Kommentar

Gartendenkmalpflege zum Mitmachen

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Das Forschungs- und Vermittlungsprojekt zum Stadtgrün der Nachkriegsmoderne befindet sich auf der Zielgeraden. Bund Heimat und Umwelt e. V. (BHU), der Arbeitskreis Kommunale Gartendenkmalpflege der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK e. V.) und die Technische Universität Berlin, Institut für Stadt- und Regionalplanung, Fachgebiet Denkmalpflege haben seit über einem Jahr nicht nur intensiv geforscht, sondern vor allem auch das Projekt in die Breite getragen. Werben im Sinne von Überzeugen mussten wir kaum dafür, zu groß war und ist der Zuspruch vor allem in der Fachöffentlichkeit.

Nach den Schrecken und Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wurden die Städte, wo es ging, neu gegliedert und aufgebaut, oft nach dem Leitbild der aufgelockerten Stadt mit Licht, Luft und Sonne. Die Verwendung von Naturstein, Wasserspielen oder Schmuckanlagen aber auch breite Nutzungsangebote, Verkehrstrennung und die Etablierung moderner Kunst im Freiraum führten im Ergebnis zu meist qualitativ hochwertig gestalteten, öffentlichen Grünanlagen, die sich sehen lassen konnten, auch wenn es materialbedingt damals oft zu Engpässen kam. Heute sind diese Anlagen mitunter in die Jahre gekommen, nicht immer angemessen gepflegt oder längst abgeräumt oder umgestaltet.

Heute Unbekanntes oder in die Jahre Gekommenes, vielleicht auch Vergessenes soll aufgespürt werden. Verlorene Qualitäten sollen aufgezeigt und sichtbar gemacht werden. Allein, es ist ein Projekt, das vor allem auch vom Mitmachen lebt. Gemeint ist ein Mitmachen der interessierten Öffentlichkeit wie auch ein Mitmachen aus dem Kreis des Berufsstandes in Büros, Firmen und Verwaltung. Alle können mithelfen, die Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre zu erfassen und so einen Beitrag gegen das Vergessen und vielleicht auch zum Erhalt zu leisten.

Das Interesse am Thema und der Zuspruch zum Projekt sind groß. Doch fehlt scheinbar häufig die Zeit, selbst mit dabei zu sein und das vor der eigenen Tür liegende kulturelle Erbe unseres Berufsstandes - das Prominente und Bekannte aber auch das Vergessene und Unentdeckte - zu nennen und kurz zu beschreiben. Hier gilt es, das Potenzial eines gemeinsamen und verbindenden Themas noch mehr zu nutzen und die Kräfte des Berufsstandes zu aktivieren.

Projektziel ist eine möglichst umfassende Darstellung der Freiraumgestaltung der 1950er- und 1960er-Jahre - ganz gleich ob ein Objekt in seiner Gänze oder nur noch in Teilen erhalten ist.

Seien Sie und Ihre Stadt/Kommune dabei, damit diese Darstellung möglichst umfassend ist und das eigene Wissen auch im Vergleich zu anderen Anlagen für das eigene Handeln gestärkt wird. Vielleicht hilft beim Mitmachen im Projekt auch ein Blick zu den Nachbarkommunen, die bereits aktiv waren. Das Forschungsteam würde sich über Meldungen bis zum 15. Oktober sehr freuen. Und am 15. November findet in Kassel die Abschlussveranstaltung zum Projekt der grünen Nachkriegsmoderne statt. Sie sind schon jetzt herzlich eingeladen. Heino Grunert

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 09/2016 .

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