Gartenkünstler und Gärtner in den Gärten des Friedens

Grabstätten von Vertretern der „grünen Zunft“

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Grabinschriften sagen viel über das Selbstbewusstsein der Verstorbenen respektive ihrer Hinterbliebenen sowie einer ganzen Branche aus. So könnte man folgende Arbeitsthese aufstellen: Gartenkünstler – ein Begriff, den man bis ins 20. Jahrhundert hinein verwendete – und Gärtner werden selbstbewusst als solche auf ihren Grabsteinen bezeichnet.
Gartenarchitektur Friedhöfe
1 Grab von Emil Sello am privaten "Sello-Friedhof" in Potsdam-Bornstedt, 2015. Foto: Christian Hlavac

Zu bedenken ist dabei, dass wir in den wenigsten Fällen wissen, ob die Gräber im Laufe der Zeit einen neuen Stein, eine neue Platte oder eine neue Inschrift erhalten haben. Aufgrund der erst ab den 1880er-Jahren gegründeten "Amateur-Photographie-Clubs", die zu einer deutlichen Steigerung der Anzahl privater Aufnahmen führten, fehlen uns Quellen über das einstige Aussehen vieler Grabstätten. Es stellt sich daher oft die Frage, ob die Grabinschrift schon im Zuge des Begräbnisses entstanden ist oder erst danach, beispielsweise bei einer Neugestaltung des Grabes.

Gärtnerfriedhof in Potsdam

Eine Seltenheit ist ein "Gärtnerfriedhof", auf dem miteinander verwandte Gärtner begraben liegen. Höchstwahrscheinlich der einzige dieser Art im deutschen Sprachraum ist der "Sello-Friedhof" unweit von Sanssouci. Er ist Teil des Bornstedter Friedhofs und wird von der "Familienstiftung Hofgärtner Hermann Sello" betreut. Begründer war der Namensgeber Hermann Sello (1800–1876), der den Friedhof für sich und seine Familie anlegte, wobei im Laufe der Jahre auch Familienmitglieder aus anderen (aufgelassenen) Friedhöfen hierher überführt wurden. Heute findet man auf diesem Friedhof zahlreiche "grüne" Vertreter der untereinander verwandten Familien Sello, Nietner, Fintelmann und Legeler.

Ein hier Begrabener ist Emil Sello (1816–1893) aus der preußischen Hofgärtnerfamilie (Abb. 1). Emil, der am Grabstein als "kgl. Oberhofgärtner" angeführt wird, unternahm von März 1838 an eine dreijährige Reise durch halb Europa. Vorher hatte er eine Gärtnerlehre bei seinem Vater Ludwig sowie Carl Fintelmann und dem mit ihm verwandten Eduard Nietner absolviert. Der erste längere Aufenthalt Sellos war laut seinem Reisebericht jener in Wien, wobei er unter anderem im April und Mai 1838 unentgeltlich beim Handels- und Kunstgärtner Johann Conrad Rosenthal und im Juni im Laxenburger Schlosspark arbeitete. Deutlich wird, dass Sello auf seiner Reise (teils auch zufällig) viele Gärtnerkollegen traf, manchmal nicht nur einmal, sondern mehrmals – und dies an verschiedenen Orten. So zog er in Wien mit Gottlieb Ludwig Schoch, dem Sohn des Wörlitzer Gärtners Johann Georg Schoch, zusammen, und in London begegnete er dem damals sehr bekannten Gartenschriftsteller John Claudius Loudon.

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Gartenarchitektur Friedhöfe
2 Grabstätte von Peter Joseph Lenné am „Sello-Friedhof“ in Potsdam-Bornstedt, 2015. Foto: Christian Hlavac
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3 Gedenktafel für Georg Potente am Bornstedter Friedhof (Potsdam), 2015. Foto: Christian Hlavac
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4 Gustav Adolph Fintelmanns Grabstätte am Nikolskoer Friedhof (Berlin), 2018. Foto: Christian Hlavac

