Seengesundheit

Gefährlicher Trugschluss bei der Bekämpfung von Blaualgen

Phosphor ist ein wichtiger Nährstoff für Giftstoffe produzierende Blaualgen. Nicht nur er muss Gewässern entzogen werden, sondern auch Stickstoff, um die Gewässergesundheit zu erhalten. Foto: Christian Fischer, CC BY-SA 3.0

Blaualgen können Giftstoffe produzieren und Seen Sauerstoff entziehen, wenn sie absterben. Phosphor ist für sie ein wichtiger Nährstoff. Bisher wurden deshalb überall auf der Welt Milliardenbeträge investiert, um den Gehalt an Phosphor zu verringern und so das Wachstum dieser "Cyanobakterien" zu hemmen. Doch wenn die Gesamtzahl an Bakterien abnimmt, steht den verbleibenden Bakterien mehr eines anderen wichtigen Nährstoffs zur Verfügung: nämlich Stickstoff. Nun hilft eine höhere Stickstoffkonzentration hauptsächlich den Blaualgen, die daraus ein Gift produzieren, das sie vor Schäden durch Oxidation schützt. Die Verringerung von Phosphor führt also zu einem Vorteil für die besonders giftigen Blaualgen-Stämme, was wiederum zu einer Zunahme der Giftstoffe im See führen kann.

Diesen Zusammenhang haben Forschende der Technischen Universität (TU) Berlin nun erstmals in einem Beitrag für das interdisziplinäre Fachmagazin Science beschrieben. Darin simulieren sie für den Eriesee an der Grenze zwischen den USA und Kanada das Verhalten der Blaualgen mit Hilfe eines "agentenbasierten" Modells. Sie fordern ein Umdenken beim Gewässermanagement, das neben der Reduzierung von Phosphor auch die Verringerung des Stickstoff-Eintrags in Gewässer zum Ziel haben müsse.

Auch Stickstoff müsste massiv reduziert werden

Im Ergebnis führt also eine Phosphorreduktion zwar zu weniger Blaualgen insgesamt, aber im Verhältnis zu mehr giftproduzierenden Blaualgen - und zwar zu so viel mehr, dass die Menge an Giftstoff im See auch absolut zunimmt. "Diese Erkenntnis bedeutet einen wirklichen Wendepunkt für das Management von Gewässern. Will man die Giftstoffe von Blaualgen reduzieren, muss man nicht nur den Eintrag von Phosphor in die Seen verringern, sondern auch von Stickstoff, der ebenfalls in der Landwirtschaft in großen Mengen als Dünger verwendet wird", erklärt Ferdi Hellweger. Da das mit erheblichem zusätzlichem Aufwand verbunden wäre, stehen nun praktisch alle Programme zur Gesunderhaltung oder Sanierung von Seen auf dem Prüfstand - auch das für den Eriesee, bei dem sich die USA und Kanada verpflichtet haben, die Menge an Phosphor um 40 Prozent zu reduzieren, was mit knapp 40 Millionen US-Dollar pro Jahr alleine für die Landwirtschaft der USA erhebliche Kosten hat.

Weitere Informationen über Prof. Dr. Ferdi Hellweger, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wasserreinhaltung, Tel.: 0 30/3 14-2 58 47, ferdi.hellweger@tu-berlin.de.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 07/2022 .

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