermieden werden, sowie während der Fahrt keine Schmier- und Treibstoffe verloren gehen.
  • Starke Verschmutzung: Vor allem im Herbst kommt es zu Verunreinigungen. Unkraut, Moos, Blätter und Abfall müssen häufiger vom Platz entfernt werden.
  • Spieler*innen, Funktionär*innen, Zuschauer*innen: Diese sollten vor und nach der Nutzung des Platzes die Schuhe reinigen, da getrockneter Schlamm und Staub eine Hauptursache für die Verschmutzung des Spielfeldes sein können.
  • Sammelstellen, Zugänge, Wegeflächen und Entwässerungseinrichtungen: Sammelstellen sollten zentral gelegen sein und einfache Entsorgungsmöglichkeiten bieten. An Spielfeldzugängen sollten Schilder angebracht, Wegflächen gekehrt, sowie Entwässerungseinrichtungen gereinigt werden.
  • Pflegeprotokoll: Zur Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen sollte ein "Pflegebuch" angelegt werden, in dem die einzelnen Pflegemaßnahmen und Zeitpunkte festgehalten werden.

Wie verhindert man wirksam, dass nicht zu viel Kunststoffgranulat in die Umwelt gelangt?

  • Beim Säubern des Platzes mit einem Reinigungsfahrzeug sollte man mit gemäßigter Geschwindigkeit fahren. Beim Wenden ist darauf zu achten, dass man nicht auf die Flächen rund um den Belag ausfährt. In der Regel verteilt sich das Granulat nach außen. Demnach sollte man zunächst das Kunststoffgranulat von außen hin zur Mitte schieben - von beiden Spielfeldrandseiten.
  • Das Kunststoffgranulat sollte sorgfältig eingearbeitet werden. Oftmals bleibt das Granulat auf den Kunststofffasern liegen. Mit geeigneten Rechen oder gröberen Besen kann man das Granulat sofort nach dem Auffüllen verteilen.
  • Zur Sicherung, dass keine Kunststoffgranulate in den Außenbereich gelangen, können zum Beispiel Schutz- und Auffangbanden helfen.

Weitere Informationen, zum Beispiel zur Definition von Mikroplastik, zu den Inhaltsstoffen der Kunststoffrasenplätze und zu verschiedenen Arten von Füllstoffen, sind in der Broschüre DFB-Handlungsempfehlungen für Fußballvereine & Kommunen zu finden. DFB/globa

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 10/2021 .

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