Auch nicht mit den genannten Familien verwandte Gärtner, die in Potsdam und Umgebung tätig waren, liegen auf dem "Sello-Friedhof" begraben; darunter Peter Joseph Lenné (1789–1866), der sicherlich zu den bekanntesten Gartenkünstlern des 19. Jahrhunderts zählt und der am Grabstein als "General-Direktor der Kgl. [preußischen] Gärten" bezeichnet wird (Abb. 2). Auch wenn sich die Zahl seiner Planungen durch die gartenhistorische Forschung der letzten Jahrzehnte reduziert hat – in zahlreichen Fällen kam es zu Abschreibungen angenommener Entwürfe Lennés –, bleibt sein Œuvre für Preußen und andere deutsche Staaten seiner Zeit beeindruckend. Übersehen wird oft sein frühes Wirken in Österreich. Lenné, der im Spätsommer 1812 Richtung Wien aufgebrochen war, setzte in den folgenden zwei Jahren seine Ausbildung als Gartengehilfe im Park von Schönbrunn beim kaiserlichen Hofgartendirektor Franz Boos, dem Bekannten seines Vaters aus dessen Wiener Tagen, fort. Nach Abschluss der Schönbrunner Jahre wechselte er im August 1814 als Gartenplanzeichner nach Laxenburg, wo er pro Tag bezahlt wurde.

Am Bornstedter Friedhof steht auch ein Gedenkstein für den einer Freimaurerloge angehörenden Georg Potente (Abb. 3). Dass es nur ein Gedenkstein ist, dürfte damit zusammenhängen, dass Potente zum einen am 27. April 1945 beim Einmarsch der Roten Armee in Potsdam Selbstmord begangen hatte und zum anderen erst um 1957 auf diesem Friedhof in einem Gemeinschaftsgrab begraben wurde. Die Inschrift des Gedenksteins bezeichnet ihn als "kgl. Hofgärtner und staatlichen Gartendirektor in Sanssouci". 1876 in Kassel geboren, machte Potente seine Lehre in der königlichen Hofgärtnerei Wilhelmshöhe bei Kassel. Ab 1902 war er in Potsdam-Sanssouci tätig, wo er 1927 zum Gartendirektor des Parkreviers Sanssouci aufstieg. Er gilt als ein Vorreiter der Gartendenkmalpflege im deutschsprachigen Raum. Ein bekanntes Beispiel für seine Tätigkeit in diesem Fachbereich ist der Garten von Schloss Augustusburg in Brühl: Potente übernahm hauptverantwortlich die Rekonstruktion des Parterres, die von 1933 bis 1935 erfolgte. Es war dies der erste Versuch in Deutschland, einen barocken Zustand wiederzugewinnen.

Die Gärtnerfamilie Fintelmann

Etwas versteckt in einem Wald am Rande Berlins nahe der Pfaueninsel liegt in der Nähe der evangelischen Kirche Nikolskoe am gleichnamigen Friedhof Gustav Adolph Fintelmann neben seiner Frau begraben (Abb. 4). Dieser Standort ist dessen jahrzehntelangem Dienstort geschuldet: der Pfaueninsel, auf der er in Summe 54 Jahre lebte, davon 35 Jahre als preußischer Hofgärtner und Kastellan. Im Jahr 1803 in Berlin als Neffe des Hofgärtners der Pfaueninsel, Joachim Anton Ferdinand Fintelmann geboren, wuchs er dort auf und ging dort auch für drei Jahre bei seinem Onkel in die Gärtnerlehre. 1869 in den Ruhestand versetzt, starb Gustav Adolph Fintelmann in Potsdam; auf seinem Grabstein wird er als "Kgl. Hofgärtner" bezeichnet.

In Berlin am Zentralfriedhof Friedrichsfelde ist Gustav Adolphs Neffe Gustav Ferdinand Axel Fintelmann (1848–1907) begraben, der in Schweden geboren wurde (Abb. 5). Das Gärtnerhandwerk lernte Axel auf der Pfaueninsel und in der Gärtnerlehranstalt Wildpark-Potsdam. Er arbeitete als städtischer Garteninspektor in Berlin und trug ab 1904 den Berufstitel "königlicher Gartenbaudirektor". Sein bekanntestes Werk ist die Gestaltung des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde; somit befindet sich seine letzte Ruhestätte in seiner eigenen Schöpfung. Die Inschrift des Grabsteins weist Fintelmann als "Förderer der Gartenkunst" aus. Der Grabstein mit dem Porträt-Relief und einem stilisierten Baum wurde – so suggeriert der Text darunter – "von seinen Freunden und Verehrern" initiiert respektive bezahlt.

