Martin Döring, Susanne Kost

Garzweiler – Eine Spurensuche

Martin Döring, Susanne Kost: Garzweiler – Eine Spurensuche

  • Verlag Westfälisches Dampfboot 2020
  • 274 Seiten
  • 30,00 Euro
  • ISBN: 978-3-89691-272-5

Verlag Westfälisches Dampfboot 2020, 274 Seiten, 30,00 Euro, ISBN: 978-3-89691-272-5.

Bundestag und Bundesrat haben im Juli 2020 den Kohleausstieg in Deutschland bis spätestens 2038 beschlossen. Der Tagebau Garzweiler steht für den Verlust von Orten und Landschaft, von Gemeinschaft und Alltagsbeziehungen durch den Kohleabbau, um unsere Energiesicherheit zu gewährleisten.

Das Buch stellt empirisch fundiert, methodisch sorgfältig bearbeitet und gut lesbar die Folgen für die Menschen rundum den Tagebau und dessen Folge(n)landschaft dar. In Interviews wird der Blick von AnwohnerInnen und beruflich beteiligten Personen auf den Braunkohlentagebau und den Planungsprozess erkundet. Sie wurden im Vorfeld der Planungswerkstatt "Tagebaufolge(n)landschaft Garzweiler II" geführt.

Nach der Dokumentation analysieren Döring und Kost die gegenwärtigen Lebenssituationen von Umsiedlern und zukünftigen Tagebaurandbewohnern, den Umgang mit ihrem Heimatverlust, die komplexen sozialen, baulich-räumlichen und persönlichen Veränderungsprozesse sowie ihre Bewältigungsstrategien und verknüpfen sie mit interessanten Aussagen aus der Literatur. Was bewegt die Menschen in Bezug auf ihre Zukunft? Was bedeutet es, wenn die Heimat und mit ihr Orte der Erinnerung in einem gewaltigen Loch verschwinden? Ist Zukunft ohne Vergangenheit denkbar?

Der Poetry Slammer Marco Jonas Jahn hat auf Basis von Interviewauszügen ein Gedicht geschrieben und zu Beginn der Planungswerkstatt vorgetragen, um auch die Fachleute für emotionale Aspekte zu sensibilisieren. Ein zweites Gedicht entstand bei der Planungswerkstatt. Beide sind im Buch nachlesbar und zeigen die Stärken eines poetischen Beitrags. Das Buch zeigt wie bereichernd und klärend Interviews in Beteiligungsprozessen sind, um die Vielfalt an Perspektiven zu erfassen. Es wird kein Wunschkatalog ermittelt. Durch das Verstehen der Vergangenheit gibt es Erkenntnisse, die Ansätze für eine Verständigung liefern, um eine regionale Zukunft zu gestalten. Deutlich wird die Diskrepanz zwischen den großräumigen, komplexen und langfristigen Betrachtungen der Fachleute und der kleinräumigen, auf die nahe Zukunft gerichtete Sicht der AnwohnerInnen. Es ist eine Herausforderung, der wir uns als PlanerInnen stellen müssen. Nicht nur dazu liefert das Buch eine gute Grundlage.

Verone Stillger

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2021 .

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