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5 Sockelzone des Grabsteins von Axel Fintelmann am Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Berlin), 2018. Foto: Christian Hlavac
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6 Grabstätte von Friedrich Ludwig von Sckell am Alten Südlichen Friedhof in München, 2024. Foto: Christian Hlavac
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7 Platte auf dem Grab Heinrich Siesmayers am Bockenheimer Friedhof (Frankfurt am Main), 2018. Foto: Christian Hlavac

Gärtnerdynastie Wendland

Eine Gedenktafel aus dem Jahr 1948 am sogenannten Bibliothekspavillon des Berggartens in Hannover-Herrenhausen weist darauf hin, dass in diesem Garten drei Generationen einer Hofgärtnerfamilie wirkten, nämlich Johann Christoph Wendland (1755–1828), dessen Sohn Heinrich Ludolph (1792–1869) und der Enkel Hermann (1825–1903). Mit Letzterem endete die 125-jährige Gärtnertradition der Wendlands in Herrenhausen. Die Familiengrabstätte findet man am Neuen St.-Nikolai-Friedhof in Hannover. Hier sind, wie die Grabinschrift zeigt, der "Hofgarteninspektor" Heinrich Ludolph und der "Hofgartendirektor" Hermann beerdigt worden.

Heinrich Ludolph war von 1811 bis 1814 Gärtnergehilfe im kaiserlich-königlichen botanischen Garten bei Wien und besuchte zwei Semester lang Vorlesungen über Naturwissenschaften an der Universität in Wien. Eine interessante Verbindung der Wendlands mit Österreich gab es Jahrzehnte später. Denn an einem Sonntag im September 1882 kamen drei Hofgärtner aus Ostösterreich im Zuge ihrer Studienreise um 2 Uhr früh mit dem Zug in Hannover an. Bereits bei Tagesanbruch ging es nach Herrenhausen. Da es jedoch noch zu früh war, um sich beim königlichen Garteninspektor Hermann Wendland zu melden, besichtigten sie zuerst die im Berggarten im Freien aufgestellten "neuholländischen und Cap-Pflanzen". Danach führte sie Wendland höchstpersönlich durch die Glashäuser samt dem erst seit 1880 bestehenden 31 Meter hohen Palmenhaus.

Bayerische Hofgärtner

Einer der wichtigsten deutschsprachigen Gartenkünstler des 19. Jahrhunderts ist Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823). Als Sohn eines Nassau-Weilburgischen Hofgärtners in Weilburg an der Lahn geboren, ging er nach dessen Übersiedlung nach Schwetzingen bei seinem Vater in die Gärtnerlehre. Nach zahlreichen Reisen und Tätigkeiten in Schwetzingen für Kurfürst Karl Theodor wirkte Sckell ab März 1804 als bayerischer Hofgarten-Intendant mit Sitz in München. Eingegangen in die Gartenkunstgeschichte ist er vor allem mit seinen Arbeiten für den Englischen Garten und durch die Umgestaltung des Schlossparks Nymphenburg, die noch heute als idealtypisch für die Integration des Landschaftsgartenstils in eine barocke Gartenanlage gilt. Trotz seiner schon zu Lebzeiten großen Bekanntheit, die auch seinem 1818 erstmals herausgegebenen Werk "Beitraege zur bildenden Gartenkunst für angehende Gartenkünstler und Gartenliebhaber" geschuldet ist, wirkt sein Grab am Alten Südlichen Friedhof in München schlicht (Abb. 6). Die Inschrift verweist immerhin auf seinen Berufstitel "Kgl Bayer Hofgärtendirektor", wobei die Inschrift mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erst nach dem Tod seines Schwiegersohnes Karl Rottmann (1798–1850), der im selben Grab beigesetzt wurde, entstanden ist.

Unweit von Sckell liegt am selben Friedhof einer seiner Nachfolger begraben. Auf dem relativ schlichten Grabstein wird Karl (ab 1877 "von") Effner (1831–1884) als "Hofgartendirektor" angeführt. In München in eine bayerische Hofgärtnerfamilie hineingeboren, absolvierte er eine Gärtnerlehre bei seinem Vater, dem gleichnamigen Oberhofgärtner. Nach seiner Rückkehr von einer mehrjährigen Gesellenreise arbeitete Effner ab 1854 in München für König Maximilian II., der ihn drei Jahre später zum Hofgärtner ernannte. Zusammen mit seinem Vater entwarf er in Regensburg den 1864–1867 gestalteten Dörnbergpark, ab 1868 leitete er das königlich-bayerische Gartenwesen. Den Titel eines königlich-bayerischen Hofgärtendirektors trug er ab 1873. In der Folgezeit entwarf Karl Effner die Gartenanlagen von Herrenchiemsee und Linderhof. Eine Effner gewidmete Büste, die sich über einer Steinbank erhebt, steht noch heute in einem Teil der Maximiliansanlagen in München, die einst von ihm selbst gestaltet worden waren. Dies wird in der Denkmalinschrift angesprochen: "Dem Andenken des Schöpfers dieser Anlagen des k. Hofgärtendir. Karl von Effner. Errichtet von der Stadtgemeinde München 1886".

Gartenarchitektur Friedhöfe
8 Grabstein für Johann Carl Friedrich Bouché am Trinitatisfriedhof in Dresden, 2023. Foto: Christian Hlavac
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9 Grabstelle von Reinhold Lingner am Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Berlin), 2018. Foto: Christian Hlavac
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10 Sockelzone des Grabes von Hermann Rudolph Siebeck am Friedhof St. Leonhard in Graz, 2023. Foto: Christian Hlavac

Ein Bockenheimer

Obwohl der "Stammvater", der Gärtner Joseph Joachim Siesmayer, aus dem bayerischen Freising stammt, gelten die Siesmayers als hessische Gärtnerfamilie par excellence. Begründer der später unter dem Namen "Gebrüder Siesmayer" firmierenden Handelsgärtnerei in Bockenheim (heute Teil von Frankfurt) ist der in Mainz geborene Heinrich Siesmayer (1817–1900), der beim Gärtner Sebastian Rinz in Frankfurt in die Lehre gegangen war. Bekannt ist Siesmayer als Gartenkünstler vor allem durch die Planung des Frankfurter Palmengartens, der 1868 durch einen eigenen Verein begründet worden war.

Heinrich Siesmayer liegt am Bockenheimer Friedhof begraben (Abb. 7). Auf der Grabinschriftentafel wird er als "Königl. Preus[sischer] Gartenbau Director" und "Großh[erzoglicher]. Hess[ischer]. Hof Garten Ingenieur" bezeichnet. Diese Angaben sind jedoch nicht als Berufsbezeichnungen zu verstehen, sondern als 1872 respektive 1878 verliehene Auszeichnungen. Es sind Ehrentitel, die – wie auch seine gedruckten Lebenserinnerungen zeigen – dem Handelsgärtner und Gartenkünstler für sein bürgerliches Selbstverständnis wichtig waren.

Dresden und Berlin

Am Dresdner Trinitatisfriedhof steht ein schlichter Steinmonolith, den eine stilisierte Pflanze ziert und dessen Inschrift darauf hinweist, dass hier der "königl.- sächs. Obergartendirektor Hofrat J. C. Friedrich Bouché" begraben liegt (Abb. 8). Der in Schöneberg bei Berlin geborene Johann Carl Friedrich Bouché (1850–1933) absolvierte seine Gärtnerlehre im königlichen botanischen Garten Berlin und bildete sich an der königlichen Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam fort. Bouché arbeitete in mehreren königlichen Gärten in Potsdam und führte mehrere Anlagen für den Berliner städtischen Gartendirektor Gustav Meyer aus. Ab 1873 wirkte er als Direktor des königlichen Großen Gartens in Dresden. 1893 erhielt Bouché den Titel eines königlichen Obergartendirektors und war nun für alle Hofgärtner in Dresden und Umgebung hauptverantwortlich. 1922 legte er sein Amt zurück.

Den zwei Generationen später lebenden Reinhold Lingner (1902–1968) verband mit Bouché der nahe gelegene Geburtsort, denn Erstgenannter wurde in Charlottenburg bei Berlin geboren. Er begann nach einer Gärtnerlehre in den Baumschulen der Firma "L. Späth" bei Berlin und anschließenden Wanderjahren ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart. 1925 bis 1927 studierte Lingner Gartenarchitektur an der Höheren Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem. Danach gestaltete er für den "Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge" Soldatenfriedhöfe. Wegen seiner Ehe mit der Kommunistin und Künstlerin Alice wurde er 1933 aus dem öffentlichen Dienst entfernt. 1945 entwickelte Lingner als Leiter des Berliner Hauptamtes für Grünplanung die Pläne für die Begrünung der Trümmerhügel. Ab 1947 war er leitend am Institut für Bauwesen der Deutschen Akademie der Wissenschaften, ab 1951 an der Deutschen Bauakademie tätig. Heute noch kann man seine Planung, Projektierung und künstlerische Leitung der "1. Internationalen Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder" (iga'61) am Gelände in Erfurt nachvollziehen. Der relativ früh verstorbene Landschafts- und Gartenarchitekt liegt mit seiner Frau in einem Grab am Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin (Abb. 9); auf jenem Friedhof, in dem sich die 1951 neu entstandene, von ihm mitgestaltete "Gedenkstätte der Sozialisten" befindet. Der Grabstein des Ehepaars Lingner gibt keinen Hinweis auf deren Berufe, nur die Namen sowie die Geburts- und Sterbejahre sind am Stein vermerkt.

Gartenarchitektur Friedhöfe
11 Inschriftentafel am Grab von Wenzel Hybler am Hietzinger Friedhof (Wien), 2019. Foto: Christian Hlavac
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12 Grabstelle Fritz Kratochwjles am Heiligenstädter Friedhof (Wien), 2025. Foto: Christian Hlavac
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13 Grabstätte von Yella (Jella) Hertzka am Döblinger Friedhof (Wien), 2013. Foto: Christian Hlavac

Nicht-Wiener als Wiener Stadtgärtner

Erst im Zuge der Entfestigung und der damit einhergehenden Stadterweiterung ab den späten 1850er-Jahren erhielt Wien eine eigene Gärtnerstelle für die nun entstehenden kommunalen Grünflächen. Zuständig war der in Leipzig geborene Hermann Rudolph Siebeck (1812–1878), der bereits ab November 1860 für die Gemeinde Wien arbeitete, jedoch noch nicht angestellt war, sondern selbstständig agierte. Erst im September 1861 hielt Siebeck eine Art Dienstvertrag als provisorisch angestellter Stadtgärtner in Händen. Das Provisorium dauerte sehr lange, denn erst sechseinhalb Jahre später beschloss der Wiener Gemeinderat, den Stadtgärtner definitiv anzustellen.

Siebeck wurde als Gärtner in den herzoglichen Gartenanlagen in Altenburg (Thüringen) ausgebildet. Im Jahr 1839 folgte er dem Ruf des russischen Zaren Nikolaus und übernahm für drei Jahre die Leitung der Gärten von Łazienki bei Warschau. Den Posten des Ratsgärtners in seiner Heimatstadt Leipzig trat Siebeck 1846 an; eine Tätigkeit, die er zwölf Jahre ausübte. Seine spätere Tätigkeit als Wiener Stadtgärtner endete Mitte der 1870er-Jahre auf eigenen Wunsch: Anscheinend dürfte Siebeck 1876 einerseits immer stärker werdende Gesundheitsprobleme bekommen haben, andererseits von der Kritik an seiner Person und seinen Planungen genervt gewesen sein. Nach dem angenommenen zweiten Pensionsgesuch aus Oktober 1877 übersiedelte Siebeck in die steirische Landeshauptstadt Graz, wo er im folgenden Jahr starb und beerdigt wurde. Trotz der Spannungen war ihm und seiner Familie die Funktion als Wiener Stadtgärtner anscheinend sehr wichtig, wie das Familiengrab (Abb. 10) zeigt: Das steinerne Grabkreuz wird von einem mehrstufigen Sockel getragen, wobei der zentrale Teil des Sockels eine Inschriftentafel mit dem Text "Dem Schöpfer der Wiener Parkanlagen" aufweist.

Einer seiner Nachfolger als Wiener Stadtgärtner war Wenzel Hybler (1847–1920), der in Horní Cetno (Böhmen) als Sohn von Bauern geboren wurde. Nach dem Besuch der niederen Gartenbauschule der k. k. Gartenbau-Gesellschaft in Wien arbeitete er spätestens ab Jänner 1874 als Gartengehilfe in verschiedenen Hofgärten in Wien. Seit spätestens 1881 im Dienst der Stadt Wien, übernahm Hybler 1896 als "städtischer Obergärtner" die Leitung des städtischen Gartenwesens. 1902 wurde ihm der Titel eines Stadtgarteninspektors und 1905 eines Stadtgartendirektors verliehen. Die wichtigste Arbeit in seiner 1918 endenden Amtszeit war die Erweiterung des Türkenschanzparks (1908 bis 1910). Die Grabinschriftentafel am Hietzinger Friedhof (Wien) weist auf seinen Titel "Stadtgartendirektor von Wien" hin (Abb. 11).

Als sein Nach-Nachfolger trat 1927 Fritz Kratochwjle den Dienst als Leiter des städtischen Gartenwesens an. Der 1882 im niederösterreichischen Pottendorf geborene Kratochwjle lernte ab 1900 an der Höheren Obst- und Gartenbauschule in Eisgrub (heute Lednice). Nach dem Abitur brach er zu einer Studienreise nach Deutschland auf, wo er unter anderem acht Monate lang in Erfurt in der Gärtnerei von Otto Putz praktische Erfahrung sammelte. 1905 trat er in den Dienst der Stadt Wien ein; als Gartentechniker im Entwurfsbüro des Stadtgartenamts. Die Tatsache einer eingeschränkten körperlichen Bewegungsfähigkeit benutzten 1938 die neuen Machthaber in Wien, um die Zwangspensionierung Kratochwjles in die Wege zu leiten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges suchte er erfolgreich um Aufhebung der frühzeitigen Pensionierung und um Wiedereinstellung als vorläufiger Gartendirektor an. 1950 ging Kratochwjle in Pension und verstarb bereits im April 1956. Am Grabstein (Heiligenstädter Friedhof, Wien) wird auf seinen Titel "Stadtgartendirektor" hingewiesen (Abb. 12).

Pionierin

Wer die Berufsgruppe der Gärtner im Wien der Zwischenkriegszeit einer genaueren Betrachtung unterzieht, dem fällt auf, dass sowohl die neu entstandenen Gartenbauschulen für Mädchen und Frauen als auch einige der ebenfalls neu gegründeten Staudenbetriebe von Frauen geleitet wurden. Pionierin in diesem Bereich war die 1873 in Wien geborene Yella Hertzka, die an der "Rheinischen Obst- und Gartenbauschule für Frauen" in Bad Godesberg ausgebildet wurde. Sie war übrigens die erste Österreicherin an dieser Schule. Die auch in der Frauen- und Friedensbewegung sehr engagierte Hertzka eröffnete 1912 eine Gartenbauschule für Frauen in Wien-Grinzing, die sie bis zu ihrer Emigration 1938 nach London leitete, wo sie ihren Lebensunterhalt als Gärtnerin verdiente. Nach ihrer Rückkehr verstarb sie 1948 völlig unerwartet an einem Herzschlag. Am Grabstein im jüdischen Teil des Döblinger Friedhofs (Wien) sind nur ihr Name und jener des Ehemanns vermerkt (Abb. 13).

Fazit

Zieht man die hier vorgestellten und weitere, hier nicht genannte Grabstellen von Gärtnern in Deutschland und Österreich heran, lassen sich kaum Gemeinsamkeiten finden; weder im Aussehen, noch bei den Grabinschriften als potentielle Zeichen eines selbstbewussten Auftretens der "grünen" Branche. Auffallend ist der sehr geringe Einsatz stilisierter Pflanzen auf bildhauerisch gearbeiteten Grabsteinen. Nur ein "roter Faden" wird sichtbar: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab man nur mehr sehr selten den Beruf der Verstorbenen an, von fachspezifischen Berufstiteln und Auszeichnungen ganz zu schweigen.

Literatur

Gröning, Gert, Wolschke-Bulmahn, Joachim: Grüne Biographien. Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Berlin 1997.

Hlavac, Christian: Hannoversche Gärten in Berichten österreichischer Hofgärtner Ende des 19. Jahrhunderts. In: Hannoversche Geschichtsblätter 77. Hannover 2023, S. 117–131.

Karner, Erika: Zwischen Gartenbau und Gartenkunst. Gärtner und Gartengestalter in Wien und Umgebung 1918–1945. Innsbruck 2020.

Wacker, Jörg: Georg Potente (1876–1945). Die Entwicklung vom Gartengestalter zum Gartendenkmalpfleger zwischen 1902 und 1938 in Potsdam-Sanssouci. Dissertation. Potsdam 2003.

Wimmer, Clemens Alexander (Hrsg.): Ein Gärtner auf Grand Tour. Emil Sellos Tagebuch seiner Europareise 1838–1840. Ilmtal-Weinstraße 2020.

Dr.- Ing. Christian Hlavac
Autor

Gartenhistoriker und Gartentouristiker am Zentrum für Garten, Landschaft und Tourismus, Wien

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